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Profil

Wojciech Czaja, geboren in Ruda Śląska, Polen, ist freischaffender Journalist für Tageszeitungen und Fachmagazine, u.a. für Der Standard, Architektur & Bauforum, VISO, db Deutsche Bauzeitung, und DETAIL. Er ist Autor zahlreicher Wohn- und Architekturbücher, u.a. Wohnen in Wien (2012), Zum Beispiel Wohnen (2012), Überholz (2015) und Das Buch vom Land. Geschichten von kreativen Köpfen und g’scheiten Gemeinden (2015). Zuletzt erschien HEKTOPOLIS. Ein Reiseführer in hundert Städte im Verlag Edition Korrespondenzen. Er arbeitet als Moderator und leitet Diskussionsrunden in den Bereichen Architektur, Immobilienwirtschaft und Stadtkultur und veranstaltet unter dem Titel Ähm, ja also... Praxis-Workshops zum Thema Kommunikation und Präsentation. Er ist Dozent an der Universität für Angewandte Kunst in Wien sowie an der Kunstuniversität Linz und unterrichtet dort Kommunikation und Strategie für Architekten. Außerdem ist er von 2015 bis 2021 Mitglied im Stadtbaubeirat in Waidhofen an der Ybbs.

Publikationen

Wir spielen Architektur. Verständnis und Missverständnis von Kinderfreundlichkeit, Sonderzahl-Verlag, Wien 2005
periscope architecture. gerner gerner plus, Verlag Holzhausen, Wien 2007
Stavba. Die Strabag-Zentrale in Bratislava, Wien/Bratislava 2009
Light/Night. The Nouvel Tower in Vienna, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2010
Wohnen in Wien. 20 residential buildings by Albert Wimmer, Springer Verlag, Wien 2012
Zum Beispiel Wohnen. 80 ungewöhnliche Hausbesuche, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2012
Überholz. Gespräche zur Kultur eines Materials, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2015
Das Buch vom Land. Geschichten von kreativen Köpfen und g’scheiten Gemeinden, Wien 2015
Der Fuß weiß alles. Markus Scheer, Ecowin Verlag, Wals bei Salzburg 2016
Der Erste Campus, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2017
motion mobility. Die neue ÖAMTC-Zentrale in Wien, Park Books, Zürich 2017
Hektopolis. Ein Reiseführer in hundert Städte, Edition Korrespondenzen, Wien 2018

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Artikel

8. Mai 2008 Der Standard

Der Horst über dem Grätzel

Das Programm der Wiener Architekturtage 2008 ist umfangreich wie eh und je. Geführte Touren durch die Bezirke führen in manche entlegenen Winkel. Geboten wird auch ein Service für angehende Bauherren.

„Das Jahr 2008 ist ein neuralgischer Zeitpunkt“, sagt Georg Pendl, Präsident der Bundeskammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten: „Ab heuer leben weltweit mehr Menschen in Städten als in ländlichen Gebieten. Und das städtische Wohnen wird auch weiterhin stark zunehmen.“ Hinzu komme, dass Mitteleuropäer im Durchschnitt 90 Prozent ihrer Lebenszeit in Gebäuden verbringen - da solle noch jemand sagen, dass die Gestaltung von Gebäuden nicht wichtig sei.

Doch nur ein Teil des Wiener Baugeschehens ist auch wirklich sichtbar. Viele Projekte entstehen am Stadtrand, in den Untiefen alter Erdgeschoßlokale oder aber in luftiger Höhe, hoch über den Dächern der Stadt. Im Rahmen geführter Grätzeltouren kann man sich ein Bild davon machen, wie die still vonstatten gehenden Umbauten die Stadt nach und nach verändern. In viele Gebäude wird am Freitag und Samstag freier Eintritt gewährt. Und in so manchem Horst auf dem Dache eines gründerzeitlichen Hauses - da kann man sich sicher sein - verbringen die Bewohner weit mehr Zeit ihres Lebens als irgendwo anders.

Neben vielen Privatbauten und Wohnhäusern werden auch ungewöhnliche und nicht ganz alltägliche Projekte unter die Lupe genommen. Gezeigt werden unter anderem: die Autobus-Großgarage der Wiener Linien in Wien-Leopoldau; das eben fertiggestellte Bürogebäude Skyline in der Spittelau; die Beton-Mustersiedlung 9=12 in Hadersdorf; die Kabelwerk-Gründe in Wien-Meidling, die in enger Zusammenarbeit mit den Anrainern und zukünftigen Bewohnern geplant wurden; die Erweiterung der Wiener Stadthalle; oder etwa ein Wohnheim für obdachlose Seniorinnen und Senioren.

Bauen ist keine Hexerei

Wichtiger denn je ist das Thema Ressourcenschonung und Energieeffizienz. Nicht alle können sich realistisch vorstellen, wie diese medial ausgeschlachteten Schlagworte mit dem eigenen Haus und Heim in Einklang zu bringen sind. Ein Passivhaus zu bauen ist heute keine Hexerei mehr. Das Know-how ist weit gediehen, die Baukosten sind in den letzten Jahren stark gesunken, Portemonnaie und Mutter Natur werden einen solchen Entscheid langfristig zu schätzen wissen. Eine Bustour zu einigen auserkorenen Bauvorhaben lüftet das Geheimnis des niedrigenergetischen Bauens.

Wer nicht nur Tipps und Ratschläge zum ökologischen Bauen sucht, sondern generelle Informationen benötigt, ist in der Architekturgalerie OFROOM gut aufgehoben. Unter dem Titel „Wie komme ich zu meinem Traumhaus?“ stehen an beiden Tagen Architekten und Finanzexperten angehenden Bauherren mit Rat und Tat zur Seite. Nur die Wahl des Architekturbüros muss man dann noch selbst treffen. Über 80 Ateliers öffnen ihre Türen, um von Besucherinnen und Besuchern auf Herz und Nieren geprüft zu werden.

7. Mai 2008 Der Standard

„Nur nicht den goldenen Mittelweg“

Der Wohnbau in Österreich ist in einer verzwickten Lage. Die Baukosten steigen, gleichzeitig werden die Ansprüche immer größer. Wie man mit dieser Schere umgeht, fragte Moderator Gerfried Sperl.

Bauen ist so teuer wie noch nie, darin war man sich beim vorgestrigen Montagsgespräch zum Thema „Kostenspirale im Wohnbau“ einig. „Die Zeit des billigen Bauens ist zweifellos vorbei“, sagte Carl Hennrich, Geschäftsführer des Fachverbandes Stein- und Keramikindustrie, „die Rohstoffpreise, vor allem im Bereich Stahl und Beton, haben seit Anfang 2006 einen Zuwachs im zweistelligen Bereich verzeichnet.“

„Die Bauwirtschaft ist im Vergleich zu früher gut ausgelastet und die Firmen sind nicht mehr gezwungen, um jeden Preis die Projekte zu ergattern“, sagte Karl Wurm, Obmann des Österreichischen Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen (gbv). Die Nachfrager seien gegenüber den Anbietern stark in der Überzahl: „Wir können von einem regelrechten Oligopol sprechen.“ Während die Baukosten, die Grundstückspreise und die Mieten kontinuierlich steigen, hinken Einkommen und Förderungen jedoch hinten nach. Fakt ist: Seit 1997 wird die Wohnbauförderung nicht mehr indexiert. Und das schlägt sich letzten Endes auf die Bewohnerinnen und Bewohner nieder.

Oder aber man wirkt dem entgegen: „Bei den Grundstücken können Sie nicht einsparen, bei den Baukosten auch nicht, und auch am Kapitalmarkt ist nicht zu rütteln“, so Wurm, „bleibt also nur noch der Bereich der Planung“.

Sehr wohl könnte man bei den Baukosten einsparen: „Die Vorschriften der Bauordnung und die Förderrichtlinien zu befolgen ist sehr teuer“, entgegnete Architektin Bettina Götz (ARTEC Architekten), „es gibt manche Fassadenplatten, mit denen auf der ganzen Welt Hochhäuser verkleidet werden. Nur in Österreich sind sie verboten, da sie nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprechen.“

Nirgendwo auf der Welt gebe es einen so hohen technischen Standard wie in Österreich, sagte Georg Pendl, Präsident der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten. „Natürlich können wir die Ansprüche zurückschrauben und auf einem Niveau wie in Großbritannien bauen, doch wenn's dann irgendwo reintropft, kommen die Beschwerden.“

Und der Wiener Wohnbaustadt Michael Ludwig erklärte, einer der wichtigsten Aspekte im Wohnen sei die soziale Durchmischung. Dazu müssten zwei Spielregeln befolgt werden: „Der Wohnbau muss für sozial Schwächere leistbar bleiben, gleichzeitig aber müssen die Projekte interessant genug sein, um auch den gehobenen Mittelstand anzusprechen.“

Neue Situation

Österreich befindet sich in einer neuen Situation. Der Mittelstand bricht allmählich weg, die Mobilität der Bewohner steigt, es gibt immer mehr Haushalte, Scheidungsrate und Alterung nehmen zu. So lange wie möglich müsse man die Bewohner in ihren Wohnungen halten, Abstriche im Bereich Sicherheit, Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit seien nicht möglich, sagte Karl Wurm. „Wir werden es uns nicht leisten können, für die vielen älteren Bewohner neue Pensionistenheime zu bauen.“

Wie wird das Problem der Kostenspirale also gelöst? „Wir alle haben Hirnschmalz und Dynamik, und deshalb schaffen wir das“, war man sich einig. „Es geht nicht an, dass jeder weiter in seinem Bereich tätig ist und die Probleme auf andere abwälzt“, sagte Architektin Götz. Die Schere zwischen hohen Baukosten und gestiegenen Ansprüchen an die Architektur werde man nur gemeinsam lösen können. „Aber woran ich gar nicht glaube, ist der goldene Mittelweg.“

3. Mai 2008 Der Standard

Experimente? Das kostet extra

Der Wohnbau ist ein wertvolles Gut. Man muss sich nur entscheiden, worin man investiert: in neue Wohnformen oder in den hohen Komfort? Eine Abwägung aus aktuellem Anlass

Hugh Grant war einst „Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam“. Kennen Sie den Film? Grant spielt darin einen Kartografen, der in das walisische Dorf Ffynnon Garw reist, um zu Dokumentationszwecken die Höhe des Dorfberges nachzumessen. Zu verständlich nur, dass es die Bevölkerung in ein Raunen stürzt, als sich der ganze Stolz der Menschen just als Hügel entpuppt. Um ein Äutzerl hat's nicht gereicht. Was machen die Waliser? Sie krempeln die Ärmel hoch und schuften Tag und Nacht, um oben auf der Hügelkuppe Erde aufzuschütten. Am Ende hat man einen Berg.

Die chinesische Stadt Liuzhou lebt vom Kalkstein-Abbau. Ganze vier Berge hatte man bereits abgetragen und dem Erdboden gleichgemacht. Um die so entstandene Lücke mitten im Unesco-Weltnaturerbe wieder zu kaschieren, wurde das niederländische Büro MVRDV beauftragt, einen Entwurf für eine Wohnbebauung auszuarbeiten. Gewünscht hat man sich einen Masterplan für eine weiträumige und flach bebaute Stadt für die Reichen und Schönen. Bekommen hat man was anderes. „Mitten im Unesco-Gebiet ist es der Regierung gelungen, die Berge einfach abzutragen“, sagt Architekt Winy Maas, einer der drei Köpfe von MVRDV, „und so haben wir uns für eine morphologische Rekonstruktion der alten Bergsilhouette entschieden.“ Das Ergebnis ist eine künstliche Architekturlandschaft, die in den alten Steinbruch geklemmt ist. Wie Geröll purzeln die Wohnboxen ins Tal hinab und versuchen wieder gutzumachen, was in jahrzehntelanger Arbeit zerstört wurde.

Für ungewöhnliche Wohnkonzepte ist MVRDV bekannt. Was der Engländer in Wales tat, das machen Winy Maas, Nathalie de Vries und Jacob van Rijs auf der ganzen Welt: Sie verhelfen den Orten zu Identität, geben den Menschen Abenteuer und Qualität. „Man kann mehr zustande bringen, als man glaubt“, sagt Maas, blickt ins Publikum, setzt fort: „Ich kann Sie hören. Sie sagen gerade: Ja, aber das kostet Geld! Und ich sage: Ja, das stimmt. Doch es liegt ganz an Ihnen zu entscheiden, ob Sie diese Investition zugunsten der Identifikation auf sich nehmen oder nicht.“

Madrid hat es auf sich genommen. Bürgermeister Alberto Ruiz-Gallardón war mit den sozialen Wohnbauten im nagelneuen Stadterweiterungsgebiet vor den Toren seiner Stadt wohl nicht so glücklich wie erwartet und kontaktierte daraufhin MVRDV: „Bitte ein Projekt in Blockrandbebauung!“ Und Maas fragte: „Ist es das, was Sie wollen? Sozialer Wohnbau mit Fenstern im Wohnzimmer, die noch kleiner sind als Klofenster?“ Prompt zog MVRDV kräftig am klassischen Häuserblock, richtete ihn schnurstracks in die Vertikale auf und verhalf dem Innenhof auf diese Art zu Höhe und Aussicht. Statt herkömmlicher Trennung zwischen geförderten Wohnungen und teurem Eigentum wurden die Wohneinheiten im Hochhaus Mirador einfach vermischt und ineinander verzahnt. „Wir wollen keine neue Apartheid, wir wollen die sozialen Schichten durchmischen.“

Hohe Baukosten in Österreich

Und nun ist Wien an der Reihe. Für den Bauträger Austria Immobilien (BAI) plant MVRDV in der Donau-City ein Wohnhaus mit rund 200 Wohnungen, zur Hälfte gefördert, zur Hälfte frei finanziertes Eigentum. Bei der Wohnbau-Biennale, die am 24. April im Semper-Depot in Wien über die Bühne ging (kuratiert von Sabine Pollak, Maja Lorbek und Robert Temel), präsentierte Winy Maas seine ersten Entwürfe für den Wohnriegel - und dann zeigte er, was nach langem Hin und Her mit dem Bauträger daraus wurde. Die Unterschiede sind frappierend. „In Wien sind die Anforderungen an den Klimaschutz, an die Nachhaltigkeit und an die Statik enorm, besonders mühsam sind die Gespräche mit der Feuerwehr. Man muss sich genau überlegen, ob man das alles überhaupt bezahlen kann, wenn am Ende auch noch hochwertige Architektur herauskommen soll.“

Die Renderings versprechen ein fesches Haus, keine Frage, doch dieses birgt nur noch einen Bruchteil dessen, was MVRDV ursprünglich geplant hatte. Große Löcher wie in Madrid oder Amsterdam spielt's in Wien nicht, hier greift man auf die Miniaturvariante der kleinen Aussparungen zurück - und davon bitte nicht zu viele. „Eure Gebäudelöcher kosten zwischen 130.000 und 190.000 Euro pro Stück“, sagt Maas, „das sind die teuersten Leerräume, von denen ich je gehört habe!“

Zudem ist die intendierte Vermischung der sozialen Schichten, wie sie MVRDV gefordert hatte, in der Zwischenzeit flöten gegangen. Thomas Jakoubek, Vorstand der WED und Eigentümer des besagten Grundstücks auf der Platte, erklärt: „Der geförderte Wohnbau ist in Österreich ein Nullsummen-Spiel. Auflagen, Vorschriften und Baukosten steigen permanent. Sie müssen als Bauträger schon froh sein, wenn Sie kein Minus bauen.“ Angesichts dieser Umstände ist man wieder dazu übergegangen, nach österreichischer Manier zu trennen: die Armen unten, die Reichen oben. „Ideologisch ist die soziale Vermischung innerhalb eines Hauses ein guter Ansatz, aber in Österreich ist das unrealistisch und unwirtschaftlich.“

Derweil ist in den Medien und in der Architektenschaft eine hitzige Diskussion entfacht. Karl Wurm, Obmann des Verbandes der gemeinnützigen Bauvereinigungen Österreichs (gbv), hatte in einem Gespräch mit dem Standard erklärt: „Ich bin der Meinung, dass gute Architektur auch ohne Sonderwünsche realisierbar und wertvoll ist.“ Gerade in Zeiten mit steigenden Baukosten müsse man als Bauträger versuchen, die Kosten zu reduzieren, „beispielsweise, indem man die Extrawünsche der Architekten einspart“. Das Raunen der österreichischen Architekten war bis nach Wales zu hören.

Fakt ist: Der Wohnbau in Österreich ist so teuer wie nirgendwo sonst auf der Welt. „Wir haben einen sehr hohen Standard, und dazu stehen wir auch“, sagt der Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, „Sicherheit, Klimaschutz und Barrierefreiheit haben einfach ihren Preis.“ In vielen Ländern werde ohne nötige Sicherheitsmaßnahmen gebaut, ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit und ohne Miteinbeziehung behinderter und betagter Menschen. „Ich sehe keinen Widerspruch zwischen diesen Leistungen und innovativer Architektur“, sagt Ludwig. „Eine der grundsätzlichen Fragen, mit denen sich Architekten in Zukunft auseinandersetzen müssen, lautet daher: Wie kann man unter diesen Bedingungen leistbaren Wohnraum schaffen?“

Die entscheidenden Worte fielen dann am Ende der Wohnbau-Biennale im Semper-Depot: „Die Ansprüche der Bewohner steigen, doch gleichzeitig muss das Wohnen leistbar bleiben“, erklärt Wolfgang Förster vom Referat für Wohnbauforschung (MA 50). „Man muss sich endlich entscheiden, was man will, denn beides lässt sich im Rahmen der Kosten des geförderten Wohnbaus nicht vereinbaren: Komfort oder Experiment?“

Architektur und Politik sind nun vor eine neue Aufgabe gestellt. Es gilt, die Leistbarkeit des österreichischen Wohnbaus gegen den Einkauf architektonischer Innovation abzuwägen. Der große Vorteil der österreichischen Wohnbauförderung liegt in den moderaten Preisen, die sich auf den Mieter niederschlagen. Will man das aufs Spiel setzen? Womöglich sind architektonische Spitzenleistungen woanders besser aufgehoben als im geförderten Wohnbau. Womöglich ist ein solider Hügel mitunter beständiger als ein mühsam aufgeschütteter Berg.

In der Wiener Donau-City (ganz oben) soll in den kommenden Jahren ein Wohnhaus entstehen. Ob MVRDV dabei so frei agieren können wird wie im Falle von Madrids Mirador (darunter), ist jedoch fraglich. Viele Füße drücken bereits auf die Kostenbremse.

12. April 2008 Der Standard

Oper für alle

Heute Abend wird in Oslo das neue Opernhaus eröffnet. Land und Leute zogen an einem Strang und ebneten der Architektur den Weg. Das norwegische Büro Snøhetta schuf ein Gebäude für die ganze Stadt. Was will man mehr.

Kennen Sie vielleicht ein Büro namens Schneemütze? In Norwegen kann jedes Kind ein Lied davon singen. Denn Snøhetta ist nicht nur der höchste Berg im Süden des Landes, sondern auch das größte und coolste Architekturbüro weit und breit. „Man weiß schon gar nicht mehr, worüber die Kinder in der Schule zuerst lernen“, sagt die Osloer Journalistin Sissil Gromholt, „über den Berg im Naturkunde-Unterricht oder doch über die Architekten, wenn die Lehrerin wieder mal über Landeskultur spricht.“

Dem nicht genug. Mit 100 Mitarbeitern und etlichen internationalen Projekten ist Snøhetta international ein Renner. 2001 machte sich das Büro mit dem Bau der neuen Bibliotheca Alexandrina in Ägypten einen Namen, in New York bauen sie gerade an einem Memorial für Ground Zero. Snøhetta hat sich aber auch in Österreich einen Namen gemacht. Anfang des Jahres stellte das norwegische Architekturbüro einen Einzelantrag und klagte damit die ÖBB, die mit dem Bau der BahnhofCity in Wien virtuos das Bundesvergabegesetz zu umschiffen versuchten (der Standard berichtete). Die Folge der österreichischen Verschleiertaktik war ein Aufschrei, der weit über die Landesgrenzen hinaus zu hören war. Doch wie kommt ein norwegisches Büro dazu, einen österreichischen Staatsbetrieb zu klagen? Ole Gustavsen, Managing Director von Snøhetta, kurz und bündig: „Aus Prinzip.“

Und während sich die großen Bauherren in Österreich vor der vermeintlich lauernden Gefahr moderner Architektur fürchten und sich hinter dem Mauerwinkel provinziellen Kleingeisttums verstecken, werden in der norwegischen Hauptstadt derweil die Wadeln warmtrainiert. Heute, Samstagabend, eröffnet der größte Kulturbau der letzten Jahrzehnte, das neue Osloer Opernhaus, mit einer Aufführung des norwegischen Nationalballetts. Pressesprecher Sverre Gunnar Haga ist schon aufgeregt. In einer Umfrage der Tageszeitung Nationen erklärten 43 Prozent der Osloer, in Zukunft regelmäßig in die neue Oper gehen zu wollen. Das sind große Pläne. „Die Leute sind sehr neugierig, und was die Eröffnungsgala heute Abend betrifft, wird man uns wohl überrennen.“

Zum Glück gibt es da die Open-Door-Policy, die man in Zukunft fahren wird. Dazu gehören nicht nur zwei Restaurants innerhalb des Gebäudes, die Tag und Nacht geöffnet haben werden, sondern auch das öffentlich zugängliche Dach. „Das ist das einzige Opernhaus auf der ganzen Welt, wo die Besucher auf dem Dach spazieren gehen können“, erklärt Haga nicht unstolz. Schon in der Bauphase pilgerten hunderte Familien regelmäßig hierher, um den Baufortschritt des neuen Juwels zu begutachten. Eines heißen Augusttages im Jahre 2007 zählte man 20.000 Besucher auf dem Dach. Die Statik hat's getragen.

Impulsgeber für die Docks

Zurück zum Anfang: Jahrelang hatte die Politik den Bau einen neuen Opernhauses diskutiert. Das alte Gebäude mitten in der Stadt war ein umgebautes Kino aus den Vierzigerjahren. Die Akustik, erzählt man sich, soll schrecklich gewesen sein. Der Bedarf nach einem Kulturneubau wurde geschickt mit einer städtebaulichen Vision verknüpft. Die da wäre: In unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs, zu Fuß aber Lichtjahre davon entfernt, liegt die ehemalige Hafengegend Bjørvika. Eine achtspurige Schnellstraße zerreißt die Stadt in zwei Teile und macht die ungenutzten Docks nur schwer zugänglich und damit alles andere als attraktiv. Das soll sich nun ändern.

In einem ersten Schritt soll das neue Opernhaus der Bevölkerung deutlich machen, dass man es mit der Revitalisierung der Docks ernst meint. In weiterer Folge wird man hier Büros, Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten ansiedeln. Als wichtiger Schritt wird bis zum Jahr 2011 die Schnellstraße unter die Erde - besser gesagt unter das Wasser - verlegt, damit das neue Viertel wieder an die Stadt angebunden wird. Die Bauarbeiten dafür haben bereits begonnen. Keine fünf Minuten wird man dann zu Fuß vom Hauptbahnhof zur Oper brauchen.

„Der Bau der Oper ist mehr als nur ein einzelnes Projekt“, sagt Architekt Simon Ewings, Projektleiter bei Snøhetta, „es ist die Initialzündung für eine ganze Reihe von Bauvorhaben. Und es ist Resultat dessen, wie Politik, Wirtschaft und Kultur gemeinsam an einem Strang ziehen.“

Dass man es nicht nur auf die Hochkultur und auf gut betuchte Klientel abgesehen hat, zeigt sich bereits an der Landschaftsgestaltung. Wie ein kalbender Gletscher rutscht das Dach der Oper in den Bjørvika-Fjord hinab. Die weißen Eisschollen in Schieflage bieten allerhand Möglichkeiten. Ewings: „Im Sommer hat das Wasser im Fjord manchmal 20 Grad. Hier werden Leute baden und in der Sonne liegen, werden fischen, mountainbiken, Skateboard fahren und werden am Abend am Boden sitzen und schmusen. Und ach ja: In die Oper werden sie auch gehen.“

Die schiefe Ebene, weißer Marmor aus Carrara, ist eine begehbare Dachlandschaft, die in Österreich allein dadurch schon unrealisierbar wäre, weil's jedem Baupolizisten die Haare aufstellen würde. „So eine Neigung? Das ist gegen die Bauordnung!“, hört man den Bürokraten murmeln. In Norwegen jedoch ist das Dach Ausdruck von Demokratie: „Wir wollen nicht nur für einen bestimmen Bevölkerungskreis planen“, sagt Ewings. „Was ist schon eine Oper, wenn sie der Bevölkerung nicht entspricht? Wir wollten ein Gebäude schaffen, das jeder nach eigenem Ermessen nutzen kann - ganz gleich, in welchen Klamotten er hier aufkreuzt.“

Dass das Gebäude nicht nur als städtischer Aussichtsbalkon, sondern auch als Oper taugt, versteht sich von selbst. Im Inneren des harten Glaskristalls liegt das eigentliche Herz des Hauses: das Auditorium. Wie eine dunkle Nussschale schließt es sich nach außen ab und zeigt dem Foyer seine Rückseite. Der wahre Kunstgenuss bleibt verborgen, umgeben von geräucherter Eiche und rotem Samt. „Als der Hörsaal akustisch getestet wurde, saßen alle wie versteinert da und redeten kaum ein Wort“, erinnert sich ein Haustechniker, „als dann das Ergebnis bekannt gegeben wurde, konnten die Architekten nicht aufhören zu grinsen.“

Qualität durch Wettbewerb

Snøhetta, die Schneemütze Norwegens, ist Ausdruck kulturellen Engagements eines ganzen Landes. In Auftrag gegeben vom Ministerium für Kirche und Kultur sowie von der Statsbygg, der staatlichen Immobiliengesellschaft Norwegens, wurde 2000 ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben. Aus 240 Einreichungen ging das Osloer Büro Snøhetta als Sieger hervor. Pünktlich zum heutigen Tag wird das Bauwerk ohne zeitliche und budgetäre Verzögerungen der Öffentlichkeit übergeben.

Wie in der Ausschreibung festgesetzt belaufen sich die Baukosten auf etwa 500 Millionen Euro. Ja, das ist ein Batzen Geld. „Es ist bei Weitem die größte Investition, die der Staat Norwegen jemals in ein Kunstgebäude gesteckt hat“, sagt Projektleiter Simon Ewings, „doch Visionen erfüllen sich nicht von alleine. Man muss sie schon am Schopf packen.“

Warum hat man in Österreich nur so viel Angst vor diesem sichtlich Erfolg versprechenden Modell? Sich an Vergabegesetze zu halten ist keine Knebelei, sondern die Chance auf einsame Spitze.

8. April 2008 Der Standard

„Mehr als nur schön oder schiach“

Österreich und seine regionalen Unterschiede: Eine Architekturreise durch die Landeshauptstädte

Immer mehr Bauherren in den Bundesländern sorgen dafür, dass Architektur verstärkt in den Mittelpunkt rückt. Eine große Rolle spielt dabei der Tourismus.

Wien - „Man kann nicht die gesamte Architekturszene Österreichs über einen Kamm scheren, schon gar nicht kann man alles allein auf Wien konzentrieren“, sagt Georg Pendl, Präsident der Bundeskammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten. Eine der Besonderheiten dieses Landes seien nämlich die regionalen Unterschiede, die von den jeweiligen Szenen gepflogen werden. Verhältnismäßig viele Architekturschaffende gibt es etwa in Graz, Innsbruck sowie in einigen Teilen Oberösterreichs, allen voran in Linz, Wels und in Steyr.

Ein Blick auf das bauliche Geschehen in den Bundesländern lohnt allemal: Vorarlberg bedient sich vorzugsweise des traditionellen und bis zur Perfektion ausgereiften Holzbaus, Tirol brachte mit den Filialen der Lebensmittelkette MPreis die zeitgenössische Architektur direkt unters Volk, in der Steiermark und im Burgenland wiederum kann man auf die unzähligen Weingüter verweisen. Pendl: „Dass sich ein ganzer Wirtschaftszweig, wie das beim Weinbau zweifelsohne der Fall ist, in den vergangenen Jahren dermaßen über die Architektur definiert, ist ein einmaliges Phänomen. Darum beneiden uns viele Europäer.“

Architektur für Laien

Dass Architektur längst kein alleiniges Ballungsraum-Phänomen mehr ist, beweisen auch einige Initiativen in den Bundesländern. Bereits zum vierten Mal finden am 16. und 17. Mai 2008 die Architekturtage statt - ein Kooperationsprojekt der Kammern der Architekten und Ingenieurkonsulenten sowie der Architekturstiftung Österreich, das sich in erster Linie an Laien richtet und die Schwellenangst gegenüber der Architektur schmälern soll. Nicht nur in den Landeshauptstädten, sondern auch in Orten und Städten wie Schrems, Wieselburg, Telfs und Bischofshofen wird an diesen zwei Tagen zu architekturrelevanten Veranstaltungen geladen.

„Vor allem in den Bundesländern hat Architektur in jüngster Zeit mehr Aufmerksamkeit als noch vor zehn Jahren“, erklärt Barbara Feller, Geschäftsführerin der Architekturstiftung Österreich, „wenn die Bevölkerung heute über Architektur spricht, dann dreht sich längst nicht mehr alles nur um Skandale, dann wissen die Leute bereits mehr zu sagen als nur schön oder schiach.“

Laut österreichischem Baukulturreport 2006, in Auftrag gegeben vom Staatssekretariat für Kunst und Medien und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, werden jährlich rund 30 Milliarden Euro in Bauten des öffentlichen und privaten Sektors investiert. Der Anteil der Baubranche an der Gesamtwirtschaft beträgt somit 11,7 Prozent (Stand 2006). Nicht zuletzt arbeiten über acht Prozent aller Erwerbstätigen im Bauwesen. Rund 70 Prozent des gesamten österreichischen Anlagevermögens sind in Immobilien gebunden.

Dass angesichts dieser Zahlen Architektinnen und Architekten vielerorts oft zu wenig ernst genommen werden, hat einen plausiblen Hintergrund: Drei Viertel aller Planungsbüros sind Kleinunternehmen mit ein bis neun Personen. Viele davon sind nicht nur im Bereich Architektur tätig, sondern arbeiten oftmals an der Schnittstelle zu Kunst und Design. Die Grenzen zur Architektur sind dabei nicht immer klar auszumachen. Der Anteil der Großbetriebe mit mehr als 250 Beschäftigten hingegen liegt bei nur bei 0,3 Prozent.

Design auf der Alm

Dass die Bundesländer dennoch verstärkt in den Mittelpunkt der Kreativität gerückt sind, ist nicht zuletzt das Resultat einiger Ambitionen in der Tourismusbranche. „Noch vor zehn Jahren war es ungewöhnlich, irgendwo in Innsbruck oder auf der Alm in einem designten Gasthaus zu sitzen“, sagt Pendl, „heute ist das Standard geworden.“ Weiterhin steigern könnte man die baukulturelle Qualität etwa dadurch, dass man die Tourismusförderungen für Bauinvestitionen (rund 600 Millionen Euro pro Jahr) in Zukunft an eine architektonische Begutachtung der Projekte knüpft. So lautet jedenfalls eine der Forderungen im Baukulturreport 2006.

8. April 2008 Der Standard

Der weite Weg von 2003 bis 2010

Nach dem Kulturhauptstadtjahr wird in Graz Architektur in kleinen Dosen verabreicht

Graz - An der Bevölkerung gemessen gibt es in Graz mit 440 Büros doppelt so viele Architekturbüros wie in der Bundeshauptstadt Wien. Mehr als die Murinsel und das Kunsthaus Graz, beides Produkte von Graz 2003 und just von einem New Yorker Künstler beziehungsweise von zwei britischen Architekten entworfen, fällt einem auf Anhieb aber doch nicht ein. Der blaue „Friendly Alien“ von Colin Fournier und Peter Cook am rechten Murufer (kolportierte Baukosten: 38 Millionen Euro) war das letzte Projekt von derart großem Ausmaß und internationaler Reputation.

Schock-Starre

Tatsächlich ist das Baugeschehen in Graz heute alles andere als bewegt. „Nach 2003 kam der totale Schock“, sagt Markus Bogensberger, Vorstandsmitglied des Hauses der Architektur (HDA) Graz. Man habe sich massiv überfordert. „Was danach kam, war jahrelanges Nichtstun.“ Nur allmählich hat sich Graz von seiner Überanstrengung erholt - nicht mit medienwirksamen Spektakelprojekten, sondern mit kleinen Initiativen, die der Stadt in winzigen (und nachhaltig wirksamen) Dosen verabreicht werden.

Eines der langfristigsten Vorhaben ist die Aufwertung des traditionellen Arbeiterviertels Lend im Hinterland des Kunsthauses. Waren die öden Gassen früher von Nachtclubs und Wettbüros gesäumt, erkannten vife Geschäftstreibende 2003 ihre Chance und siedelten sich entlang der Mariahilfer Straße an. Heute ist das Grätzel Inbegriff alternativer Lebensart und mausert sich zum Grazer Bobo-Viertel - mitsamt Design- und Grafikbüros, Künstlerateliers, Buchhandlungen, Ramschgeschäften und Friseuren.

Höhepunkt der Lend-Revitalisierung war die Sanierung des historischen Palais Thinnfeld an der Rückseite des Kunsthauses, wo seit Anfang des Jahres das Haus der Architektur, der Kunstverein sowie die Landesmuseum Joanneum GmbH beheimatet sind. Bogensberger: „Der Standort ist angesichts der heute hier anzutreffenden Szene einmalig.“

Dem Bestreben der Stadt kommt diese Entwicklung jedenfalls sehr entgegen, will sie sich mit der renommierten Fakultät für Architektur an der TU und der Fachhochschule für Industrial Design - eine Umfrage des US-Magazins Business Week reiht den Studiengang auf der FH Joanneum Graz unter die 60 besten Designschulen Europas, Asiens und Nordamerikas - in den kommenden Jahren zum Hot Spot der Creative Industries entwickeln. „Endlich zieht nicht jeder Mode- und Designfanatiker aus Graz weg, sobald er 19 geworden ist“, sagt der Architekturtheoretiker und Künstler Michael Zinganel.

„Es ist eines der großen Ziele, die Steiermark als Hot Spot für kreative Talente zu positionieren“, erklärt Eberhard Schrempf, ehemals Leiter von Graz 2003 und nunmehriger Geschäftsführer der Creative Industries Styria, „wir sehen es als unsere Aufgabe, ein Bewusstsein für die Themen Design und Kreativität zu schaffen und dabei behilflich zu sein, diese Potenziale zu vernetzen.“

Speziell im Bereich Architektur hegt man große Wünsche. Galt die Steiermark noch vor 20 Jahren als Avantgarde-Szene unter den Architekten, ist es in letzter Zeit recht still geworden. „Wir möchten, dass bis 2010 Graz wieder Architekturhauptstadt Österreichs wird“, sagte vor einigen Monaten der damalige Planungsstadtrat Gerhard Rüsch (VP). Eine Gruppe von Institutionen, darunter das HDA, die Kammer der Architekten für Steiermark und Kärnten, der Landesverband Steiermark sowie die Zentralvereinigung der Architekten Österreichs, haben das „projekt_A“ auf die Beine gestellt. Der Vierjahresplan sieht vor, strukturelle Veränderungen in den Bereichen Planung und Bauen zu erzielen und die Qualität von Lebensräumen in Graz zu sichern.

Millionen-Wunsch

„Ob das gewünschte Budget tatsächlich realistisch ist, wage ich zu bezweifeln“, sagt die Bürgermeister-Stellvertreterin Lisa Rücker von den Grünen, „wir können nicht einfach zehn Millionen Euro aus dem Ärmel schütteln.“ Dennoch: „Ich erachte das Projekt als sehr wichtig und wir sind auf der Suche nach Partnern.“ Übermorgen, Donnerstag, entscheidet der Gemeinderat darüber, ob das „wohlgemerkt sehr ausgereifte Projekt“ (Rücker) zwecks Finanzierung bei der Regionale eingereicht werden soll. Im positiven Falle wäre zumindest einmal ein Jahr gesichert.

23. März 2008 Der Standard

Behaglichkeit aus Beton

Einige Meter weiter steht ein Haus von Plischke. Die beiden Architekten Luger & Maul schufen ihm einen stillen Nachbarn, der sich in den Hang duckt. Edel und rau zugleich - aus Sichtbeton

Oben auf der Hügelkuppe thront ein weißes Holzhaus, eine Ikone der Moderne. Architekt Ernst Anton Plischke hatte es 1934 für den Maler Walther Gamerith gebaut. Im Jahre 1968 wechselte das Baujuwel den Besitzer und gehört seitdem einem begeisterten Kunstsammlerehepaar aus Linz. „Uns hat das Haus auf Anhieb gefallen“, sagen sie, „aber wir waren ahnungslos, wir hatten keine Ahnung, dass das ein Plischke-Bau war.“

Das einzige Manko: Die weiße Ikone war ein Sommerhaus, an eine ganzjährige Nutzung war nicht zu denken. Vor einigen Jahren hatten Herr F. und seine Frau endgültig die Nase voll. Keinen Tag länger wollten sie in dicken Pullovern im Haus sitzen und jeden Winter aufs Neue darauf angewiesen sein, das Haus winterdicht zu machen und zurück in die Stadt zu ziehen - nicht einmal, wenn's vom Plischke ist.

Man wandte sich an das Welser Büro Luger & Maul und bat die beiden Architekten um einen Entwurf für einen ganzjahrestauglichen Hauptwohnsitz am gleichen Grund. Einige Meter tiefer platzierten diese einen flachen Betonbau, der zum Teil im Hang verschwindet. „Das Wichtigste war, die Aussicht und die Wirkung des weißen Hauses hoch oben auf der Hügelkuppe nicht zu stören“, sagt Maximilian Luger, „mit dem Resultat sind wir sehr zufrieden. Fast scheint es, als würden die beiden Häuser miteinander sprechen.“

In einem viertelkreisförmigen Bogen ragt der Neubau wie ein Tortenstück aus der Böschung, schwebt leicht über dem Abgrund, öffnet sich mit der Breitseite zum See. Die rundumlaufende Terrasse dient im Sommer nicht nur als verlängertes Wohnzimmer, sondern auch als Aussichtsplattform für die weißen Segelboote am Wasser. Schönes Detail für den Architekturliebhaber: Die Holzbohlen auf der Terrasse sind nicht irgendwie gelegt, sondern folgen der radialen Geometrie des Hauses. Jedes einzelne Holzbrett ist konisch zugeschnitten. Die Architekten: „Für manche sind das nur unwichtige Spielereien. Aber es sind diese kleinen Details, die die Qualität eines Hauses ausmachen.“

Betonskepsis verflogen

Aus versteckten Fugen im Vordach dringt indirektes Licht nach außen und verflüchtigt sich auf der rauen Betonoberfläche, auf der noch die Holzmaserung der Schalungsbretter zu erkennen ist. „Ich muss gestehen, mit dem Beton hatten wir unsere anfänglichen Schwierigkeiten“, gesteht Herr F., „doch irgendwann einmal ist die Skepsis verflogen. Heute sind wir froh, dass es so ist wie es ist.“

Es öffnet sich die Haustür. Während man sich der Schuhe und Kleider entledigt, drängt sich frech die Außenwand in den Raum. Durch die Glasdecke kann man hoch in die Wolken blicken - eine Art Entwöhnung vom Freien und Vorbereitung auf die warme Behaglichkeit. Das Wohnzimmer ist der gemütliche Mittelpunkt des Hauses. Hier legt man die Beine auf die Couch und schmökert in Büchern. Wie ein Fächer entfalten sich von diesem zentralen Wohnbereich die restlichen Zimmer.

Der konzentrisch gelegte Boden - mal in Eiche und mal in dunklem Stein - betont die Anordnung der Räume. Zwischen Kunstwerken hindurch huscht man in die Schlafzimmer, von wo es weiter ins Bad und in die Garderobe geht. Lieblingsort bleibt das Esszimmer mit Blick auf den See. Von der betonierten Rohheit des Hauses ist hier drin nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Fast in der Manier der klassischen Moderne haben Luger & Maul Hand angelegt, haben Proportionen abgewogen und den Sinn fürs Schöne zelebriert.

10. März 2008 Der Standard

Visionen haben immer Saison

Eindrücke vom Architekturfestival „Turn On“ im Wiener RadioKulturhaus

Nach harter Arbeit innerhalb der Zunft hat sich Österreich in den letzten Jahren zu einer der großen Architekturnationen Europas gemausert. Um das zu würdigen, fand am Wochenende im RadioKulturhaus das Architekturfestival „Turn On“ statt. Zurückzuführen sei der baukulturelle Erfolg auf die Kreativität, so Organisatorin Margit Ulama.

Veto auf dem Podium: „Aber nein, es geht darum, den Begriff Kreativität zu entmystifizieren“, widersprach Georg Franck, Professor an der TU Wien. „Kreativität ist nichts anderes als die Fähigkeit, Probleme zu lösen, die man rein analytisch nicht mehr in den Griff kriegt.“ Architekt Adolf Krischanitz: „Man ist nicht einfach nur kreativ. Oft kommt man zum Resultat nur aufgrund harter Arbeit.“ Und die habe nur in den letzten zehn Jahren stattgefunden.

Ein Wendepunkt war 1968. „Ohne den Widerstand und Protest wären die Architekten damals nicht weit gekommen. Der Schlüssel zum Erfolg war Provokation“, so Krischanitz. Den heute Erfolgreichen aus dieser Generation sehe man an, dass sie damals nicht untätig waren. Christina Linortner, Architektin in London und Wien: „Diese starken Visionen gibt es heute nicht mehr.“

Doch, die gibt es. Denn während das Podium diskutierte und erfolgreiche Architekten ihre Projekte präsentierten, trat Anna Heringer auf und stellte ihre Handmade Meti School in Bangladesch vor.

Heringer (31) hatte sich im Studium dem Potenzial des indigenen Bauens in der Dritten Welt gewidmet. Mit den Einwohnern von Rudrapur entwickelte und baute sie eine Schule, die als Vorzeigeprojekt für das Bauen mit lokalen Baustoffen dient. „Ziel war es, die traditionelle Bauweise in die Zukunft zu tragen.“ Denn wenn 147 Millionen Bengalen nur in Ziegel und Beton bauen - wozu die Avantgarde dort derzeit tendiert -, dann würden die Ressourcen in diesem winzigen und dichten Land nicht ausreichen.

„Wichtig ist es, den Leuten klarzumachen, wie schön und reichhaltig ihre traditionelle Bauweise ist. Nur so kann Entwicklungsarbeit nachhaltig fruchten.“ Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, erste Nachahmer der wiederentdeckten Lehm- und Bambusbauweise haben sich bereits gefunden. Das ist Kreativität.

8. März 2008 Der Standard

Nie wieder ausatmen

Ende Jänner forderte das Europäische Parlament, dass ab 2011 nur noch Passivhäuser gebaut werden dürfen. Das heißt: wenig Energieverbrauch und wenig Emissionen. Viele Architekten befürchten damit eine Vernachlässigung der Baukultur. Ein Umdenken ist unausweichlich

Noch vor zehn Jahren war ökologisches Bauen das Sahnehäubchen der Architektur. Und alle waren sich darin einig, dass man auch ohne Schlagobers gut und fröhlich leben kann. Doch die Zeiten haben sich geändert. „Ökologie ist eine Frage des Überlebens geworden“, sagt der amerikanische Architekt Moshe Safdie, „dass manche Architekten angesichts der Dringlichkeit immer noch nicht zur Vernunft gekommen sind, hängt wohl damit zusammen, dass Architektur einen viel zu hohen Kunststatus genießt. Sie ist Selbstausdruck, Selbstbesessenheit und Selbstzweck.“ Ewig könne man sich vor den neuen Pflichten nicht drücken.

Noch härter formuliert es der Tokioter Architekt Makoto Sei Watanabe: „Es ist nicht zu verantworten, dass sich Architekten vor ihren ökologischen Aufgaben verstecken. Einfach nur grüne Architektur zu propagieren wird aber nicht genügen. Wichtig ist es, in den Köpfen der Menschen ökologisches Bauen als wichtige Gestaltungskomponente ihres Lebens zu verankern.“

Mit etwa 2800 Passivhäusern, die quer über das Land verstreut sind, zählt Österreich zu den saubersten Architekturnationen überhaupt. Einer Studie der IG Passivhaus Österreich zufolge sollen in den kommenden zwei bis drei Jahren weitere 10.000 Wohnungen und Häuser errichtet werden, die den Kriterien eines Passivhauses entsprechen.

Ein Blick nach Wien. Der Passivhausanteil im Wohnungsneubau pendelte bis vor kurzem gerade einmal zwischen ein und drei Prozent. Das ist nicht mehr als ein politisches Lippenbekenntnis. Mittels großvolumiger Bauvorhaben - allen voran auf dem innerstädtischen Areal Eurogate, wo in den kommenden Jahren rund 1700 Passivwohnungen entstehen sollen - will man den Passivhaus-Anteil in Wien mittelfristig auf über 20 Prozent anheben. Jede fünfte Neubauwohnung wird demnach weniger als 15 Kilowattstunden Jahresheizenergie pro Quadratmeter benötigen. Die meisten Bewohner werden sich also mit ein paar Euro durch den Winter heizen können. Im Vergleich: Ein Wohnhaus aus den Sechziger-, Siebziger- oder Achtzigerjahren verbraucht das Zehn- bis Zwanzigfache.

Angesichts der bevorstehenden und längst überfälligen Passiv-Ära fragt sich nur: Wo bleibt die Architektur? Zwar sind die Zeiten der Birkenstock-Hütten und der amorphen Schlumpfhäuser, die mit winzigen Fenstern in die Erde eingegraben waren und so mehr einer steinzeitlichen Wohnhöhle denn einem zeitgenössischen Gebäude glichen, längst vorüber. Doch auch mit dem passiven Additionsprinzip von Würfel unten und Pultdach oben wird man wohl kaum den Weg in die grüne Architekturzukunft beschreiten können. Schon gar nicht, wenn das Europäische Parlament fordert, dass ab 2011 generell nur noch Passivhäuser gebaut werden sollen. So geschehen am 31. Jänner 2008. Es bedarf neuer Konzepte. Und zwar dringend.

„Mit dem Vorschlag des Europäischen Parlaments legt man die Latte sehr hoch“, sagt der Pariser Architekt Dietmar Feichtinger. Er ist einer von insgesamt sieben Architekten, die aus dem Bauträgerwettbewerb Eurogate als Sieger hervorgegangen sind. „Unter den heutigen Gesichtspunkten kann ich mir kaum vorstellen, dass das klappen wird.“ Zu oft sehe man die Passivhaustechnologie als isolierte Sache an, vergesse dabei ganz auf die räumliche und architektonische Qualität. „Wenn man die ökologischen Ziele allzu sehr überstürzt, dann schüttet man womöglich das Kind mit dem Bad aus. Was die Architektur betrifft, ist das eine grauenvolle Vorstellung.“

Einen Umschwung im Denken erwartet auch der Wiener Architekt Adolf Krischanitz, der ebenfalls auf dem Eurogate-Gelände bauen wird. „Im Bereich der Passivhaus-Technologie kommt man nicht umhin, einen gewissen gestalterischen Paradigmenwechsel zu vollziehen. Ökologisches Bauen ist mehr als überfällig, doch ich sehe nicht ein, warum das immer mit kleinen Fenstern und scheußlicher Architektur einhergehen muss.“ Die Beschränkung auf bestimmte bauphysikalische Spielregeln müsse kein Nachteil sein - ein guter Architekt könne auch daraus etwas Gutes machen.

Null Kohlendioxid in England

Wohin uns der Weg führen könnte, zeigt sich am Beispiel Großbritannien. Nachdem die Regierung ausgerechnet hatte, dass die 21 Millionen Haushalte für mehr als 27 Prozent aller CO2-Emissionen auf der Insel verantwortlich sind, wurde im Jahre 2006 das Bauprogramm „Zero Carbon Home“ beschlossen. Demnach sollen ab 2016 sämtliche Neubauten so ausgeführt sein, dass sie über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg exakt null Gramm Kohlendioxid produzieren. Ein hehres Ziel.

Die strenge Regelung bezieht sich nicht nur auf die Beheizung und Warmwasserversorgung des Hauses, sondern auf den Gesamtenergieverbrauch. Selbst Herdplatte, Kühlschrank und Fernseher müsse ab dann mit Öko-Strom gespeist werden. Dem nicht genug! Sogar die Produktion der Baustoffe und die Errichtung des Gebäudes selbst sollen in Zukunft kohlendioxidneutral über die Bühne gehen.

Da vor allem letzterer Punkt unmöglich zu erfüllen ist, läuft de facto alles darauf hinaus, dass die Häuser selbst Plusenergie-Status aufweisen müssen, um die CO2-Sünden ihrer Entstehung langfristig wieder auszubügeln. Will heißen: Die Häuser müssen in fein säuberlicher Manier mehr Energie produzieren als sie verbrauchen. „Der Klimawandel ist eine sehr reelle und sehr drohende Gefahr“, sagt die Transport- und Verkehrsministerin Ruth Kelly, „und da die Häuser zu einem großen Teil zu den CO2-Emissionen und somit zur Klimaveränderung beitragen, ist es naheliegend, in diesem Bereich drastische Einsparungen vorzunehmen.“

Ein erstes Vorzeigeprojekt ist bereits aus der Taufe gehoben. In Beddington, am südlichen Stadtrand von London, hat das Architekturbüro Zed Factory eine Passivhausanlage mit insgesamt 80 Wohnungen gebaut - sie hört auf den kecken Namen Bed Zed. Auf Materialaskese wurde kein Wert gelegt. Je nach Bedarf wurden Ziegel, Stahl, Glas und Holz verbaut. Unverwechselbares Markenzeichen der Anlage sind die sensorgesteuerten Zulufthauben oben am Dach. Mit buntem Irokesenschnitt geschmückt drehen sich die Zipfelmützen dem Wind entgegen. So sieht modernes Bauen im Teletubby-Land aus.

Zur Warmwasseraufbereitung dienen Solarzellen, die auf dem Dach sowie direkt auf den Fenstergläsern angebracht sind. Die Heizung übernimmt eine zentrale Pelletsanlage, die mit Holzabfällen aus einem nahegelegenen Holzverarbeitungsbetrieb gespeist wird. „Bis jetzt hat es noch kein großes Öko-Bauvorhaben geschafft, eine langfristige wirtschaftliche Überlebensfähigkeit zu erzielen“, sagt Architekt Bill Dunster, „uns ist es jedoch gelungen. Bed Zed soll Investoren, Architekten und Bauherren sowie der öffentlichen Hand als Beispiel dienen.“

Acht Jahre haben sie nun Zeit zu lernen. Und dann wird es ernst. Weitere Projekte der Zed Factory sind bereits entwickelt und warten nur noch auf den Baubeginn. Eines der begehrlichsten Projekte dürfte das Einfamilienhaus Rural Zed sein, das vor einer Woche auf der Fachmesse Eco Build 2008 in London der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der Andrang war enorm. Laut der Tageszeitung The Guardian musste man eine halbe Stunde Wartezeit in Anspruch nehmen, um überhaupt erst ins Haus zu kommen.

Nun liegt es an den Architekten, aus den bestehenden Ressourcen zu profitieren und den Spagat zu schaffen. Oder - wie es Dietmar Feichtinger ausdrückt: „Nur Öko und nur Geldsparen wird auf Dauer zu wenig sein. Was nützt mir ein Wohnzimmer, in dem ich keine Heizkosten zu zahlen brauche, wenn ich mich darin nie aufhalte, weil es so hässlich und so dunkel ist?“ England hat vorgezeigt, wie's geht.

23. Februar 2008 Der Standard

Konflikt braucht Kontrolle

Was verbindet Salzburg, Bludenz und Waidhofen an der Ybbs? Alle drei zählen sie zu den insgesamt 42 Gemeinden dieses Landes, die über einen eigenen Architekturbeirat verfügen. Eine mickrige Ausbeute angesichts der Tatsache, dass es in Österreich immer noch 2317 Gemeinden gibt, die keinen haben.

„Ich hab geträumt: Es war einmal ein Gestaltungsbeirat, dem ist es gelungen, mit der Architektenschaft der Stadt eine produktive Gesprächsbasis herzustellen, die Bauherren von der existenziellen Bedeutung der Architektur für ein Gemeinwesen zu überzeugen, die Politiker aller Fraktionen zu Höchstleistungen an Sachverstand und Seriosität zu zwingen, ja sogar die Altstadterhaltungskommission zu begründeten Urteilen zu verführen und zu einem konstruktiven Gesprächspartner zu machen. Dieser Gestaltungsbeirat wurde nie müde, verlor nie die Geduld und war nach den langen Sitzungen immer noch zu brillanten schriftlichen Gutachten fähig.“

Friedrich Achleitners Traum ist mittlerweile gute zwanzig Jahre alt und bezieht sich auf den allerersten Gestaltungsbeirat, der in Österreich ins Leben gerufen wurde: jenen in Salzburg. Bis in die Sechzigerjahre hinein war es in der Mozartstadt üblich, alte Bausubstanz - so sie nicht mehr unter wirtschaftlichen Bedingungen sanierbar war - einfach abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen. Auch das erste Stadtentwicklungsmodell aus dem Jahre 1970 rief in der Bevölkerung etliche Proteste hervor: Es sah eine weitreichende Umwidmung von Grünflächen in Bauland vor. Über Jahre hinweg führte auf diese Weise die eine stadtpolitische Enttäuschung zur anderen, bis sich im November 1983 unter Neo-Stadtrat Johannes Voggenhuber schließlich der erste Architekturbeirat Österreichs konstituierte.

„Ohne das vorherrschende politische Klima in den Siebzigerjahren wäre die Einsetzung einer Architek- turkommission nicht möglich gewesen“, erklärt Paul Raspotnig von der Initiative Salzburg, der kürzlich zu diesem Thema dissertierte. Das damalige „Salzburg-Projekt“ sei eindeutig aus der Unzufriedenheit der Stadtbevölkerung hervorgegangen. Hauptziel Voggenhubers war neben einer Neuformulierung der Verkehrspolitik schlicht und einfach eine Architekturreform mit dem Einsatz eigenständiger, moderner Architektur.

„Das Salzburg-Projekt war ein offensichtlicher Erfolg“, so Raspotnig, „seit damals haben sich in Österreich etliche Nachfolger gefunden.“ In seiner Doktorarbeit „Planungsbegutachtung durch Gestaltungsbeiräte“ untersuchte Raspotnig über 40 Nachfolge-Gemeinden, die sich vom Salzburger Vorbild inspirieren ließen, und kam schließlich zu dem Schluss: „Unbestritten sind die baukulturellen Erfolge, die in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten durch die Befassung von Gestaltungsbeiräten erzielt wurden. Der Einsatz von Beiräten und Architekturreformen trug zu einer Verbesserung der Kommunikation und Transparenz bei, vor allem aber zu einer Anhebung der Qualität des Planens und Bauens im Allgemeinen und anhand konkreter Projekte.“

Hand in Hand mit der Politik

Fragt sich nur: Wie kommt es, dass nach einem Vierteljahrhundert positiver Resonanz weit über 2300 Gemeinden in Österreich immer noch ohne einen derartigen Beirat agieren? Das Fehlen einer solchen Institution ist der uninspirierten, ländlichen Einöde zwischen Gänserndorf und Zell am Ziller regelrecht anzusehen. Architektonische Qualität? Von wegen. Der Horizont dieses Landes - sieht man einmal von den wenigen architekturtapferen Hochburgen ab - ist gesäumt von Häuslbauerei, von den geschmäcklerischen Irrfahrten einiger Bürgermeister sowie von den Ansiedlungen wirtschaftlicher Unternehmen. Wer in die Ortskasse einzahlt, der schafft an.

„Man kann nicht jeder Gemeinde mit Gewalt einen Fachbeirat aufdrängen“, sagt Friedrich Achleitner, Beiratsmitglied der ersten Stunde in Salzburg und in Krems, „ein Beirat ist lediglich ein beratendes Gremium und hat daher nur dann Sinn, wenn es politischen Rückhalt gibt. Wenn der Politiker zu schwach oder zu wenig überzeugt ist, um die Entscheidungen des Beirats zu unterstützen, bringt das alles nichts.“

Achleitner erinnert sich an das Erfolgsmodell Salzburg: Der Beirat habe öffentlich getagt. Behörden, Architekten, Anrainer, ja sogar Schulklassen seien regelmäßig zu den Sitzungen gekommen und hätten sich in den Prozess eingebracht. „Die cleveren Architekten haben bald einmal erkannt, dass der Beirat die guten Projekte nicht verhindert und verlangsamt, sondern ganz im Gegenteil den bürokratischen Prozess beschleunigt und den Planern vor der Behörde unter den Arm greift.“

Auch Otto Kapfinger, Salzburger Beiratsmitglied von 1997 bis 2001, gibt zu bedenken: „Wenn ein Beirat an Ort und Stelle keine Partner hat, dann hängt er in der Luft.“ In Salzburg sei das politische Interesse an der objektiven Meinungen der anderen da gewesen, in anderen Fällen jedoch hätten sich die Bürgermeister über die Entscheidungen der Beiräte immer wieder hinweggesetzt. Beispiele gibt es genug.

„Das ist absolut unverständlich“, so Kapfinger, „die Bürgermeister müssten doch längst erkannt haben, was für ein geschicktes und elegantes Mittel so ein Beirat im Grunde genommen ist. Er nimmt einem mitunter brisante Entscheidungen ab, übernimmt die volle Verantwortung gegenüber der Gemeinde, und der Bürgermeister ist aus dem Schneider. Wer das Spiel beherrscht, der kann auf diese Weise Unglaubliches erzielen.“

Optisch auf der sicheren Seite

Wer hat denn nun Interesse an einem Gestaltungsbeirat? Eine stichprobenartige Umfrage an der Strippe hat zu bemerkenswerter Ablehnung geführt. Gestaltungsbeirat? Brauch ma net. Wiener Neustadt beispielsweise verfügt über einen Stadtentwicklungsbeirat, hat an einem solchen in Belangen der architektonischen Gestaltung jedoch kein Inter-esse: „Wir streben individuelle Lösungen bei jedem Bauvorhaben an und wollen kein weiteres Gremium schaffen, das den Prozess zusätzlich bürokratisiert“, sagt Rainer Spenger, Pressesprecher des Bürgermeisters, „wir haben schon vor Jahren angedacht, einen solchen Beirat zu gründen, sind aufgrund der guten Erfahrungen mit anderen Instrumenten aber wieder davon abgekommen.“

Auch Siegfried Schafarik, Bürgermeister von Knittelfeld, erklärt auf Anfrage des Standard: „So viele architektonische Gestaltungsmöglichkeiten gibt es bei uns nicht. Ich habe nicht das Gefühl, dass ein solcher Bedarf besteht.“ Dazu sei man als Gemeinde mit 4,5 Quadratkilometern ganz einfach zu klein. Und aus Ried im Innkreis hört man: „Wie in jeder Stadt in Österreich sind auch bei uns einige bauliche Sünden begangen worden. Von der Idee eines Gestaltungsbeirats bin ich jedoch nicht ganz überzeugt“, so Stadtamtsdirektor Norbert Sitar, „mit Vertretern der Architektenkammer sind wir optisch bereits auf der sicheren Seite.“

In der Tourismusgemeinde Velden erkennt man die Architektur durchaus als Imageträger eines Ortes an, doch für einen eigenen Gestaltungsbeirat wähnt man sich auch am fremdenverkehrsmäßig wohlgenährten Wörthersee zu klein. Bürgermeister Ferdinand Vouk: „Wir sind einen anderen Weg gegangen und können auf eine eigene Bauberatung für unsere Bewohner sowie auf einen Revitalisierungsberater zurückgreifen.“ Helmut Million, Stadtbaudirektor von Ternitz, gibt sich etwas offener: „Einen solchen Beirat haben wir nicht. Wenn sich eines Tages ein Modell ergibt, das finanzierbar ist, so könnte dies für uns aber durchaus interessant werden.“

In seiner Dissertation über Gestaltungsbeiräte in Österreich hat der Autor Paul Raspotnig auch diesen Punkt bedacht - und hat die Statuten und Aufwendungen der einzelnen Gremien unter die Lupe genommen. Fazit: Luxuriös spendabel gibt sich die Stadt Salzburg. Rund 65.000 Euro betragen die jährlichen Kosten für den unabhängigen Beraterstab. Durch die häufigen und sehr langen Sitzungen sowie durch die Tatsache, dass die Mitglieder oft aus fremden Landen eingeladen werden, ist Salzburg österreichweiter Spitzenreiter. Raspotnig: „Das ist ein Luxusbudget, aber auch eine Luxusstadt.“

Muss nicht sein. Vorarlberg, wo mittlerweile jede vierte Gemeinde über eine externe Planungsbegutachtung verfügt, tritt den Gegenbeweis an. Mit 10.000 bis 20.000 Euro pro Jahr kommt man in Gemeinden wie Feldkirch oder Hohenems bereits über die Runden. Paradebeispiel Zwischenwasser: Das 3000-Einwohner-Dorf, das die architektonische Latte ebenfalls hoch legt, findet das Auslangen mit gerade mal 5700 Euro. Ein durchaus übersichtliches Sümmchen also.

Dass es so billig auch geht, scheint viele zu überraschen. Für Christian Resch, Bürgermeister der Stadtgemeinde Mistelbach, tut sich damit ein weites Feld auf: „Ein eigener Gestaltungsbeirat? Das Thema hat sich noch nie gestellt. Aber die Argumente sind einleuchtend, und ich nehme das gerne als Inspiration auf.“ Demnächst wird Paul Raspotnig einen Leitfaden für Stadtoberhäupter publizieren.

2. Februar 2008 Der Standard

Die Kunst der Nichtarchitektur

Nun ist es offiziell: Der spanische Architekt Santiago Calatrava wird in Wien bauen - eine Brücke im Süden und eine U-Bahn-Station im Norden der Stadt. Planungsstadtrat Rudolf Schicker spricht von Kunst - und umschifft damit einen EU-weiten offenen Wettbewerb.

Zugegeben: Zeichnen kann er. Als hätte er sich darauf vorbereitet, zückt er aus seiner Sakkotasche einen Bleistift und skizziert in wenigen pointierten Strichen eine posierende Dame, die mit zart geöffneten Händen eine Friedenstaube gen Himmel entsendet, oder auch einen nackten Männertorso samt Gemächt. Dann sagt er: „Die Statik der Architektur leitet sich aus der Statik der menschlichen Anatomie ab.“ Applaus.

So geschehen vergangenen Montag, als der spanische Architekt Santiago Calatrava auf Einladung des Wiener Planungsstadtrats Rudolf Schicker im Rathaus einen Vortrag hielt. Der Festsaal war zum Bersten voll. Ein Projekt nach dem anderen wurde gezeigt, gebannt starrte die Menge auf kunstvoll verdrehte Hochhäuser, auf Bahnhöfe und U-Bahn-Stationen - allesamt in Weiß. Schließlich schauen alle auf Calatravas bisher größtes Bauprojekt: die Ciudad de las Artes y las Ciencas in Valencia, in der der Spanier ein gigantisches Kulturareal mitsamt Imax-Kino, Opernhaus und Ausstellungsgebäuden aus dem Boden gestampft hat.

Nachholbedarf für Signale

„Ich empfinde keinen Unterschied zwischen Ingenieurskunst und Architektur, wie es im 19. Jahrhundert noch der Fall war“, sagt Calatrava, „bei sämtlichen meiner Bauten bin ich Architekt und Ingenieur zugleich.“ Und vergleicht seine Arbeitsweise mit der eines Schriftstellers, Schauspielers oder Malers.

Das Wiener Publikum war begeistert, das bewiesen vielfach die Wortmeldungen nach dem Ende von Calatravas Vortrag: „Wenn in dieser Stadt Leute wie Sie gebaut hätten, dann wäre Wien heute mit Sicherheit viel schöner“, formulierten es Bewunderer seiner Arbeit.

Das war das Stichwort. Denn während sich die einen am Ende des Abends wieder auf den Weg nach Hause machten, blieb bei anderen ein schaler Nachgeschmack: Santiago Calatrava in Wien? Ein purer Zufall? Oder sollte dieser Vortrag die Wiener Bevölkerung bereits für die expressive Architektursprache des gebürtigen Spaniers begeistern?

Bereits der nächste Tag lichtete den Spekulationsnebel bei einem Standard-Interview mit dem spanischen Architekten und dem Wiener Planungsstadtrat. „Wenn man sich genau umsieht, dann merkt man, dass es in Wien durchaus noch Nachholbedarf für Signale und Wahrzeichen gibt“, betont Rudolf Schicker gleich zu Beginn des Gesprächs. Nur der Stephansdom werde auf Dauer nicht reichen.

Und er sinniert schon sehr konkret weiter: „Beispielsweise würde sich die Triester Straße dazu eignen, mit einer Fußgängerbrücke überspannt zu werden. Sie wäre ein signifikantes Zeichen für Wien, eine Art Einfahrt in die Stadt für diejenigen, die aus dem Süden kommen.“

Schicker ist begeistert, auch von Calatravas Vorführung beim Mittagessen, wie er Brücken entwirft: „Ein dicker Bleistift, ein paar Striche auf dem Papier, schon ist das Gedankenkonstrukt einer Brücke fertig.“

Das heißt also, dass es eine Fußgängerbrücke über die Triester Straße geben wird? Die zunächst noch schwammige Aussage gewinnt an Kontur: „Es ist bereits alles vorbereitet. Veränderungen, was die Flächenwidmung betrifft, sind im Bereich des Wienerbergs nicht mehr notwendig“, erklärt der Planungsstadtrat sehr konkret, „man kann davon ausgehen, dass die Arbeiten sofort beginnen könnten. Ich denke, dass wir für die Entstehung etwa zwei Jahre brauchen werden.“

Ein Entwurf des Architekten Santiago Calatrava hätte Wiedererkennungswert, das ist unumstritten. Nicht nur der immerwährende Einsatz von weißer Farbe, sondern auch die mittlerweile unverwechselbare Formensprache seiner Bauten spannt über Europas Städte ein engmaschiges Netzwerk aus verwechselbaren Aha-Erlebnissen. Kritiker sprechen davon, dass seine frühen Brückenkonstruktionen noch zart und elegant gewesen seien, wohingegen seine heutigen Bauten bisweilen wuchtig und manieriert wirkten.

„Das glaube ich nicht“, wehrt sich Calatrava gegen die Vorwürfe, „manche Aufgaben sind komplexer und nur noch schwer nachvollziehbar. Bei großen Bauaufgaben ist nicht mehr alles so klar wie bei einer Brücke.“ In einem gewissen Alter und mit einer gewissen Erfahrung müsse man sich nicht mehr so stark auf das konzentrieren, was essenziell ist. Manchmal wolle man das Essenzielle eben etwas tarnen.

„Ein kleines Menuett“

Doch von Tarnung kann bei Calatravas Bauten keine Rede sein. Sabine Gretner, grüne Gemeinderätin in Wien, stellte kürzlich fest, dass man in der Stadt Wien in den letzten Jahren zunehmend mit Branding arbeite. Der Verdacht liegt nahe, dass eine potenzielle Zusammenarbeit mit einem Manne großen Ranges, der Santiago Calatrava ohne Zweifel ist, eben diesem Zwecke dienlich sei.

Der Architekt selbst weist derartige Bedenken zurück: „Nehmen wir das Beispiel, es handelt sich um eine bescheidene Aufgabe. Nehmen wir an, es handelt sich um eine kleine Brücke in einem Vorort von Wien. Wäre ich einfach nur der bekannte Name, dann würde ich sagen: ,Nein, das mache ich nicht.' Aber die Wahrheit ist: Ich mache es doch. Eine kleine Brücke in Wien - das ist wie ein kleines Menuett.“

Und Rudolf Schicker bekräftigte gegenüber dem Standard das gemeinsame Vorhaben und sagt: „Vor allem die großen Stadterweiterungsgebiete im Norden kommen dafür infrage, von Santiago Calatrava eine Handschrift verpasst zu bekommen.“ Mit dem Flugfeld Aspern eröffnet sich ein riesiges Betätigungsfeld. 240 Hektar Land wollen bebaut werden. Schicker weiter: „Um diesen Stadtteil stärker in die Wahrnehmung zu rücken, macht es Sinn, in Aspern ein besonderes Zeichen zu setzen.“

Quintessenz der Stippvisite: Santiago Calatrava wird in Wien bauen. Die Überraschung kann als durchaus gelungen bezeichnet werden. Während sich die einen freuen und die anderen ärgern, muss an dieser Stelle auf den nicht unwesentlichen Umstand hingewiesen werden, dass öffentliche Projekte, deren Baubudget den Schwellenwert von 206.000 Euro überschreiten, laut Bundesvergabe-Gesetz aus dem Jahr 2006 EU-weit offen ausgeschrieben werden müssen. „Mit diesen Rahmenbedingungen versuchen wir umzugehen“, kontert Schicker. Er werde versuchen, bei der Brücke den künstlerischen Bestandteil der Arbeit des Ingenieurs Calatrava hervorzukehren. „Wie es uns beim Bahnhof in Aspern“ - nun ist es ausgesprochen! - „gelingen wird, den Leuten zu erklären, dass es sich dabei nicht um ein öffentliches Gebäude, sondern um ein künstlerisches Projekt handelt, wissen wir vorerst noch nicht.“

Konkreter Fall

Zu den weißen Knochengerüsten von Calatrava kann man stehen, wie man will. Ein Architekturimpuls aus dem Ausland kann eine Stadt wie Wien nur aufwerten. Inakzeptabel ist es jedoch, wenn die Stadt Wien ihre Vorbildwirkung nicht wahrnimmt. Darf ein öffentlicher Auftraggeber das Bundesvergabegesetz umschiffen, wenn ihm gerade danach ist?

Stadtrat Schicker sagt dazu: „Wir wollen das Bundesvergabegesetz nicht nach allen Möglichkeiten umschiffen, sondern nur in diesem einen, ganz konkreten Fall. Und in diesem konkreten Fall geht es um eine künstlerische Gestaltungsmöglichkeit für eine Brücke. Diese Kombination aus Ingenieurskunst und Architektur ist nichts Alltägliches. Ich gehe davon aus, dass die österreichische Konkurrenz dafür Verständnis haben wird.“

24. Januar 2008 Der Standard

Neue Oper mit rotem Apfel

Opern- und Shoppingkomplex in Laibach

Ljubljana - Die slowenische Hauptstadt Ljubljana erhält ein neues Opernhaus. Einzigartig ist, dass der Kulturbau von einem Privatinvestor entwickelt und finanziert wird. „Natürlich sind wir daran interessiert, mit diesem Projekt Gewinn zu machen“, erklärt Joze Anderlic, Generaldirektor der Krainischen Investitionsgesellschaft, „doch das Opernhaus hat großes Potenzial, das ganze Jahr über ausgelastet zu sein.“

In erster Linie werde das Opernhaus für Gastspiele genutzt, ein eigenes Ensemble werde es nicht geben. Um das Projekt wirtschaftlich rentabel zu machen, wird es an einen Shopping- und Office-Komplex sowie an ein Luxus-Apartmenthaus angeschlossen. Befürchtet man nicht die Kommerzialisierung der Kultur? Anderlic: „Man darf den modernen Opernbesucher nicht mit dem des 19. Jahrhunderts verwechseln. Die Bedürfnisse haben sich geändert.“

Vorausgegangen ist dem Projekt ein internationaler Wettbewerb im Jahre 2004. Der damalige Sieger, das niederländische Büro Neutelings Riedijk, wird den Komplex gemeinsam mit dem österreichischen Ingenieursbüro Vasko+Partner realisieren. „Das Projekt ist sehr komplex und weit mehr als nur eine Oper“, so Architekt Willem Jan Neutelings, „dennoch ist der Theatersaal das eigentliche Herzstück des Projekts. Es wird wie ein samtverkleideter, roter Apfel ins Foyer ragen.“ Baubeginn ist 2009, die Fertigstellung ist für 2012 angepeilt. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt 180 Millionen Euro.

12. Januar 2008 Der Standard

Die Menschen brauchen Jazz

Letztes Jahr wurde dem britischen Architekten Lord Richard Rogers der Pritzker-Preis verliehen. Nun widmet ihm das Centre Pompidou in Paris, das er einst selbst entwarf, eine überaus sehenswerte Ausstellung.

Februar 1977, Paris. Es regnet in Strömen. Richard Rogers steht vor dem Centre Georges Pompidou und betrachtet sein eben vollendetes Werk, als plötzlich eine ältere Dame an ihn herantritt und ihm freundlicherweise einen Platz unter ihrem Regenschirm anbietet. Was er denn von diesem Gebäude hielte, fragt Madame. Und Rogers antwortet stolz: „Ich bin der Architekt.“ Prompt bekam er mit dem Regenschirm eins über die Rübe gezogen.

Doch Madame war längst nicht die Einzige, die sich über das stählerne Ungetüm von Richard Rogers und Renzo Piano mokierte. Die Presse bezeichnete das Bauwerk als Pompidoleum, als Erdölraffinerie, als Nôtre Dame der Röhren. Die französische Tageszeitung Le Figaro sprach gar von einem „kulturellen King Kong“, der hier mitten ins historische Quartier Beaubourg implantiert wurde. Staatspräsident Georges Pompidou ahnte bereits, worauf er sich mit dem Bau seines Kunst- und Kulturzentrums eingelassen hatte. Als er das Modell zum ersten Mal sah, soll er gesagt haben: „Das wird ein Geschrei geben!“

Die Schreie des Entsetzens verwandelten sich im Laufe der Zeit in Jubelrufe und Euphorie. Dreißig Jahre später wird Rogers abermals nach Paris geladen. Das Centre Pompidou, längst etabliert als Brennpunkt zeitgenössischer Kunst, widmet seinem einstigen Architekten Richard Rogers eine eigene Werkschau. „Ich bin sehr erfreut darüber, dass ich in dieser Ausstellung präsentieren kann, was meine Kollegen und ich in den letzten 40 Jahren alles gemacht haben“, erklärt der heute 74-jährige Rogers anlässlich der Ausstellungseröffnung, „das Centre Pompidou ist dafür der perfekte Ort.“

Selten zuvor sei eine Architekturausstellung im Pompidou so gut besucht worden, sagt die zuständige Pressesprecherin Célia Faurie. Mit hunderten Schaulustigen füllt sich die Ausstellungshalle im Erdgeschoß. Ein weiteres Dutzend pickt an der Glasscheibe draußen am Gehsteig und lugt in die Geheimnisse des bunten Innenraums. Richard Rogers et Architectes ist keine von diesen üblich verdächtigen Nabelschauen, die einzig dazu dienen, den Architekten als großen Meister über alles Irdische zu stellen. Mehr als alles andere ist die Ausstellung ein Lehrpfad für Jung und Alt - informativ und aufschlussreich.

Besucher aller Altersklassen wandern mit Fotoapparat und Skizzenblock gewappnet durch den 1200 Quadratmeter großen Raum. Tafeln werden sorgsam studiert, Interviews werden abgehört und mitgeschrieben, mit bizarren Händeformationen und körperlichen Verrenkungen versucht der eine oder andere sogar, den statischen Kräfteverlauf einer abgehängten Halle nachzuahmen.

Keine Angst vor Konstruktion

„Meine Architektursprache entsteht aus einer Faszination, die eng verbunden ist mit der Konstruktion und mit dem Prozess des Werdens“, erklärt Rogers in geschriebenen Worten als Auftakt zur Ausstellung. Prompt steht am Eingang ein überlebensgroßer Knotenpunkt einer statischen Stahlkonstruktion - in knalligem Neonpink. „Viele Architekten machen einen wunderbaren Job, indem sie die Grenzen der heutigen Architektur ausloten und strapazieren. Ohne diese Strapazen gäbe es keinen Fortschritt. Dann würden wir heute immer noch in der Höhle sitzen.“

Im Video-Interview, das in der Ausstellung läuft, erinnert er sich ans erste Projekt, das damals noch in der Bürogemeinschaft Team 4 entstand - gemeinsam mit seiner Frau Su sowie mit dem Architektenehepaar Wendy und Sir Norman Foster: „Am ersten Haus haben wir jahrelang gearbeitet. Es war eine Tortur. Danach wussten wir, dass das so nicht weitergeht.“ Zwangsweise landete man bei Vorfertigung, bei Modularbauweise und bei günstigem Bauen für jedermann. Aus dieser Haltung heraus entstand schließlich das Centre Pompidou. „Irgendwo haben wir aufgeschnappt, dass am Wettbewerb angeblich 700 Teilnehmer beteiligt waren. Ich sagte: Vergiss es! Doch als wir hörten, dass wir 400 Pfund Druckkostenzuschuss bekämen, waren wir dabei!“ Rogers hält inne. „Und ich bin froh, dass Renzo und ich gewonnen haben. Denn wenn ich Wettbewerbe verliere, dann bin ich ziemlich sauer.“

Eines ist gewiss: Angst vor Farbe hat der charmante Brite nicht. Und das darf angesichts der sonst so biederen Gräulichkeit, mit der die zeitgenössische Architektur vielerorts daherkommt, durchaus als Chuzpe verstanden werden. Farbenfroh wie bereits das Centre Pompidou geben sich auch die Bauten heutiger Tage. Die Stahlkonstruktion des Flughafens Madrid Barajas ist in den schillernden Farben des Regenbogens lackiert - das Farbspektrum erstreckt sich über die ganze Länge des Terminals und dient dabei als Orientierungshilfe. Sind die Stützen orange, weiß man, dass man zum gelben Gate nicht mehr weit zu laufen hat. Gibt sich die Stahlkonstruktion jedoch als blau oder gar violett zu erkennen, dann steht einem noch ein langer Fußmarsch bevor.

Schauplatzwechsel. Unweit von Rogers' berühmten Lloyd's of London aus dem Jahr 1986 entsteht derzeit das Leadenhall Building. Mit seinen 50 Stockwerken zeichnet sich der zugespitzte Bau vor allem dadurch aus, dass die Konstruktion hinter der Glasfassade in bunten Farben schimmert - ein kleiner Tupfen im verregneten London. Und sogar der kleine Mann bekommt Farbe verpasst: Im britischen Milton Keynes, einer Planstadt aus den Sechzigerjahren unweit von London, stellt Rogers derzeit die Fertighaussiedlung Oxley Woods fertig. Die kistenförmigen Bauten mit ihren farbigen Akzenten sind der Beweis dafür, dass durchaus Gutes dabei herauskommen kann, wenn sich die Architektur der Großen mit der Häuslbauerei der Kleinen paart.

Richard Rogers holt weit aus: „Palladio, Schopenhauer und Schelling haben gesagt, Architektur sei gefrorene Musik - das will ich nicht. Meine Häuser sind Jazz.“ Die Praxis der Architektur ist untrennbar mit den sozialen und wirtschaftlichen Werten jedes Einzelnen verknüpft, erklärt Rogers, eine ästhetische Komposition, die gefrorener Musik gleicht, das ist für die Gesellschaft zu wenig.

Eigentlich wollte der gebürtige Florentiner ja Zahnmediziner werden. Doch seine Legasthenie machte ihm einen fetten Strich durch die Rechnung. Und so muss die Welt um eine verkannte Dentalkoryphäe trauern. Pech für die Medizin, Glück für die Architektur. Heute ist der zum Ritter erhobene Richard Rogers 74 Jahre alt, im Juni letzten Jahres wurde ihm in London der Pritzker-Preis verliehen. „Doch bevor Sie mich fragen: Nein, ich habe nicht vor, mich zur Ruhe zu setzen.“

[ Die Richard-Rogers-Retrospektive läuft noch bis 3. März. Täglich außer Dienstag, Centre Georges Pompidou, Paris. Von 24. April bis 10. August wird die Ausstellung im London Design Museum zu sehen sein. ]

4. Januar 2008 Der Standard

Der Zucker in meinem Leben

Zeit seines Lebens wollte der Architekt und Designer Ettore Sottsass den Menschen das Leben versüßen: mit Schönheit, mit Ironie, mit Überfluss. Letzten Montag ist er gestorben.

„Wenn uns irgendetwas retten kann, dann die Schönheit“, hatte Ettore Sottsass einst gesagt. Mit jahrzehntelang anhaltendem Elan machte sich der gebürtige Innsbrucker bereits in den Fünfzigerjahren an die Arbeit und entwarf in seinem Architektur- und Designstudio ein Ding nach dem anderen: Badezimmerarmaturen, Türklinken, unzählige Kannen, Tassen und Vasen, Bestecke in allen erdenklichen Materialien, Drehstühle, Tischlampen, nicht zu vergessen seine wild gemusterten Bücherregale aus der Ära „Memphis“.

Das hübscheste Objekt aller Zeiten - zumindest aus der Sicht von Sekretärinnen, Journalisten und sonstigen sich tippend über Wasser haltenden Menschen - ist jedoch die knallrote Valentine, Jahrgang 1969. Die schlichte und elegante Schreibmaschine aus dem Hause Olivetti, der Sottsass in Zusammenarbeit mit Perry King erstmals so etwas wie Charakter und Persönlichkeit verliehen hatte, war in einem ebenso roten Kofferetui aus Kunststoff zuhause und gilt bis heute als die Schreibmaschine aller Schreibmaschinen. Sottsass: „Die Valentine ist jene Sorte Gegenstand, die einsame Dichter dazu bringt, an einem Sonntag in ihrem Landhaus Gedichte zu komponieren.“ Heute gehört sie zur Kollektion des MoMA in New York.

Vergangenen Montag verstarb Sottsass 90-jährig in seinem Haus in Mailand. Wenig bekannt ist bis heute, dass sich der Designer und Künstler zeit seines Lebens intensiv mit Architektur beschäftigte. 1935 begann er sein Architekturstudium am Polytechnikum in Turin, nur vier Jahre später schloss er mit Diplom ab. Wie viele seiner Generation ließ er sich niemals in ein berufliches Schema pressen. „Es gibt keine Grenzen zwischen Architektur, Skulptur, Design und Malerei“, lautete seine feste Überzeugung. Nur wenn man die Grenzen zwischen den Disziplinen auflöst und das Leben in seiner Ganzheit betrachtet, könne sich der Prozess des Entwerfens frei entfalten.

Die meisten Architekturprojekte entstanden in den Achtziger- und Neunzigerjahren. In Belgien, Italien, Singapur, in der Schweiz und in den USA baute Sottsass etliche Einfamilienhäuser, bei denen er sich sogar um die Inneneinrichtung und um die Auswahl der Keramik kümmerte, in Moskau schuf er eine Fabrik, in Ravenna ein Museum, in China einen Golfklub.

Als einmaligen Ausrutscher darf man wohl den Flughafen Malpensa in Mailand bezeichnen. „Ich gebe zu, dass ich bei Malpensa manche Sachen einfach vermasselt habe, ich habe die ganze Zeit gearbeitet, als hätte ich einen privaten Bauherren vor mir“, wird Ettore Sottsass später zurückblicken. „Ich wollte einen Ort für jene Menschen schaffen, die ankommen, warten und abfliegen, stattdessen habe ich irgendwann erkannt, dass ein zeitgenössischer Flughafen nichts anderes ist als ein Shoppingcenter.“

Bauen ist eine Metapher

Das lässt den überzeugten Anthropologen nicht in Ruhe. „Es gibt nur wenige Architekten, die erkennen, dass Bauen die Metapher eines Landes und seiner Politik ist“, sagt Sottsass. „Ich habe manchmal sogar das Gefühl, dass ich mit meiner auf den Menschen bedachten Herangehensweise ganz allein dastehe - das macht das Entwerfen anstrengend.“

Von Mailand hat er gelernt. Dem öffentlichen Bauen kehrt Sottsass wieder den Rücken und widmet sich fortan den Privatbauherren. „Ich spreche immer davon, dass ich Häuser für den Menschen baue. Eigenartig ist, dass sich diese Menschen immer nur als Millionäre und Milliardäre herausstellen. Es sind Intellektuelle, Galeristen, Sammler. Die Armen aber, die mich ebenso interessieren würden, kommen einfach nicht zu mir. Sie müssen sich wohl damit zufriedengeben, was ihm Rahmen ihrer Möglichkeiten liegt.“ Andererseits, erklärt er, sei das alles nicht so schlimm, schließlich liege der Reiz darin, das Haus für den Milliardär so mondän und so raffiniert wie möglich zu machen. „Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist, aber er ist so.“

1999 entsteht eines der außergewöhnlichsten jemals realisierten Bauwerke. Im belgischen Lanaken, unweit der niederländischen Grenze, plant Sottsass das sogenannte Birdhouse für seinen Freund Ernest Mourmans, seines Zeichens Architekt und Galerist. Das Gebäude spiegelt das Architekturverständnis von Sottsass wider wie kein anderes. Statt einer klaren homogenen Form, wie es dieser Jahre Mode ist, sprengt Sottsass das Gebäude in mehrere kleine Pavillons, die durch Korridore, Gärten und Atrien wieder ein Ganzes ergeben.

In unterschiedlicher Bauweise und mit ebenso unterschiedlichen Raumstimmungen steht es Mourmans und seiner Familie frei zu entscheiden, wo die beiden Kunstsammlungen und wo die Menschen wohnen. Mittelpunkt des Hauses ist eine Voliere für Mourmans exotische Vögel. Die bunten Tiere sind von überall im Haus zu sehen.

Die architektonischen Grundelemente sind bewusst überdeutlich dargestellt. Oft hat man das Gefühl, dass sich hier jemand über den Sinn für Ästhetik lustig macht, bisweilen kippen die Entwürfe ins Ironische. Sottsass spricht von „radikaler Architektur“ - eine harte Kritik an der zeitgenössischen Baukultur also. Mit seinen Freunden Hans Hollein, Arata Isozaki, Michele de Lucchi, Andrea Branzi und einigen mehr gründet er 1981 die Gruppe Memphis. Mit ihren skulpturalen und knallbunten Objekten erteilt er dem nüchternen Funktionalismus eine Abfuhr. Möbel und Einrichtung sollten nicht mehr nur unauffällig ihren Dienst erfüllen, sondern auch Gefühle auslösen. Billige Materialien werden mit wertvollen kombiniert, grelle Muster werden mit kreischenden Farben gemischt, die Möbel und Häuser kommen plump und klobig daher - Postmoderne in ihrer Hochblüte eben.

Genug des guten Geschmacks

„Ach, Memphis!“, blickt der Mann mit den traurigen Augen in seinen späten Jahren zurück, „Memphis war eine große Verwirrung. Wir dachten weder daran, das Zeug zu verkaufen, noch daran, den anderen den Weg zu ebnen. Wir haben's einfach gemacht und basta. Was passiert ist, ist passiert.“ Der Unbekümmertheit dieser Tage konnte er bis zuletzt etwas abgewinnen: Memphis habe vom puren Überfluss gelebt. Die Möbel, Keramikobjekte und Inneneinrichtungen waren absurd und monumental. In erster Linie waren sie Emotion, nur nebenrangig erfüllten sie auch eine Funktion. „Wenn es wahr ist, dass wir in einer Gesellschaft des Überflusses leben, dann muss sich die Gestaltung dieser Gesellschaft auch anpassen, nur das ist von Dauer“, hatte der große Italiener einst gesagt. Das Überflüssige? „Das ist wie Liebe machen, ohne die Notwendigkeit, dabei auch Kinder machen zu müssen.“ Oder anders: „Für mich ist Obsoleszenz der Zucker in meinem Leben.“

Zum 90. Geburtstag widmete die Stadt Triest dem Jubilar eine Ausstellung unter dem Titel „Ich will wissen warum“. 170 Werke und Projekte sind noch bis 6. März 2008 in der alten Fischhalle im Salone degli Incanti zu sehen. Einige davon werden erstmals öffentlich gezeigt. Man solle die Gegenstände fühlen und nicht nur benutzen. Wenige Tage vor seinem Tod äußerte Ettore Sottsass einen einzigen Wunsch: „Ich möchte, dass die Leute die Ausstellung mit Tränen in den Augen verlassen.“

3. Januar 2008 Der Standard

Druckerschwärze im Raum

„Architektur in Wörtern“ - eine Ausstellung im Innsbrucker „aut“

Sie kennen das sicher: ein kleiner Windstoß - und plötzlich fliegen sorgsam gehortete und geschlichtete Papierstöße durch die Luft und verteilen sich im ganzen Raum. Ein Chaos.

Im Innsbrucker aut (architektur und tirol) ist jetzt eine solche Momentaufnahme zu sehen. Gleichsam wie von Geisterhand gehalten, schweben da weiße Blätter scheinbar schwerelos im Raum und machen den Ausstellungsbesucher durchaus neugierig.

Was steht denn da eigentlich drauf? Es sind Texte über Architektur. „Gerade die Dominanz des Bildlichen in der gegenwärtigen Vermittlung von Architektur hat uns dazu gebracht, einmal die gewohnten Pfade der Vermittlung zu verlassen“, sagen die beiden Kuratoren des Projektes, Gabriele Kaiser und Kurt Zweifel, und bringen den Leser auf diese Weise an den Titel der Ausstellung heran: „Architektur in Wörtern“.

Etwa 40 solcher Zettel gewähren interessante Einblicke in alles, was so über Architektur geschrieben werden kann. Schwarz auf weiß. Auszüge aus dem quadratroman von Friedrich Achleitner hängen da neben interessanten Zitaten von Adolf Loos und Franz Kafka - Hermann Czech wiederum schreibt „Nur keine Panik“, wenn gleich nebenan Auszüge aus einem Juryprotokoll oder aus der Wiener Bauordnung an den Nagel gehängt werden. Das ergibt harte Kontraste.

Der Kontext

„Belanglose bürokratische Texte bekommen plötzlich etwas Poetisches“, meint Kaiser, „in jedem Fall ist Sprache nämlich abhängig vom Kontext.“ Den besten Beweis dafür liefert das weiße Blatt mit der Seitenzahl 37. Schlagzeilen aus unterschiedlichen Architekturberichten der letzten Jahre wurden hier zu einem kleinen Sonett zusammenmontiert.

Auch der eine oder andere Titel aus dem Standard findet sich darunter. Und die Zielgruppe zu dem Ganzen? Nicht zuletzt richtet sich die „Architektur in Wörtern“ vor allem an all jene, die ein Sensorium für Sprache haben. Das kann man eigentlich so im Raum stehen lassen.

[ „Architektur in Wörtern“ im aut (architektur und tirol); Lois-Welzenbacher-Platz 1, 6020 Innsbruck. Zu sehen bis 9. Februar. ]

29. Dezember 2007 Der Standard

Reifeprozesse im virtuellen Raum

Wozu bauen? Das New Yorker Büro asymptote hat es auch ohne größere Baustellen in den Olymp geschafft. Statt zu bauen, hatte man virtuell vor sich hin geträumt. Die Welt weiß das lange Warten zu schätzen und bedankt sich ihrerseits mit einer Vielzahl an Aufträgen.

Wer sein Architekturbüro nach einer mathematischen Kurve benennt, der hat sich schon etwas dabei gedacht. Gemeinsam mit seiner Frau Lise Anne Couture betreibt der gebürtige Ägypter Hani Rashid in New York das Büro asymptote. Bei den Gymnasiasten klingelt's: Eine Asymptote ist eine geometrische Kurve, die sich einer anderen Kurve zwar annähert, diese aber niemals erreicht - ein unbefriedigendes Unterfangen also. Doch Hani Rashid hat eine Erklärung parat: „Es geht um die Sehnsucht. Man kann sich der Sehnsucht nur annähern, man kann sie aber niemals ergreifen. Das wäre ihr Ende.“ Rashid schmunzelt. „Aber ich gebe zu, für ein Architekturbüro ist der Name asymptote durchaus problematisch. Kein Mensch weiß, was das ist, kein Mensch weiß, wie man das richtig ausspricht.“

Rashid (50) und Couture (49) haben mit ihrem Büro einen gewaltigen Start hingelegt. Noch bevor sie ein einziges Bauwerk gebaut haben, war asymptote in aller Munde. Weltweit. Bis heute hält sich die Anzahl der Realisierungen - um es gelinde auszudrücken - in Grenzen, und doch geht das Büro mitsamt seinen 40 Mitarbeitern regelrecht in Arbeit unter. Das Geheimnis des Nichtbauens?

der Standard: In den meisten Fällen bauen Architekten bis zum Umfallen, und wenn sie Glück haben, werden sie eines Tages berühmt. Bei Ihnen ist das anders: Sie sind weltberühmt geworden, bevor Sie noch etwas realisiert haben. Wie geht das?

Hani Rashid: Wir haben uns nie als Dienstleister gesehen. Wir sind Träumer, wir sehnen uns nach neuen Technologien, nach Experimenten, wir sehnen uns nach innovativer und zukunftsweisender Architektur. Selbst wenn wir bis jetzt nur ganz wenig gebaut haben, schätzen uns die Leute wohl für unsere Zielstrebigkeit, mit der wir unsere Ziele verfolgen. Hinter jedem Projekt, das wir machen, steckt eine fundierte Theorie und eine mühsam erarbeitete Überzeugung. Wenn wir etwas machen, dann mit 100 Prozent. Und wenn die Umstände nicht passen, dann kommt es eben auch nicht zur Realisierung. Darauf bin ich stolz.

Das klingt ganz so, als hätten Sie freiwillig beschlossen, so wenig zu bauen. Glaube ich Ihnen nicht!

Rashid: Louis Kahn hat einmal den schönen Satz von sich gegeben: Gute Architekten fangen nicht an zu bauen, ehe sie 50 sind. Als ich diesen Satz das erste Mal hörte, war ich 26, Panik hat mich überkommen! In Europa ist das ganz anders. Europa ist dafür bekannt, dass die Architekten hier schon in ihren Zwanzigern ein Haus nach dem anderen bauen. Das ist zwar einerseits beachtlich, andererseits ist das ein sehr riskantes Geschäft. Denn sie fangen an zu bauen, obwohl sie eigentlich nie genügend Zeit hatten, sich mit der Materie ernsthaft auseinanderzusetzen. Wo bleibt da die individuelle Forschung, wo bleibt das virtuelle Abenteuer, wo bleibt das theoretische Unterfutter, das sich jeder Architekt einmal aneignen muss? Das, was all diese jungen und unerfahrenen Menschen bauen, sieht zwar aus wie Architektur, ist es aber nicht.

Wie lange muss ein Architekt denn reifen?

Rashid: Wir haben unser erstes architektonisches Projekt erst vor fünf Jahren realisiert, und zwar den Hydra-Pier in Holland. In den Jahren davor haben wir geforscht und studiert. Ganz so wie ein Pianist - der setzt sich ja auch nicht gleich auf die Bühne und spielt vom Blatt. Zuerst einmal verbringt er viele Jahre damit, Klänge und Proportionen einzustudieren, erst dann ist er reif für die Bühne. Und wissen Sie was? Er wird richtig gut sein.

Das heißt: Wer eines Tages ein guter Architekt sein will, der muss erst einmal jahrelang nur virtuelle Architektur produzieren und Renderings zeichnen?

Rashid: Es ist erstaunlich, wie sich unterschiedliche Begriffe und Berufe im Laufe der Zeit ändern. In alten Tagen war nur der ein Architekt und Baumeister, der auch wirklich gebaut hat. Ich bin davon überzeugt, dass man heute nicht mehr unbedingt bauen muss, um sich als Architekt bezeichnen zu dürfen. Architekt wird man, wenn man imstande ist, virtuell und räumlich zu denken, und wenn dieses Denken über alles Bekannte hinausgeht. Architektur ist eine Kunstform und eine eigene Wissenschaft geworden. Virtuelles Entwerfen, also die Arbeit am Computer und im World Wide Web, ist zu einem essenziellen Bestandteil unserer Arbeit geworden. Einerseits ist sie ein eigenständiger Arbeitsbereich, andererseits ist sie eine gute Übungsarbeit, um später im realen Raum zu bauen.

Würden Sie Ihre Herangehensweise an Architektur als avantgardistisch bezeichnen?

Rashid: Die wirklichen Avantgardisten wussten nie, dass sie Avantgardisten sind. Was soll ich Ihnen sagen? Wir versuchen, an vorderster Front mitzumischen und immer einen Schritt voraus zu sein. Ich weiß nicht, ob uns das gelingt.

Ich bin wohl begriffsstutzig. Wie kann man an vorderster Front sein, wenn man kaum etwas gebaut hat?

Rashid: Wie ich schon gesagt habe: Architektur wird oft mit Bauen verwechselt. Die Praxis im Bauen hat meiner Erfahrung nach nichts mit der Praxis im räumlichen Denken zu tun. Unser intensiver Reifeprozess der letzten Jahre scheint nun jedenfalls zu fruchten. Zur Zeit arbeiten wir an einigen Projekten, die in den nächsten Jahren fertiggestellt werden. In Budapest befindet sich ein Bürohaus in Bau, in Abu Dhabi bauen wir gerade einen Luxus-Wohnturm, der ähnlich wie das Burj al Arab auf einer künstlichen Insel steht. Beide Projekte werden 2009 fertiggestellt. Doch die richtig großen Projekte dauern noch ein paar Jahre. In Asien entstehen gleich zwei Projekte von wahrlich städtischen Ausmaßen. In Busan in Südkorea werden wir das World Business Center bauen, in Penang in Malaysia das sogenannte Global City Center.

Das Global City Center Penang ist das größte und aufregendste Projekt in Ihrer bisherigen Firmengeschichte.

Rashid: Es ist sicherlich eines der aufregendsten - sagen wir es mal so. Penang ist im Norden von Malaysia und gilt als Tor zu einer sehr hoch entwickelten und wirtschaftlich starken Region. Das Global City Center ist eine Initiative der Regierung und soll die sogenannte Northern Corridor Economic Region aufwerten. Um diesen Umstand sichtbar zu machen, braucht es dort ein starkes Zeichen. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, vor dem Hintergrund der natürlich belassenen Landschaft eine dichte, urbane Architektur zu machen. Das ist ein sehr spannender Kontrast. Das Projekt umfasst ein Einkaufszentrum, ein Convention Center, ein Museum sowie Wohnungen, Büros und Hotels.

Das Gebäude sieht aus wie in „Star Wars“.

Rashid: Durch die beiden Türme - und die haben immerhin 60 Stockwerke - wird das Projekt sehr zeichenhaft. Das Design ist inspiriert von der umgebenden Landschaft, von den Bergen und vom Meer, aber auch von der kulturellen Vielfalt in dieser Gegend. Dennoch möchte ich betonen, dass es sich dabei vor allem um ein technologisch innovatives Projekt handelt. Das Gebäude wird über eingebaute Windräder verfügen, es wird eine Hochleistungsfassade mit integrierten Fotovoltaik-Zellen geben sowie ein umfangreiches Sturmwasser-Management und ein Wasser-Recycling-Programm.

Ein riesiges Bauvorhaben. Wie wollen Sie das mit Ihrer bisherigen Praxiserfahrung bewältigen?

Rashid: Ja, das stimmt. Das Global City Center ist sehr umfangreich. Aber wir haben genug Zeit gehabt, um heranzureifen und um uns die Basis für ein Projekt in diesen Ausmaßen anzueignen. Ich sehe dem also gelassen entgegen.

15. Dezember 2007 Der Standard

Gletscher mit den Händen bauen

Es geht alles, wenn man nur daran glaubt. Mit diesem Glauben schlägt sich die britische Architektin Zaha Hadid seit Jahren durch die Männerdomäne. Jüngstes Beispiel: die Hungerburgbahn in Innsbruck. Ein Ausflug.

Gegner hat sie immer schon gehabt. Als die Feuerwehrstation in Weil am Rhein in ein Designmuseum umgewandelt wurde, lachte sich die Welt ins Fäustchen. Für die geplante Nutzung erwies sich das Gebäude als gänzlich untauglich. Die Kurvenradien waren zu schmal bemessen, in der Eile des brennenden Gefechts schafften es die Feuerwehrleute nicht, ohne zu reversieren aus dem Feuerwehrhaus herauszufahren. Doch Hadid weiß darauf zu antworten: „Die Feuerwehrstation ist später zum Vitra-Museum umgebaut worden, weil es viele neugierige Besucher gegeben hat, die von dieser Architektur angezogen wurden.“

Eines muss man der mächtigen Dame aus London lassen: Zaha Hadid ließ sich niemals unterkriegen. „Wenn ich mich je durch die internationale Meinung über meine Arbeit hätte beeinflussen lassen, hätte ich die Arbeit schon vor zwanzig Jahren hingeschmissen“, sagt sie heute, spielt mit ihrem wuchtigen Silberring, klackert mit den hochhackigen Stilettos am Boden, „wenn man Fantasie will, dann muss man sie auch ausreizen.“ Punktum.

Hadids jüngster Wurf ist die Hungerburgbahn in Innsbruck. Die Seilbahnstationen wirken wie Botschafter aus einer fernen Architekturzukunft. Als hätte man den Glasgebilden Leben eingehaucht, ruhen sie auf einem massiven Sockel aus Sichtbeton und sind im Begriff, jeden Moment ihre innewohnenden Kräfte zusammenzuballen und schwungvoll abzuheben. Warum die Glasdächer so sind, wie sie sind? „Wir haben uns bewusst für diese elastische Formensprache entschieden, damit wir uns den jeweiligen Bedingungen vor Ort besser anpassen können“, erklärt Thomas Vietzke, Projektleiter im Büro von Zaha Hadid, „schließlich darf man nicht außer Acht lassen, dass sich die Stationen gegen die unterschiedlichen städtebaulichen Einflüsse behaupten müssen.“

Fließende Eislandschaften

Die etwas leichtfüßigere Erklärung lieferte Hadid bei der Eröffnung vor zwei Wochen höchstpersönlich: „Die Architektur scheint zu fließen. Wir haben die Stahlkonstruktion unsichtbar belassen, damit der Eindruck einer fließenden Eis- und Gletscherlandschaft entsteht. Schließlich sind wir hier mitten in den Alpen.“ Das mit der Gletscherlandschaft sei selbstverständlich nicht buchstäblich gemeint, obwohl Architekten immer schon versucht hätten, die Natur zu imitieren. „In diesem Projekt war es jedoch technisch möglich. Wir sind der Form von fließendem Eis sehr nahe gekommen.“

Wiewohl, die smoothen Gletscher haben riesige Schrammen davongetragen. Das ist schade, denn gerade große High-End-Architektur wie diese braucht Fingerspitzengefühl und Raffinesse bis ins kleinste Detail. Im Fall der Hungerburgbahn hat Hadid jedoch einmal mehr bewiesen, dass ihre Architektur den Gesetzen des technisch Machbaren um Lichtjahre voraus ist. Mit offenen Mündern marschieren die wackeren Skifahrer, Snowboarder und wochenendfröhlichen Pensionisten durch die Stationen und recken den Kopf nach oben. „Isch guat, die Hadid.“ Aber da: ein ausgestreckter Zeigefinger mitten auf eine ordinäre Glasfuge, wo zwei Glasscheiben windschief aneinander vorbeisausen, anstatt bündig in einer Fläche zu liegen: „Isch nit guat.“

„Mit derartiger Architektur umzugehen, ist nicht leicht“, gesteht sich Christian Schleich ein. Er ist Projektleiter im Innsbrucker Planungsbüro Malojer, das die Generalplanung Hochbau innehatte und dafür sorgte, die kühnen Schwünge Hadids in die Realität zu übersetzen. Keine leichte Aufgabe. „Das Schwierigste war, dass wir in unserer Anbotsphase noch nicht wussten, dass wir mit Zaha Hadid zusammenarbeiten würden.“ Die Kosten von 35 Millionen Euro (Gesamtbetrag Hochbau, Tiefbau und Seilbahntechnik) mussten dennoch eingehalten werden - da wurde seitens der Auftraggeber Strabag, Stadt Innsbruck, Land Tirol und Tourismusverband Innsbruck-Igls freilich kein Auge zugedrückt.

Man musste tricksen. Die Produktion der 1200 Glasscheiben, die in Summe mit 2,18 Millionen Euro zu Buche schlägt, wurde aus finanziellen Gründen kurzerhand nach China ausgelagert. „Es blieb uns nichts anderes übrig, doch im Nachhinein stellte sich die Zusammenarbeit mit China als Problem heraus“, so Schleich, „die Qualität entspricht ganz einfach nicht unseren Vorgaben. Ein Drittel der Gläser wurde von uns bemängelt.“ Zu kurz, zu breit, zu flach, zu ungenau.

Montiert wurden die 300 bemängelten Scheiben dennoch. Schließlich musste man der Urheberin Zaha Hadid, die die neuen Stationen bei der Eröffnung zum ersten Mal gesehen hat, den rund 80 aus aller Welt angereisten Journalisten und den zigtausenden Besuchern ein hübsches Bild bieten. Ob, wie und wann die mangelhaften Glasscheiben im Laufe der kommenden Monate ausgetauscht werden, steht nach Auskunft des Büros Malojer noch offen.

„Wir haben gesehen, dass die Firmen und sogar einzelne Leute bei ihrer Arbeit an die Grenzen des Machbaren stoßen“, sagt Christian Schleich. Der Stand der Technik sei noch nicht so weit. „Aber scheinbar ist genau das ein Indiz für zeitgenössische und innovative Architektur. Andernfalls gäbe es keinen Fortschritt.“

Das ist ganz im Sinne Hadids: „Ich persönlich glaube sehr stark an Entwicklungen und Erfindungen“, erklärt die Architektin in einem Interview, „doch das größte Problem ist, dass die anderen nicht daran glauben. Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass man Fantasie mit den eigenen Händen machen kann.“

Erstes PPP im Seilbahnbau

Und was sagt Hans Peter Haselsteiner, Mitinitiator des ersten Public Private Partnerships im Bereich Seilbahnbau? Immerhin hat der Strabag-Chef stolze 13,5 Millionen Euro in das Gesamtprojekt Hungerburgbahn und Nordkettenbahn investiert und wird nun für die Dauer von 30 Jahren die Einnahmen kassieren. „Es ist ein Projekt, von dem ich hoffe, dass es auch die kritischen Stimmen in Innsbruck überzeugen wird. Wer das erste Mal mit der Hungerburgbahn fährt, oben aussteigt und dann die skulpturale Architektur sieht, der muss - wenn er nicht blind ist oder ein Vorurteil hat - wohl anerkennen: Das ist etwas, worauf die Menschen in dieser Stadt stolz sein können.“

Fingerdickes Silikon in den Fugen, schiefe Gläser und eine verpatzter Auftrag nach China - das ist die eine Seite des Projekts. Doch der kritische Blick des Architekturkenners wird nicht von Dauer sein. Viel wichtiger ist, dass Innsbruck mit der Hungerburgbahn einen weiteren Schritt in Richtung Alpenmetropole gesetzt hat. Nach dem Rathaus (Dominique Perrault), dem in Bau befindlichen Kaufhaus Tyrol (David Chipperfield), der Sprungschanze am Bergisel (ebenfalls Zaha Hadid mit Malojer) und etlichen verheißungsvollen Projekten aus der Feder lokaler Architekten setzt Innsbruck einmal mehr auf die Architekturkarte.

15. Dezember 2007 Der Standard

Die grüne Alternative

Architekten haben große Furcht vor Farbe. Man kann von Glück sprechen, wenn man ein Haus findet, das abseits von Schwarz, Grau und Weiß angesiedelt ist. Das Vorarlberger Büro Hein Troy hat tief in den Bottich gegriffen - und ein knallgrünes Haus herausgezogen.

Das Farbspektrum eines Architekten ist rasch geklärt. Dunkelgrau und Schwarz auf der einen Seite, Hellgrau und Weiß auf der anderen. Die Welt dazwischen ist mausgrau. Den beiden Herren Juri Troy und Matthias Hein ging das ewige Grau auf die Nerven. Prompt stellten sie ihren beiden Bauherren Mathias und Susanne ein pistaziengrünes Einfamilienhaus aufs Grundstück.

Zugegeben, mit der umliegenden Wiese beißt sich das Grün ein wenig, von den eher konservativen Farbvorstellungen der Vorarlberger gar nicht erst zu sprechen. Aber wen kratzt das schon? „Es war eine intuitive Entscheidung, völlig aus dem Bauch heraus“, sagen die beiden Architekten, „mittlerweile können wir uns von dieser Farbe kaum mehr trennen.“ Beeindruckt zeigen sich auch die Wandersleute. Bisweilen komme es vor, dass sie sich in Scharen ans Haus heranpirschen und dann völlig fassungslos vor der Fassade stehenbleiben. Mit sanften Zügen streichen sie über den rauen Putz, läuten an und erkundigen sich nach der exakten Farbbezeichnung.

Den Bauherren Mathias und Susanne war die Farbentscheidung im Rückblick betrachtet nur recht: „Viele haben schon ganz klare Vorstellungen vom Haus, noch ehe der erste Strich gezeichnet ist. Wir wussten nicht einmal, in welcher Farbe wir uns unser neues Haus vorstellen sollen.“

Innen Holz und Beton

Nur an den Innenraum hatte man schon klare Anforderungen. Sämtliche Wände sind aus Sichtbeton. Grob, rau und unbehandelt. Die beiden Bauherren: „Wir hatten beide etwas für Beton übrig. Dass wir das Material im Haus verwenden wollen, war eigentlich von Anfang an beschlossene Sache.“ Der Appell an die Ehrlichkeit des Materials richtete sich auch an den Boden: Zu Füßen liegt ein sägerauer Schiffboden aus Weißtanne, der mittels Fußbodenheizung für Behaglichkeit sorgt.

Dunkle Höhle, möchte man meinen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Wohnräume sind unterschiedlich hoch und sind je nach Himmelsrichtung und Funktion wild ineinander geschachtelt. Hier ein flüchtiger Durchblick, dort eine voyeuristische Luke. Frei nach Le Corbusiers Modulor messen manche Räume kaum 2,30 Meter, während die großen Aufenthaltsbereiche bis zu 3,50 Meter Raumhöhe erlangen.

Auffällig ist, dass das Haus durch und durch kompakt angelegt ist. Die Wohnnutzfläche beträgt - das Haus liegt im Rahmen der Wohnförderung - gerade mal 135 Quadratmeter. Nirgends gibt es einen riesigen Salon, nirgends kann man beschleunigen, ohne sich spätestens nach ein paar Metern wieder einbremsen zu müssen. Beengtheit kommt dennoch nirgendwo auf. „Wir haben viele unterschiedliche Wohnbereiche mit ebenso unterschiedlichen Stimmungen geschaffen“, sagen Hein und Troy, „es gibt mehrere Zonen, die für die Erwachsenen und für die Kinder je nach Lust und Laune als Wohnzimmer dienen können.“

Die Bauherren seien verspielt und fröhlich. Was liegt daher näher, als ihnen aus diesem Grund einen Abenteuerspielplatz mit vielen Nischen zu bieten? Das stillste Eck des Hauses schließlich liegt ganz oben. Hier verbringt man ruhige Stunden in der Familie, sieht fern oder liest ein Buch. Die grüne Alternative: Man geht hinaus auf die Terrasse, blickt auf die Hausfassade und gibt sich der Freude hin, dass das Wohnen nicht grau in grau geworden ist.

12. Dezember 2007 Der Standard

Woanders ist der Himmel blauer

Die Wiener Architekten Coop Himmelb(l)au feiern ihr 40-jähriges Bestehen. Während die einstigen Enfants terribles im Ausland ein Projekt nach dem anderen hochziehen, ehrt man sie hierzulande mit einer umfassenden Werkschau im Gemäuer des MAK.

Wolf Prix hat einen Lieblingssatz. Mit Anzug und ausnahmsweise ohne Zigarre wandelt der Protagonist des Architekturbüros Coop Himmelb(l)au durch die Ausstellungshalle im MAK und erklärt den Journalisten: „Himmelblau ist keine Farbe, sondern die Idee, Architektur mit Fantasie leicht und veränderbar wie Wolken zu machen.“ Fest entschlossen und wild um sich schlagend entfleuchte ihm der Satz schon im Jahre 1968. Vierzig Jahre später hat die Firmenphilosophie nichts an Aktualität eingebüßt - und wird immer noch gerne zu Protokoll gegeben.

Aus Anlass von vier Jahrzehnte lang andauernder architektonischer Sturheit zeigt das Museum für Angewandte Kunst ab heute, Mittwoch, die bislang umfangreichste Werkschau von Coop Himmelb(l)au. Unter dem Titel Beyond the Blue werden rund 80 Projekte gezeigt: angedachte, durchgeplante, abgeblasene und realisierte. Was verbirgt sich hinter dem titelgebenden, ominösen Blau? „Man muss nicht alles zerreden“, sagt Prix, „das ist ein Wortspiel mit dem Überdrüber-Blau, wo das Himmelblau zum tatsächlichen Himmelbau wird.“

Wildheit ist gewichen

Zu den ersten Projekten, als Prix und sein damaliger Partner Helmut Swiczinsky gerade mal 25 Lenze hinter sich hatten, zählen visionäre Entwürfe und temporäre Rauminstallationen wie The Cloud (1968), Inflatable Suit (1969) oder etwa City Soccer Wien (1971). In aufblasbaren Plastikzellen marschierten die einstigen Enfants terribles durch die Fußgängerzonen, animierten die Passanten zum Fußballspiel mit überdimensionalen Fußbällen, fackelten selbst gebaute Skulpturen ab, träumten vom Weltall, von Schwerelosigkeit, von fernen Zukunftstagen.

Was ist aus den wilden Kerlen geworden? „In den Sechzigerjahren waren wir junge Männer. Jetzt bin ich 65. Forever young spielt's in Wirklichkeit nicht. Die äußere Wildheit ist daher schon lange nicht mehr da. Geblieben ist dafür die Freiheit im Denken und im Durchsetzen von außergewöhnlichen Bauten.“

Vor kurzem fertiggestellt wurde die BMW-Welt in München. Die gigantische Vermarktungsmaschine, in der fröhliche und erwartungsvolle BMW-Kunden ihr neu erstandenes Gefährt abholen können, ist der bisher größte realisierte Bau in der Geschichte von Coop Himmelb(l)au. Doch die richtig großen Knüller kommen erst: In Lyon baut man bereits emsig am Musée des Confluences (Fertigstellung 2008), bis die Europäische Zentralbank indes ihr neues Hauptquartier - einen Doppelturm mit 47 Geschoßen - besiedeln kann, muss sie sich noch bis 2011 gedulden.

Vereiste Zustände

Coop Himmelb(l)au baut überall, nur nicht in Österreich. Warum? „Österreich ist mutlos und feig, was das Zulassen und Fördern von Spitzenleistungen betrifft“, erklärt Wolf Prix, „daher bauen wir in diesem Land so gut wie nichts.“ In der Tat: Der große Wurf im Heimatland blieb den Coops bis jetzt verwehrt, stattdessen gibt's den Trostpreis: Auszeichnungen und Anerkennungen zuhauf. „Die Wahrheit ist: Man hat Angst vor Veränderung. Das kann ich in Österreich einfach nicht leiden. Denn Angst vereist bestehende Zustände.“

Wenn schon nicht in der Architektur, dann eben in der Kunst. Im bergenden Umfeld des Museums für Angewandte Kunst fahren die Coops mit allen Geschützen auf und schaffen sich das Fundament, das ihnen hierzulande nie vergönnt wurde: eine Bühne. Auf einem überdimensionalen Podest werden 170 Architekturmodelle aus 40 Jahren zur Schau gestellt.

Vom hässlichen Arbeitsmodell aus Pappe bis hin zum fast vier Meter hohen Wolkenkratzer sind Kaliber jeder erdenklichen Größe zu finden. Da verliert man leicht den Überblick. Damit das nicht passiert, wurde für die Ausstellungsbesucher eigens eine Zuschauertribüne gefertigt. Hochklettern, Platz nehmen, hinabsehen auf das Geschehen Himmelblau.

Die gläserne Bühne, erraten, ist in blaues Licht getaucht. Die schummrige Farbe umhüllt die Architekturmodelle und verwandelt sie in silhouettenhafte Skulpturen. Im Hintergrund laufen Videoinstallationen und Interviews mit Wolf Prix. Wie ein Klangteppich breitet sich seine Stimme im ganzen Raum aus. Irgendwann im Laufe des 15-minütigen Films fällt der alles entscheidende Satz, unbeirrbar wird daran festgehalten: „Himmelblau ist keine Farbe, sondern die Idee, Architektur mit Fantasie leicht und veränderbar wie Wolken zu machen.“ Irgendwie traurig angesichts der Hassliebe, die Prix mit Österreich verbindet.

Die Ausstellung Beyond the Blue ist ein Ausflug ins wundersame Aufbrechen von Gesetzmäßigkeiten. Nach jahrzehntelanger Knochenarbeit trägt der Glaube an die Idee Himmelblau endlich Früchte. Gratulation. Im Ausland sind die wilden Keime der 68er-Generation zu prallen Äpfeln herangereift. Hierzulande hat es gerade gereicht, das Fallobst auf einer gläsernen Bühne im Museum zu drapieren

24. November 2007 Der Standard

Die Stadt im Abverkauf

São Paulo ist im Biennale-Fieber. Was es auf der größten Nabelschau Südamerikas heuer zu sehen gibt und wie sich die brasilianische Metropole neuerdings gewandelt hat, erzählt Österreich-Kommissärin Lilli Hollein.

der Standard: Der erste Eindruck von der 7. Architekturbiennale?

Hollein: Das Thema der heurigen Biennale lautet „Architecture - The Public and the Private“. Und damit wird ein Trend der letzten Jahre aufgegriffen, nämlich die Frage nach dem öffentlichen und privaten Raum bzw. die Aneignung der Öffentlichkeit. São Paulo ist für mich die ideale Plattform, um dort mit jungen Architektinnen und Architekten und deren konzeptionellen Projekten aufzutreten. Deutschland hingegen kommt mit einer riesigen, zu einem Teppich gewobenen schwarz-rot-goldenen Flagge daher, auf der Attribute wie etwa Disziplin, Ordnungssinn und Pünktlichkeit draufstehen. Nachdem Humor ja nicht gerade zu den augenscheinlichsten deutschen Attributen zählt, könnte man das deutsche Projekt auch als Hardcore-Verkaufsstrategie auffassen.

Kann man auf der Biennale einige architektonische Trends ausmachen?

Hollein: Die einzelnen Länderbeiträge sind völlig unterschiedlich. In erster Linie handelt es sich dabei in gewisser Weise um eine Leistungsschau der einzelnen Architekturnationen. Einen wirklichen roten Faden gibt es nicht. Interessant habe ich aber gefunden, dass sich Südafrika und Österreich offensichtlich die selben Fragen stellen.

Die wären?

Hollein: Wie wird der öffentliche Raum in Besitz genommen? Wie wird der öffentliche Raum reglementiert? Wer macht die Regeln? Und vor allem: Warum nimmt man sich so selten das Recht, etwas einzufordern und gewisse Regeln auch einmal zu brechen?

Als österreichische Kommissärin haben Sie ein junges Büro in den Ring geschickt.

Hollein: Ich finde es bemerkenswert, dass Österreich so eine junge und innovative Architekturszene hat und dass sich die Öffentlichkeit auch voll und ganz zu dieser jungen Generation bekennt. Das ist ein öffentliches und politisches Statement. Meines Erachtens gibt es unter den jungen Architekten in Österreich niemanden anderen, der sich mit dem Thema „Öffentlicher Raum“ auf eine so herausragende Weise befasst wie das Büro feld72. Die Arbeiten sind zum einen performativ und experimentell, zum anderen deckt feld72 aber auch die klassischen Architekturaufgaben und Wettbewerbs-Beteiligungen ab.

Der Beitrag von feld72 lautet „Urbanism for Sale“. Findet jetzt der Ausverkauf der Städte statt?

Hollein: Wenn man einen Blick nach Brasilien, nach Indien oder etwa nach China wirft, dann ist klar: Ja, die Städte werden ausverkauft. In São Paulo werden die Favelas schon bald wertvoller Grund sein. Die Investoren werden alles Mögliche daran setzen, um die Liegenschaften innerhalb der Stadt zu verwerten und teuer weiterzuverkaufen. Das Gleiche passiert in Mumbai, das gleiche passiert in Peking. Wo gestern noch traditionelle Hutongs waren, steht heute ein Hochhaus von Baumschlager Eberle. Im Eiltempo wechselt der Raum hier nicht nur die Besitzer, sondern auch seine Wertigkeit oder - um es noch unmissverständlicher zu sagen - seinen Marktwert. Viele Leute bleiben dabei auf der Strecke.

Also ein schlechtes Attest für den Städtebau?

Hollein: Aus meiner Sicht als Kuratorin stelle ich fest, das der Wandel der Städte in einem rasanten Tempo stattfindet. An vielen Orten dieser Welt wird es dadurch irgendwann zu einem kulturellen Stillstand kommen. Städte sind etwas Organisches, sie sind in ihrem Wachsen a priori etwas Langsames. Dieser Zellhaufen braucht Zeit, um sich zu entwickeln und zu gedeihen. Aber nachdem ich keine fatalistische Weltuntergangsanhängerin bin, glaube ich, dass sich vieles wieder fügen wird. Man muss aber die Investoren und Politiker an ihrem sozialen Gewissen packen - Architektur hat die Mittel dazu.

Der Beitrag „Urbanism for Sale“ von feld72 kommt gerade recht. Vor einiger Zeit hat Gilberto Kassab, Bürgermeister von São Paulo, ein Werbeverbot über die gesamte Stadt verhängt.

Hollein: Ja, das ist ein ungewöhnlicher Schritt gewesen. Plötzlich gibt es in der 20-Millionen-Metropole einen Bürgermeister, der davon überzeugt ist, dass Werbung im öffentlichen Raum eine visuelle Umweltverschmutzung ist. Mit dem Wegfall der gesamten Werbeflächen, wie dies im letzten Jahr der Fall gewesen ist, wird eine riesige Sehnsuchtsmaschinerie gestoppt. Erstmals ist São Paulo in der einzigartigen Situation, dass die materiellen Begehrlichkeiten nicht mehr überlebensgroß über den Köpfen der Brasilianer hängen. Ein derartiges Werbeverbot hat natürlich immense soziale und ökonomische Konsequenzen. Ich frage mich, ob ein derart boomender Standort wie São Paulo so eine Maßnahme verträgt oder ob man da nicht auch einen Schuss nach hinten abfeuert. Eines ist klar: Man hat ein Instrument aus der Hand gegeben, das für Reichtum und Wohlstand steht.

Ist São Paulo nun eine Geisterstadt?

Hollein: Am augenscheinlichsten ist der Wegfall der Werbung für mich vor allem in der Nacht. Sie stehen im 30. Stock eines Hochhauses und schauen in die Nacht hinaus. Das Einzige, das blinkt, sind die Hubschrauber-Warnlichter an den Spitzen der Antennenmaste. Und dann gibt es noch eine riesige Datums- und Temperatur-Anzeige, die über der ganzen Stadt thront und von überall sichtbar ist. Stellen Sie sich den Times Square ohne Licht vor, stellen Sie sich Tokyo ohne Glitzerwerbung vor! Das wirkt zwar beim ersten Hinhören wahnsinnig erschreckend, ist es aber nicht. São Paulo hat von seiner Lebendigkeit nichts verloren. Die Stadt strotzt immer noch vor Energie. Aber sie glitzert nicht.

Findet sich der Kapitalist in dieser Welt zurecht?

Hollein: Das Viertel, in dem ich gewohnt habe, ist übersät von Schönheitskliniken, von plastischen Chirurgen und von Laser-Depilations-Praxen. Aber nirgendwo in der Stadt gibt es Plakate, die den Konsumenten mitteilen, wie das Schönheitsideal aussieht, auf das da hinoperiert werden soll. Diese Abbildungen fehlen einem merklich - vor allem, wenn man aus Wien kommt, wo es bekanntlich die höchste Dichte an Plakatwänden gibt.

Der Ausverkauf der Werbung sozusagen?

Hollein: Die Brasilianer sind ja nicht unkreativ! Nachdem die Werbung nicht mehr auf den Gebäuden stattfindet, wandern die Werbebotschaften nun auf die Körper der Menschen. Burschen und Mädels gehen als Sandwich-Plakatträger auf dem Gehsteig spazieren. Oder sie stehen am Straßenrand und winken ohne Unterlass mit großformatigen Werbeflaggen, um Sie ins gewünschte Geschäft zu lotsen. Ein Einkaufssamstag in São Paulo hat neuerdings etwas zutiefst Archaisches.

Die 7. Architekturbiennale in São Paulo läuft noch bis 16. Dezember 2007.

24. November 2007 Der Standard

Puppenfetisch made in Austria

Das Wiener Büro feld72 ist bekannt für große Überraschungen. Statt einer klassischen Architekturausstellung präsentiert sich Österreich mit 77 Schaufensterpuppen, die im Saal herumtänzeln und die Besucher dazu animieren, ihnen mal gehörig auf die Brust zu sehen. Ein Schelm, wer jetzt Böses denkt, denn über die durchwegs bedruckten T-Shirts wird, jawohl, Architektur kommuniziert. „T-Shirts sind ein Fetischprodukt unserer Zeit und es gibt wohl kein anderes Bekleidungsstück, das derart viel Persönlichkeit, Markenbewusstsein und Botschaften transportiert“, sagt Anne Catherine Fleith von feld72, „wir wollten dieses Textil bewusst als Trägermedium un- serer Ausstellung verwenden.“

Die Puppen dienen einem guten inhaltlichen Zweck. Die künstlichen Menschen, Inbegriff des Modekonsums, zeigen auf, wie der öffentliche Raum kommerzialisiert und vermarktet wird. „Natürlich ist das Ausstellungskonzept subversiv“, so Fleith, doch offenbar hätten die Leute die Idee verstanden. „Vielleicht findet sich ja der eine oder andere Ausstellungsbesucher in einer dieser Puppen wieder.“

Essenzieller Bestandteil der Ausstellung „urbanism for sale“ sind 20.000 magentafarbene Aufkleber, die während der Biennale verteilt werden. Die Besucher sind dazu aufgerufen, die Sticker in der ganzen Stadt zu posten und auf diese Weise öffentlichen Raum einzunehmen. Fleith. „Hier geht es nicht nur um Architektur, hier geht es auch um Performance.“ Und das mögen die Menschen. Schnappschüsse als Beweisstück der öffentlichen Reviersmarkierung bitte an www.flickr.com.

10. November 2007 Der Standard

Der dritte Lehrer ist der Raum

Gestern, Freitag, wurde der Österreichische Bauherrenpreis 2007 vergeben. Einer von insgesamt sechs Preisträgern ist die Sonderschule in Schwechat.

Christoph blättert in seinem neuen Ratatouille-Buch, das zum gleichnamigen Disney-Film erschienen ist. Er ist völlig vertieft in die Materie der gezeichneten Nagetiere und hat der Lektüre selbst schon ein paar Ecken abgebissen. Plötzlich steht die Schuldirektorin in der Tür. Christoph schnellt empor, läuft zu ihr hin und umarmt sie. Minnea sitzt in der Zwischenzeit im Wintergarten und malt mit ihren Händen Schattenbilder an die Wand. Und Hanna muss weinen, wenn nach neun Schulstunden der Unterricht zu Ende ist und der Heimweg bevorsteht.

Eine Schule wie im Schlaraffenland - ja, gibt's denn das? „Jeden Abend haben wir mit einigen Kindern zu kämpfen, denen es in der Schule so gut gefällt, dass sie gar nicht nach Hause gehen möchten“, sagt Ingeborg Schramm, Direktorin der Sonderschule Schwechat, „einige Kinder fragen mich täglich, ob sie auch am Wochenende zur Schule gehen dürfen.“ Die Sonderschule Schwechat ist in jeder Hinsicht ein Sonderfall. Sie beherbergt Schüler und Schülerinnen, die einer speziellen Form der Betreuung bedürfen. Viele Kinder sind verhaltensauffällig, manche haben das Down-Syndrom, andere sind von Geburt an geistig, körperlich und mehrfach behindert.

„Es sind 81 Schüler mit 81 Lernzielen“, sagt die Direktorin und verweist auf die vor einem Jahr eröffnete Schule, die all diesen Anforderungen scheinbar mühelos gerecht wird. Es gibt enorme Gangflächen zum Herumtoben, Wintergärten zum Entspannen, Nischen zum Alleinsein. Es gibt einen Turnsaal, der sich im Sommer zum Garten hin öffnen lässt und dann für große Schulaufführungen genutzt werden kann, und es gibt ein eigenes Therapiebecken, in dem man die ganz normalen Schulsorgen einmal am Tag im buchstäblichen Wasser ertränken kann. Schramm: „Der Swimmingpool ist unser absoluter Hit!“

Dass all diese Anforderungen in ein intelligentes Korsett namens Schulgebäude geschnürt werden konnten, ist das Verdienst der Wiener Architekten fasch&fuchs. Doch ihre ganze Planungs- und Überzeugungsarbeit wäre mit einem Schlag zunichte, stünde hinter dem Projekt nicht eine ebenso ambitionierte Gemeinde, die dieses umfangreiche Raumprogramm gewünscht, beschlossen und schließlich auch finanziert hat. So erklärt sich auch der kürzlich gefällte Beschluss der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs: Die Sonderschule in Schwechat ist eines von insgesamt sechs Projekten, die heuer mit dem Bauherrenpreis 2007 ausgezeichnet wurden. Die Preisverleihung fand gestern, Freitag, statt.

„Es freut mich sehr, dass einer der Bauherrenpreise an uns gegangen ist“, erklärt Schramm, „wenn ich ehrlich sein muss, ist das der perfekte Abschluss eines guten Projekts.“ Die Zusammenarbeit zwischen der Sonderschulgemeinde Schwechat, der Schulleitung und den Architekten Hemma Fasch und Jakob Fuchs sei ausgezeichnet und vorbildlich gewesen. „Ich habe schon so oft gehört, dass Architekten im Umgang schwierig sind - und von Behörden weiß man das ja auch. Aber stattdessen hat sich hier eine allseits befruchtende Partnerschaft ergeben.“

Lernen im modernen Umfeld

Die Schule ist das, was man auf den ersten Blick als kühlen Stahl-Glas-Bau abqualifizieren würde. Und das für eine Sonderschule, die armen Kinder! Das Gegenteil ist der Fall. Das Gebäude bietet Offenheit und Freiheit, die den Kindern nach vielen Jahren des dunklen Lernens im alten und schäbigen Schulhaus sichtlich entgegenkommt. Ein Toben und ein Laufen, ein Innehalten und ein Lachen. Ein Kind habe drei Lehrer, sagt der deutsche Pädagoge Otto Seydel, „der erste Lehrer sind die anderen Kinder, der zweite Lehrer ist der Lehrer, der dritte Lehrer ist der Raum.“ Erst wenn all diese Lehrer an einem Strang ziehen, kann schönes und erfolgreiches Lernen gedeihen. Die Architektur leistet ihren Part.

„Den meisten Schulen fehlen Räume zum Wohnen“, sagt Hemma Fasch, „wir wollten einen schnellen Wechsel zwischen Lern- und Wohnatmosphäre, damit sich die Kinder gleich zurückziehen können, wenn sie überfordert sind.“ Möglichkeiten gibt es genug: In jeder Klasse gibt es einen so genannten Time-out-Raum, in dem man sich mal ordentlich austoben und gegen schaumstoffverkleidete Wände treten kann, wenn einem gerade danach ist. Doch des Kindes liebster Punkt ist der so genannte Snoezelen-Raum. Snoezelen ist ein ursprünglich niederländisches Kunstwort und bezeichnet ein spezielles Freizeitangebot für behinderte Menschen: Ein zehn Quadratmeter großer Raum ist mit Wasserbett, Kuschelhöhle, Discokugel, schummrigem Licht und Beschallungsanlage ausgestattet. Wer einmal genug von der Welt hat, kann sich hierher zurückziehen und im Taumel von Licht und Musik wieder zur Ruhe finden.

„Früher war Sonderschule ein Unwort. Die eigene Tochter oder den eigenen Sohn in die Obhut einer Sonderschule zu geben, war für Eltern die letzte aller Möglichkeiten“, sagt Schuldirektorin Ingeborg Schramm, „das hat sich nun geändert. Manche Eltern entscheiden sich bewusst für unsere Sonderschule, weil ihnen die Atmosphäre bei uns zusagt.“ Natürlich liege es nicht in erster Linie an der Architektur, dass in der Schule so eine entspannte Stimmung herrscht: „Es sind in erster Linie die Lehrerinnen und Lehrer, die dazu beitragen“, erklärt Architekt Jakob Fuchs, „aber zu einem kleinen Teil macht es auch uns glücklich, dass die Schule so gut angenommen wird. Man kann guten Gewissens sagen: Diese Schule animiert zum Wohnen. Was Besseres kann man sich als Architekt nicht wünschen.“

Detail am Rande: Lernen muss keinem starren Schulsystem folgen. Da die Kinder oft länger in der Schule bleiben als sie müssten, wollten sie die Pflege und Instandhaltung des Gebäudes gleich selbst in die Hand nehmen. Die Schuldirektorin hat darauf reagiert und drei neue Schulfächer namens Landschaftspflege, Gebäudereinigung und Küchendienst eingeführt. Statt Vandalismus gibt es heute sittsam gestutzte Bäumchen, Salatköpfe im Garten und blitzblank polierte Fensterscheiben. Die Errichtungskosten der Sonderschule Schwechat belaufen sich auf 7,7 Millionen Euro.

verknüpfte Auszeichnungen
- ZV-Bauherrenpreis 2007

3. November 2007 Der Standard

Gestern war die Zukunft noch modern

In den Sechziger- und Siebzigerjahren stand die Architektur der Slowakei in ihrer Blüte. Heute sind die einstigen Prachtbauten vom Verfall bedroht. Aus gegebenem Anlass: ein Ausflug nach Bratislava.

Wer von der Slowakei spricht, der denkt vielleicht an die Hohe Tatra, an geräucherten Käse und an hölzerne Kochlöffel mit mühselig eingeschnitztem Ornament im Stiel. Kaum jemand wagt auch nur einen Gedanken an Architektur und außergewöhnliches Design, schon gar nicht, wenn es um die Sechziger- und Siebzigerjahre geht. „Im Bewusstsein der westlichen Welt hat die Slowakei bis heute keine Konturen“, sagen die beiden Architekten Benjamin Konrad und Maik Novotny, „Bratislava ist eine der jüngsten Hauptstädte Europas, doch nur die wenigsten haben ernsthaft ein Bild davon.“

Gemeinsam mit der Fotografin Hertha Hurnaus reisten die beiden Architekten jahrelang durch die entferntesten Winkel der Slowakei und zoomten in Vergessenheit geratene Bauwerke heran, die dereinst in der stolzen Blüte des Sozialismus entstanden waren: Kurhotels, Fernsehtürme, Skisprungschanzen, Krematorien und Schulen. Auch in der Hauptstadt Bratislava fand sich eine Handvoll bedeutender Baudenkmäler aus den Sechzigern und Siebzigern. Zu den dokumentierten Bauten zählen die Neue Brücke über die Donau (1968-1973), die auf dem Kopf stehende Pyramide des Slowakischen Rundfunks (1962-1985), die oft verteufelte Nationalgalerie von Vladimír Dedecek (1967-1979) sowie das 20-stöckige Hotel Kyjev, das wie ein steinerner Koloss hinter der pittoresken Altstadt in den Himmel ragt (1961-1973).

Wie Grüße aus einer nie eingetretenen Zukunft stehen die baulichen Artefakte in der Stadt herum und verstören die Gemüter bis heute. Die einen finden sie hässlich, die anderen sind von der slowakischen Moderne schlichtweg fasziniert. Aus dieser Spannung ergibt sich, dass viele dieser Bauten heute wie vergessene Kulissen aus einem Science-Fiction-Film wirken, abgenutzt und ausgestorben, geisterhaft und menschenleer. „Die slowakische Architektur dieser Zeit ist einzigartig, ja beinahe absurd“, erklärt das fanatische Trio, das seit 2004 unter dem Vereinstitel Ostmoderne firmiert, „für uns war Bratislava eine Goldgrube an Baudenkmälern, die es in dieser Art in Österreich nicht gibt. In einem demokratischen System sind derartige langfristige, aufwändige und zum Teil irrationale Planungen kaum möglich.“

Das gehört gewürdigt. Nach langer Zeit der minutiösen und intensiven Recherche schnürten die drei Ostmodernisten ihre unbändigbare Euphorie in ein Buch, das dieser Tage im Springer Verlag erschienen ist. Der prächtige Bildband gibt Einblick in die heldenhafte Baumeisterkunst der Slowakei, in gestrige (aber nicht immer überholte) Visionen von morgen, schließlich auch in die politischen Umstände des Sozialismus nach 1960. „Wenn man mit den Hintergründen der damaligen Zeit nicht vertraut ist“, sagt Maik Novotny, „dann kann man nicht nachvollziehen, wie diese Gebäude überhaupt entstehen konnten.“ Tatsache ist, dass die Stadtregierung von Bratislava davon geträumt hatte, quer durch die ganze Stadt eine repräsentative Straßenachse zu legen. Gemäß den Ansätzen der Moderne sollten in der untersten Ebene die Autos fahren, während im ersten Stock die Fußgänger über Galerien und Brücken von einem Gebäude zum anderen gelangen sollten. Einzelne Projekte wurden realisiert, die Achse selbst blieb jedoch eine Vision auf dem Papier.

Verkannte Ostmoderne

In der antrainierten Abneigung gegen alles, was der sozialistischen Ära entsprungen war, sind sich die Slowaken bisweilen nicht dessen gewahr, welche kulturellen Werte in diesen Bauwerken schlummern. „Manche Leute verstehen die Architektur dieser Zeit ausschließlich als Produkte des kommunistischen Regimes“, sagt Henrieta Moravcíková, Architekturhistorikerin und Slowakei-Vorsitzende des internationalen Erhaltungskomitees docomomo, „emotionell hängen viele Slowaken an diesen repräsentativen Gebäuden, weil dort jeder schon einmal Studentenfeste, Hochzeiten oder Banketts gefeiert hat, aber in rationeller Hinsicht werden diese Gebäude abgelehnt - sie sind zu abstrakt und zu monumental.“

Die Original-Einrichtung des Panoramarestaurants auf der Neuen Brücke etwa wurde in einer Nacht- und Nebelaktion entfernt und gegen billiges und geschmackloses Allerweltsmobiliar ausgetauscht. Von manchen Gebäuden lösen sich die Fassadenplatten, Feuchtigkeit dringt ein, Fenster sind zersprungen, die Tore für immer verschlossen. In diesem Sinne kommt das Buch von Hertha Hurnaus, Benjamin Konrad und Maik Novotny gerade recht. Denn dem größten Hotel des Landes droht das Aus. „Wir wissen nicht, wie es weiter geht“, sagt Oleg Kuchar, Direktor des Hotel Kyjev, „wir werden den Hotelbetrieb aufrechterhalten, solange es geht - und eines Tages wird die Abrissbirne anrollen.“

Verantwortlich dafür ist das tschechische Development-Unternehmen Lordship Estates. Schon vor Jahren hatte man es auf das Areal des Kyjev-Hotels und des benachbarten Tesco-Kaufhauses abgesehen. Wenn alles nach Plan geht, soll nächstes Jahr die gesamte Parzelle dem Erdboden gleichgemacht werden. An ihre Stelle tritt ein 30.000-Quadratmeter-Projekt mitsamt Büros, Einkaufszentrum und Multiplex-Kino. „Der Entwurf für die neue Centre Plaza ist im Grunde schon fertig“, erklärt Juraj Malý, zuständiger Projektmanager bei Lordship auf Anfrage des Standard, „nähere Informationen wollen wir vorerst jedoch nicht aus der Hand geben. Im Augenblick laufen die Verhandlungen mit der Stadt.“ Zwar hatte die Stadtregierung für das 200 Millionen Euro teure Projekt ein Wettbewerbsverfahren eingefordert, doch wie es scheint, haben sich die Dinge in der Zwischenzeit anders entwickelt.

Und was sagt Architekt Ivan Matusík? Mit nur 30 Jahren hatte der Jungspund einst den Wettbewerb für das Hotel Kyjev gewonnen. „Ich habe mich schon einmal für die Erhaltung eines meiner Bauwerke eingesetzt. In den Neunziger Jahren habe ich einen Protestbrief gegen den Umbau des Kaufhauses geschrieben. Ich wurde angezeigt und musste vor Gericht. Es hieß, ich würde den neuen Besitzer in seinen Eigentumsrechten behindern.“ Autorenrecht zähle in der Slowakei eben nicht viel, schon gar nicht, was die Gebäude der späten Ostmoderne betrifft. Sich mit dem Grundstückseigentümer des Hotel Kyjev anzulegen, hätte wohl wenig Sinn. Der gesamte Komplex ist mittlerweile in Besitz des Investors.

„Was die Zukunft des Hotel Kyjev betrifft, bin ich mittlerweile sehr skeptisch“, sagt Henrieta Moravcíková, „wie immer werden die ökonomischen Aspekte überwiegen, und wir haben nicht genug Kraft, um diese Entwicklung zu stoppen.“ Die Tage des großen Hotel Kyjev sind gezählt. Staatsbonzen mit Hornbrille und Geschäftsleute aus dem Westen stiegen hier einst ab. Im Konferenzsaal wurden Besprechungen abgehalten, in der roten Bar trank man dann Vodka-Drinks und hörte schummrige Musik. In den Räumlichkeiten des Hotel Kyjev kann man sich von dieser eigenartigen Zeit noch ein Bild machen. Bald nur noch im Buch.

Hertha Hurnaus, Benjamin Konrad, Maik Novotny: Eastmodern. Architecture and Design of the1960s and 1970s in Slovakia, in englischer Sprache, 220 Seiten, 200 Farbfotos, Springer-Verlag, € 38,45.

Am Mittwoch, den 14. November, wird im Architekturzentrum Wien das Buch präsentiert. Im Anschluss gibt es eine Podiumsdiskussion mit Henrieta Moravcíková, Georg Schöllhammer, Jan Tabor und Adolph Stiller. Moderation: Monika Platzer. 19 Uhr.

13. Oktober 2007 Der Standard

Mit Vollgas in den Zukunftsrausch

Was wären die großen Automarken ohne die großen Architekten? Kommenden Mittwoch eröffnet in München die BMW-Welt von Coop Himmelb(l)au. Wojciech Czaja leitet den Trommelwirbel ein.

Wenn es um Autos geht, dann verstehen die Deutschen keinen Spaß. Weh dem, der glaubt, das Auto sei nur ein Gefährt! Nein, es ist eine Visitenkarte, eine intelligente Maschine, ein Mitglied der Familie. Als Dank für die guten Fahrverdienste fährt Papa Deutscher sonntags in die Waschstraße, dann wird geschrubbt, gesaugt und blitzeblankpoliert. „Alle Theorien, die das Auto als Transportmittel charakterisieren, vergessen eine ganze Dimension“, spricht der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk, „es ist ein rollender Uterus, der sich von seinem biologischen Vorbild dadurch vorteilhaft unterscheidet, dass er mit Selbstbeweglichkeit und Autonomiegefühlen verbunden ist. Das Auto ist eine um den Fahrer herumgebaute platonische Höhle mit dem Vorzug, dass man in ihr nicht angeschmiedet sitzt, sondern dass die fahrende Privathöhle Ausblicke auf eine vorbeigleitende Welt gewährt.“

Von Kritik am goldenen Kalb der Moderne wollen die Deutschen jedoch nichts wissen. Mit vollster Überzeugung formieren sie sich zur stärksten Autofahrerlobby Europas, bringen auf ihren Straßen sämtliche Tempolimits zu Fall und treten mächtig auf die Tube. Wer hat mehr Hubraum, wer hat mehr Pferdepower, und wer bitte schön ist der König der Straße? Längst sind die Konkurrenten im Rückspiegel verschwunden, an vorderster Front kämpfen nur noch die Bayern gegen die Schwaben, BMW gegen Mercedes. Es ist wie Coca-Cola und Pepsi, wie Chips und Pringles, wie Maggi und Knorr. Man kann nur an den einen glauben, alles andere wäre Verrat.

Vor eineinhalb Jahren wurde in Stuttgart das Mercedes-Benz-Museum fertiggestellt. Das niederländische Architekturbüro UN-Studio hatte beste Arbeit geleistet und katapultierte die Marke mit dem Stern ordentlich nach vorne. Autsch, das tat weh, dachte man sich in Bayern und holte in der Zwischenzeit zum alles vernichtenden Rückschlag aus. Ein Museum? Das kann jeder! Wir, BMW, binden unsere Kunden mit einem noch nie da gewesenen Auslieferungszentrum: Vor drei Jahren wurde mit dem Bau begonnen, kommende Woche wird feierlich eröffnet. Der stolze Name des neuen Automobiltempels: BMW-Welt München.

Seit jeher hatte der Vorstand der Bayerischen Motorenwerke etwas für gute Architektur übrig. 1972 baute Karl Schwanzer den famosen Vierzylinder-Turm, im Jahr darauf folgte das benachbarte Museum in Schwammerl-Form. Im Sinne der kulturellen Tradition war klar, dass auch das 21. Jahrhundert mit einem Keulenschlag unvergleichlicher Qualität beginnen muss. Zaha Hadid baute das BMW-Werk in Leipzig, nun raffte sich der Konzern abermals auf und lud Ende 2001 zu einem offenen Wettbewerb, um auch den Hauptsitz in München zu krönen. Aus insgesamt 275 Bewerbern - darunter Kaliber wie MVRDV, Future Systems, Massimiliano Fuksas oder etwa Dominique Perrault - ging das Wiener Büro Coop Himmelb(l)au als Sieger hervor.

Schwerelose Wolken und brennende Flammenflügel - das kennen wir von Coop Himmelb(l) bereits. Aber wie baut man eine ganze Welt? „Architektur hat nicht nur Aufgabe, Hülle von Funktionen zu sein“, sagt Wolf Prix, „entlang diesem Konzept ist hier ein Gebäude entstanden, das man als hybrides Gebäude bezeichnen kann. Die ästhetischen Paradigmen dieser Architektur heißen Eleganz, Dynamik, Geschwindigkeit.“ Im Klartext: Die BMW-Welt ist viele Gebäude in einem. Hier gibt es Café und Restaurant, Ausstellungen, Schulungsräume, Veranstaltungsräumlichkeiten und Theatersaal, in erster Linie jedoch dient die bayrische Welt als Abholzentrum.

Wem also die Fahrt zum BMW-Händler nach Memmlingen, Mommenheim und Mimmenhausen zu öd und zu alltäglich ist, der ist in Zukunft herzlich dazu eingeladen, das Portemonnaie einzupacken und sein Auto direkt in der Mutterstadt München abzuholen. Funkelnd, glänzend und eingewachst wird die Doppelniere aus den Untiefen des Tiefspeichers herausgeholt und wird sodann von einem Chauffeur mit weißen Zwirnhandschuhen auf einer sich drehenden Scheibe drapiert. Da rotiert es also, das neue Auto, und wird bestaunt wie ein saftiges Stück Fleisch auf dem Teller. Unter Spotlight-Beleuchtung, mit musikalischer Untermalung und auf Wunsch sogar mit Blumenstrauß und Fotoshooting ist das Fahrzeug bereit für die ultimative Übergabe an seine neuen Besitzer. Ein unvergesslicher Moment.

Wenn eine Automarke mit derartig emotionellen Geschützen auffährt, dann ist klar, dass weder Kosten, noch Mühen gescheut wurden. 14.000 Quadratmeter fasst die Halle, an manchen Stellen ist sie 28 Meter hoch. Das 3000 Tonnen schwere Dach scheint wie ein Wölkchen über allem zu schweben. Gerade einmal elf Stützen sind notwendig, um diesen gewaltigen Kraftakt zu vollziehen. „Kann man sich das vorstellen, nur elf Stützen?“, fragt Prix die Besucher der ersten Stunde, „die griechischen Tempel waren viel kleiner und hatten 40 oder 50!“

Im Endeffekt ist auch die BMW-Welt nichts anderes. Sie ist ein sakraler Ort, eine Markthalle für den Menschen von heute, ein Umschlagplatz des Kapitalismus. 170 Fahrzeuge wird man hier täglich ausliefern, die Generalprobe mitsamt Fahrzeugübergabe an die eigenen Werksmitarbeiter ist bereits überstanden. Bei derart vielen Autos, die Tag für Tag durchgeschleust werden, kann man sich vorstellen, was sich hier abspielen wird. Ganze Familien werden einander in die Arme fallen, Väter werden herumtollen wie die Kinder, die Konzentration an Glück und Freude wird die kritische Marke haushoch überschreiten. „Hier in der BMW-Welt werden die Bürger die Marke BMW anfassen können“, sagt Helmut Panke, Vorstandsvorsitzender der BMW AG, „wir möchten, dass unsere Besucher hier die Zeit vergessen, dass sie in die Marke eintauchen und dass sie sich vom Mythos BMW mitreißen lassen.“

Im Rausch der Sinne wird in Zukunft kein Mensch mehr nachvollziehen können, welcher Aufwand notwendig war, um den Kunden in diese Welt des Seins und Scheins zu entführen. Damit der Tiefspeicher mit den bereits vollgetankten Autos nicht zur Brandgefahr wird, hat man diesen hermetisch abgeriegelt und ihm Sauerstoff entzogen. Das Regallager ist damit für Menschen nicht zugänglich und wird ausschließlich von einem Roboter bedient. Auf der so genannten Premiere, wo die Besucher ihre Autos entgegennehmen, wird im Bodenbereich Unterdruck erzeugt - so werden die Abgase abgesaugt, noch bevor sie sich im gesamten Raum ausbreiten können. Und in der Fassade zirkuliert innerhalb der Fensterprofile je nach Jahreszeit kaltes oder warmes Wasser. Auch so kriegt man das Klima in den Griff.

Was kostet der ganze Spaß? Für den Kunden ändert sich nicht viel. Ganz gleich, ob der Wagen beim BMW-Händler oder in der BMW-Welt abgeholt wird, beträgt die Abholgebühr 460 Euro - geschickt getarnt als sogenanntes Gute-Fahrt-Paket. In einer etwas anderen Liga spielen die Baukosten. Über genaue Zahlen schweigen sich Auftraggeber und Architekt aus. Lediglich zwei Eckdaten werden verraten, aus denen sich die unendliche Weite des Budgets erahnen lässt. Erste Information: Die BMW Welt kostete mehr als 100 Millionen Euro. Zweite Information: Die Sanierung des BMW-Hochhauses und des BMW-Museums sowie der Bau der BMW-Welt verschlangen in Summe 500 Millionen Euro. Das ist kein Pappenstiel.

Wolf Prix resümiert: „Wir sind mit dem Projekt zufrieden. Viele architektonische Elemente, die wir gerne verwenden, kommen BMW sehr gelegen. Die Architektur der neutralen Box hat sich überholt. Jetzt beginnt die Zukunft der Himme(l)bau-Sprache!“ Während die Mercedes-Leute in Stuttgart wahrscheinlich schon an Racheplänen schmieden, überfliegt den Besucher ein pragmatisch weltlicher Zweifel: So viel Glas, wie soll man das nur reinigen können? Es sei für alles gesorgt, sagt Prix, und pafft Zigarre. „Aber Tempel putzt man nicht.“

6. Oktober 2007 Der Standard

Die nackte Wahrheit

Beton spaltet die Gemüter. Während Architekten von Glückshormonen überschüttet werden, runzeln die Bewohner ihre Stirn. Ausflug in die Mustersiedung 9=12 in Wien-Mauerbach.

Unter einem rattert das Geleis, seitlich zieht in schnellen Bildern die Landschaft vorbei. Es gibt keine schönere Beschäftigung, als während der Zugfahrt im Speisewagen zu sitzen und Melange schlürfend beim Fenster hinauszuschauen. Westbahnstrecke, Wienerwald, Wiesen links und rechts. Die Ellbögen sind aufgestützt, Hände wärmend wird die Tasse umklammert. Kurz vor Wien ein flüchtiger Blick nach Norden: Ruckartig verdreht man bei 120 Sachen den Kopf und schüttet sich den Kaffee über die Finger. Zehn betonierte Häuschen purzeln den Hang herab und lassen einen kurz am eigenen Sehsinn zweifeln. War das jetzt echt?

Die Mustersiedlung 9=12, die in Wien-Mauerbach dieser Tage fertig gestellt wird, ist ein Vorzeigeprojekt der Beton- und Zementindustrie. Sie ist der ambitionierte Versuch, sich mit vereinten Kräften dem unaufhaltsamen Erfolg der Holzlobbyisten und der Ziegelindustrie zu stellen. Das Projekt dürfte von besonderer Wichtigkeit sein, denn sämtliche betonaffine Unternehmen zogen an einem Strang und stellten nicht unwesentliche Mengen an Naturalien und Arbeitszeit zur Verfügung.

Wie rohe Betonskulpturen sind die Häuser auf dem Grundstück verteilt. Ein Satteldach wird man hier nicht zu Gesicht bekommen, stattdessen erscheinen die einzelnen Gebäude als minimalistische Klötze. Nur die wenigsten von ihnen sind verputzt oder gestrichen, die meisten erstrahlen in nacktem Beton. Wo Architekten das Herz aufgeht, zucken Max und Monika Mustermann innerlich zusammen. Alles nur Beton? „Vor ein paar Tagen hatten wir im Büro einen Anruf von einer zukünftigen Mieterin“, erzählt Patrick Fessler, Projektleiter im Architekturbüro Adolf Krischanitz, „sie hat sich recht besorgt darüber erkundigt, ob die Oberfläche ihres Hauses etwa schon die endgültige ist.“ Für die Dame dürfte das Telefonat alles andere als erfreulich gewesen sein.

Doch man kann hoffen, dass sich die Einstellung zu authentischem Bauen - so heißt es unter Architekten, wenn man ganz verrückt danach ist, alles so zu zeigen, wie es ist - in Bälde ändern wird. Für Materialfetischisten und Ästheten ist das Grundstück nämlich ein Dorado der Möglichkeiten. Einmal ist der Beton aalglatt, dann wieder grob und zerfurcht und zeigt die sägeraue Oberfläche der Schalungsbretter. Meist ist er grau, gelegentlich aber ist er auch mit beigen, braunen oder schwarzen Farbpigmenten versetzt. Architekt Adolf Krischanitz: „Wir haben hier nicht versucht, lustige Häuser und Gags zu machen, sondern wollten den Leuten demonstrieren, wozu Bauen in Beton imstande ist.“

Ein zynisches Lächeln kann man sich nicht verkneifen. Wer jemals schon in einem Plattenbau der Siebzigerjahre gestanden hat, der weiß: Diese Grundrisse sind für die Ewigkeit betoniert. Unter halbwegs wirtschaftlichen Bedingungen erlauben sie den Bewohnerinnen und Bewohnern kaum mehr, nachträglich irgendwelche Änderungen vorzunehmen. Ganz zu schweigen von Behaglichkeit oder Bauökologie. „In Wien ist die Grundriss-Kultur völlig verschlampt, die Architektur hört meist schon an der Fassade auf“, beklagt Krischanitz, „was dann drinnen passiert und wie die Leute mit der meist geringen Wohnfläche zurande kommen, ist den Wohnbauträgern völlig egal.“

Mit der Mustersiedlung 9=12 will Bauträger ÖSG (Stadtentwicklung und Wohnbaumanagement GesmbH) Abhilfe schaffen und mit gutem Beispiel vorangehen. Und die besten Beispiele kommen bekanntlich aus der Schweiz. „Dort lebt die Grundriss-Kultur fort wie in keinem anderen Land in Europa“, sagt Krischanitz, „die Schweizer begreifen es einfach, mit wenigen gekonnten Handgriffen dem Menschen Behaglichkeit und Flexibilität zu vermitteln.“ Nicht zuletzt deshalb ist die Siedlung ein Jointventure der Architekturnationen geworden. Insgesamt neun Architekturbüros - jeweils drei aus Österreich, Deutschland und der Schweiz - zerbrachen sich den Kopf über neue Grundriss-Lösungen. In Österreich waren dies Hermann Czech, Heinz Tesar und Adolf Krischanitz als Planer und Koordinator, aus Deutschland beteiligten sich Otto Steidle (+), Max Dudler und Hans Kollhoff, aus der Schweiz schließlich Peter Märkli, Roger Diener sowie Marcel Meili und Markus Peter.

Das Potpourri könnte nicht vielfältiger und widersprüchlicher sein. Die einen setzten auf klare Kisten und wohl proportionierte Räume, die anderen auf ein paar vereinzelte Wandscheiben, die mittels Schiebetüren und Faltwänden immer wieder zu neuen Raumkonstellationen inspirieren. Eine einheitlich durchgehende Linie wird man nicht erkennen. „Ich mag dieses Kabinett an Möglichkeiten, ich mag die gebotene Vielfalt“, sagt Krischanitz, „zudem ist sie äußerst konsumentenfreundlich, weil sich jeder das aussuchen kann, was ihm gefällt.“ Zur Auswahl stehen luftige Apartments mit einem Hauch von Loft, Split-Level-Wohnungen und sogar mehrgeschoßige Reihenhäuser - verschachtelt und ineinander verkeilt, als hätten die Architekten Tetris gespielt.

„Als Vorzeigeprojekt ist die Mustersiedung 9=12 durchaus ein Erfolg“, sagt Architekt Adolf Krischanitz, „mit einer einzigen Ausnahme: Die finanzielle Komponente haut überhaupt noch nicht hin.“ Ohne das Sponsoring der beteiligten Firmen sei ein solches Projekt niemals möglich gewesen. Lafarge Perlmoser lieferte den Zement, Oberndorfer die Betonfertigteile, Pittsburgh Corning die gesamte Wärmedämmung, und die gelben Betonschaltafeln, die man von jeder Baustelle kennt, kommen vom österreichischen Unternehmen Doka. Die Liste ist noch länger. Ein nicht unwesentlicher Zuschuss ist schließlich der Baufirma selbst, der Strabag, zu verdanken - sie steuerte einen Teil der Baukosten bei.

„Wir sind alle in einem Boot gesessen und waren uns völlig darüber im Klaren, dass das Projekt im Rahmen des herkömmlichen geförderten Wohnbaus nicht funktionieren kann“, sagt Gernot Tritthart, Marketingleiter des Zementproduzenten Lafarge Perlmooser, „um das Bauvorhaben mit Fördermitteln realisieren zu können, mussten wir alle unseren Obolus leisten.“ Wenn sich schon die Gelegenheit ergibt, sich zu formieren und gemeinsamen ein Demonstrationsbauvorhaben aus der Taufe zu heben, dann müsse man sie auch nutzen.

Deutlich weniger euphorisch zeigt sich der hauptverantwortliche Architekt: „Genau das ist mein größter Kritikpunkt. Denn selbst bei derartigen innovativen und zukunftsweisenden Sonderprojekten wie 9=12 werden die strengen Regelungen für geförderten Wohnbau keinen Millimeter gelockert. Wir kriegen keinen Euro mehr als für jedes andere, normale Bauvorhaben auch.“

Das Werk ist vollbracht, Ende Oktober werden die ersten Bewohner einziehen. Eine Betonsiedlung nach derartig radikalem Strickmuster und mit derartig konsequentem Materialeinsatz wird es kein zweites Mal geben - das liegt in der Natur von Mustersiedlungen. Was bleibt, ist die Irritation in der vorbeiziehenden Landschaft. Viele Jahre noch werden die ÖBB-Passagiere der Westbahnstrecke kurz vor Wien den Kopf verdrehen und sich ob der ewigen Baustelle wundern. Ist denen das Geld für den Außenputz ausgegangen? Die Kenner unter ihnen wissen nun Bescheid.

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2024

Wien Museum Neu

Der Band ist eine visuelle und essayistische Reflexion über ein bedeutendes Kultur-Bauprojekt an einem der zentralen Orte Wiens in unmittelbarer Nachbarschaft zu Karlskirche, Künstlerhaus und Musikverein.
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Müry Salzmann Verlag

2022

mittendrin und rundherum
Reden, Planen, Bauen auf dem Land und in der Stadt Ein nonconform Lesebuch

Seit über 20 Jahren ist nonconform in Deutschland und Österreich in der räumlichen Transformation tätig. Architektur ist für das interdisziplinäre Kollektiv nie bloß ein fertiges, fotogenes Resultat, sondern immer auch ein lustvoller, horizonterweiternder Prozess, in den die Bürger:innen einer Gemeinde,
Hrsg: Wojciech Czaja, Barbara Feller
Verlag: JOVIS

2022

Brick 22
Ausgezeichnete internationale Ziegelarchitektur

Vom handgemachten Ziegelstein zum hoch entwickelten modernen Produkt: Das Bauen mit gebrannten Tonblöcken schöpft heute aus einem Erbe von neun Jahrtausenden Baugeschichte und dank ihrer vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, ihrer konstruktiven Qualitäten und ihrer Nachhaltigkeit sind Ziegel bis heute
Hrsg: Wienerberger AG
Autor: Wojciech Czaja, Anneke Bokern, Christian Holl, Matevž Celik, Anna Cymer, Isabella Leber, Henrietta Palmer, Anders Krug
Verlag: JOVIS

2021

Frauen Bauen Stadt

Wie weiblich ist die Stadt von morgen? Im Jahr 2030 werden weltweit 2,5 Milliarden Frauen in Städten leben und arbeiten. Traditionell war die Arbeit am Lebenskonzept Polis in ihrer Beauftragung, Planung und Ausführung jedoch männlich dominiert. Frauen Bauen Stadt porträtiert 18 Städtebauerinnen aus
Hrsg: Wojciech Czaja, Katja Schechtner
Verlag: Birkhäuser Verlag

2020

Almost
100 Städte in Wien

Was macht ein Reisender, wenn er nicht reisen kann? Er reist trotzdem. Wojciech Czaja setzte sich im Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 aus Frust auf die Vespa und begann, seine Heimatstadt Wien zu erkunden. Er fuhr in versteckte Gassen, unbekannte Grätzel und fernab liegende Adressen am Rande der Stadt
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Edition Korrespondenzen

2018

Hektopolis
Ein Reiseführer in hundert Städte

Jede Stadt ist anders. Jede Stadt hat ihren eigenen Charakter, aber auch ihre ganz eigenen Geschichten. Der vielreisende Stadtliebhaber Wojciech Czaja widmet sich in seinem Buch Hektopolis genau diesen ortsspezifischen, feinstofflichen Beobachtungen, Erlebnissen und Anekdoten. Porträtiert werden hundert
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Edition Korrespondenzen

2017

Motion Mobility
Die neue ÖAMTC-Zentrale in Wien

In einem von der Grundstückssuche bis zur Fertigstellung interdisziplinären Prozess planten Pichler & Traupmann Architekten, FCP Fritsch, Chiari & Partner als Ingenieure und das Beratungsunternehmen M.O.O.CON in Zusammenarbeit mit der Agentur Nofrontiere Design und SIDE Studio für Information Design
Autor: Wojciech Czaja, Matthias Boeckl
Verlag: Park Books

2012

Wohnen in Wien
20 residential buildings by Albert Wimmer

Wie wohnen die Wienerinnen und Wiener? Inwiefern decken sich architektonisches Konzept und gelebter Alltag? Der Architekturjournalist Wojciech Czaja und die Fotografin Lisi Specht werfen gemeinsam einen Blick hinter die Fassaden des geförderten Wiener Wohnbaus und bitten die Mieter und Eigentümerinnen
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: SpringerWienNewYork

2012

Zum Beispiel Wohnen
80 ungewöhnliche Hausbesuche

Wohnen ist eine zutiefst persönliche Sache. Kein Raum in unserem Leben steht uns so nahe wie unsere eigene Wohnung, wie unser eigenes Haus. Die beiden Autoren Wojciech Czaja und Michael Hausenblas reisen quer durch Österreich und sind zu Besuch bei Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Wirtschaft. Die
Autor: Wojciech Czaja, Michael Hausenblas
Verlag: Verlag Anton Pustet

2007

91° More than Architecture

Architektinnen und Architekten sind Arbeitstiere. Viele von ihnen arbeiten zehn Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 50 Wochen im Jahr. Die wenige Zeit, die zwischen den dichten Arbeitsstunden noch übrig bleibt, ist wie ein Heiligtum und muss als solches respektiert werden. In diesem Sinne ist 91°
Hrsg: Wojciech Czaja, Eternit Österreich, Dansk Eternit Holding
Verlag: Birkhäuser Verlag

2007

Periscope Architecture
gerner°gerner plus

Vor zehn Jahren haben Andreas und Gerda Gerner mit einem Einfamilienhaus begonnen: „Für ein erstes Projekt ist das Haus Hinterberger sehr unkonventionell. Wir haben uns permanent gefragt: Trauen wir uns das? Seitdem hat man sich oft aus dem Fenster gelehnt“ Entstanden ist das schwebende Haus Südsee in
Hrsg: GERNER GERNER PLUS.
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Verlag Holzhausen GmbH

2005

Wir spielen Architektur
Verständnis und Missverständnis von Kinderfreundlichkeit

Was ist eigentlich ein Kind? Der Jurist wird uns darauf eine andere Antwort geben als der Soziologe, der Pädagoge eine andere als der Philosoph. Und der Architekt? Wird er schweigen und weiterbauen?
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Sonderzahl Verlag