Bauwerk

Um- und Zubau Pfarrheim Mauthausen
x architekten - Mauthausen (A) - 2009
Um- und Zubau Pfarrheim Mauthausen, Foto: Wolfgang Leeb
Um- und Zubau Pfarrheim Mauthausen, Foto: Wolfgang Leeb

Um- und Zubau Pfarrheim Mauthausen

22. November 2009 - Az W

Das Pfarrheim der Pfarre Mauthausen liegt am höchsten Punkt der Gesamtanlage Kirche/Pfarrhof/Pfarrheim. Der tiefer liegende Pfarrhof ist topographisch der Kirche zugeordnet und übernimmt durch seine barocke Form eine Solitärstellung im gesamten Gefüge. Das Pfarrheim als bisherige bauliche „Nachahmung“ zum wertvollen Pfarrhof, ähnlich in der Größe, Form und Farbe verbindet die unterschiedlichen Niveaus des Gesamtgeländes.

Entwurfsidee – Konzept
Die Idee für die Reorganisation des neuen Pfarrzentrums in Mauthausen resultiert aus der Beschäftigung mit der besonderen topographischen Lage. Die Höhenunterschiede am gesamten Gelände erzwingen räumliche Zusammenhänge, die durch die Funktionen der Kirche und des Pfarrzentrums neu zu organisieren sind. Der „Weg“ als Metapher des Verbindens, des sich Näherkommens und des Ankommens umspült die Topographie und schafft neue räumliche Zusammenhänge zwischen den Bereichen Kirche, Pfarrzentrum, Garten und Parkplatz. Eine Rampe beginnend vom Zugangsniveau entwickelt sich den Hang abwärts zum Kirchenplatz, und den Haupträumen des Pfarrheimes. Bestehende räumliche Barrieren werden entfernt, sodass sich das gesamte Gelände dem Besucher öffnet. Eine Aktivierung von vorhandenem Wert generiert eine „neu geerdete“ Gesamtanlage.
Die Situierung des Zubaus
Unser Haupteingriff in die bestehende Struktur ist der Neubau des Pfarrsaals mit vorgelagertem Saalfoyer. Diese Funktionen sind gleichzeitig dem Kirchenplatz dem Pfarrhof und dem Parkplatz zugeordnet. Die Rampe verbindet den Pfarrheimvorplatz samt Eingangsbereich auf Parkplatzebene mit dem Kirchenplatz. Der neue Pfarrsaal samt vor gelagertem Foyer wird so im Hang situiert, dass er von oben räumlich nicht erscheint und von unten eingeschossig wirksam wird. Der Weg als Rampe darüber ist die Anbindung des Kirchenplatzes an die Eingangsebene.

Die neue Gesamterschließung
Die Haupterschließung des Pfarrheimes erfolgt über den neuen Eingang auf der Ostseite des Gebäudes. Dem Eingang vorgelagert ist ein Vorplatz. Der helle, großzügige Eingangsbereich erschließt sich über einen gläsernen Windfang. Zur barrierefreien Erschließung der gesamten Anlage wird ein Personenlift implantiert. Das Verbindungsbauwerk zwischen Pfarrhof und Pfarrheim wird entfernt, sodass jeder Baukörper selbstbewusst für sich wirken und erscheinen kann. Dadurch entsteht die Verbindung der Freiräume vom Kirchenplatz zum Pfarrgarten mit den Obstbäumen, wodurch dieser aktiviert und genutzt werden kann. Die öffentlichen Funktionen (Pfarrkanzlei, Aussprache, Pfarrerbüro) samt Nebenräumen sowie der Bibliothek sind im EG angeordnet. Im darunter liegenden Geschoss sind die Gruppenräume westseitig mit Ausgang ins Freie und der Pfarrsaal mit vorgelagertem Foyer und allen Nebenräumen ostseitig angeordnet. Diese Ebene kann zusätzlich zur inneren Stiegenhauserschließung von außen über die Rampe erreicht werden. Im Kellergeschoss befinden sich die Lagerräume der Gruppen und die Haustechnikanlage mit Pellets Lagerraum. Der Dachstuhl bleibt in seiner Form bestehen, sodass er Chorprobenraum, die Jungschar und ein Reserveraum Platz finden.

Die neue Erscheinung des Pfarrheimes
Das Pfarrheim wird als Archetypus eines Walmdachhauses auf seine starke Geometrie beschränkt. Das Haus muss eigenständig wirken, sich selbstbewusst verhalten und nicht an den Pfarrhof angeglichen werden. Als homogen wirkender Körper, wird das Material der Dachdeckung (Rheinzinkschindeln) auch auf die Fassaden übertragen. Die Fensteröffnungen werden zum Teil vergrößert. Der Zubauteil erscheint in seinen Außenflächen hauptsächlich als Glasfassade. Die räumliche Figur der Faltung erscheint ebenso in einem einheitlich durchgängigen Material – rotbraun eingefärbter Sichtbeton der sich im Inneren, sein konzeptioneller Logik folgend, weiterzieht.
Bautechnische Eingriffe am Pfarrheim
Die Außenfassade des Pfarrheimes ist mit 24cm Wärmedämmung und einer hinterlüfteten Fassadensystems zu verbessern. Alle erdanliegenden Bestandswände werden mit 20 cm nachgedämmt. Gemeinsam mit den passivhaustauglichen Fenstern und Glasfassadenelementen, sowie einer Lüftungsanlage und einer Photovoltaikanlage wird das neue Pfarrheim so zu einem energietechnischen Vorzeigebeispiel und erreicht als Gesamtprojekt den Passivhausstandard!

Gestaltung der Freiräume
Im Pfarrgarten wird an zwei Stellen ein Sitzbereich angeordnet. Einer befindet sich als Terrasse an die Bibliothek angeschlossen an der Westseite des Pfarrheimes, ein weiterer ist inmitten der Obstbäume mit Blick auf den Kirchturm. Der Kirchenplatz wird an der Ostseite des Pfarrhofes vergrößert, damit ein zentraler Platz mit guter Einsehbarkeit aus allen Richtungen entsteht. Der historische Brunnen wird an die Ostwand des Pfarrhofes gesetzt. (Text: Architekten)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Martina Frühwirthfruehwirth[at]azw.at

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