Bauwerk

Zu- und Umbau LKH Knittelfeld
fasch&fuchs.architekten, Lukas Schumacher - Knittelfeld (A) - 2005
Zu- und Umbau LKH Knittelfeld, Foto: Paul Ott
Zu- und Umbau LKH Knittelfeld, Foto: Paul Ott
Zu- und Umbau LKH Knittelfeld, Foto: Paul Ott
Zu- und Umbau LKH Knittelfeld, Foto: Paul Ott

Zu- und Umbau LKH Knittelfeld

06. Dezember 2005 - GAT

Nicht oft sind Bauten annähernd deckungsgleich mit ihrem Entwurf. Dass es beim Zubau zum LKH Knittelfeld so ist, mag das Ergebnis professioneller Wettbewerbsvorbereitung des Auslobers sein, liegt aber auch daran, dass schon das Wettbewerbskonzept von fasch&fuchs neben architektonischen Qualitäten realisierbare „Bodenhaftung“ aufwies.

Der langgestreckte Neubau rückt vom Bestand nur so weit ab, dass die Verbindung kompakt und die Wegeführung effizient bleibt. Eine zweigeschoßige, verglaste Brücke verbindet Alt und Neu. Die Anlieferung für die im neuen Erdgeschoß installierte Zentralküche wurde bestechend ephemer und hell mit transluzenten Folienkissen gedeckt. Die Beeinträchtigung des Lichteinfalls bei nur 8 Metern Gebäudeabstand wird durch geschickt gesetzte Maßnahmen aufgehoben. Eine kennt man schon vom Kindermuseum in Graz. Der dreigeschoßige Zubau des Landeskrankenhauses senkt sich in ein durch Abgrabung neu geschaffenes Terrain und reduziert dadurch seine, vom Altbau und aus der Entfernung erlebbare Höhenentwicklung merklich. Zudem wird die Fassade gekippt - weg vom Bestand. Die daraus resultierende Trichterwirkung wird verstärkt durch sechs tiefe, gleichmäßig gesetzte Rücksprünge, die in die Obergeschoße der dem Altbau zugewandten Südfassade eingeschnitten sind. Aus zwei Kunstgriffen – Absenkung und Schrägstellung - leitet sich alles Weitere ab und ergibt sich das, mittlerweile viele Arbeiten von fasch&fuchs charakterisierende, dynamisch „schnittige“ Profil des Baukörpers.
Optimierung und Lenkung des einfallenden Lichts prägen auch die Mittelgangerschließung: über ein hochgelegtes Oberlichtband trifft es auf die, wie die Südfassade schräg gestellte Nordwand der Gangzone. Einerseits wird das Licht von der weiß gestrichenen Schräge in die verglasten Bereiche der Versorgungszone der Stationen reflektiert, andererseits werden die innenliegenden Sanitärräume der Patientenzimmer hinter der geneigten Wand durch Oberlichtverglasungen mit Tageslicht versorgt – so ausreichend, dass künstliches Licht tagsüber nicht gebraucht wird. Sogar die Gänge der ein Geschoß tiefer liegenden Stationen profitieren vom darüber einfallenden Licht, weil Glasstreifen bodeneben in die Decken eingelassen sind.
Auf diese Weise gleichen die Architekten die Nachteile einer Lage, wie hier die Ausrichtung des Zubaus, aus. Vorteile hingegen werden akribisch herausgearbeitet. Die nach Norden orientierten Krankenzimmer bleiben frei von direkter Sonneneinstrahlung und konnten großzügig verglast werden - raumbreit und so tiefliegend, dass auch vom Krankenbett aus uneingeschränkte Ausblicke möglich sind. fasch&fuchs Bauten sind keine Nur-Schönwetter-Bauten für Hochglanzmagazine. „Ins rechte Licht“ rücken sie sich selbstredend.
(Text: Karin Tschavgova)

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