Bauwerk

Arp-Museum Bahnhof Rolandseck
Richard Meier - Remagen-Rolandseck (D) - 2007
Arp-Museum Bahnhof Rolandseck, Foto: Hajo Lenz © Arp-Museum
Arp-Museum Bahnhof Rolandseck, Foto: Horst Bernhard © Arp-Museum

Ein weisser Tempel über dem Rhein

Richard Meiers Erweiterungsbau des Arp-Museums Rolandseck

04. Oktober 2007 - Klaus Englert

Vor sieben Jahren konnte in einem prachtvollen, südlich von Bonn am Rhein gelegenen spätklassizistischen Gebäude, dem ehemaligen Bahnhof Rolandseck, das Arp-Museum eröffnet werden. Wegen der beschränkten Räumlichkeiten für Sammlung und Ausstellungen hatte man schon vorher den New Yorker Architekten Richard Meier mit dem Bau einer Erweiterung beauftragt. Vor wenigen Tagen nun konnte der neue Museumskomplex eingeweiht werden. Überschattet wurde die Feier von einem Kunststreit. Unter anderem bezichtigten Kritiker den Trägerverein des Museums wegen des Verkaufs von Arp-Duplikaten, darunter auch postum hergestellte Güsse, des Handels mit Reproduktionen. Diese und andere Vorwürfe, die noch geklärt werden müssen, dürften allerdings Architekturliebhaber und Kunstfreunde von einem Besuch des in einer der schönsten Landschaften am Mittelrhein situierten Museums kaum abhalten.

Der Eingang zum Museum, in welchem Werke von Hans Arp immer wieder neu mit zeitgenössischer Kunst konfrontiert werden sollen, befindet sich im Bahnhofsgebäude. Dort geht es hinab zu einem vierzig Meter langen Tunnel, der unter den Bahngleisen hindurch zu einem verglasten Konus führt, von wo zwei Aufzüge die Besucher vierzig Meter hinauf zum Museumsneubau befördern. Dieser ist ganz in Meiers bekannter Sprache gehalten und bietet deshalb keine architektonischen Überraschungen. Allenthalben flutet Helligkeit durch Glasfassaden und Oberlichter. Nur auf der Arp gewidmeten Beletage gibt es ein abgeschirmtes Kabinett für kleinere Arbeiten. Sonst aber wirken die Gouachen, Collagen, Ölbilder und Reliefs des elsässischen Dadaisten in den elf Meter hohen, durch Blickachsen erschlossenen Räumen und loftartigen Ausstellungsplattformen reichlich verloren.

Besser fügen sich die sperrigen Grossformate von Anselm Kiefers «Wegen der Weltweisheit» in die helle Umgebung ein. Nur die raumgreifenden Bleibetten aus der Serie «Die Frauen der Revolution» verlieren in der immateriell wirkenden Atmosphäre des mittleren Geschosses ihre Erdenschwere. Günstigere Standorte haben hingegen die Lichtspirale von Barbara Trautmann sowie die Skulpturen und Installationen von Anton Henning, Johannes Brus und Michael Craig-Martin. Trotz allen Schwierigkeiten, die das neue Haus stellt, ist Museumsdirektor Klaus Gallwitz von der Wirksamkeit des Dialogs zwischen dem Klassiker Arp und heutigen Künstlern überzeugt. Nicht Nachlassverwaltung, sondern lebhafter Dialog mit den künstlerischen Strömungen der Gegenwart ist sein Motto. Dieses verspricht nach all den Streitereien einen guten Neuanfang für Rolandseck.

[ Die Ausstellung «Hans Arp. Die Natur der Dinge» dauert bis zum 30. März 2008; die Anselm-Kiefer-Schau «Wege der Weltweisheit / Die Frauen der Revolution» bis 28. September 2008. ]

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Für den Beitrag verantwortlich: Neue Zürcher Zeitung

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