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Die unbeachtete Moderne in Olevano Romano
Das Bergstädtchen in den Monti Prenestini gilt als Pilgerstätte für Freunde der Romantik und des Mittelalters. Mit dem Busbahnhofsgebäude verbindet sich die Geschichte der kleinen Stadt im 20. Jahrhundert.
Der Busbahnhof in Olevano Romano dürfte einigen deutschen Architekten, Künstlern, Komponisten und Schriftstellern bekannt sein. Schließlich beherbergt die Stadt mit der Casa Baldi und der Villa Serpentara seit rund 200 Jahren deutsche Künstler. Heute dienen die beiden Häuser als Stipendiatenunterkünfte der Deutschen Akademie Rom und der Berliner Akademie der Künste. In der Zeit der Romantik war Olevano für die deutschen Landschaftsmaler in Rom der Hauptanziehungspunkt in Latium. Rund 60 Kilometer südöstlich der Kapitale und knapp 600 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, zieht sich die mittelalterliche Stadt, die auf Stadtmauern aus vorchristlicher Zeit gegründet wurde, einen Hang hinauf. Ihre engen, steilen Treppen und Gassen können auch heute nur zu Fuß oder mit dem Maultier erklommen werden. An die Altstadt angrenzend erstreckt sich die Stadterweiterung aus dem 19. Jahrhundert. In Serpentinen windet sich ihre stark befahrene Hauptstraße den Berg hinauf, am unteren Ende, dort, wo die Einfahrtstraße aus Rom endet und der in den sechziger Jahren gebaute Tunnel nach Bellegra und Subiaco führt, steht das ehemalige Busbahnhofsgebäude, die „Autostazione Zeppieri“. Nicht nur, dass dieser Ort der Verteilerpunkt für die Autos ist, die von hier aus in alle Richtungen streben und kreuz und quer um das Busbahnhofsgebäude herum abgestellt sind, es ist auch der Ort, an dem heute das Leben in Olevano stattfindet – von morgens früh bis spät in die Nacht. Die Piazzale Aldo Moro ist wechselnder Treffpunkt für die Einwohner aller Altersschichten.
„Hauptsache, es wird gestritten.“
Vier Kunstorte in Graz, München, Stuttgart und Utrecht. Ein Gespräch mit den Architekten
Von „leeren Hüllen“ kann man bei den Projekten des Berliner Büros ifau (Institut für angewandte Urbanistik) und Jesko Fezer nicht sprechen, wenn man deren Raumgestaltungen für Kulturinstitutionen betrachtet. Allesamt im Bestand realisiert, unterbreiten sie dem Nutzer eine ganze Palette von Veränderungs- und Aneignungsmöglichkeiten. Die Architekten selbst nennen sie „Verhandlungsräume“. Sie sollen durch Irritation, durch funktionale Überlagerungen und flexible Möbelsysteme zu einer prozesshaften, je nach Bedarf immer wieder neuen Nutzung anregen – ein Konzept, das bei Kulturinstitutionen mit einem stetig wechselnden Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm durchaus verständlich ist.
In den Arbeiten von ifau und Jesko Fezer können mehrere Zeitschichten nachvollzogen werden. Es gibt den Zustand der Errichtung (die von ihnen umgestalteten Gebäude sind zum Teil mehrere hundert Jahre alt), dann werden Fragmente von früheren Umbauten in die neue Planung integriert und umgedeutet, hinzu kommen neue Einbauten und die einfache Möblierung. Die Architekten (beim ifau sind dies Mathis Burandt, Christoph Heinemann, Susanne Heiss, Barbara Horst und Christoph Schmidt) bezeichnen ihre Eingriffe als minimal und entscheiden sich bewusst gegen eine komplette Neugestaltung des Bestands. Trotzdem kann man nicht von einer bloßen Renovierung sprechen; teilweise wird der Bestand radikal umgedeutet. Dabei arbeiten ifau und Jesko Fezer mit Assoziationen und Bildern – was auf den ersten Eindruck charmant improvisiert wirken mag, erweist sich bei genauerem Hinsehen als genau komponiert und detailliert.
Parallel zu den architektonischen Arbeiten veranstalten ifau und Jesko Fezer Symposien zu den Themen „Verhandlungsräume“ und „Alltag“, mit denen sie ihre Projekte mit einem zunächst hermetisch wirkenden theoretischen Überbau diskursiv verankern. Sitzt man den Architekten aber in ihrem Büro am Kreuzberger Oranienplatz gegenüber, können diese sehr plausibel erklären, was sie tun und warum sie es tun.