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tec21 2006|39
Allmenden
tec21 2006|39
zur Zeitschrift: TEC21
Verlag: Verlags-AG
Grau auf Grün und Grün auf Grau

Gärten, so sagte Dieter Kienast einmal, seien Luxus, weil sie drei unserer rarsten Güter beanspruchen: Zeit, Raum und Geld. Sicher, aber bei den öffentlichen Anlagen müssen wir umdenken. Sie sind dabei, für eine städtische Bevölkerung vom Luxusgut zum täglichen Bedarf zu werden, zum unverzichtbaren Naherholungsraum, für den es keine Alternative mehr gibt. Die Landschaft verstädtert, und die städtischen Freiräume müssen versuchen, dafür Ersatz zu schaffen.
Das Bild unserer Landschaft kippt. Aus Grau auf Grün wird Grün auf Grau. Rund 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung lebt heute in Städten oder Agglomerationen. Mehr als die Hälfte der Bauten sind in den letzten fünfzig Jahren entstanden. Aus Städten und Dörfern inmitten einer von Landwirtschaft und Wäldern geprägten Kulturlandschaft wird ein Siedlungsteppich, auf dem Freihaltezonen liegen wie Kuhfladen.

Raumplanung und Landschaftsarchitektur sind gefordert. Die Raumplanung sei hier nur gestreift: Ihr ungelöstes Problem ist die Aufweichung der Trennung von Bau- und Nicht-Bauzonen. Es fehlt der politische Willen, Freihaltezonen frei zu halten. Zu gross sind die Begehrlichkeiten, zu klein das Bewusstsein dafür, dass verbrauchte Landschaft nicht nachwächst.

Die Landschaftsarchitektur muss – erstmals und daher mehr denn je – Freiräume als Lebenswelt einer städtischen Gesellschaft schaffen. Aus dem Luxusgut «Park» muss ein grünes Grundnahrungsmittel werden. Was sich darin an (gestalteter, nota bene!) Natur nicht abspielt, bleibt den meisten Städtern im Alltag unzugänglich. Der Weg vor die Stadt ist zu lang geworden; dort angelangt, zeigt sich die Landschaft kleinräumig, zersiedelt und unattraktiv. Sie taugt nicht mehr als Erholungsraum.

Die Anforderungen an die städtischen Freiräume werden nicht nur höher, sondern grundlegend anders. Sie müssen sozial, typologisch und gestalterisch neu definiert werden, um dem zunehmenden Erwartungs- und Nutzungsdruck gerecht werden zu können. Die Landschaftsarchitektur tut gut daran, sich sorgfältig auf diese Ansprüche vorzubereiten.

Die künftigen Freiflächen können nur mit ganzheitlichen Herangehensweisen und mit hoher fachlicher Kompetenz den neuen Ansprüchen an sie gerecht werden. Es ergeben sich Forderungen an alle Beteiligten:
Die Ausbildung der Landschaftsarchitekten muss den heutigen Verhältnissen angepasst und erheblich verbessert werden. Die städtischen Säckelmeister müssen sich klar werden, dass Freiräume nicht nur gebaut, sondern vor allem auch langfristig gepflegt und unterhalten werden wollen und dass das Geld kostet. Die Planenden müssen lernen, bestehende Grünanlagen nicht als Reservebauzonen zu missbrauchen und dass das Umfeld von Bauten kein Abstandsgrün ist, sondern Lebensraum. Und letztlich wird auch die Bevölkerung ihren Umgang mit ihren Grünanlagen ändern müssen, wenn sie merkt, dass es im Alltag keine Landschaft mehr gibt ausser dieser einen, der städtischen.

[2] Peggy Thöny: Integration des «Virtuellen» in den privaten Lebensraum. Studienrichtung Industrial Design, Universität für Gestaltung in A-Linz, Nov. 2001, S. 72.

Reflex auf englischen Landschaftsgarten?
Suzanne Kappeler
Wenn wir auf der Allmend in Frauenfeld spazieren, haben wir das Gefühl, wir würden durch einen Park wandeln. Ist diese von Menschenhand und durch den Maschinenpark der Schweizer Artillerie geschaffene Landschaft vergleichbar mit dem berühmten englischen Landschaftsgarten?

Transformation einer Landschaft
Hansjörg Gadient
In den nächsten Jahren wird sich die Allmend Brunau, eine Restfläche am Stadtrand von Zürich, grundlegend verändern. Neben einem bukolisch anmutenden Landschaftsbild wird die Essenz einer innerstädtischen Szenerie entstehen.

Von der BEA bis zum Zirkus
Simon Jäggi
Der Nutzungsdruck auf die Allmenden nimmt auch in Bern zu. Die Behörden haben reagiert und für beide Allmenden ein Konzept erstellt. Doch die beiden Umnutzungsplanungen erhitzen die Gemüter, obwohl sie eigentlich gar keine weitgreifenden Änderungen vorsehen.

Wettbewerbe
Neue Ausschreibungen und Preise | Von links nach rechts: neue Brücke in Olten | Gute Architektur als neue Firmenphilosophie: Hauptsitz der Losinger Construction AG in Bern| Wie gewonnen, so zeronnen: Casino Zug

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