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Wohnen für Schwindelfreie
Der Standard

Wohnhochhäuser gibt es in Wien seit langem. Was als kommunaler Wohnbau begonnen hat, ist heute hochpreisiger. Dafür können Bewohner auf das hektische Stadtleben hinabblicken. Zu Besuch in einem alten und einem neuen Turm.

14. September 2019 - Franziska Zoidl
Den Donauturm sehen sie alle: die Mieter in den höheren Stockwerken eines der ältesten und eines der neuesten Wohnhochhäuser Wiens. Ersteres ist das Wohnhochhaus auf dem Matzleinsdorfer Platz in Wien-Margareten. Es ist ein 1957 fertiggestellter kommunaler Wohnbau mit 103 Wohnungen auf 20 Etagen. Einer der jüngsten Zugänge in der Wiener Skyline ist das Projekt Hoch 33 in Wien-Favoriten mit namensgebenden 33 Stockwerken. Er wurde im Vorjahr fertig und verfügt über 341 Mietwohnungen der Erste Immobilien KAG und 100 servicierte Apartments von room4rent.

Das Hoch 33 wird nun von seinen Mietern in Besitz genommen. Das eine oder andere Blumenkistchen wurde bereits zögerlich – und hoffentlich wie im Mietvertrag geregelt – am Balkongeländer befestigt. Der Einzug der ersten Mieter erfolgte gestaffelt, berichtet Petra Moser, zuständig für das Real Estate Asset Management bei der Erste Immobilien KAG. Sonst wäre es mit Parkplätzen und vor allem Platz im Lift eng geworden.

Auch auf dem Matzleinsdorfer Platz fährt heute ein Möbeltransporter vor. „Zieht da wer ein oder aus?“, ruft eine alte Dame, die gerade aus dem Gebäude tritt, bevor sie die Neuigkeit einem Gesprächspartner am Telefon weitergibt. Der Fahrer verdreht die Augen. Die 20-jährige Carmen wohnt schon seit ihrer Geburt hier. Die spektakuläre Aussicht von der Wohnung ihrer Eltern in einem der oberen Stockwerke war für sie immer schon Alltag. „Wenn ich am Kahlenberg bin, bin ich von der Aussicht nicht beeindruckt“, sagt sie und lacht. „Das kenne ich eh schon alles von daheim.“

Im Hoch 33 sind zwei Drittel der Wohnungen vergeben. Petra Moser von der Erste Immobilien KAG zeigt eine noch freie Wohnung im 21. Stock her. Ein raumhohes Fenster bietet Ausblick bis (fast) an den Horizont und hinunter zur Laaer-Berg-Straße. Wem schon beim Gedanken ans Fensterputzen schummrig wird, ist im Turm nicht gut aufgehoben. Auch der Schritt auf den Balkon mit Blick Richtung Südtosttangente könnte Überwindung kosten. Die gute Nachricht: Die Autos schauen von hier ganz klein aus. Die schlechte: Die Autos schauen von hier ganz klein aus. Bei Besichtigungen sei die Höhe kein Problem, sagt Moser: „Wer sich für eine Wohnung im Turm interessiert, weiß, dass das hoch ist.“

Im Haus auf dem Matzleinsdorfer Platz ist Harald Kührer seit 30 Jahren als Hausbesorger die gute Seele des Hauses. In der Früh, wenn das Haus zum Leben erwacht und die Aufzüge auf und ab surren, dreht er seine erste Runde. Dabei macht er manchmal unliebsame Entdeckungen: Schmierereien im Stiegenhaus oder im Lift zum Beispiel. Früher hätten sich immer wieder Jugendliche in den – in einem Hochhaus nur mäßig genutzten – Stiegenhäusern getroffen und für Ärger im Haus gesorgt.

Dabei sei der Wohnturm einst ein Zuhause für Wohlhabende gewesen: Helmut Zilk lebte hier ebenso wie Hans Dichand. Vor gut 30 Jahren seien die ersten Arbeiterfamilien eingezogen. Darüber freuten sich nicht alle, so Kührer.

Im obersten Stockwerk befand sich früher ein Restaurant mit Rundumblick. Alte Bilder zeigen ein Lokal mit Interieur, das heute als Vintagemobiliar durchgehen würde. Es musste allerdings nach einigen Jahren zusperren, weil es Probleme mit lärmenden Gästen gab, die den Lift verunreinigten. Heute befinden sich im obersten Stockwerk ein Architekturbüro und eine Werbefirma.

Es sei nicht so leicht, andere Bewohner kennenzulernen, meint Petra Moser über das Hoch 33. Gemeinschaftsraum und -terrasse haben sich noch nicht als Treffpunkte etabliert. Auf dem Matzleinsdorfer Platz ist man schon weiter. Manche leben seit 60 Jahren hier. Ob manche Mieter der – immerhin unbefristet vermieteten – Wohnungen im Hoch 33 auch so lange bleiben, wird sich zeigen.

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Für den Beitrag verantwortlich: Der Standard

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