Bauwerk

Kindergarten Zemendorf
Halbritter & Hillerbrand - Zemendorf-Stöttera (A) - 2007
Kindergarten Zemendorf, Foto: AnnA BlaU
09. März 2009 - Az W

Der eingeschossige Kindergarten rückt soweit wie möglich von der südlich verlaufenden Hauptstraße am Grundstück ab und nimmt damit die Bebauungskanten der Umgebung auf. Der öffentliche Durchgang, der zwischen Kindergarten und der Volksschule am Nachbargrundstück verläuft, bildet die gemeinsame Zugangsachse der beiden thematisch verwandten Gebäude. Der Kindergarten selbst ist so situiert, dass sich Freiräume unterschiedlicher Charakteristik und Funktionalität ergeben: – der Zugang erfolgt über einen wind- und witterungsgeschützten eingeschnittenen Vorplatz, der auch als Warte- und Pufferzone genutzt wird – hinter der zentralen Halle ist als Lichtbrunnen ein intimer Atriumhof angeordnet, mit Hochbeeten als Lehrgarten gestaltet – der den Gruppenräumen südseitig vorgelagerte Garten dient mit diversen Geräten und Geländemodellierungen als Spielplatz.

Das architektonische Konzept nimmt Überlegungen zur kindlichen Raumwahrnehmung auf und wird in Architektur übersetzt:
Laut einschlägigen Forschungen brauchen Kinder die eigenständige Steuerbarkeit von Reizen, um ihre gebaute Umwelt positiv erleben zu können – Elemente der „Sicherheit“ und Elemente der „Stimulation“ sollen in einem befruchtenden Wechselspiel stehen.
Ein Gefühl der „Sicherheit“ vermittelt die einfache funktionale Struktur des Projekts, die auch Kleinkindern eine Orientierung ermöglicht : Eine zentrale Halle, die als Speise- oder Tagesheimraum genutzt wird und auch diversen Veranstaltungen einen passenden Rahmen bietet; Im nördlichen Trakt sind die Verwaltungs- und Nebenräume sowie der Bewegungsraum untergebracht; die Gruppenräume mit ihren Nebenräumen sind nach Süden orientiert.
Erst in der dritten Dimension wird durch ein räumliches Spiel von geneigten Dachflächen, Versätzen und Zwischenebenen der Kindergarten als differenziertes Wahrnehmungs- und Handlungsfeld erlebbar. Überraschende Aus- und Durchblicke, Rückzugsorte bieten die geforderte „Stimulation“ und laden zum spielerischen Erobern des Gebäudes ein.

Aus Überlegungen ökologischer und ökonomischer Natur wurde der Kindergarten als fast 100%iger Holzbau errichtet. Das disziplinierte Grundgerüst des Objektes kam den materialspezifischen Vorgaben des Holzbaus - klare Konstruktion und sinnvolle Stützweiten - sehr entgegen.
Die Wände sind als Holzriegelwände ausgebildet; die großzügigen Verglasungen wurden mit Pfosten-Riegelkonstruktionen aus Lärche mit eloxierten Aluminium-Deckschalen und öffenbaren Elementen in Lärche realisiert. Als außen liegender Sonnenschutz wurden Lamellen – ebenfalls aus Lärche – angebracht, die die hoch stehende Sommersonne filtern und die den Gruppenräumen vorgelagerten Terrassen in ein Schattenspiel tauchen. Die flach geneigten Dächer sind extensiv begrünt.

Auch das Farbkonzept des Kindergartens vermittelt das oben erwähnte Wechselspiel von „Sicherheit“ und „Stimulation“: Während der Baukörper von außen durch die konsequente Verwendung von vorvergrauten Lärchen-3-Schichtplatten sehr ruhig wirkt und die nötige Sicherheit vermittelt, wurde für die stimulierende Gestaltung der Innenräume ein gemeinsamer Workshop mit Kindern (im Kindergartenalter) zur Erarbeitung eines Farb- und Materialkonzepts veranstaltet. Dabei wurden – für die Planer zum Teil überraschend – kräftige Komplementärfarben ausgewählt, die jeweils einen Gruppenraum prägen und in unterschiedlichen haptischen Qualitäten auf die Nutzung reagieren (PUR-Beschichtung für die Böden, Teppiche für Rückzugsräume, kunstlederbespannte Möbel). Hintergrund – Wände und raumakustisch wirksame Untersichten aus Heraklith – und komplettierende Bauteile – Seilnetze als Geländerfüllungen – sind in neutralem weiß gehalten. (Text: Architekten)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Martina Frühwirthfruehwirth[at]azw.at