Bauwerk

Einfamilienhaus
Gerald Prenner - Buchschachen (A) - 2003

Ein Erstling wie ein Überraschungsei

Bei seinem ersten Haus im Südburgenland versuchte der junge Architekt Gerald Prenner die Lage, modernen Lifestyle und auch regionale Traditionen zu verknüpfen.

8. März 2003 - Franziska Leeb
Das Haus liegt an einem Südhang außerhalb des Ortskerns von Buchschachen. Die Aussicht ist großartig. Im Norden führt eine Straße vorbei. Von ihr aus ist nicht viel mehr zu sehen als ein lang gestreckter, flacher Trakt. Rechts vom Eingang wurde das Blechdach als schützendes Schild über die Fassade gezogen. Die zweite - mit Sperrholzplatten verkleidete - Hälfte rückt unter dem Dachvorsprung zurück.

Diese reduzierte, bescheidene und ruhige Straßenfront, die das Haus so harmonisch und logisch parallel zur Fahrbahn an der Hangkante verankert, lässt kaum Rückschlüsse auf das Dahinter zu. Denn das ist von einer völlig konträren Haltung gekennzeichnet, die man als „extrovertierten Expressionismus“ beschreiben könnte.

Aus dem Quertrakt sticht im rechten Winkel dazu ein westseitig über zwei Geschoße verglaster Riegel mit ansteigendem Pultdach und nach vorne geneigter Stirnseite ins Gelände. Von der dem Wohnbereich vorgelagerten Pool-Terrasse leitet eine Freitreppe, deren Ausdehnungen einem öffentlichen Gebäude alle Ehre machen würden, in den Garten. „Wozu der Aufwand?“, ist der erste Gedanke. Hört man jedoch, dass die Treppe ein beliebter sonniger Sitzplatz für Familie und Gäste ist, der die Terrassenfläche quasi ins Gelände fortsetzt, dann ist ihre Ausdehnung berechtigt. Terrasse und Treppe bilden damit an diesem doch exponierten Ort einen gestalteten Freiraum, der von den Baukörpern gefasst wird. Ein eigenwilliges, dem Haus sehr gut zu Gesicht stehendes Detail sind die eigens angefertigten Metalltröge, die als Terrassenbrüstung eingesetzt wurden.

Im Inneren hat man schon von der Diele aus einen guten Überblick sowohl über die Organisation des Hauses als auch in die Landschaft. Die Eingangsachse führt nämlich direkt in den zweigeschoßigen Luftraum des Längstraktes, der zwischen der Glasfassade und den Zimmern liegt. Die mit Schiefer belegte Freitreppe wird in diesem Bereich durch die Fassade durchtrennt und läuft im Inneren als Stiege ins Untergeschoß weiter. Die Wohnküche liegt im Quertrakt und öffnet sich zur Terrasse. Schlaf-, Kinder- und Badezimmer werden über einen galerieartigen Steg im Luftraum erschlossen und haben zu diesem hin raumhohe Glasscheiben.

Durch den Luftraum und die Transparenz der Wände ist die Größe des Hauses in allen wesentlichen Räumen auch innen gegenwärtig und es gibt interne Blickbeziehungen zwischen ihnen. An den Deckenuntersichten und den gangseitigen Wänden der Zimmer kamen die gleichen Sperrholzplatten, wie wir sie bereits von außen kennen, zum Einsatz.

Im unteren Geschoß liegt an der Stirnseite quasi ein „grünes Zimmer“, in dem die Verbindung zum Hang am stärksten gegeben ist. Wirtschafts-und Lagerräume befinden sich im kürzeren, östlichen Teil des Quertraktes sowie im teils in den Hang eingegrabenen Untergeschoß.

Auch wenn's auf den ersten Blick gar nicht danach aussieht, ist dieses Haus in einigen Punkten doch auch von den traditionellen Gehöftformen der Gegend inspiriert: Die einzelnen Trakte umschließen einen hofartigen Freiraum. Dem Wirtschaftsteil ist ein eigener Flügel gewidmet, und der den Zimmern vorgelagerte Luftraum stellt eine Transformation des Arkadenganges dar. Vielleicht mit ein Grund, warum die Mutter der Bauherrin so sehr von diesem Haus angetan war, dass auch sie ein neues Refugium bei Gerald Prenner in Auftrag gab. Noch ist es nicht ganz fertig. So viel kann aber schon gesagt werden: Vom Sturm und Drang des Erstlings ist nichts mehr zu spüren. Es fiel insgesamt einheitlicher und dadurch auch „runder“ aus.

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