Bauwerk

Erweiterung und Sanierung BG und BRG Kufstein
Johannes Wiesflecker - Kufstein (A) - 2013
Erweiterung und Sanierung BG und BRG Kufstein, Foto: David Schreyer
Erweiterung und Sanierung BG und BRG Kufstein, Foto: David Schreyer

BG und BRG Kufstein

Erweiterung und Sanierung

Das Zentrum von Kufstein ist im Wandel begriffen: Nach der Neubebauung des Areals zwischen „Unterem Stadtplatz“ und „Fischergries“ durch Daniel Fügenschuh und dem von Rainer Köberl und Giner + Wucherer adaptierten Rathaus und Stadtplatz (s. eigene Einträge) wurde mit der Erweiterung des BG und BRG ein weiterer zeitgenössischer Akzent gesetzt. Den 2009 dazu ausgeschriebenen Architekturwettbewerb hat Johannes Wiesflecker mit einem Projekt gewonnen, das in seinem städtebaulichen Ansatz, im Umgang mit der bestehenden Bausubstanz und in seiner innenräumlichen Organisation überzeugt.

Das alte Schulgebäude – ein U-förmig um einen Innenhof angelegter Heimatstilbau – wurde im beginnenden 20. Jahrhundert von Willy Graf errichtet. Aufgrund steigender SchülerInnenzahlen und geänderter Anforderungen wurde der Bestand über die Jahr hinweg laufend adaptiert und erweitert, was schlussendlich dazu führte, dass viele Klassen zu klein, ungünstig zugeschnitten und schlecht belichtet waren. Neben brandschutztechnisch notwendigen Eingriffen erfuhr diese unter Denkmalschutz stehende Bausubstanz in erster Linie eine funktionale Bereinigung. Die Unterrichtsräume wurden auf die gut belichteten Geschosse (EG, 1. und 2. OG) verteilt, das Dachgeschoss für die Verwaltung und das Untergeschoss für Nebenräume adaptiert. Die Charakteristik des alten Schulgebäudes mit seinen innen- und außenräumlichen Qualitäten blieb so weit wie möglich erhalten.

Der Grundintention eines unaufgeregten Nebeneinanders von Altbestand und neuer Bauintervention folgend wurde der weitgehend freigespielte Altbau um einen deutlich davon abgerückten, eigenständigen Neubau ergänzt, einen fünfgeschossigen, konischen Baukörper, der formal im Kontrast zum Bestand gestaltet wurde. Etwa die Hälfte der insgesamt 40 Stammklassen sind nun in den Obergeschossen des Neubau untergebracht. Erschlossen werden sie über eine zweiteilige Treppenanlage, die aus einer geschlossenen Treppe und einer damit verwobenen offenen besteht. Sichtbeton, schwarze Gussböden und graue Lochblech-Elemente als Abgrenzung zwischen den Garderoben- und Gangbereichen bestimmen den Charakter der Erschließungsflächen, in den Klassen selbst sorgen Eichenholzböden und weiße Akustikelemente zusammen mit raumhohen Fenstern für eine helle und freundliche Atmosphäre.

Eine Hälfte der Klassenräume ist zur Festung hin ausgerichtet, was neben dem einmaligen Ausblick den Vorteil bietet, dass bis zum Nachmittag kein direktes Sonnenlicht in die Räume gelangt. Die restlichen Klassenzimmer sind zweiseitig belichtet, wobei eine der südöstlichen Fassade ca. 2,5 m vorgesetzte Wandscheibe und Licht von oben eine ganz spezielle Lichtsituation schaffen. Diese Wandscheibe ist zugleich das prägende gestalterische Element des Neubaus. In Zusammenarbeit mit dem Künstler Karl-Heinz Klopf wurde eine „Zerknitterte Wand“ realisiert, eine dreidimensionale Betonskulptur, die wie ein zerknülltes Blatt Papier vom Dachgeschoss herab bis zum 1. Obergeschoss hängt.

Eine großzügig konzipierte Eingangssituation führt vom Erdgeschoss des Neubaus über einen gläsernen Verbindungsbau zum Bestandgebäude, im Untergeschoss verbindet eine Treppenanlage mit unterschiedlich geneigten Treppenläufen die verschiedenen Niveaus von neuem Turnsaal und den bestehenden beiden Turnhallen. Diese attraktive Raumsequenz aus Saal, Foyer, Turnhallenbereich und Treppenanlage ist das neue Herz der Schule, das Platz für unterschiedlichste, auch über den normalen Schulbetrieb hinausgehende Aktivitäten bietet. (Text: Claudia Wedekind)

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Für den Beitrag verantwortlich: aut. architektur und tirol

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