Bauwerk

OASE 22 – Bauplatz 8
studio uek - Wien (A) - 2013
OASE 22 – Bauplatz 8, Foto: Wolfgang Thaler
05. August 2014 - Az W

Basierend auf dem städtebaulichen Entwurf des EUROPAN 9-Siegerprojekts von studio uek entstand in Wien Neu Stadlau ein generationengemischtes Wohnquartier. Als Antwort auf das heterogene Umfeld entwickelten die Architekten eine ringförmige Bebauungsstruktur, wobei die Wohnanlage keine abgeschlossene, ausschließende Insel bildet, sondern vielmehr zwischen innen und außen vermittelt. Fugenbereiche eröffnen Durchblicke und Wegeverbindungen für die BewohnerInnen und PassantInnen gleichermaßen. Ein großer, zweigeschossiger Durchbruch markiert den Hauptzugang im Südwesten der Anlage.

Die Bauteile von studio uek im westlichen Teil der OASE 22 mit der Bauklasse II und III umfassen 169 Wohneinheiten und ein geriatrisches Tageszentrum. Unterschiedliche Kombinationswohnungen können ge- oder entkoppelt werden (z.B. Wohnen mit Oma, Wohnen mit Youngster, Senioren-WG). Jede Wohneinheit verfügt über einen privaten Freibereich. In den beiden obersten Geschossen der „Fugen“ zwischen den Gebäuden befinden sich die Waschküchen sowie in Sichtverbindung dazu die Kinderspiel-/Gemeinschaftsräume. 30 Wohneinheiten sind als „betreubares Wohnen“ barrierefrei ausgestattet. BewohnerInnen leben hier weitgehend eigenständig und erhalten bei Bedarf Hilfestellungen. Beim Wohnungseingang weitet sich die Gangfläche zu Nischen, die Platz für Gehhilfen bieten. Zusätzlich verfügen diese Wohnungen alle über Einlagerungsräume (= als Kellerabteil) am Wohngeschoss.

„Soziale Nachhaltigkeit“ bildet eine Säule für geförderten Wohnungsbau in Wien. Sie reicht in der OASE 22 weit über das Angebot von Gemeinschaftsräumen in der Erdgeschosszone, ein geriatrisches Tageszentrum, ein Hausbetreuungszentrum, den großen bauplatzübergreifenden Spiel- und Festraum sowie Fahrrad- und Kinderwagenabstellplätze hinaus. Oben auf dem Dach befindet sich eine zweite Ebene gemeinschaftlicher Nutzung: der „Skywalk“ ist ein umlaufender Freiraum, der für alle BewohnerInnen frei zugänglich ist. Brücken verbinden den Dachweg über alle Bauteile hinweg. Der „Skywalk“ bietet unterschiedliche Freiraumqualitäten: er führt von prominenten Aussichtspunkten vorbei an wenig einsehbaren Nischen und kleinen Plätzen weiter zu Plätzen mit Hochbeeten und Sitzgruppen, die zum Miteinander einladen. Die Diversität am Dach ist insbesondere für Jugendliche interessant. Die Nischen sind willkommene Rückzugsorte, wo die soziale Kontrolle der Nachbarschaft ausnahmsweise nicht greift.

Von hoch oben am „Skywalk“ lässt sich die Gesamtheit des Innenhofs gut nachvollziehen. rajek barosch landschaftsarchitektur haben ein Freiraumkonzept entwickelt, das sich frei über Bauplatzgrenzen hinweg über den gesamten Innenhof bin in den hintersten Winkel erstreckt. Diese durchgehende Gestaltung verleiht dem Innenhof eine überraschende Großzügigkeit. Ebenfalls bemerkenswert ist die hohe Ausführungsqualität. Die Hauptachsen sind betonierte Felder, die über eine gezeichnete Besenstrich-Struktur verfügen. Weniger stark frequentierte Bereiche sind als wassergebundene Flächen ausgeführt. Wegbegleitende Mäuerchen werden dank Holzabdeckungen zu Bänken aufgewertet und laden zum „Bassena“-Plausch am Heimweg ein.

Eine begleitende Moderation wurde ab dem Zeitpunkt der Besiedelung für die BewohnerInnen aller drei Bauteile bereitgestellt. Ein Team von
Nachbarschaftskuratoren wird die Kontinuität des sozialen Prozesses, der partizipativen Aneignung und der Nachbarschaftsentwicklung sicher stellen.

„Europäische Urbanität“ – so lautete das Motto des EUROPAN 9 Wettbewerbs im Jahr 2008. EUROPAN dient als „Indikator für Entwicklungen, mit denen sich Kommunen konfrontiert sehen.“ studio uek ist ed mit der OASE 22 gelungen, für ein herausforderndes, heterogenes Umfeld die passende Antwort zu finden. Dieser Herausforderung werden sich noch zahlreiche weitere Architekturbüros und Bauträger stellen müssen, hoffentlich mit vergleichbarem Erfolg. (Martina Frühwirth, nach einem Text der Architekten)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Martina Frühwirthfruehwirth[at]azw.at

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