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Begegnung im Palais Tannenberg-Enzenberg – he und du verortet sich
Begegnung im Palais Tannenberg-Enzenberg – he und du verortet sich, Foto: Silvester Kreil

Christian Hammerl und Elias Walch, die zwei Gründer von he und du.

19. April 2022 - Ella Felber, Silvester Kreil
Von außen unscheinbar, offenbart das Palais Tannenberg-Enzenberg in Innsbruck, im Inneren unerwartet prunkvolle Büroräume. Früher Adelsbesitz, vermietet der jetzige Eigentümer das Gebäude in Mischnutzung.
„Auf der Suche nach einem größeren Atelier sind wir auf dieses seit 30 Jahren hier im Palais bestehende Gemeinschaftsbüro gestoßen. Es sollte auch weiterhin als Raum für Architekt:innen bestehen und hat einen alten und für uns als junges Büro leistbaren Mietvertrag.

Bereits während des Studiums haben wir für Familie und Bekannte geplant und damit früh ein Netzwerk und eine mit Projekten gefüllte Website aufgebaut – das hat bei der Gründung des eigenen Büros enorm geholfen. Zu Beginn haben wir neben Einfamilienhäusern auf ‘leeren’ Grundstücken bereits einige Umbauten geplant. Wegen der hohen Baukosten überwiegen mittlerweile Sanierungen und Zubauten; sozusagen Nachverdichtung im ländlichen Raum.

Wir schätzen traditionelle Baukultur. Wenn ein Material verbaut wird, dann soll es auch sichtbar sein als das, was es ist. Wir versuchen einfache Dinge gut in Szene zu setzen, verwenden möglichst oft natürliche Materialien und vor allem viel Holz. ‘Lederhosenarchitektur’ wollen wir aber keine machen, sondern Traditionelles zeitgenössisch interpretieren. Immer öfter nehmen wir nur jene Projekte an, bei denen wir den Prozess bis zum Ende begleiten. Natürlich kosten Architektenstunden etwas, aber wir können wiederum im Bauen Einsparungen ermöglichen. Das ist meistens nachhaltiger, nicht nur was die Baustoffe angeht, sondern auch bezüglich der Gestaltung. Nicht ganz ernst gemeint könnte man das vielleicht als ‘gut bäuerliche’ Architektur bezeichnen. Der Wert von hochwertiger Gestaltung hält länger, das versuchen wir den Auftraggeber:innen zu erklären und da würden wir uns gesellschaftlich auch ein größeres Bewusstsein für ‘gute Räume’ wünschen.

Das ‘und du?’ in unserem Namen steht nicht umsonst für das Miteinander und die Beziehung zu den Baufrauen und -herren, und niederschwelliges Kommunizieren.
Das Hineinversetzen in ein Gegenüber ist enorm wichtig, immerhin planen wir Lebensraum für jemand anderen. Wir finden erst im Gespräch und durch das Feedback zu unseren Plänen heraus, was die Auftraggeber:innen tatsächlich wollen. Es geht also viel um das Vertrauen der Baufrauen und -herren in uns.

Als he und du sind wir derzeit zu fünft. In der Regel liegen Entwürfe zuerst bei uns und werden dann von unseren drei Mitarbeiter:innen übernommen. Wir versuchen nicht mehr als 40-45 Wochenstunden zu arbeiten, Wochenenden sind frei und Nachtschichten machen wir praktisch auch keine. Es ist nicht unser Ziel, als Büro groß zu werden, um dann nur noch von Kundengespräch zu Kundengespräch zu eilen, sondern dass alle Projektschritte einmal durch unsere Hand gehen. Es würde uns frustrieren Architekturprojekte zu machen, auch international, bei denen wir nicht die Möglichkeit haben, den Prozess vor Ort zu begleiten, auf die Baustelle zu gehen und das Gebäude am Ende auch anzusehen.

Ein Wunsch wäre, den Maßstab in dem wir arbeiten manchmal zu verkleinern, Möbel zu entwerfen und diese in unsere Projekte zu integrieren. Oder öffentliche Räume zu planen, die man auch konsumfrei nutzen kann und zu denen wir hingehen können, die wir selbst nutzen können, am liebsten mit Kulturhintergrund.“

Das 2017 von Elias Walch und Christian Hammerl in Innsbruck gegründete Architekturbüro he und du beschäftigt sich mit Neu- und Zubauten wie auch Sanierungen. Vor kurzem haben sie ein Mehrfamilienhaus fertiggestellt und Wettbewerbe für einen Wohnbau und eine Platzgestaltung gewonnen. Nachhaltige und regionale Materialien, sowie Handwerk und Herstellungsprozesse sind in jedem ihrer Projekte maßgebend.
»nextroom fragt« junge Architekt:innen. Sie wählen Orte aus, um dort mit Ella Felber und Silvester Kreil über die Wichtigkeit und Dringlichkeit von Architektur zu sprechen. Warum macht Ihr Architektur? Wie wollt Ihr sie produzieren?

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