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Wie thematisieren die Architekturhäuser in Österreich den Einfluss des Bauens auf den Klimawandel? Welche Rolle spielen Ökologie und Nachhaltigkeit in der Architekturvermittlung? Verena Jabkoubek-Konrad leitet seit 2013 das Vorarlberger Architektur Institut (vai). Sie hat sich auch für House Europe! engagiert, eine europäische Bürgerinitiative, die nun in Right to Housing! weiterlebt. Im Gespräch erzählt sie, warum die Klimaanpassung trotz politischer Rückschritte heute dringlicher ist denn je und wie das vai durch Wissensvermittlung die Transformation unterstützen will.

„Das Thema ökologisches Bauen ist in Vorarlberg, vor allem mit Fokus auf den Werkstoff Holz, seit Mitte der 1990er-Jahre verankert, also noch vor der Gründung des vai 1997. Das Thema ist stark aus der Architektur, dem Handwerk und auch aus der Bauwirtschaft selbst gekommen, das wirkt bis heute kulturell nach. Für uns im vai besteht die Aufgabe darin, zu reflektieren: Was sind die aktuell wichtigen Themen? Wer sind die zentralen Akteur:innen und Organisationen und wo können wir durch unsere Arbeit transformationsverstärkend oder auch transformationsanregend wirken?
Ein Thema, das uns schon lange beschäftigt, ist neben dem Holz- und Lehmbau der Umgang mit baulichem Bestand. Hier sind wir seit mehreren Jahren aktiv und prägen den Diskurs auch über Vorarlberg hinaus. Wir tragen das Thema in die Öffentlichkeit und stellen es in den Kontext der politischen Debatte. Das reicht von der Involvierung in europäische parlamentarische Initiativen wie House Europe! bis zum lokalen architekturpolitischen Engagement für den Erhalt der Südtiroler Siedlungen. Wir entwickeln unsere Programme vorausschauend, indem wir genau diese Diskurse aufgreifen. Wir versuchen auch stark netzwerkprägend zu sein, indem wir die Akteur:innen zusammenbringen und Gelegenheiten stiften, damit Menschen und Organisationen ins Gespräch kommen. Heuer finden zum Beispiel die Impact Days von Renowave bei uns zum Thema klimaneutrale Sanierung statt. Gleichzeitig zeigt ZirkuLIE, das Zentrum für zirkuläres Bauen Liechtenstein, bei uns eine Ausstellung. Wir bemühen uns immer um solche Gleichzeitigkeiten, um möglichst öffentlichkeitswirksam zu sein.
Die genannten Themen sind sehr groß und die gefühlte Ohnmacht bei vielen Akteur:innen auch. Für viele, die hier etwas bewegen wollen, ist es sehr frustrierend, dass alles so langsam geht. Ein solches Momentum ist auch die Rücknahme der Klimaschutzagenden im Bund. Für viele, die im Bereich der Klimawandelanpassung tätig sind, ist dieser Zickzackkurs schwierig, weil große Investitionen, Personalplanungen und Forschungsprojekte auf diesen Kurs ausgerichtet waren und plötzlich die Mittel dafür fehlen. Das ist bitter für alle, die sich hier engagieren. Wir in der Vermittlungsarbeit und im Wissenstransfer versuchen nach wie vor, diese Themen weiterzuverfolgen und hochzuhalten. An der Relevanz und Notwendigkeit einer Klimawandelanpassung hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: Sie ist noch viel größer geworden. Unser Ansatz ist, die Menschen bei ihren Alltagserfahrungen abzuholen und daraus einen Diskurs abzuleiten. Indem wir den Diskurs stärken, hoffen wir, dass es auch wieder zu einem Einlenken zugunsten politisch legitimierter Investitionen kommt. Die bauliche Klimaanpassung ist eines der wichtigsten Themen in diesem Bereich.
Weil uns das Thema der Materialwende und hier auch besonders der Lehmbau sehr wichtig sind, haben wir diesen Sommer eine Ausstellung mit Anna Heringer gezeigt. Anna Heringer hat eine Praxisprofessur an der Universität Liechtenstein, die für uns die nächstgelegene Institution für Bildung und Ausbildung in diesem Bereich ist. Wir wollen dazu beitragen, dass diese Bewegung wächst, und investieren viel Zeit und Mittel, damit sie stärker wahrgenommen wird.
Dass das vai als Verein organisiert ist, halte ich für mehr als eine formale Frage. Es bedeutet, dass unsere Agenda von den Menschen getragen wird, die sich gerade engagieren – das macht uns beweglicher als größere Institutionen, aber auch abhängig von diesem Engagement. Ich sehe darin durchaus eine Parallele zu dem, wofür wir inhaltlich stehen: Initiativen wie House Europe! leben von genau demselben Prinzip, dass Wandel von unten entsteht, aus zivilgesellschaftlichem Engagement. Wir haben einen aktiven Vorstand und viele Menschen, die mit konstruktiver Energie mitgestalten wollen. Das macht die Arbeit sehr sinnstiftend und freudvoll.“

Verena Jakoubek-Konrad ist promovierte Kunst- und Architekturhistorikerin und arbeitet als Kuratorin und Autorin. Seit 2013 leitet sie das Vorarlberger Architektur Institut (vai), zuvor unterrichtete sie an der Universität Innsbruck und der Kunstuniversität Linz, 2025 war sie Gastprofessorin am future.lab der TU Wien; 2018 war sie Kommissärin des österreichischen Pavillons auf der Architekturbiennale Venedig

»nextroom fragt« Architekt:innen, Bauherr:innen und Expert:innen. Die Gesprächsreihe zum nachhaltigen Bauen wird konzipiert und betreut von Anne Isopp. Im Gespräch werden unterschiedliche Dimensionen des nachhaltigen Bauens eingefangen, auf konkrete Bauten Bezug genommen und individuelle Sichtweisen abgefragt. Einige der Gespräche sind als Podcast auf morgenbau.at zu hören.