Zeitschrift

archithese 3.2008
Mehr Licht?
zur Zeitschrift: archithese
HerausgeberIn: FSAI
Verleger: niggli Verlag

Seit der Revolutionierung des künstlichen Lichts – des Gaslichts zu Beginn und des elektrischen Lichts gegen Ende des 19. Jahrhunderts – wird die Frage nach mehr oder weniger Licht immer wieder von Neuem verhandelt. Die aktuelle Debatte um Lichtverschmutzung zeigt es: Im Vordergrund stehen Lichtmenge, -intensität und -verteilung im Hinblick auf ökologischen, ökonomischen, kulturellen oder sozialen Nutzen respektive Schaden. Daneben findet aber auch eine Diskussion über «gutes», über «besseres» Licht statt – über eine qualitätvolle Beleuchtung also, die mit quantitativen Aspekten enger verknüpft ist, als es auf den ersten Blick erscheint.

Im Schnittpunkt dieser beiden Achsen situieren sich die Beiträge des vorliegenden Hefts. Sie thematisieren die Kriterien einer zeitgemässen Beleuchtung und berühren dabei Kontexte, die unterschiedlicher nicht sein könnten. So möchten wir Sie einladen, in den zauberhaften Schein vereinzelter Lichter an den Rändern der Stadt einzutauchen – des ehemaligen Industriegebiets Zürich West oder der Wohnüberbauung einer französischen Banlieue. Wir durchwandern lange Fussgängerunterführungen und treffen dabei auf museale Lichtinstallationen und bedeutungsvolle Lichtkunstwerke; wir erlauben uns einen Blick in den intimsten Raum der Wohnung – ins Badezimmer, wo wir uns allmorgendlich im besten Lichte sehen wollen; wir begutachten szenografische Lichteffekte in der Deutschen Börse Frankfurt. Liest man diese Beispiele vor dem Hintergrund der Überlegungen zweier Lichtgestalter, mit denen wir ein ausführliches Gespräch über ihre Profession geführt haben, so zeichnet sich ein breites Spektrum ab, in dem sich die Gestaltung mit Licht aktuell bewegt.

Die vorgestellten Beleuchtungen erhellen ihre gebaute Umgebung im Innen- und Aussenraum auf unterschiedliche Weise. So gibt die von innen heraus leuchtende, textile Fassade der neuen Miroiterie im Lausanner Quartier Flon ihrem Ort ein charakteristisches Gepräge, während das Beleuchtungsdesign einer Markenfiliale der Bekleidungsindustrie vielmehr mit globaler Leuchtkraft wirkt – auch wenn es sich dazu auf ein paar wenige, teure Kubikmeter in einer Shoppingmall reduzieren muss. Dass Werbung mit Licht so alt ist wie das elektrische Licht selbst, stellt übrigens ein Blick in die Geschichte gleich am Anfang des Hefts klar. Den Abschluss hingegen bildet die Zukunft: Wie werden unsere Städte in einigen Jahren leuchten? Ein neu entwickeltes Lichtprojektionsverfahren – energiesparend, lichtemissionsarm und grossräumig – lässt Vermutungen aufkommen.
Redaktion

02 Editorial
22 Inszenierte Ordnung: Über alte und neue Aufgaben des künstlichen Lichts | Bernadette Fülscher
28 «In Licht denken»: Die Lichtgestalter Thomas Mika und Christian Vogt im Gespräch | Doris Agotai
34 Lichterhektik und Feenwälder: Ein nächtlicher Spaziergang durch Zürich West | Andri Gerber
40 Bâtiment phare: À propos de la Miroiterie de Brauen Wälchli | Adrien Besson
44 Anderes Licht in der Unterwelt: Neue Beleuchtung von Fussgängerunterführungen | Bernadette Fülscher
50 Lichterglanz im Badezimmer: Licht im Bad – zwischen Funktionalität und Wellness | Norbert Wild
54 Leuchtende Marken: Corporate Light als Gestaltungsmittel der Markenwelt | Thomas Schielke
60 Schaufenster der Globalisierung: Zur Szenografie und Neugestaltung des Parkettsaales der Deutschen Börse Frankfurt | Andrea Gleiniger
64 Urbaniser par la lumière: L’éclairage au service de l’espace public des quartiers d’habitat social | Jean-Michel Deleuil
68 Notturno über die Modulation der Nacht: Ohne Lichtverschmutzung zu einer neuen Ästhetik | Oliver Schürer

Architektur aktuell

74 LIN – Finn Geipel und Giulia Andi: Transformation eines U-Boot-Bunkers in Saint-Nazaire, 2007 | Hubertus Adam
80 Fuhrimann Hächler: Häuser für die Kunst in Vnà und Lenzburg, 2007 | Hubertus Adam

Rubriken

88 Ausstellung: The World of Madelon Vriesendorp | Bettina Schürkamp
92 fsai
96 Neues aus der Industrie
102 Lieferbare Hefte
104 Vorschau und Impressum

teilen auf

Weiterführende Links:
niggli Verlag

Tools: