Bauwerk

Haus am See - Jahreszeitenhaus
Jurek Brüggen, Sebastian Sailer - Werder (Havel) (D) - 2018
Haus am See - Jahreszeitenhaus, Foto: Jurek Brüggen
Haus am See - Jahreszeitenhaus, Foto: Jurek Brüggen
13. Oktober 2020 - newroom
Auf dem höchsten Punkt der Insel Werder bei Berlin befinden sich vier Gebäude unterschiedlichster Art: Ein neogotischer Belvedere, eine Art-Deco Villa, ein Stallgebäude mit angefügter neoklassizistischer Fassade, sowie ein Bungalow aus DDR-Zeiten auf dem Nachbargrundstück.
Das Haus am See liegt im Hang, inmitten dieser vier Gebäude. Um dem Ensemble zu begegnen, erzählt es die Geschichte eines vorgefundenen, wie schon immer dagewesenen, Steines, der zum Haus ausgebaut wurde. Der Stein ist ein hohler Betonkörper, in den Öffnungen hinein geschnitten wurden.

Der Ausbau erfolgte in Holz, das einen starken Kontrast zum massiven Beton bildet. Alle Konstruktionsmaterialien bleiben sichtbar. Freistehende Trennwände aus Holz unterteilen den Innenraum. Innen liegende Holzfenster schützen gegen die Witterung. Ein Holzpavillon wurde auf das Dach gesetzt.
Von der umlaufenden Terrasse blickt man auf die vorbeifließende Havel. Eine Holztreppe, die gleichzeitig als Bücherregal dient, verbindet beide Geschosse. Durch die großen Schiebefenster betritt man das steinerne Außenbecken und den zum Fluss abfallenden Garten.

Das Haus am See wird je nach Jahreszeit unterschiedlich genutzt. Im Winter ziehen sich die Bewohner in das Gartengeschoss zurück. Im Sommer kommen Pavillon und Terrasse hinzu - die Wohnfläche verdoppelt sich. Die mobile Küche wandert mit den Bewohnern. Durch Falttüren wird der Pavillon im Sommer geöffnet und in den Übergangsjahreszeiten geschlossen. Ein horizontales Schiebefenster trennt den Pavillon im Winter vom Gartengeschoss.  

Die sich im Winter verkleinernde Wohnfläche spart Ressourcen, Bau - und Heizkosten. Die Dämmung ist auf das Gartengeschoss reduziert. Nord -, Ost - und Westseite sind in den Hang eingegraben. Durch die Erdschicht wird das Haus zusätzlich isoliert. Die Abwärme des beheizten Erdgeschosses ermöglicht es, den Pavillon in kalten Jahreszeiten als Wintergarten für Pflanzen zu nutzen. Der geschlossene nicht beheizte Raum dient im Winter als weitere Isolationsschicht für das Gartengeschoss.

Das jahreszeitenabhängige Wohnen greift eine jahrtausendalte Kulturtechnik auf. Es ist ein Entwurf für eine andere Art des nachhaltigen Wohnens. Anders als herkömmliche Energiesparhäuser, die sich durch zunehmende Dämmung von der Umgebung abschotten, zeigt es, wie man in Verbindung mit der Umwelt ökologisch leben kann. (Text: Architekten)

teilen auf

Für den Beitrag verantwortlich: newroom

Ansprechpartner:in für diese Seite: nextroomoffice[at]nextroom.at

Akteure

Architektur
Sebastian Sailer

Tragwerksplanung
HSP Ingenieure
Hans Wenk Ingenieurbüro für Baukonstruktion