Bauwerk

Dachaufbau Theresianumgasse
kunath trenkwalder - Wien (A) - 2006
Dachaufbau Theresianumgasse, Foto: Pez Hejduk
Dachaufbau Theresianumgasse, Foto: Pez Hejduk

Sechs Häuser in 18 Meter Höhe

Die alte Bausubstanz war unregelmäßig und verwinkelt. Die Architekten kunath trenkwalder hatten folgende Idee: alten Raster ignorieren, neuen Raster schaffen und hoch über der Stadt einfamilienhausartige Maisonetten schaffen.

10. Mai 2008 - Isabella Marboe
Das alte Haus aus dem Jahr 1859 hatte Charakter. Es liegt auf einer schmalen Parzelle, die 60 Meter weit nach hinten reicht. Der Stadt zeigt es eine klassische Schauseite, hinter dem Entree jedoch windet sich ein lang gezogener Bauteil die Feuermauer entlang.

Der Bauherr wollte nachhaltig in die Substanz investieren, das Dach ausbauen und die Lebensqualität im Haus heben. Das Architekturbüro kunath trenkwalder nahm das Objekt genau unter die Lupe. „Der Bestand sieht aus wie die Mustersiedlung eines Fensterherstellers aus dem 19. Jahrhundert“, sagt Architekt Martin Kunath, „alles ist schief, und die Trakte haben verschiedene Niveaus. Es war unser bisher schwierigstes Projekt.“

Was tun bei lauter schiefen Winkeln? Die Architekten verstärkten die oberste Bestandsdecke und erklärten sie kurzerhand zum Baugrund in 18 Meter Höhe. Dem alten Dach wurde eine neue modulare Ordnung aufgesetzt. Sie folgt einem strikten Raster von 1,25 Metern und bildet die Planungsgrundlage für sechs hochelegante Maisonette-Wohnungen aus einem Guss. Die Wohnungsgröße variiert zwischen 65 und 300 Quadratmetern.

Mit dem Bestandsbau hat das Dachgeschoß wenig zu tun. Einmal ragt die autonome Struktur kühn in den Hof, ein anderes Mal fluchtet sie dezent zurück. „Wir wollten die Maisonetten wie Reihenhäuser aufs Dach stellen“, so Kunath, „jede Wohnung sollte viel Ausblick, Licht und auf jeder Ebene eine Terrasse oder einen Balkon haben.“

Die Umsetzung dieser Idee bedurfte höchster Bauordnungs-Arithmetik. Das straßenseitige Volumen blieb unausgeschöpft, dafür wurde es der Fassadenabwicklung überm Hof zugeschlagen. Außerdem nutzte man alle erlaubten Gaupen und Erker und schlichtete die Kubatur so lange um, bis sich der Eindruck aufgesetzter Einzelhäuser ergab.

Gang mit Verweilqualität

Erschlossen werden die Wohnungen von einem Gang entlang der Feuermauer. Rosafarben getönte Oberlichten erhellen diese innere Straße, die vor den Türen Nischen bildet und wie ein kollektives Wohnzimmer tapeziert ist. Die Lichthöfe, die in die historische Bausubstanz eingeschnitten sind, wurden selbstverständlich auch im Dachgeschoß ausgespart und bereichern eine der Wohneinheiten um ein Innenatrium, an dem die Stiege hochgleitet.

Die Fenster sitzen als rahmenlose Öffnungen in der Wand und bringen die phänomenalen Ausblicke über Baumkronen, Karlskirche und Stephansdom voll zur Geltung. Praktische Wendeflügel und breite Ablageborde erhöhen den Genuss. Raumhohe Glastüren sorgen im ganzen Haus für einen fließenden Übergang auf Terrasse und Balkon.

Das Souterrain wurde übrigens zum Seminarzentrum Theresianumgasse ausgebaut, aus dem einstigen Parkplatz im Hof wurde eine grüne Oase für die Stadt, und den Geländesprung am Nordtrakt macht sich nun eine Sonnenterrasse zunutze. „Das ist unsere Plattform für die Allgemeinheit, unser Tanzboden und der Speakers' Corner“, sagt der Bauherr stolz.

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Akteure

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