Bauwerk

Virgilkapelle
BKK-3 Architektur - Wien (A) - 2001
Virgilkapelle, Foto: Hertha Hurnaus
Virgilkapelle, Foto: Hertha Hurnaus
14. September 2003 - Az W
Beim Bau der U-Bahnlinie U1 stiess man in den 1970er Jahren vor dem Staphansdom auf die Virgilkapelle, ein vor rund 200 Jahren zugeschüttetes frühgotisches Bauwerk, einst Untergeschoß einer Kapelle auf jenem Friedhof, der den Dom bis 1732 umgab. Der 10, 5 Meter lange und 6 Meter, etwa 12 Meter unter dem heutigen Platzniveau liegende Raum war von Babenbergern vermutlich als Grablege des Hl. Kolomann vorgesehen, geriet gegen Ende des 13. Jahrhunderts in den Besitz der Wiener Kaufmannsfamilie Chrannest, die die Kapelle ihrerseits als Bestattungsraum nutzte. Etwa um 1300 wurde ein neuer Karner zwischen die beiden Geschoße der Kapelle eingeschoben, und im 14. Jahrhundert die oberirdissche Kapelle durch einen Chorbau im Osten erweitert. Die Umrisse des Grundrisses dieser Magdalenenkapelle sind heute im Bodenpflaster des Stephansplatzes ablesbar, während der darunter liegende Raum erst sehr viel später „ans Licht“ kommen sollte.

Im Passagengeschoß der U-Bahn-Station (Abgang direkt vor dem Stephansdom) befindet sich ein Fenster, das den Blick in die Virgilkapelle freigibt. Über das danebenliegende Stiegenhaus kann die „caepella subterrane“ mit der angeschlossenen kleinen Sammlung historischer Keramiken (vom 10. bis zum 19. Jahrhundert) betreten werden. Alle musealen infrastrukturellen Einbauten wahren zur historischen Substanz grösstmögliche Distanz. Glasflächen und gezielte Ausleuchtung des Gewölberaums bringen eine lange den Blicken entzogene Baustruktur effektreich zum Vorschein, für die Präsentation der kleinteiligen Keramiken wurde auf einer Nutzfläche von rund 100 m² eine bodennahe skulpturale Struktur ersonnen, die die Exponate reihenartig gruppiert und verdichtet. (Text: Gabriele Kaiser, 21.02.2003)

teilen auf

Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

Ansprechpartner:in für diese Seite: Maria Welzigwelzig[at]azw.at

Akteure

Architektur

Bauherrschaft
Historisches Museum der Stadt Wien

Fotografie