Zeitschrift

db deutsche bauzeitung 10|2005
Umnutzung
db deutsche bauzeitung 10|2005

Leerstand als Möglichkeitsraum
Mit dem Begriff Stadtumbau wird seit einiger Zeit der Vorgang umschrieben, bei dem städtische Strukturen vor allem in den ostdeutschen Ländern an zurückgehende Bewohnerzahlen angepasst werden. Wer nun Plattenbausiedlungen assoziiert, der sieht nur die eine Hälfte eines Phänomens, das uns noch länger beschäftigen wird. Die andere Hälfte, das sind flächige Leerstände und Abrisse in den Altstädten von Leipzig, Görlitz und Dessau. Schleichender Verfall gefährdet die in langen Zeiträumen gewachsenen städtebaulichen Strukturen der historischen Zentren, einen Kernbereich städtischer Identität. Städtebauer und Architekten sind es gewohnt, Stadt durch bauliche Eingriffe zu verändern. Doch bei schrumpfender Bevölkerung bedarf es anderer Formen der Intervention, um Raum für städtisches Handeln zu schaffen.

Stete Präsenz der Vergangenheit
Nachdem es für die unter Denkmalschutz stehende Eliaskirche in Berlin Prenzlauer Berg bereits Überlegungen gegeben hatte, dort eine Bankfiliale einzurichten, war die Evangelische Kirche sehr erleichtert, als sich die Möglichkeit bot, das Gebäude an das Kinder- und Jugendmuseum zu übergeben. Ein behutsamer Umbau, der zwischen Alt und Neu vermittelt, ist entstanden.

Erst arbeiten, dann wohnen
Da der Immobiliensektor in der Schweiz extrem hochpreisig ist, blieb ein regelrechter »Loftboom«, wie ihn Deutschland zu verzeichnen hat, aus. Unter den wenigen Beispielen für Loftwohnungen findet sich der Umbau eines Bürogebäudes aus den fünfziger Jahren in Zürich. Erdgeschoss und erstes Obergeschoss dienen als Gewerbe- und Bürobereich, in den Stockwerken darüber sind zwischen zwei Lichthöfen offene und großzügige Wohnungen zum Teil mit Dachgarten entstanden.

Polymer statt Porzellan
Auch an der oberpfälzischen Porzellanstraße ist der Strukturwandel im Gange: In dem weitläufigen Fabrikkomplex im kleinen Städtchen Rehau werden heute keine Geschirrservices mehr gebrannt, sondern nicht weniger raffinierte Plastikteile für Autos entwickelt – in einem trendigen Ambiente, das dem alten Industriebau neuen Glanz verleiht und den Teamgeist der 150 Mitarbeiter fördern soll.

Dicke Bretter
Damit der Spielbetrieb während der Instandsetzung des Haupthauses aufrechtgehalten werden kann, wurde an der Stelle, wo sich die mehrspurige Tiefgarageneinfahrt zu dem 1972 als »Drive-In«-Theater konzipierten Hessischen Staatstheater befand, ein Theaterprovisorium errichtet. Mit Leichtbeton- und Glasbausteinen, leuchtenden Farben und in gedämpftem Licht entstand eine fast glamouröse Theateratmosphäre.

Spacecenter meets Wilhelminismus
Beim Umbau des ehemaligen Marstalls am Schlossplatz in Berlin Mitte zur Hochschule für Musik wurden aus ehemaligen Pferdeboxen Proberäume für Studenten. Preiswerte, aber dennoch taugliche Alternativen waren gefragt. Mit großen Kissen, von der Decke herabhängenden Kunststoffkugeln und zweckentfremdeten Polyacryloberlichtern erzielten die Architekten nicht nur akustisch, sondern auch gestalterisch, ein überaus wirkungsvolles Ergebnis.

... in die Jahre gekommen
Seit Mitte der neunziger Jahre ist Zürich dabei, seine aufgelassenen Industrieareale zu neuen Stadtteilen umzubauen, in denen gewohnt, gearbeitet und konsumiert wird. Die Umnutzung der Mühle Tiefenbrunnen nahm das in viel kleinerem Maßstab um ein Jahrzehnt vorweg. Das erklärte Ziel des Architekten war es, die bestehende Bausubstanz aufzuwerten und ihr eine elegante neue Architektur entgegenzusetzen; ein besucherfreundliches Ensemble, das zum Verweilen einlädt, sollte entstehen.

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