Bauwerk

Hungerburgbahn
Zaha Hadid Architects - Innsbruck (A) - 2007
Hungerburgbahn, Foto: Lukas Schaller

Hungerburgbahn

Vier Stationen und eine Schrägseilbrücke

Die der Nordkette vorgelagerte, 300 m über der Stadt Innsbruck gelegene Geländetrasse der Hungerburg wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts besiedelt und als Ausflugsziel genutzt. 1906/07 wurde vom damaligen Stadtrand aus eine Standseilbahn auf die Hungerburg errichtet, eine technische Pionierleistung des Ingenieurs Josef Riehl – Teile davon, wie die Brücke über den Inn stehen unter Denkmalschutz. Über Art und Umfang der notwendig gewordenen Erneuerung dieser historischen Bahnanlage wurden jahrelange, teils kontroverse Diskussionen geführt, zahlreiche Expertisen angestellt und etliche Alternativprojekte vorgeschlagen.

Schlussendlich wurde statt einer Generalsanierung eine völlige Neutrassierung beschlossen, die in Hinblick auf bessere Erreichbarkeit und größere Attraktivität die Talstation ins Stadtzentrum rückt. Für die Umsetzung wurden ein Investor und Betreiber gesucht und im Zuge eines Bieterwettbewerbs das Projekt der Firmen Strabag AG und Leitner GmbH mit der Architektin Zaha Hadid ausgewählt. Die neue Standseilbahn verläuft von der unterirdisch angelegten Talstation Congress Innsbruck zur Schonung einer denkmalgeschützten Parkanlage in einem 372 m langen Tunnel bis zur erhöhten Station Löwenhaus; von dort auf einer S-förmig geschwungenen Schrägseilbrücke mit zwei ca. 30 m hohen Pylonen über den Inn in einen zweiten, 445 m langen Tunnel bis zur hoch aus dem Steilhang herausragenden Station Alpenzoo. Der letzte, oberirdische Abschnitt der Bahn mündet kurz vor der Bergstation Hungerburg in die Trasse der alten Standseilbahn.

Mit den vier Stationen entlang der neuen Hungerburgbahntrasse und der Hängebrückenkonstruktion über den Inn realisierte Hadid nach der Bergisel Sprungschanze ihr zweites Projekt in Innsbruck. Der formalen Grundidee von „Schale & Schatten“ folgend wölben sich organisch geformte Glas-Dachschalen über Sichtbetonlandschaften und spannen im Zusammenspiel den Raum der Stationen auf. Einer Dramaturgie der Bewegung folgend inszenieren sie auf unterschiedliche Art und Weise den jeweiligen Ort und sind auf den konkreten Kontext, die Topographie, Höhe und Trassengeometrie abgestimmt: von der innerstädtischen „U-Bahn-Station“ (Congress Innsbruck) über eine dem Inn entlang laufende Hochbahnstation (Löwenhaus), die in den Schwung der Brücke überführt, den Turmbau am Steilhang mitten im Wald (Alpenzoo) bis zur Bergstation auf der Hungerburg, die einem Vogel gleich die Schwingen zur Stadt hin ausbreitet und in eine auskragende Aussichtsplattform mündet. Die Flexibilität der Schalenstruktur erlaubte es dabei, den unterschiedlichen Parametern gerecht zu werden und gleichzeitig jede Station klar als Teil eines Ganzen identifizierbar zu machen. Künstliche Landschaften mit fließenden Dachformen und weichen Konturen entstanden, die laut Hadid von natürlichen Phänomenen wie Gletscherbewegungen inspiriert sind.
(Text: Claudia Wedekind)

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Für den Beitrag verantwortlich: aut. architektur und tirol

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