Bauwerk

Agrarzentrum Maishofen
sps-architekten - Maishofen (A) - 2017
Agrarzentrum Maishofen, Foto: Andrew Phelps
Agrarzentrum Maishofen, Foto: Andrew Phelps
Agrarzentrum Maishofen, Foto: Andrew Phelps

Alles unter einem Dach

13. November 2017 - Initiative Architektur

Der von sps÷architekten geplante Neubau auf dem weitläufigen Areal des Zuchtviehmarktes in Maishofen vereint mehrere Funktionen des agrarischen Sektors unter einem Dach. Er folgt dabei einem Konzept, das bewusst überlieferte Formen aufgreift, um eine neue Funktion zu etablieren.

Das neue Agrarzentrum beherbergt derzeit die Einrichtungen der Maschinenrings und die Bezirksbauernkammer des Pinzgaus. In einer weiteren, bereits geplanten Bauetappe soll auch der Zuchtviehverband mit seinen Büros hier einziehen. Baulich schreibt sich das Objekt durch einen traditionellen Formenkanon in die bestehende Anlage ein. Durch seine Situierung gelingt dabei die Neuordnung des Areals der Zuchtviehversteigerungsanlage und öffnet ihm neue Möglichkeiten für die Entwicklung. Der Neubau steht orthogonal zur beherrschenden Viehmarkthalle und bildet zusammen mit den übrigen Bestandsbauten nun einen Hof, der dem Areal eine Mitte gibt, die ihm zuvor fehlte.

Der solitäre Baukörper wird durch eine vertikal gegliederte Fassade aus Holzpfeilern strukturiert. Diese zarten Stützen erfüllen keinen konstruktiven Zweck, sondern umhüllen den eigentlichen Baukörper. Sie bilden vielmehr einen Filter, der die Fassade des zweigeschoßigen Verwaltungsbaues verhüllt. Mit dieser Geste der über zwei Geschoße reichenden Pfeiler gelingt es das kleinteilige Gepräge der Fassade mit ihren Fenster- und Türöffnungen auszublenden. Der Neubau erhält so ein zeitgemäßes Gepräge, das sich gegenüber der behäbigen Massigkeit der vorhandenen Bauten behaupten kann.

Erschlossen wird das Agrarzentrum über ein gemeinsames zweigeschoßiges Foyer samt Stiege und Lift für beide Nutzer. Es ist eine einfache Zonierung der Nutzungseinheiten gegeben, wobei im Erdgeschoß der Maschinenring und im Obergeschoß die Bezirksbauernkammer untergebracht sind. Vom zentralen Haupteingang und der lichtdurchfluteten Halle erreicht man die gemeinsamen Besprechungsräume und gelangt zu den Büros im Erdgeschoß bzw. über die Stiege ins Obergeschoß. Die Anordnung eines Nebeneingangs an der Schnittstelle zum Außenbereich vor der Auktionshalle führt auch zu möglichen Synergien bei Veranstaltungen im Rahmen von Viehauktionen.

Die über einem betonierten Keller errichtete zentrale Hauptgebäudestruktur besteht aus einer Scheibenkonstruktion in lehmverputzter Brettsperrholzbauweise. An diesen Kern lehnt sich ein Massivholzbau mit vorgefertigten Elementwände und –decken an. Im Inneren sind die hell lasierten Holzoberflächen teilweise perforiert bzw. mit gefilzter Wolle für die Schallabsorption verkleidet.

Die aus dem Dialog heraus entwickelte architektonische Intervention nimmt durch das Material wie durch seine formale Ausprägung auf tradierte Formen des Bauens Bezug und könnte mit dieser Haltung einen Beitrag für die Erneuerung des Bauens in der gesamten Region leisten. (Text: Roman Höllbacher)

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Für den Beitrag verantwortlich: Initiative Architektur

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Andrea Rosenberger-Großschädloffice[at]initiativearchitektur.at