Bauwerk

Pfarrhof Erl
umfeld architectural environments - Erl (A) - 2013
Pfarrhof Erl, Foto: Günter Richard Wett
Pfarrhof Erl, Plan: umfeld architectural environments

Pfarrhof Erl

22. November 2013 - aut. architektur und tirol

Die Tiroler Gemeinde Erl, bekannt für die Passionsspiele und als Austragungsort der Tiroler Festspiele Erl, besitzt einen Dorfkern mit stark ländlicher Prägung. Inmitten dieser gewachsenen Dorfstruktur bildet die Kirche mit dem alten Friedhof, der über die Jahre schrittweise entstandenen Friedhofserweiterung, verschiedenen Nebengebäuden und einem großen Grünbereich einen klar definierten Ort, der wie eine Art Insel deutlich von der umgebenden Bebauung abgegrenzt ist.

Als Ersatz für den stark sanierungsbedürftigen ehemaligen Pfarrhof sollte im Grünbereich ein neuer Pfarrhof entstehen, wozu 2011 ein geladener Architekturwettbewerb ausgeschrieben wurde. Das Siegerprojekt von umfeld architectural environments geht von der Insel-Situation und deren Trennung in einen sakralen und einen profanen Bereich aus. Neben dem geistigen Zentrum aus Kirche und Friedhof bildet der neue Pfarrhof mit dem Pfarrgarten ein lebendiges und offenes Zentrum für die Gemeinde – getrennt und zugleich verbunden durch die Friedhofsmauer.

Ein schlichter, aber doch markanter Baukörper mit polygonalem Grundriss ist als weltlicher Gegenpol zur Kirche im Pfarrgarten platziert. Seine Situierung und Form ergab sich aus den Bezügen zur gewachsenen Struktur und der Berücksichtigung der Blickbeziehungen zwischen den Gemeindestraßen, Pfarrgarten und Kirche. Die alte Friedhofsmauer wurde durchbrochen und eine neue Durchgangssituation geschaffen, die in einen gepflasterten Vorplatz mündet. Hier befindet sich einer der beiden Hauptzugänge zum Pfarrhof, ein zweiter liegt auf der gegenüberliegenden Seite hin zum Pfarrgarten.

Beide Zugänge führen in ein zentrales Foyer, über das alle wesentlichen Räume barrierefrei erschlossen sind: ein großzügiger Pfarrsaal, die Pfarrkanzlei und das Pfarrerzimmer sowie ein Sitzungszimmer, das auch von der Jungschar genutzt wird. Zum Pfarrgarten hin öffnet sich der Pfarrsaal in einen vom auskragenden Obergeschoss überdachten Freibereich. Im Obergeschoss sind drei unterschiedlich große Wohnungen mit Balkonen Richtung Garten untergebracht, außerdem erhielt das Pfarrarchiv hier einen angemessenen Archivraum.

Der in Massivbauweise in Kombination mit Holzbauweise ausgeführte Baukörper erfüllt mit seiner kompakten Bauweise Niedrigenergiehaus-Standard. Er ist komplett umhüllt von einer – noch golden glänzenden – kupfernen Außenhaut, die in wenigen Jahren Patina ansetzen wird und das gleiche charakteristische blaugrün annehmen wird, wie das Dach der Kirche.

Neben dem Pfarrhof umfasste das Gesamtprojekt ein kleines Nebengebäude mit WC-Anlage und Lager sowie eine erneute Erweiterung des Friedhofs um neue Grabfelder. (Text: Claudia Wedekind)

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Für den Beitrag verantwortlich: aut. architektur und tirol

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Claudia Wedekindclaudia.wedekind[at]aut.cc

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