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    Was kann ich für mein Land tun?
    Spectrum

    Pioniere des konstruktiven Holzbaus in Oberösterreich, Streiter für Qualität, Vertreter des Standpunkts, dass die Würde des Menschen auch in Räumen Ausdruck finden muss: zur Verleihung des Heinrich-Gleißner-Preises an das Welser Architekturbüro Luger & Maul.

    27. Januar 2018 - Romana Ring

    Wie misst man den Erfolg eines Architekturbüros? An der Häufigkeit der Wettbewerbsgewinne, der Anzahl der realisierten Projekte, der Prominenz der erhaltenen Preise? Das Welser Architekturbüro Luger & Maul wäre unter jedem dieser Gesichtspunkte als erfolgreich einzustufen. Max Luger und Franz Maul können auf zahlreiche Wettbewerbserfolge verweisen und haben mehr als 300 Objekte gebaut, deren hohe Qualität in wichtigen Preisen gewürdigt wurde. Am 10. Jänner wurden Max Luger und Franz Maul mit dem Heinrich-Gleißner-Preis ausgezeichnet. Diese vom Kulturverein Heinrich-Gleißner-Haus jährlich an Künstler aus unterschiedlichen Sparten vergebene Auszeichnung würdigt den Einfluss der Preisträger auf das kulturelle Geschehen Oberösterreichs. Mit der ihrerseits gestellten Frage „Was kann ich für mein Land tun?“ zeigen Max Luger und Franz Maul, dass ihre Vorstellung eines gelungenen Weges nicht an der Türe ihres Ateliers endet.

    Seine Wirksamkeit in Oberösterreich hat das seit 28 Jahren bestehende Büro Luger & Maul weder durch die schiere Menge noch durch die beeindruckend breite, von städtebaulichen Großprojekten bis zu vergleichsweise kleinen privaten Wohnobjekten reichende Palette der realisierten Bauaufgaben entfaltet. Auch mit dem Verweis auf die durchgängig hohe Qualität der Arbeiten ist seine Bedeutung für Oberösterreich noch nicht hinreichend erklärt. Max Luger und Franz Maul lassen sich in außergewöhnlicher Tiefe auf ihre Bauvorhaben ein. Ihr Interesse gilt immer der ganzen Aufgabe, wobei sie den Begriff „ganz“ nicht selten wesentlich weiter fassen, als es sich ihre Auftraggeber vorgestellt haben. Sie haben die seltene Gabe, umfassend und genau auf ihr jeweiliges Gegenüber mit seinen Bedürfnissen einzugehen. Das erklärt nicht zuletzt die auf Vertrauen und Zufriedenheit gegründeteTreue ihrer privaten Auftraggeber. Max Lugerund Franz Maul verstehen es, mit Menschen,mit Orten und gleichermaßen mit Traditionen wie mit Zukunftsvisionen „in Resonanz zu gehen“, wie es so schön heißt. Ihre Herkunft aus dem ländlichen Raum Oberösterreichs und ihre dem Architekturstudium vorangestellte handwerkliche Ausbildung verleihen ihnen dabei jenen zusätzlichen Körper, den man für eine gute Resonanz eben braucht – und der gerne als Bodenständigkeit bezeichnet wird.

    Ihr Qualitätsbewusstsein, ihr Gefühl für Technologien und Materialien ruht auf dem Fundament des Handwerks und verleiht ihnen die Autorität, Architektur in der ihnen eigenen Logik der Konzepte und Feinheit der Detailgestaltung durchzusetzen. Auf der Basis ihres handwerklichen Könnens und ihrer Fähigkeit zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit ausführenden Firmen sind Luger & Maul auch zu Pionieren des konstruktiven Holzbaus in Oberösterreich geworden, was nicht zuletzt an den zahlreichen Auszeichnungen ihrer Bauten mit oberösterreichischen Holzbaupreisen abzulesen ist. Ihre Bereitschaft und das Vermögen, einfach zu denken, zeigen sich allerdings nicht nur in der Entwicklung neuer, wirtschaftlich haltbarer Technologien. Für Max Luger und Franz Maul ist das Einfache keine Pose. Ihre Architektur stellt nicht die Reduktion in den Vordergrund, sondern was erscheint, wenn man Unnötiges weggelassen hat: Licht, Farbe, Stimmung und eine Funktionalität, die auf die gegenwärtigen Bedürfnisse der Nutzer eingeht, ohne der Zukunft Raum zur Entwicklung zu nehmen. Dieser Blick für das Wesentliche und der vertraute Umgang mit Traditionen bei gleichzeitiger Offenheit für Veränderungen befähigen Max Luger und Franz Maul nicht zuletzt zu einem behutsamen wie erfrischenden Umgang mit historischen Gebäuden.

    Hier spannt sich ein weiter Bogen vom Welser Rathaus und der mit dem Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der Architekten ausgezeichneten Revitalisierung des Minoritenklosters in Wels über die Interventionen im Stift Schlierbach, das Kultur- und Jugendzentrum in Vorchdorf, das Bildungshaus Schloss Buchberg, die Schwimmschule Steyr und die Revitalisierung der Welser Dragonerkaserne bis zur Neugestaltung der Repräsentationsräume der Johannes-Kepler-Universität, um nur einige der Bauten zu nennen, mit denen Luger & Maul Vorbilder in ein allzu häufig von Unwissen, Zaghaftigkeit und starren Fronten geprägtes Umfeld setzten.

    Ähnlich kontrovers wie der angemessene Umgang mit dem Baudenkmal wird das richtige Bauen im Landschaftsraum diskutiert. Insbesondere an den Ufern der Salzkammergutseen ist der Blick, den die Naturschutzbehörde auf geplante Bauvorhaben wirft, streng. Doch gerade hier ist es Luger & Maul dank ihrer Verbundenheit mit der Region, ihres hartnäckig verteidigten Qualitätsanspruchs und ihrer durch Rückschläge nicht verminderten Bereitschaft zum Dialog gelungen, zeitgemäße Formen des Bauens in der Landschaft zu finden. Ihre Badehäuser am Attersee beispielsweise verbinden zeitgemäßen Komfort, technische Reife und handwerkliche Perfektion mit tiefer, aus dem Landschaftsbezug gewonnener Emotion. Sie zeigen Auswege aus der von Klischees überladenen Maßstabslosigkeit vieler touristischer Bauten, was auch über Österreichs Grenzen hinaus anerkannt und mit einer Auszeichnung für „Neues Bauen in den Alpen“ gewürdigt wurde.

    Seit 1999 geben Max Luger und Franz Maul als Lektoren an der Linzer Kunstuniversität im Rahmen ihrer Hochbauvorlesungen ihr Wissen und ihre Haltung weiter. Sie kämpfen für Qualität, für anständige Abläufe, sie treten für ihre Überzeugungen ein. Sie vertreten den Standpunkt, dass die Würde des Menschen auch in angemessenen Räumen ihren Ausdruck finden kann und muss. Mit den jüngst auf dem Areal des ehemaligen Pferdehospizes der Welser Dragonerkaserne fertiggestellten Wohnhäusern haben Luger & Maul genau das in einem Bereich nachgewiesen, der seit der Einführung neuer Förderrichtlinien für den sozialen Wohnungsbau besonders schwierig geworden ist. Die Wohnhäuser stehen als sechsgeschoßige konstruktive Holzbauten technologisch an der Spitze neuester Entwicklungen. Und sie zeigen mit ihrem klugen Erschließungskonzept, ihrer robusten wie gediegenen Ausführung und der von Sorgfalt und gestalterischem Anspruch getragenen Erscheinung, dass man mit sehr wenig Geld sehr guten Wohnbau machen kann, wenn man denn mit dem Planungsauftrag auch die Überzeugungsarbeit auf sich nimmt.

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