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Bella figura
Neue Zürcher Zeitung

Der runderneuerte Kulturpalast in Dresden begeistert jetzt schon

Das Hamburger Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (GMP) restauriert den Dresdner Kulturpalast, ein Meisterwerk der DDR-Baukunst. Sein Glanzlicht wird der neue weinbergartige Musiksaal sein.

24. März 2016 - Oliver G. Hamm
Ihren noch unverkleideten neuen Konzertsaal im Kulturpalast konnten die Dresdner Philharmoniker bereits beim Richtfest Ende Mai 2015 mit einer «Baustellenmusik» erstmals zum Klingen bringen. Inzwischen sind die Bau- und Restaurierungsarbeiten an ihrem bewährten Haus, einem Meisterwerk der DDR-Baukunst, weiter vorangeschritten. Ein Teil der plastischen Wand- und Deckenverkleidung aus Stuck ist aufgebracht. Der neue, nach dem Vorbild von Hans Scharouns Berliner Philharmonie weinbergartig geformte Saal nimmt zunehmend Gestalt an.

Der neugestaltete Saal

Die mit der Planung beauftragten Hamburger Architekten von Gerkan, Marg und Partner (GMP) mussten den Saal in die Struktur des denkmalgeschützten Altbaus einfügen und den nun im Grundriss sechseckigen Raum gegenüber dem wesentlich breiteren und für verschiedene Nutzungsarten konzipierten Vorgängersaal akustisch optimieren. Dazu wurde die Raumhöhe bis unter die Träger der vorhandenen Dachhaube ausgereizt.

Der Konzertsaal mit seinen 1760 Plätzen wird das räumlich beeindruckende «Herz» des runderneuerten Kulturpalastes sein, jenes 1969 nach Plänen von Leopold Wiel und Wolfgang Hänsch in einer modernen Formensprache errichteten Vorgängerbaus des Berliner «Palasts der Republik», der sich als Solitär selbstbewusst zwischen Altmarkt, Neumarkt und Schlossareal im Zentrum der weitgehend zerstörten Altstadt in Szene gesetzt hatte. Als «moderner Kontrapunkt im barocken Stadtkern Dresdens» (so Stephan Schütz vom Büro GMP) macht er auch nach dem Wiederaufbau der Frauenkirche und der Errichtung zahlreicher Neubauten im pseudobarocken Stil am Neumarkt «bella figura». Äusserlich weitgehend unangetastet – lediglich die nachträglich eingebrachten bronzebedampften Glasscheiben werden wieder durch transparente Gläser ersetzt – und auch im Foyer mit seiner für DDR-Verhältnisse üppigen Ausstattung (von Marmor bis Ebenholz) original erhalten, wird der Kulturpalast, wenn er nach vierjähriger Bauzeit am 28. April 2017 wiedereröffnet wird, den Dresdnern sehr vertraut erscheinen.

Die Herkuleskeule

Darüber hinaus wird er ihnen und den Touristen aus aller Welt auch Neues zu bieten haben: ausser dem neuen Konzertsaal auch einen 250 Sitzplätze fassenden neuen Kabarettsaal («Die Herkuleskeule»), fast 5500 Quadratmeter Nutzfläche für die Zentralbibliothek in den beiden – den Konzertsaal einfassenden – Obergeschossen sowie die Touristeninformation und ein Besucherzentrum der Frauenkirche in zwei rekonstruierten Eckpostamenten. Und das alles für Baukosten von voraussichtlich lediglich 90 Millionen Euro.

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Für den Beitrag verantwortlich: Neue Zürcher Zeitung

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