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    Zellteilung auf Vorarlbergisch
    Der Standard

    Zwei Ausgucke ragen neugierig in Richtung Bodensee. Dass sich dahinter ein typisches Einfamilienhaus aus den Sechzigerjahren verbirgt, sieht man dem modernen Drillingshaus der Hein-Troy Architekten kaum an.

    19. Dezember 2009 - Martina Pfeifer Steiner

    Einst hatte die kinderreiche Familie Kienreich in diesem typischen Sechzigerjahrehaus gewohnt, auf einem 750 Quadratmeter großen Grund, mit ruhigem Blick zum Bodensee. Sechs der insgesamt acht Geschwister zogen mit der Zeit aus, die Zwillingsbrüder Georg und Martin allerdings hatten Lust, in Hörbranz zu bleiben und den elterlichen Bau zu erweitern. Für diese knifflige Bauaufgabe - so viel war klar - waren Architekten gefragt. Drei Vorschläge wurden eingeholt, der Entwurf der Hein-Troy Architekten überzeugte.

    Die gewohnte Lebensqualität der Eltern zu erhalten und zu verbessern war die große Herausforderung an diesem Projekt. Gleichzeitig musste, unter Einhaltung aller baulichen Abstandsregeln, ordentlich nachverdichtet werden. Das Konzept der Architekten: Das alte Gebäude blieb unangetastet, lediglich Garage und Dach wurden abgerissen. Drangesetzt und aufgebaut wurde in Holzfertigteilen.

    "Es ist bald festgestanden, dass sich zwillingsgleiche Wohnungen nicht ausgehen", erklärt Juri Troy. Stattdessen entwarfen die beiden Architekten zwei Wohneinheiten, die in den Qualitäten zwar ausgewogen, in Funktion und Charakter jedoch völlig unterschiedlich sind. Mit Erfolg: "Wir wussten auf Anhieb, welche der beiden Wohnungen zu wem passt", erinnert sich Martin Kienreich.

    Er hat sich für die zweigeschoßige Maisonette entschieden, die anstelle der ehemaligen Garage entstand. Während im Erdgeschoß Schlafzimmer und Bad liegen, dehnt sich im frech auskragenden Kubus auf zwei Splitlevels der Wohnbereich aus. Über eine Halbtreppe gelangt man auf die Galerie. Sie wird als Küche genutzt. Von dort führt der Weg zu zwei weiteren Zimmern. Highlight ist die Terrasse mit überwältigendem Ausblick. Gleichzeitig wirkt sie wie ein Innenhof, privat und uneinsehbar.

    Georgs Wohnung hingegen ist weitläufig, auf einer Ebene organisiert und scheint dem Elternhaus wie ein Hut einfach aufgesetzt zu sein. Reizvoll ist das Labyrinth der Zimmerfolgen, die intern und über den Gang zu erreichen sind. Der offene Bereich für Wohnen, Kochen, Essen profitiert vom gewaltigen Panorama und von einer vorgelagerten Loggia.

    Wohnen auf der Baustelle

    An beiden Apartments wurde gemeinsam gearbeitet. Viel Eigenleistung, viel Mithilfe durch Freunde steckt in dem Bau. Die Eltern zeigten großes Durchhaltevermögen: Während der einjährigen Bauzeit blieben sie im Haus und versorgten die Handwerker mit deftiger Brotzeit. Ihr Wohnbereich, der in der Fassade als Kontur noch deutlich zu erkennen ist, wurde nur renoviert und rundum dick isoliert. Im Zuge dessen wurden auch die Fenster ausgetauscht und Verbreiterungen am Balkon vorgenommen. Der Vater, der immer schon mit Holz heizte, staunt heute, dass er für drei Wohnungen weniger Brennstoffs bedarf als früher für das eine Haus.

    "So wichtig wie die abgetrennten Wohnungen waren uns auch die gemeinsamen Bereiche", stellen Martin und Georg fest. Zwei Treppen führen ins Untergeschoß, in dem Lagerräume und Gästezimmer zur Verfügung stehen. Im Partyraum mit großer Glasfassade werden Familienfeste gefeiert, die im Sommer regelmäßig in den Garten ausufern. Besonders auffällig ist, dass trotz Verdreifachung der Kubatur kein Flecken des kostbaren Grüns geopfert werden musste. Der Mehrwert, der sich durch den Umbau des Hauses Kienreich eingestellt hat, ist auf allen Linien spürbar - nicht nur im Endergebnis, sondern auch im Zusammenhalt, der durch den gemeinsamen Bauprozess entstanden ist.

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