Bauwerk

Belvedere Wien - Verbindungsgang zwischen dem Unteren Belvedere und der Orangerie
Kuehn Malvezzi - Wien (A) - 2009
Belvedere Wien - Verbindungsgang zwischen dem Unteren Belvedere und der Orangerie, Foto: Ulrich Schwarz
Belvedere Wien - Verbindungsgang zwischen dem Unteren Belvedere und der Orangerie, Plan: Kuehn Malvezzi Architekten

Belvedere Wien - Verbindungsgang zwischen dem Unteren Belvedere und der Orangerie

25. Oktober 2009 - Az W

Prinz Eugen ließ das Belvedere als Sommerresidenz bauen, in der er sich vornehmlich seiner botanischen Sammelleidenschaft widmete. Hinter seiner Bibliothek im Westflügel ließ er sich einen kleinen Studiengarten mit Gewächshaus anlegen, um die exotischen Pflanzen seiner Sammlung im Detail mithilfe der Bücher zu studieren. So entstand bereits um 1700 der Verbindungsweg vom Westflügel zu den Orangerien am Rennweg.

Mit der Anbindung der heutigen Orangerie an den Westflügel wurde der historische Bezug nun auf der Ebene der Ausstellung wiederhergestellt und neu interpretiert. Mit einer verglasten Pergola für den Verbindungsgang haben wir unseren Entwurf thematisch in der Gartenanlage situiert und dabei eine zeitgenössische Form gefunden, die vom Bundesdenkmalamt und den Behörden von Anfang an unterstützt wurde.

Der Entwurf macht sich die örtlichen Gegebenheiten zunutze, indem der Gang im Schatten der bestehenden denkmalgeschützten Mauer verläuft. Er liegt in einem Bereich, der bislang als Privatgarten weder zugänglich noch einsehbar war. Dadurch wird der historisch bedeutende und vor Kurzem wiederhergestellte Kammergarten physisch nicht berührt. Im direkten Umgang mit der barocken Architektur setzen wir im Verbindungsgang fort, was wir mit dem Umbau des Unteren Belvedere im Jahr 2007 begonnen haben: Durch das diskrete Einfügen zarter Stahltüren und -fenster haben wir historische Blickachsen wieder sichtbar gemacht und den Bezug zum Garten akzentuiert. In der gleichen Form bildet der Verbindungsgang als Stahlkonstruktion mit Glasfüllung eine diskrete Ergänzung ohne Anbiederung. Gleichzeitig verwenden wir mit dem Mannersdorfer Kalkstein für die Sockel- und Bodenbeläge der Rampen ein historisches Wiener Baumaterial, das bereits im Barock verarbeitet wurde und heute noch aktuell ist. Hier wie da geht es uns darum, das barocke Ensemble zur maximalen Wirkung zu bringen, ohne dabei unsere heutige Zeit zu verleugnen. (Text: Architekt)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Martina Frühwirthfruehwirth[at]azw.at