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Die 15-Minuten-Stadt im Spiegel globaler Veränderungen
Im Gespräch mit Parag Khanna
Die 15-Minuten-Stadt ist zu einem Begriff mit weltweiter Verwendung geworden. Das aber birgt die Gefahr der Vereinfachung. Wir sprachen mit Parag Khanna, Autor und Strategieberater, der sich mit globalen Wanderungsbewegungen im Zeichen der Klimakrise auseinandersetzt: Welche Erfahrungen lassen sich übertragen und wo liegen die Grenzen einer solchen Betrachtungsweise?
Gibt es demnächst „Neue Straßen“? Ende eines räumlichen Dogmas
Die herkömmliche Straße ist am Kollabieren. Nicht der Dauerstau der Autos ist die Ursache – die Straße selbst steckt in einer Sackgasse. Die Klimakrise hat die Mobilitätswende weg vom Auto unausweichlich gemacht. Die Straße wird nicht verschwinden. Sie wird aber in ihrer heutigen Form in Frage gestellt durch die notwendige Gleichberechtigung anderer Fortbewegungsmittel und die Forderung, wieder ein Aufenthaltsraum für alle zu werden – die Pandemie führt die teils groteske Unwirtlichkeit der Straßen vor Augen. Das hat Folgen für den Stadtraum und birgt neue Chancen für Architektur und Städtebau.
Bauwelt Kongress 2020
Architektur und Städtebau sind zurzeit wie nie gefordert, ihre Grundlagen zu überdenken. Die Bauten vor unserer Haustür sind aber keine Knetmasse, die sich nach Bedarf umformen lässt. Wir brauchen deshalb eine robuste Architektur und eine robuste Stadt – so formulierten wir das Leitmotiv unseres Kongresses am 3. und 4. Dezember 2020.
Zunkunft Zwanzigeinundzwanzig
Optimismus und Zuversicht prägen die Nachrichten der zurückliegenden Tage, Licht am Ende des Tunnels ist erkennbar. Und auch für Architektur und Stadtplanung wird diese Krise schon bald in die zweite Reihe treten. Denn die großen Fragen, die Wohnungsbau, Klimakrise, Mobilität und Identität stellen, bleiben.
Städtebaulicher Wettbewerb zum großen Berlin und zu Brandenburg
Wie sieht die Zukunft der Metropolregion Berlin aus? Ein vom Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg AIV ausgelobter internationaler Wettbewerb blickt 50 Jahre nach vorne und sucht Perspektiven für die Transformation. Die Ergebnisse sind enttäuschend. Die Fixierung auf „Realismus“ und massive Verdichtung sind Ausdruck einer Haltung, die sich der dringlichen Auseinandersetzung mit neuen städtischen Lebensmodellen verweigert.
Wir waren nie Kämpfer gegen etwas, wir waren immer Kämpfer für etwas
Mies, Scharoun, Herzog & de Meuron
Jaques Herzog über sein Museum am Kulturforum
Um den Platz und die Kosten für den Erweiterungsbau von Mies van der Rohes Nationalgalerie am Kulturforum ist noch einmal kräftig gestritten worden. Das Museum des 20. Jahrhunderts, wichtigster Berliner Kulturbau der kommenden Jahre, ist jetzt in der Spur. Jacques Herzog gibt Auskunft über den Stand der Planung.
Ein Tor zur Hamburger City wurde zersägt
Wie beurteilt man eine Zeit, die ihre besten Stücke mutwillig in den Orkus schmeißt? Jeder Hamburg-Besucher erkannte – sobald er den Hauptbahnhof verließ – die markante Vierer-Figur des Cityhofs von Rudolf Klophaus am Klosterwall. Vorbei. Wir zeigen vier Bilder, die Oliver Heissner gemacht hat, kurz bevor das Ensemble vom Erdboden verschwand. Eine geschlossene Ziegelwand soll die herausragende Architektur künftig ersetzen.
Baustaatssekretärin Anne Katrin Bohle im Interview Boris Schade-Bünsow und Kaye Geipel
Lässt sich der Tiger reiten, wenn es um neue Kunstformen geht?
Die Architektin Liz Diller spricht über die lange Entwicklungsgeschichte von „The Shed“, das zu seiner Entstehung im Krisenjahr 2008 nicht viel mehr war als eine verrückte Idee für einen neuen Ort der Kunst. Das Gespräch startet mit einer einfachen Streichholzschachtel. Deren Hülle ist so perforiert, dass sie das Teleskop-Prinzip deutlich macht, mit dem sich die Institution den öffentlichen Raum aneignet.
Ist die Lehre der Stadt an den Hochschulen noch zeitgemäß?
Stadt lehren. Aber wie?
Die Differenzierung der Lehrinhalte von Städtebau und Urban Design findet an den Hochschulen längst statt, viele schreiten mit neuen Inhalten voran. Sie analysieren etwa die ernüchternden Auswirkungen des „Investment Urbanism“ auf den neuen Wohnungsbau und entwerfen Alternativen, sie suchen nach den „Commons“ bei der Gestaltung neuer Quartiere und vergleichen, wie die Machtverhältnisse bei der Umsetzung städtebaulicher Projekte in anderen Ländern gehandhabt werden. Mit der Differenzierung stellt sich aber auch die Frage, ob die Berufsbilder des Architekten und Stadtplaners heute immer mehr zerfallen. Ein Grund zur Sorge?