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Couragierter Bauherr mit Öko-Touch
Der Standard

LEBENS.RAUM (1)

Fachleute und Bewohner der WIST-Häuser schätzen die moderne Architektur

27. September 2000 - Denise Leising
Mit seinen von Architektenhand geplanten Studentenheimen erwarb sich der Verein Wirtschaftshilfe für Studierende Steiermark in den vergangenen Jahren einen ausgezeichneten Ruf als couragierter Bauherr. Das schätzen nicht nur Fachleute und Architekturkritiker, sondern - und das ist wohl noch wichtiger - die Bewohner der Häuser.

Das Engagement für zeitgenössische Baukunst war von Anfang an da, blickt Wohnbauexperte Siegfried Kristan, der sechs Jahre lang im WIST-Vorstand Sitz und Stimme hatte, zurück.

Dass Klaus Kada 1988 den Wettbewerb für das erste WIST-Haus in der Grazer Wiener Straße gewonnen hatte, war auch ein glücklicher Zufall. Der für seine (architektonische) Eleganz gerühmte Architekt der so genannten Grazer Schule hat mit seinem Projekt gleich einmal mit dem üblichen Typ des Studentenheimes als abgeschlossenen Wohnbau gebrochen.


Großzügigkeit

Er setzte in seinem Konzept auf Großzügigkeit, Offenheit, auf kräftige Farbtupfer, schuf einen Innenhof, Laubengänge und außenliegende Treppen statt endloser dunkler Gänge, sorgte für gleichmäßige Belichtung und Besonnung in den nicht zu knapp bemessenen 224 Wohneinheiten, fügt sogar zweigeschoßige Maisonetten mit markanten Balkonen in Rot hinzu.

Dazu kamen noch Lesezimmer für die Studenten, ein Café und das Veranstaltungszentrum „Roter Saal“. Dieses von Stefan Tschavgov gestaltete Café, das mittlerweile in die Moserhofgasse übersiedelt ist, hat in Graz fast Kultstatus erlangt. Aufsehen erregten auch die beiden von der WIST errichteten Wohnhäuser in der Moserhofgasse. Im Herbst 1996 wurde die von Architekt Alfred Bramberger entworfene Anlage mit 152 Plätzen fertig.

Die feinstrukturierte Aluminiumfassade verleiht dem Baukörper eine gewisse Leichtigkeit. Sein weithin sichtbares Zeichen und Tor zu den Wohnungen, die vom Straßenlärm abgeschirmt wurden, ist der auskragende Studiersaal. Dass die Wohnungseingänge bei den überdachten Laubengängen zu Sitznischen erweitert, finden die jungen Bewohner, die sich Gespräch mit dem STANDARD von ihrem Heim begeistert zeigten, „ganz toll“.

Manfred Zernigs Anlage, die im Herbst 1997, fertiggestellt wurde, verfügt über 267 Plätze. Auffälliges Merkmal ist die frei gespannte Brücke aus Stahl und Glas, die die beiden klar strukturieren Baukörper miteinander verbindet. Viel Licht, Offenheit, Transparenz auch hier, dazu reizvolle Details.

Durchaus bemerkenswert sind auch die energetischen Kennzahlen der Häuser: Durch verbesserte Dämmung, modernste Verglasungen und eine Solaranlage reduzierten sich die Kosten Fernwärmekosten um rund 1000 Schilling im Jahr pro Heimplatz. Das schont nicht nur die Brieftaschen, sondern auch das studentische Gewissen.

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