Bauwerk

EFH Zingerle
Peter Eder - Graz (A) - 2001
EFH Zingerle, Foto: Peter Eder
EFH Zingerle, Foto: Peter Eder
EFH Zingerle, Foto: Peter Eder
EFH Zingerle, Foto: Peter Eder

Schwellenlos ins Freie

Ein komfortables Domizil, das sensibel auf die durchgrünte Umgebung reagiert, plante Peter Eder für eine Familie in Graz.

16. Februar 2002 - Franziska Leeb

In sonniger Hanglage im Nordosten des Grazer Zentrums sind Offenheit und Freiraumbezug Pflicht, wenn man die Vorzüge des Ortes ausschöpfen will. Architekt Peter Eder platzierte das geräumige Haus mit Einliegerwohnung und Büro am nördlichen Grundstücksrand. Eine lange Zufahrt, der terrassierte Garten sowie ein Swimmingpool als Ausläufer des betonierten Kellergeschoßes bilden eine sorgfältig modellierte Landschaft im Vorfeld.

Peter Eder verfügt über ein Faible für ausgeklügelte Details und hat wenig Verständnis für Experimente zulasten der Haltbarkeit einer Gebäudehülle.

Breite Deckenüberstände bewahren daher die transparenten Fassaden vor direkter Verwitterung, spenden Schatten und schaffen weitläufige und geschützte Außenräume. Sowohl im Bodenbereich als auch an der Decke ist der Übergang zwischen Innen und Außen fließend. Dafür sorgt die mit Bedacht gewählte Konstruktion des auf einem Raster von 1,25 Meter aufgebauten Hauses.

Um die optische Leichtigkeit der Front zu erreichen, wird das Dach von schlanken Stahlstützen, die im Abstand von drei Rasterfeldern angeordnet sind, getragen. Von einem mächtigen Leimbinder, der kaum sichtbar auf der Dachscheibe liegt, ist die Zwischendecke abgehängt. Auf diese Weise ersparte man sich störende Unterzüge über den verglasten Wänden, die Deckenuntersichten laufen also ungehindert von innen nach außen durch.

Abgeschlossen werden die Terrassen von einem Stahlgeländer mit vertikalen, teils leicht schräg gestellten Stäben. Die Choreographie dieses leicht bewegten Brüstungsmotivs blieb dem ausführenden Schlosser überlassen. Er hatte die Wahl, in welches der vier vorgesehenen Bohrlöcher pro Stab er die Stahlstangen einspannt. Ohne großen Aufwand gelang damit, ein luftig wirkendes, einzigartiges Geländer, das im Gegensatz zu den sonst sehr beliebten horizontal gespannten Stahlseilen auch den Sicherheitsvorschriften in der Bauordnung entspricht.

Besonders breit sind die Terrassen an der über der Garage auskragenden Schmalseite. Hier sind die Brüstungen zum besseren Sichtschutz mit roten Schichtstoffplatten verkleidet. Das gleiche Plattenmaterial dominiert auch an der hinteren Ansicht, wo es in farblich harmonischem Einklang mit den alten Bäumen steht. Mit einem breiten "Rucksack" wurde hier die Wohnfläche erkerartig ausgedehnt. Die hölzerne Stulpschalung kontrastiert mit der ansonsten sehr viel ebenmäßigeren Gebäudehülle. Als etwas rustikalere "Hintaus-Fassade" ist diese Materialwahl durchaus angemessen und kann auch als Referenz zum grünen Hinterland und zu einem benachbarten Holzhaus gelesen werden. Auch hier ist eine Terrasse als Überleitung ins Freie vorgelagert.

Die dezentral gelegene Eingangsachse ist lichtdurchflutet. Im Erdgeschoß trennt sie die kleine Einliegerwohnung vom großen Wohnbereich. Darüber liegt das Elternschlafzimmer, das als rundum mit Holz verkleidete, behagliche Schatulle ausgeführt ist. Entlang einem an der Rückseite des Hauses führenden Gang liegen die Kinderzimmer und als Abschluss das Büro des Hausherrn im - was die Aussicht angeht - attraktivsten Platz des Hauses.

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