Bauwerk

Generalsanierung Zentralfeuerwache Am Hof
TREUSCH architecture - Wien (A) - 2011
Generalsanierung Zentralfeuerwache Am Hof, Foto: Rupert Steiner
Generalsanierung Zentralfeuerwache Am Hof, Foto: Rupert Steiner

Umbau in vollem Galopp

Ein schwieriger Job für den Architekten: der Umbau der Zentralfeuerwache Am Hof in Wien. Eher gelungene funktionelle Entflechtung denn Selbstverwirklichung. Einige Sünden hätte der Denkmalschutz uns ersparen können.

26. September 2009 - Liesbeth Waechter-Böhm

Es kann nur ein Zwischenbericht sein, wenn von der Zentralfeuerwache Am Hof in Wien die Rede ist. Zwar arbeitet das Architekturbüro Andreas Treusch schon seit Jänner 2004 an der Sanierung, dem Um- und Ausbau der drei Objekte, die an diesem zentralen, auch historisch bedeutsamen Platz von der Feuerwehr genutzt werden, ein Ende ist aber nichtvor 2012 abzusehen. „Fertig“ im architektonisch/baulichen Sinn ist definitiv erst ein Objekt – das Haus von Johann Lukas von Hildebrandt von 1727–1730, und auch da ist etwa das kleine Museum noch nicht eingerichtet, also noch nicht öffentlich zugänglich.

Tatsächlich geht es hier um eine extrem komplexe Situation: strengster Denkmalschutz sowieso, Bauen im zentralen innerstädtischen Bereich auf historisch „getränktem“ Boden (Archäologen!) – und dazu noch Umbau bei vollem Betrieb. Denn es kann natürlich nicht sein, dass auch nur eine einzige der Funktionen der Zentralfeuerwache kurzfristig ausfällt.

Steht man jetzt vor dem Hildebrandt-Haus und hat das Glück, dass einem nicht irgendwelche provisorisch abgestellten Feuerwehren oder Baufahrzeuge der anschließenden Baustellen die Sicht nehmen, dann versteht man, was hier Sache ist. Und das ist sicher nicht der Außenauftritt des Architekten. Der macht sich hier überhaupt nur durch einen bescheidenen, schwarz-gläsernen Monolithen bemerkbar, der in eine bestimmte Richtung weist. Nämlich auf den Eingang links von den Ausfahrttoren der Feuerwehren, wo es zum Museum geht.

Treusch hat an dieser Fassade nichts verändert, auch nicht die Tore, obwohl sie erst aus den Dreißigerjahren stammen. Die ursprüngliche, mittige Eingangssituation mit Aufgang zur Beletage wäre nicht wieder herstellbar gewesen. Denn auch aus dem Hildebrandt-Haus ist, man muss es betonen, ein Nutzbau geworden, der bestimmte Funktionen zu erfüllen hat, und zwar nach heutigen Kriterien. Und das bedeutet, dass dieses historische Haus in Wirklichkeit vollgepackt ist mit Technik. Schächte überall, alle voller Leitungen und, wo möglich, unsichtbar. Es ist tatsächlich sehr gut gelungen, diesen Sprung in die Technologien des 21. Jahrhunderts im Verborgenen zu halten.

Anders ist es im kleinen Hof, der glasüberdacht wurde. Dort gab es hölzerne Pawlatschen, die in einem ganz schlechten Zustand waren und durch eine Stahl-Glas-Konstruktion ersetzt wurden. Atmosphärisch bedeutet das sicher einen Verlust, umso mehr als die jetzige Lösung ziemlich nüchtern daherkommt. Andererseits geht es hier um den Brandschutz, was bestimmte Profilstärken der Stahlkonstruktion zur Folge hat und eine feingliedrige künstlerische Lösung gar nicht erlaubt hätte. Nicht zu reden vom Kostenfaktor, aber da bewegt man sich – im ganzen Haus – auf dem Niveau des Notwendigen.

Es hört sich vielleicht fragwürdig an, aber eine solche Aufgabe unter solchen Umständen lässt dem Architekten kaum einen Spielraum zur Selbstverwirklichung. Von den Römern bis herauf ins 20. Jahrhundert haben sich an diesem Ort Epochen sichtbar eingeschrieben. Nur wir sind jetzt der Meinung, dass jegliche sichtbare zeitgenössische Überformung nicht vertretbar ist.

Unter solchen Voraussetzungen kann der Architekt nur noch strukturell denken, nicht in Gestaltungsdetails. Wichtige Elemente der historischen Substanz – etwa der Barocksaal in der Beletage – wurden dabei mit aller Sorgfalt behandelt. Die heutigen Anforderungen schlagen sich vor allem in einem Multimedia-Saal, teilbar, einfach, funktionell, nieder. Und die Möglichkeit eines Rundumgangs wurde geschaffen.

Die Baustelle für das „Haus 7“, also das Hildebrandt-Haus, war lange Zeit eine der aufregendsten der Stadt. Hier hat man wirklich in offener Bauweise hinuntergegraben, um dann unter dem Haus eine bis zum Tiefen Graben – dort ebenerdig – durchgehende neue Fahrzeughalle und einen Verbindungsgang zum „Haus 9“ zu schaffen. Das war und ist ein Eldorado für die Stadtarchäologen. Denn seinerzeit, als man in den Sechzigerjahren diese unsägliche Tiefgarage Am Hof gebaut hat, deren Abfahrt diesen Platz wirklich stört, sind die Stadtarchäologen nicht zum Zug gekommen. Es hat einfach das Bewusstsein für solche Fragen gefehlt.

Man muss sich die Gesamtsituation vor Augen führen: Es gibt das Hildebrandt-Haus, dann das kleine sogenannte Kattus-Haus, das noch heute in Privatbesitz ist, dann einen historisierenden Wiederaufbau aus der Nachkriegszeit (das Haus war ein Bombentreffer), und um die Ecke das alte Zeughaus aus dem 16. Jahrhundert, mit seiner markanten Fassade zum Platz und einem sehr tiefen Innenhof. Insgesamt arbeiten hier 1400 Menschen, in 24-Stunden-Schichten, ständig „in Bereitschaft“.

Als Erstes war für die Architekten eine Art „funktionelle Entflechtung“ angesagt. Man musste Ordnung in eine Sache bringen, die einen endlosen, teilweise recht improvisatorischen Entwicklungsprozess hinter sich hat. Dafür musste man herausfinden, welche räumlichen Potenziale in der Substanz versteckt waren. Und die gab es, denn hier geht es ja teilweise zwei, drei, wenn nicht vier Stockwerke in die Tiefe. Dieser dynamische Prozess – gemeinsam mit dem Nutzer und der in diesem Fall sehr bewährten MA 34 als Bauherr bewältigt – hat viel Zeit in Anspruch genommen.

Dann gibt es aber Vorbehalte. So hat der Architekt vorgeschlagen, diese unsägliche Dachlandschaft auf dem „Haus 9“, dem historisierend wieder aufgebauten, zu eliminieren und durch einen zeitgenössischen Dachaufbau zu ersetzen. Es gibt ein formal sehr überzeugendes Projekt. Abgelehnt. Man wende den Blick um höchstens 90 Grad, dann sieht man ein architektonisches Wimmerl von einem Privaten, der durfte das. Da hört sich eigentlich alles auf.

Genauso im Zeughaus-Komplex. Da gibt es eine unheimlich „schiache“ Eisenkonstruktion, die eine Art Terrasse für die Feuerwehrmänner liefert. Natürlich nur im Sommer nutzbar. Treusch wollte dieses Unding durch einen filigranen Glaspavillon ersetzen. Er wäre das ganze Jahr über nutzbar. Und er ist so konzipiert, dass er die historische Substanz nicht antastet. Sogar demontierbar. Was hat der Denkmalschutz zu diesem Vorschlag gesagt? Njet, unwiderrufbar.

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