Bauwerk

Dorfzentrum Kappl
brenner + kritzinger architekten - Kappl (A) - 2010
Dorfzentrum Kappl, Foto: Birgit Koell
Dorfzentrum Kappl, Foto: Birgit Koell

Mitten im Zentrum der Gemeinde Kappl im Tiroler Paznauntal befand sich ursprünglich eine Hauptschule und das alte Gemeindeamt. 2004 wurde außerhalb von Kappl mit der Hauptschule Paznaun ein neues, gemeinsames Schulzentrum für alle vier Talgemeinden fertig gestellt (Architektur: Noldin & Noldin Architekten; s. eigener Eintrag). Damit wurde Platz für ein neues Gemeindezentrum zu dessen Errichtung 2006 in Zusammenarbeit mit der Dorferneuerung ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde.

Die Vorgängerbauten standen dicht an der Durchzugsstraße, eine sehr beengte Situation zur direkt gegenüberliegenden Kirche war die Folge. Zentrale Idee des aus dem Wettbewerb siegreich hervorgegangenen Projekts von brenner + kritzinger Architekten war es, diese Situation zu verbessern und zwischen Kirche und angrenzendem Hang einen attraktiven Dorfplatz zu schaffen.

Drei durch zwei Stiegenhäuer gegliederte Baukörper umfassen U-förmig den neuen Dorfplatz und beziehen die Kirche mit Kapelle als südlichen Abschluss mit ein. Die Platzfläche selbst ist leicht gegenüber dem Straßenniveau angehoben und damit klar als verkehrsfreie Zone ausgewiesen. In den Erdgeschossflächen der neuen Baukörper sind jene Einrichtungen untergebracht, die zu einer Belebung des Dorfplatzes beitragen, wie ein Café, Geschäfte und der Tourismusverband. Auch das Foyer des großen Mehrzwecksaals, der sich im ersten Obergeschoss des westlichen Bauteils befindet, ist ebenerdig dem Platz zugeordnet. Große Schiebeelemente schaffen die Möglichkeit, das Foyer zum Platz hin zu öffnen und bei Freiluftveranstaltungen miteinzubeziehen. Der Saal ist durch ein großes, über Eck geführtes Erkerfenster mit den Außenraum verbunden, das einen einmaligem Blick auf die Kirche bietet.

Im zurückversetzten Mittelteil sind im Obergeschoss die Räumlichkeiten des Gemeindeamts und ein Kindergarten untergebracht, die beide ebenfalls vom Dorfplatz erschlossen werden. Der östliche Baukörper beherbergt eine Arztpraxis, eine Wohnung und das Büro der Agrargemeinschaft. Lager- und Nebenräume befinden sich in dem unter allen Bauteilen durchgehenden Untergeschoss, wo auch eine öffentliche Tiefgarage Platz für 50 PKW schafft.

Die Gestaltung und Höhenentwicklung der einzelnen Baukörper nimmt Bedacht auf die Lage gegenüber der Kirche und inmitten der kleinteiligen dörflichen Struktur. Bei den Flügelbauteilen dominiert Natursteinmauerwerk und heimisches Lärchenholz, horizontale Fenstereinschnitte gliedern die Fassaden. Der Mittelteil ist weiß verputzt und tritt optisch in den Hintergrund. Durch diese Verwendung lokaler Materialien fügt sich das neue Gebäude in den Bestand ein, zum nordseitigen Hang hin schaffen wiederum begrünte Flachdächer einen fließenden Übergang. (Text: Claudia Wedekind)

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Für den Beitrag verantwortlich: aut. architektur und tirol

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