Bauwerk

Neubau Haus H.
Bernd Mayr - Wien (A) - 2006
Neubau Haus H., Foto: Andreas Buchberger
Neubau Haus H., Foto: Andreas Buchberger
17. August 2008 - Az W
„Wir wussten, dass wir eine großzügige Wohnraumgestaltung wollten und wir wussten auch, was wir nicht wollten“, sagte die Hausherrin. „Wir haben auch versucht, mit einem Zeichenprogramm unser Wohnhaus selbst zu planen und haben uns aber schließlich an einen Experten gewandt.“ Die Bauherrin, eine Expertin in der Lebensmittelbranche weiß nun, dass ein Architekt das umfangreiche Anforderungsspektrum optimal auf den Punkt bringen kann.

Wie immer waren es die Standortfaktoren, die auf die Planung von Öffnungen, Form und Hülle des Gebäudes wirkten. Das Grundstück selbst geht als fixe Variable in der Planung ein - Grundstückform, Umgebung und Sonnenlauf beeinflussten die Tageslichtführung und die Form des Gebäudes. Die Energie der Sonne wird bei diesem Haus optimal genutzt: einerseits durch große Fensteröffnungen, andererseits durch Solarenergiekollektoren am Flachdach. Individuelle Fensterlösungen schützen einerseits die Privatsphäre lassen aber gleichzeitig Innenraum und Außenraum verschmelzen. Eckfensterlösungen und passender Sonnenschutz tragen zur perfekten Lichtführung bei. Schiebetüren verschwinden unsichtbar, trennen und eröffnen Räume. Alles ist genau geplant, die praktischen Vorratsschränken in der Küche aber auch der Blick in den Himmel von der Badewanne aus. Das Haus öffnet sich von der Eingangszone über den Essbereich, hin zu einem sich großzügig in Höhe und Breite weitenden Wohnraum, der in eine Lärchenholzterrasse übergeht. Das Blickfeld der Küche reicht vom Eingangsbereich bis zur alten Steinmauer am Ende des Gartens. Eine gemauerte Treppe führt direkt von der Eingangszone in das Obergeschoss, zum Bad und zu den Schlafräumen. Auch hier öffnet sich das Haus dem Garten zu durch große Verglasungen. Raffiniert sind die horizontal strukturierten verschiebbaren Holzfensterläden, die bei geschlossenem Zustand eine hellgrüne Wand freigeben. Die Form des Rechteckes bestimmte diese Planung, sie spiegelt die Grundstücksform im Hausgrundriss und findet sich bei allen Details bis hin zu den Fassadenrauten wieder. Die Einheit in der Formgebung, eine durchgehende Farbengestaltung und die Materialwahl – Titanzink, Holz, Naturstein und Glas - unterstreichen die Großzügigkeit dieses Gebäudes.

Die schöne alte Steinmauer, die das Grundstück begrenzt, ist ein Teil der Lainzer Tiergartenmauer und diese erzählt Geschichte und Anekdote: Die etwa 21 km lange Lainzer Tiergartenmauer wurde unter Kaiser Joseph II. vom Maurermeister Phillip Schlucker in der Zeit von 1782 bis 1787 errichtet. Dieser war mit seinem Preisangebot so günstig, dass die Wiener Bevölkerung befürchtete, er werde verarmen, was nicht der Fall war. Der Begriff „armer Schlucker“ ist bis heute bekannt. 1918 kam der Tiergarten in die Verwaltung des Kriegsbeschädigtenfonds. Ab 1919 wurde der Tiergarten an den Wochenenden für die Bevölkerung geöffnet. Kurz danach wurde ein Teilstück abgetrennt und zur Rodung freigegeben. Die heutige Siedlung „Friedensstadt“ entstand.

Dieses Wohnhaus mit Flachdach zeigt sich modern und zeitgemäß. Die Fassade: Einfacher weißer Putz im Erdgeschoss, darüber etwas vorspringend das Obergeschoss umhüllt mit Titanzink Rheinzink (blaugrau vorbewittert). Die gesamte Metallverkleidung wurde auf einer Unterkonstruktion mit Vollschalung, Wärmedämmung und mit entsprechenden Hinterlüftungsquerschnitt unsichtbar montiert. Für die Be- und Entlüftung der Hinterlüftung und für die Dachentwässerung wurde ein maßgeschneiderte spenglertechnische Lösung entwickelt. Dieses moderne Wohnhaus, das die präzise Antwort auf die Wünsche des Bauherrn und die gegebene Grundstücksituation und die Bauvorschriften gibt, entstand durch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. (Text: Architekt)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

Ansprechpartner:in für diese Seite: Maria Welzigwelzig[at]azw.at

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