Bauwerk

Tabakfabrik Linz – Haus Havanna
STEINBAUER architektur+design, kaltenbacher architektur - Linz (A) - 2022
Tabakfabrik Linz – Haus Havanna, Foto: STEINBAUER architektur+design
Tabakfabrik Linz – Haus Havanna, Foto: STEINBAUER architektur+design
Tabakfabrik Linz – Haus Havanna, Foto: STEINBAUER architektur+design
Tabakfabrik Linz – Haus Havanna, Foto: STEINBAUER architektur+design
11. April 2023 - afo
Das denkmalgeschützte „Haus Havanna“ wurde nach Plänen von Peter Behrens und Alexander Popp in den 1930er Jahren als Tabaklager errichtet und ist Teil des Industrie-Ensembles der Tabakfabrik Linz. Mitte der 1960er wurde das Speichergebäude aufgestockt, die Freiräume zwischen dem Lager und den benachbarten Magazinen wurden überbaut. Im Jahr 2017 wurden alle nicht denkmalgeschützten Bauteile abgebrochen; ein EU-weites Vergabeverfahren zur Ideenfindung für eine neue Fassadengestaltung und Neukonzeption des Inneren wurde ausgeschrieben, um dem vormals weitgehend unbelichteten Bau neues Leben einzuhauchen.

Leitmotiv der Architekten war es, durch denkmalpflegerisch stimmige Konzeption eine ausgewogene Balance zwischen der Präsenz des Industriedenkmals und dem zeitgenössischen „Statement“ der neuen Fassade herzustellen. Die Hauptrolle spielt dabei ein Bauprodukt aus den Anfängen der Moderne und Element der sachlichen Architektur: der Glasbaustein. Mit diesem Material konnte eine maximale Lichtausbeute für das Innere des Tabakspeichers erzielt werden. Der gläserne Fassadenvorhang besteht aus 70.000 Glasbausteinen und erstreckt sich über sechs Geschosse mit einer Fläche von über 1.800 m². Um der Behrens‘schen Gliederung zu entsprechen, verschwinden alle tragenden Stahlkonstruktionen im Inneren der Glasbausteinfugen und werden ausschließlich horizontal in Form einer tragenden Fensterbänderung sichtbar. Die Stahlfenster gliedern sich im vorgegebenen Raster der denkmalgeschützten Betonskelettstruktur und ermöglichen durch Schwingflügelöffnungen – ebenfalls Zitat des historischen Vorbilds – eine natürliche Belüftung. Ein schwarzes Stahlband umrahmt die Glasbausteinfassade und wirkt als klare Kontur zwischen Bestehendem und Neuem. Seinen unteren Abschluss findet die Ergänzung in der neuen Konstruktion des Vordachs, das in seiner ursprünglichen Form ebenfalls durch einen Abbruch in den 1960ern verloren gegangen war.

Der neue Treppenturm besteht aus zwei gegenläufig angeordneten, einläufig-spannenden Sichtbetontreppen, die jeweils die Höhe eines gesamten Geschosses überwinden. Die Geländerkonstruktion reduziert sich auf massive Rundstahlstäbe, die mittels hunderten von Kernbohrungen direkt in die Stiegenläufe verankert wurden. Die Rundverglasungen, Reminiszenz an die vielen Bullaugenfenster am Fabrikgelände, wurden exakt auf Höhe der Kreuzungspunkte der Treppenläufe positioniert und ermöglichen so spannende Ein- und Ausblicke. Die Regelgeschosse orientieren sich ebenfalls am Achsenraster des historischen Entwurfs. Der Grundriss ist reduziert: Im Zentrum liegt die infrastrukturelle Versorgung, in den unbelichteten Außenecken wurden vier neue Sanitärzonen geschaffen. Der Raum dazwischen wird von den jeweiligen Nutzer:innen individuell nach deren Bedürfnissen bespielt und gestaltet. (Text: Architekten, bearbeitet)

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