Bauwerk

Rubinhaus
HERTL.ARCHITEKTEN - Christkindl (A) - 2001
Rubinhaus, Foto: Paul Ott
Rubinhaus, Foto: Paul Ott
12. März 2004 - Az W
Sowohl die mystische Aura des Bauplatzes – eine bewaldete Geländekante in abgeschiedener Nähe zur Kirche in Christkindl – als auch die Vorgeschichte des Bestandshauses regte die planenden Architekten zur analytischen Vertiefung in vorgefundene Strukturen an. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte das Gebäude den vielsagenden Beinamen „Todtengraberhäusl untern Himmel“ geführt, eine symbolische Erblast, die in der Transformation zu einem zeitgemäßen Wohngefüge eine thematische Herausforderung blieb. Dazu die Architekten: „Das Projekt visualisiert den Versuch, die vorgefundene Situation zu analysieren und deren Qualitäten weiterzubearbeiten, zu betonen und zu transformieren. Der Zubau soll die Planungsmechanismen des alten Gebäudekerns in sich aufnehmen, aber klar lesbar als Zeuge seiner Zeit auftreten und sich vom Bestand differenzieren.“ Auch wenn diese Differenzierung zwischen Altem und Neuem nun auf den ersten Blick ersichtlich ist, bleibt ein einheitliches, in sich ruhendes Gesamterscheinungsbild gewahrt.

Zunächst musste der Bestand von allen zwischenzeitlichen konzeptlosen Zu- und Umbauten bereinigt werden. „Die Entwicklung von freien Negativräumen durch die Wahl der L-Form beim Altbau und die entstehenden hofartigen Situationen mit Mauern bzw. Hängen wird weitergeführt, indem der Zubau vom Bestand abgesetzt und nur durch einen Glasgang verbunden wird.“ Der neue, distanzierte Block an der Kante eines felsigen Abhangs versinnbildlicht (bzw. versinnlicht) den konzeptuellen Grundgedanken einer analytischen Einfühlung. Der rubinrote Quader vermittelt als „eine dunkle Variante des Altrosas des bestehenden Hauses“ zwischen den vorhandenen und neuen Teilen des Hauses. Eine Haut aus gefärbten Industrieglas überzieht das Mauerwerk aus Hohllochziegeln und schimmert je nach Lichteinfall und Blickwinkel in unterschiedlichen Nuancen. Nur ein schmales Fensterband durchbricht die hermetische Hülle des gedämpft beleuchteten Innenraums und gewährt den Ausblick über das Steyrtal. Die Aura des Hauses verglichen die Architekten mit der statischen Stille eines Felsens – mit dieser Metaphorik im Hinterkopf brachten sie eine sachliche Gebäudetransformation in eine stimmungsvolle Fassung. (Text: Gabriele Kaiser)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

Ansprechpartner:in für diese Seite: Maria Welzigwelzig[at]azw.at

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