Bauwerk

Bücher Wiederin (heute Buchhandlung Haymon)
Rainer Köberl - Innsbruck (A) - 2004

Verkaufsräume

28. Mai 2005 - Oliver Elser
Ein Asphaltboden, schwarze Wände, Möbel und Regale, eine schwarze, leicht spiegelnde Decke und eine perfekte Lichtregie sind die Zutaten, um bei Wiederin in Innsbruck die Bücher zum Leuchten zu bringen. Doch der Verkaufsraum ist keine schummrige Höhle, sondern trotz der Schwärze paradoxerweise hell, freundlich und offen gegenüber dem Straßenraum. Zur Fußgängerzone öffnet sich der kleine Laden mit zwei großen Schaufensterscheiben, die auf der Außen- und Innenseite der tiefen Fensterrahmen als Ablageflächen dienen und so die gläserne Grenze zum Stadtraum optisch aufheben. Rainer Köberl hat bereits bei seinem 2004 eröffneten MPreis-Supermarkt die Waren als Fetische in einer schwarzen Höhle präsentiert. Dort, im Untergeschoss des neuen, an den italienischen Razionalismo der 1930er- Jahre erinnernden Bahnhofs von Innsbruck (ALBUM, 30. 04. 04) musste Köberl die Architekturambitionen der Tiroler Supermarktkette zum ersten Mal im Rahmen einer reinen Innenraumgestaltung verwirklichen. Die Buchhandlung Wiederin, auch sie erhielt heuer den Architekturpreis des Landes Tirol, ist noch konsequenter auf die Waren und nichts anderes fokussiert. Nicht ohne Grund lieben viele Architekten die Nachtansichten ihrer Gebäude so sehr, bei denen der Inhalt der baulichen Hülle in den Vordergrund tritt. Bei der Buchhandlung wird dieses Bild zum Dauerzustand, egal ob gerade Tag ist oder Nacht.

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