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Countdown 2030 – Vermeide Abriss
Countdown 2030 – Vermeide Abriss, Foto: Michael Loth

Countdown 2030 ist ein Schweizer Verein von Architekturschaffenden für zukunftsorientiertes Bauen. Bis Ende Oktober 2022 war im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel die Ausstellung „Die Schweiz: Ein Abriss“ zu sehen. Mit der Ausstellung wollten die Mitglieder auf die Verantwortung der Baubranche in der Klimakrise aufzeigen. Sie fordern eine Abkehr von der Abrisskultur hin zu einem sorgsamen Umgang mit dem Bestand. Ansgar Staudt und Oliver Zbinden von Countdown 2030 erzählen Anne Isopp, wie wertvoll die Gespräche mit den BesucherInnen der Ausstellung waren und warum sie eine Petition gegen den Abrisswahn eingebracht haben.

8. November 2022
„Countdown 2030 ist ein Verein für zukunftsorientiertes Bauen. Wir haben uns vor ungefähr drei Jahren gefunden, anlässlich eines Vortrags des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber. Uns wurde klar, dass wir nur mehr bis 2030 die Möglichkeit haben, die negativen Folgen des Klimawandels so weit wie möglich einzudämmen. Alles, was wir danach machen, zeigt nicht mehr die gleich große Wirkung. Die Bautätigkeiten vom Abreißen eines Gebäudes, dem Recycling, der Deponie bis hin zum Neubau sind mit sehr viel grauer Energie verbunden. Die Baubranche ist für fast 40 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Wir haben also eine große Verantwortung.

Als verein haben wir uns überlegt, wo wir ArchitektInnen am wirkungsvollsten ansetzen, um der Klimakrise zu begegnen und zukunftsfähige Gebäude zu errichten. Die Vermeidung von Abriss ist einer der größten Hebel und einer, mit dem von heute auf morgen etwas bewirken kann. Die Lösung liegt im Erhalt, im Umbau und in der Umnutzung bestehender Gebäude. Man braucht dafür keine langen Vorlaufzeiten. 84 Prozent des Schweizer Abfallaufkommens stammen aus der Baubranche. Das macht in der Schweiz über 500 Kilogramm Bauschutt pro Sekunde aus.

Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen, haben wir die Ausstellung ‚Die Schweiz: Ein Abriss‘ kuratiert. Die Ausstellung war bis Ende Oktober 2022 im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel zu sehen und war für uns ein Erfolg. Während der gesamten Ausstellung waren Mitglieder von uns im Museum präsent und haben viele spannende Gespräche mit BesucherInnen geführt. Dabei haben wir gemerkt, dass vielen Menschen, auch Leuten aus der Baubranche, die Problematik des Abrisses überhaupt nicht bewusst ist.

Das ist ja auch einer der Gründe, warum es unseren Verein gibt. Wir wollen möglichst viele Menschen auf die Verantwortung der Baubranche in der Klimakrise darauf aufmerksam machen. Die Ausstellung war eine große Chance, damit eine breite Öffentlichkeit zu gerreichen. In einer Petition fordern wir nun das Schweizer Parlament und den Bundesrat dazu auf, den unhinterfragten Abriss von Gebäuden und die massive Verschwendung von Ressourcen und Energie beim Bauen zu stoppen.“

Countdown 2030 wurde Ende 2019 von ArchitektInnen, PlanerInnen und weiteren am Bau beteiligten Fachpersonen gegründet. Ziel des Vereins ist es, innerhalb der Branche und darüber hinaus auf die Wichtigkeit und Dringlichkeit des Handelns in Bezug auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Countdown besteht heute aus rund 60 Mitgliedern, die sich ehrenamtlich für das Thema engagieren.
»nextroom fragt« Architekt:innen, Bauherr:innen und Expert:innen. Die Gesprächsreihe zum nachhaltigen Bauen wird konzipiert und betreut von Anne Isopp. Im Gespräch werden unterschiedliche Dimensionen des nachhaltigen Bauens eingefangen, auf konkrete Bauten Bezug genommen und individuelle Sichtweisen abgefragt. Einige der Gespräche sind als Podcast auf morgenbau.at zu hören.

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