werk, bauen + wohnen 10-03
19. Jahrhundert
werk, bauen + wohnen 10-03
Verleger: Werk AG

werk, bauen + wohnen 10-03

19. Jahrhundert

Als in den frühen siebziger Jahren hierzulande die ersten Dissertationen über die Architektur des 19. Jahrhunderts entstanden, fürchtete manch einer, der sich im akademischen Umfeld an den prominenten Themen der Kunstgeschichte übte, um den guten Ruf der Disziplin. Es kam einer Provokation gleich, dass sich nun junge Doktoranden mit wissenschaftlichem Ernst an die Erforschung einer Architektur gemacht hatten, die gemeinhin als uninspiriertes Recycling von Versatzstücken vergangener Epochen galt. In jenen Jahren startete die Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte das damals weltweit einzigartige Pionierwerk des Inventars der neueren Schweizer Architektur 1850-1920 - ein unentbehrliches Instrument, das gleichermassen als Nachschlagewerk und Lesebuch in unserem Lande wesentlich zur Rehabilitierung der vernachlässigten Hinterlassenschaft der Urgrossväter beitrug. Seither hat die Forschung zur Architektur des 19. Jahrhunderts geradezu eine Blüte erlebt. Umso erstaunlicher ist, dass sich bei Architekten in der Regel nach wie vor keine Begeisterung breit macht, wenn die Aufmerksamkeit der Architektur des 19. Jahrhunderts gilt. Das mag an der Hartnäckigkeit liegen, mit der sich die negativen Bilder halten, welche die Moderne von der Architektur des 19. Jahrhunderts gezeichnet hat. Und es mag ganz einfach Unkenntnis dazukommen, welche die Architekten, erwacht aus reduktionistischer Erstarrung, auf ihrer Suche nach atmosphärischer und dramaturgischer Vielfalt an diesem reichen Fundus achtlos vorbeigehen lässt. Aus Anlass des "Semperjahrs" erscheint nun ein Heft, in dem wir aus unterschiedlicher Warte in die üppige Epoche blicken, die so viel mit Materialvielfalt, Pracht, Inszenierung und Atmosphäre anzufangen wusste. Charles Garnier kommentiert frisch und selbstkritisch seine neue Oper in Paris - zeitgenössische Architekturkritik aus erster Hand. Drei bescheidenere, aber nicht minder typische Gebäude in der Schweiz - ein Amtshaus und eine Villa in Zürich und eine Schule in Genf - waren Gegenstand einfühlsamer Restaurierungen - und persönlicher Entdeckungen: davon erzählen Martin Boesch, Arthur Rüegg und Catherine Courtiau. Aber auch Gottfried Semper ist präsent: Hermann Hipp erzählt vom schwierigen Umgang Sempers mit seiner Vaterstadt. Unmittelbar an die ab November gezeigte Semperausstellung in Zürich knüpft der Beitrag von Christian Sumi, der anhand neuer Modelle in dichter Auseinandersetzung Sempers städtebauliche Foren-Projekte für Dresden, Zürich und Wien analysiert. - Bloss Häppchen zwar von der reichgedeckten Tafel dieser Zeit, die aber, so meinen wir, Appetit machen auf mehr. Die Redaktion

Thema

Bernard Marrey
Charles Garnier, Architekt und Kritiker | Le Nouvel Opéra, Paris

Arthur Rüegg
Weiterbauen anno 1888 | Erneuerung Villa Schönberg in Zürich, Silvio Schmed, Arthur Rüegg

Catherine Courtiau
Das 19. Jahrhundert wiedergewonnen | Restaurierung der "Ecoles des arts décoratifs", Genf, Graf & Menoud

Martin Boesch
Empathie und Abstraktion | Sanierung Amtshaus III Zürich, Martin und Elisabeth Boesch

Christian Sumi
Öffentlichkeit im Raum | Gottfried Semper - 3 Forumsprojekte in 6 Modellen

Hermann Hipp
Hamburg und Gottfried Semper | Spuren einer schwierigen Beziehung


Forum

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Nachruf: Lucius Burckhardt 1925-2003
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