Bauwerk

Haus Wilhelm
Johannes Kaufmann Architektur - Klosterneuburg (A) - 2006
Haus Wilhelm, Foto: Bruno Klomfar
Haus Wilhelm, Foto: Bruno Klomfar

Strenger Westwind

Die Bauherren wollten es schlicht, sachlich und elegant. Kein Wunder, dass sie irgendwann einmal bei einem Vorarlberger Architekten landeten. Johannes Kaufmann plante ihnen eine hölzerne Kiste und importierte so ein Stück westlicher Baukunst nach Klosterneuburg.

28. Juli 2007 - Isabella Marboe
„Es gibt nichts Hässlicheres als ein Haus, bei dem man gleich das Garagentor sieht.“ Das ist ein eindeutiges Statement der Baufrau. Sie und ihr Mann haben einen fein geschulten Sinn für Architektur. Auf ihrem Hanggrund über Klosterneuburg musste daher ein besonders schönes Haus stehen. Schlichte Ästhetik, Funktionalität und perfekte Details stehen bei beiden hoch im Kurs. In der Regel findet man diese Qualitäten nirgendwo so konsequent verwirklicht wie in Vorarlberg und der Schweiz.

Man beschloss, drei Vertreter der neuen Sachlichkeit zum Essen einzuladen. Schließlich wollte man sich stark einbringen und mit dem Architekten gut auskommen. Es kamen Johannes Kaufmann, Dietrich Untertrifaller sowie ein ehemaliger Mitarbeiter von Herzog & de Meuron. Kaufmann sagte zu und brachte so ein Stück Vorarlberger Präzisionsarchitektur auf den weitläufigen Nordhang.

An die dreißig Grundrisse hatte der Bauherr schon ausgetüftelt und kannte den Grund daher wie kein anderer: „Ich bin hier aufgewachsen und weiß genau, wo die Sonne aufgeht.“ Der Architekt indes ging frei an die Arbeit heran: „Es gibt selten Grundstücke mit so wenig Zwängen. Wir planten ganz pragmatisch ein fast quadratisches Punkthaus mit Mittelerschließung.“

Das Haus besticht durch Perfektion. Die Fassade ist als Screen vorgesetzt, was den Eindruck des scharfkantigen Baukörpers verstärkt. „In jedem Wohnbereich ist ein großes Fenster mit tiefer Sitzlaibung eingeschnitten“, sagt Kaufmann, „da sieht man nur die Kante und den Ausblick, sonst nichts.“ Für Kaufmann sind diese Fernseher in die Landschaft hinaus wie eigene, angekoppelte Räume.

Das Erdgeschoß ist in den Hang geschoben, darüber setzt die Wohnebene mit einem schattigen Vordach auf. Unterschiedliche Abstände veredeln die Lattung zur raffinierten Hülle, die den Blick mal filtert, einmal abschirmt, einmal freigibt. Wie zarte Schleier ziehen sich die Hölzer als Sonnen- und Blickschutz rund ums Haus. Auch die Öffnungen variieren das Thema. Sie liegen hinter der durchlässigen Holzwand verborgen, führen als Türen unmittelbar ins Freie und holen an den schönsten Aussichtspunkten den Postkartenblick ins Innere.

Dezent zieht sich die Garage hinter einer anthrazitgrauen Eternit-Verkleidung ins nordwestliche Hauseck zurück. Die Tore verschwinden bündig in der Fassade und geben sich erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Daneben markiert ein dezenter Glasschlitz den Eingang ins Haus.

Wald im Bild

Durch ein Oberlicht dringt diffuses Tageslicht in den Raum. An einem weißen Schleiflackregal entgleitet die Treppe zur Terrasse. Eine Öffnung ist eingeschnitten: Man erahnt bereits den grünen Waldblick, den man vom Esstisch aus hat. Im Fensterpassepartout entfaltet er sodann seine volle Wirkung.

Der Bauherr schaut gern in die Bäume. Durch den Postkartenrahmen werden sie zu einem Bild gefasst, im Schlafzimmer fallen sie ihm sogar regelrecht ins Bett. Auf dem eingeschnittenen Balkon im Nordosten kann man zudem Frischluft und Morgensonne tanken. Seine Frau indes sitzt am liebsten in der tiefen Fensterlaibung im Nordwesten. Von hier schweift der Blick bis weit über die Donauauen hinaus.

Auch der Freiraum wurde in die architektonische Planung miteinbezogen. Das Wohnen geht auf einer Ebene in die Terrasse über. Sie wird von einer Stützmauer gefasst. Ein Pool und ein Stück Liegewiese sind in den Lattenrost eingelassen, als seitlicher Wind- und Sonnenschutz ergießt sich ein Holzschleier vom Vordach bis zum Boden.

Das Haus wurde mit dem niederösterreichischen Holzbaupreis 2007 ausgezeichnet.

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