Bauwerk

Brentwood Skytrain Station
Busby+Associates - Burnaby (CDN) - 2001

Good wood in Brentwood

18. Dezember 2005 - Eva Guttmann
Vancouver – einem Ranking zufolge die Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität – baut vor: Ziel aktueller stadtplanerischer Bemühungen ist es, einer unkontrollierten Ausbreitung des »urban sprawl« entgegenzuwirken und das Wachstum auf einige wenige neue Zentren rund um Vancouver zu konzentrieren. Parallel dazu wird an attraktiven öffentlichen Alternativen zum Individualverkehr – vor allem für die große Zahl an Pendlern – gearbeitet, um die Umweltbelastung so gering wie möglich zu halten und die Lebensqualität zu sichern.

Ein Teil dieses umfassenden Konzepts ist der Bau der »Millennium Line«, die mit dreizehn Bahnhöfen das zweite Netz des elektrischen Skytrain-Systems ist. Zwei dieser neuen Bahnhöfe wurden von Busby + Associates entworfen, einer davon – die »Brentwood Skytrain Station« – befindet sich in Burnaby, einem Vorort im Osten von Vancouver und gilt als Flaggschiff der neuen Linie.

Im Vorfeld seiner Planung wurden in einem öffentlichen Entscheidungsprozess die Aspekte der Erkennbarkeit, der Erreichbarkeit, der Sicherheit, des Komforts und der formalen Gestaltung als wesentlich erarbeitet und, im Sinne der Umweltverträglichkeit, die Verwendung rezyklierbarer Materialien mit niedriger Herstellungsenergie gewünscht. Unter diesen Voraussetzungen entwarfen Busby + Associates eine flache, ovale Scheibe mit einem ebenfalls ovalen, mittigen Oberlicht über ihre gesamte Länge, die über den Schienen schwebt, welche ihrerseits genau über einer Autobahn verlaufen. Die Maße des Bahnhofs ergeben sich aus Zuggrößen und Passagieraufkommen, seine gebauchte Form entstand durch die vertikalen Erschließungen, die jeweils in der Mitte der Längsseiten liegen. Der Baukörper selbst wirkt zweifach: am Tag und von außen als große, transparente Landmark auf einer die Autobahn überspannenden Stahlbetonkonstruktion, in der Nacht und in seinem Inneren warm leuchtend, schwebend wie ein freundliches ufo. Diesen einladenden Effekt verdankt der Bahnhof vor allem der Verwendung von Holz, das sowohl konstruktiv als auch sichtbar zum Einsatz kommen konnte, nachdem der Nachweis erbracht worden war, dass es normgemäß unbrennbaren Materialien entspricht. Während Unterkonstruktion, Brücken und Bahnsteige aus Stahlbeton sind, wurden für die konstruktiven Rippen der beiden Schalen zwei Baustoffe verwendet: »vandalensicherer« Stahl in den unteren Bereichen und – vor allem wegen des günstigen Verhältnisses von Eigengewicht zu Tragkraft – Leimholzträger weiter oben. Das Dach besteht aus wiederverwertetem bzw. heimischem Nadelholz, welches Kante an Kante nebeneinander gelegt und vernagelt wurde und so der doppelt geschwungenen Form optimal zu folgen vermag.

Mit dem in diesem Zusammenhang zumindest ungewöhnlichen Einsatz von Holz erfüllten die Architekten die zentralen Forderungen der Bauherren. Die effiziente, wirtschaftliche Mischbauweise, die Verwendung eines ökologischen, wiederverwertbaren Baustoffs für große Teile des Bahnhofs, die Schaffung einer einladenden, sicheren Atmosphäre durch großzügige Raum- und Belichtungssituationen und durch die Beibehaltung von Holzsichtoberflächen im Inneren der Station tragen wesentlich dazu bei, die Attraktivität der öffentlichen Verkehrsmittel zu steigern und die langfristigen Umweltanliegen der Stadtverwaltung zu verwirklichen.

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Für den Beitrag verantwortlich: zuschnitt

Ansprechpartner:in für diese Seite: Kurt Zweifelzweifel[at]proholz.at

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