Bauwerk

Villa für MM
DREER2 - Wien (A) - 2005
Villa für MM, Foto: Bruno Klomfar
Villa für MM, Foto: Bruno Klomfar

Edel aufgemöbelt

In der frühen Gründerzeit stellten sich hier die Pferde unter, später verkam das Erdgeschoss des Fuhrwerkshauses zum Lager, die Familie wohnte oben. Umsichtig sanierten die Architekten DREER 2 den 40 Meter langen Trakt. Edler Holzboden, eine raffinierte Kücheneinheit, die vergrößerten, sitzbankgesäumten Fenster, Kamin und ähnlichen Finessen bilden nun die angemessene Kulisse für Festivitäten aller Art

13. August 2005 - Isabella Marboe
Zwischen mächtigen Industrietanks, Hallen und Höfen wohnt die Bauherrnfamilie im Obergeschoss eines Wirtschaftsgebäudes am eigenen Werksgelände, die Räume darunter dienten als Lager: das stattliche Sammelsurium ungebrauchter Dinge betrat man nur selten. Der zweistöckige Trakt aus dem Jahr 1850 hat als ältester Bau am weitläufigen Areal beide Weltkriege, werksinterne Umstrukturierungs- und Modernisierungsschübe schadlos überstanden. Von Bäumen verborgen liegt er hinterm ersten Zufahrtshof am Tor, früher passierten hier Fuhrwerke, um ihre Lieferrunde um den Rasen vorm Lager gegenüber zu drehen, wo Bierfässer ein- und ausgerollt wurden. Der 7 Meter breite, 40 Meter lange Gründerzeittrakt im Süden diente als Pferdestall.

Der letzte Umbau war 1960, Fassadensanierung und Aufrüstung auf Niedrigenergiestandard fällig, die Bauherren wollten nicht länger aufs Erdgeschoss am Garten verzichten. Der große Rasen mit Birke und Pool im Osten ist eine erholsame, von Verwandten hochfrequentierte Grünoase, die Hausfrau war es müde, bei jedem Fest zur Verköstigung der Großfamilie auf- und ab zu rennen. Das Erdgeschoss sollte mit offener Küche, Speis, Wohnsalon, Kamin, Esszimmer, komfortabler Gästeeinheit, Garderobe und Toilette den Idealrahmen für geselliges Zusammensein bilden. Mit Umbau und Sanierung betraute man DREER 2, die den Bauherren bereits ein Minibüro geplant hatten. Die Architekten behandelten den Bestand voll Umsicht und Respekt. Seine Stärke liegt im Süden: 40 Meter lang, 3,60 Meter hoch, ist die Gartenfront die einzige mit Fenstern. Um mehr Licht ins Innere zu holen, ohne die Barockfassade mit ihren übereinstimmenden Achsen zu stören, wurden alle Fenster bis zum Gebäudesockel verlängert, die zwei Türen vollverglast.

Das Entree ist klassisch im mittigen Portalbau, Stiege und Tür ins private Oben blieben unangetastet, sein Ostende mit Garderobe und Toilette bildet den Eingang zum Darunter. Die Glasbausteine der 60er sind durch einen geschossübergreifenden Fensterschlitz ersetzt, der auch die dunkle Traktmitte mit der offenen Küche erhellt. Sie bildet mit Speis und Technik den zentralen Infrastrukturkern am fast durchgehend offen Südgang zum Defilee an der edlen Raumflucht. Organisch schmiegt sich die neue, 85 m² Lärchenholzterrasse an Rasen und Pool, von hier lässt sich der Wohnsalon am östlichen Traktende betreten.

Vier Fenster mit breiten Brüstungen laden zum Sitzen am sonnigen Gartenblick und zur Anteilnahme am Treiben um Pool und Terrasse. Der große, weiße Raum wirkt sehr hell, Fußbodenheizung und warmes, rotbraunes Merbau-Tropenholz schaffen angenehme Atmosphäre. Subtil betonen die breiten, langen, durchgehenden Bretter die Längsausrichtung des Trakts. An der Ostwand wurde ein ehemaliges Kapellenportal zur Brüstung eines offenen Kamins, den ein Hafnermeister in alter Handwerkstradition setzte. Die sandsteinerne Ofenbank an der Wand komplettiert das stilvolle Kamingesprächseck, die zweite Sitzgruppe liegt an der Küche. Ihre Rückwand wurde freigelegt, symmetrisch teilt der Dunstabzug das zugemauerte alte Rundbogenfenster, wo sich Flaschen abstellen lassen. Die Wienerbergerziegel korrespondieren korrespondieren mit dem Holzboden und der u-förmigen, dunkelbraunen Küche, die am Portalentree in eine Sitzbar am weißen Mauerpfeiler mündet. Ihre gedämpfte Farbigkeit setzt sich im sienabraunen Esszimmer fort, hinter der einzigen Tür, die hier der durchgehenden Südgangflucht ein Ende setzt, ist das Gästeappartement mit Sanitäreinheit und zwei Südfenstern. Das Pendant zum durchgehenden Holzboden bildet die weiße Decke mit dezenten Spots, die nach Sonnenuntergang für Licht sorgen.

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