Bauwerk

Corten Falthaus
X ARCHITEKTEN - Ebelsberg (A) - 2007
Corten Falthaus, Foto: Max Nirnberger
Corten Falthaus, Foto: Max Nirnberger

Altes Haus in neuer Rüstung

Eigentlich wollte man das alte Haus abreißen, doch die Bausubstanz war besser als gedacht. Die Linzer x-architekten entwarfen einen Zubau aus verwittertem Cortenstahl.

25. Oktober 2008 - Sabine Lintschinger
Genau so stellten sich die Bauherren ihren Platz für die Zukunft vor: Am südlichen Stadtrand von Linz erspähten sie ein Grundstück in sonniger Hanglage mit großem Garten und alten Bäumen.

Der Standort war ideal. Zu Fuß war's nicht weit ins Gelände, mit den Öffis nur ein Katzensprung ins Zentrum und dank der verkehrsmäßig günstigen Anbindung überaus praktisch, um rasch aus der Stadt zu gelangen. Hätten sich die beiden Zaungäste nicht irgendwann zum Kauf entschlossen, wäre die Geschichte jetzt zu Ende.

Zwei Jahre später erwarben sie das idyllische Anwesen und nahmen es genau unter die Lupe . An dem Haus aus den Fünfzigerjahren hatte der Zahn der Zeit genagt. Auch die Wünsche nach einem zeitgemäßen Energiestandard und einem offenen Raumkonzept konnte das räumlich kleinteilige Haus nicht erfüllen. Ganz zu schweigen von den Bedürfnissen nach Sport- und Arbeitsräumen.

Abreißen schien auf den ersten Blick das Beste. Doch die Bausubstanz ließ Erstaunliches zu Tage treten: Der Erbauer war seiner Zeit weit voraus und hatte das Haus schon damals mit einem Stahlträger versehen, der sich für die künftige Wohnraumgestaltung als Segen erweisen sollte, weil problemlos Wände entfernt werden konnten. Man disponierte um und entschied sich, das Haus zu erhalten.

Erster Schock aus Stahl

Ein Jahr lang wurde mit dem Linzer Büro x-architekten geplant, getüftelt und heftig diskutiert. Das alte Haus wurde von Grund auf saniert, umgebaut und erweitert. Während die Architekten für das Bestandsgebäude eine klassische Wärmedämmung mit Putzfassade wählten, schlugen sie für die Fassade des Zubaus rostigen Cortenstahl vor. Nach einem ersten Schock und einigen besichtigten Cortenstahl-Häusern freundeten sich die künftigen Bewohner mit dem Material an. Schließlich passt es gut zur Stahlstadt Linz.

Auf Neuankömmlinge wirkt das Gebäude wie eine Festung. „Anfangs war der Stahl grau und glatt“, erzählt der Bauherr, doch durch die Oxidation entwickelte das Material eine eigenwillige Patina. „Bei Regen ist es dunkel-auberginefarben, in der Herbstsonne schimmert es rötlich“, erfreut sich die Baufrau an der Farbgebung. „Ja wenn es erst einmal weiß gestrichen ist“, sagten einige Bekannte in Anfangszeiten. Über die arglosen Bemerkungen von damals kann man heute nur noch schmunzeln.

Beschattung ohne Jalousien

„Unser Leitgedanke war ein roter Teppich, der sich vom rötlich eingefärbten Beton der Einfahrt über die Fassade hinauf und über das Dach des Zubaus zieht“, erklärt Max Nirnberger die Idee aus architektonischer Sicht. „Das Cortenband faltet sich und läuft als offenes Terrassenband aus.“

Ein Fitnessraum samt Saunabereich und ein abgeteiltes Home- Office haben unter der Terrasse Platz gefunden. Trotz der kompletten Verglasung zum Garten hin wird es im Sommer nicht allzu heiß. „Die natürliche Beschattung ist sehr gut. Wir brauchen keine Jalousien“, lobt der Bauherr die Arbeit der Architekten. Man geht vom Zubau direkt in den Garten oder in den Altbau mit seinem großräumigen Wohn-Ess-Bereich und offener Küche. Der Kachelofen blieb als Reminiszenz an die Geschichte des Hauses erhalten. Vor den ehemaligen Eingang wurde ein Glaskubus angebaut - ein idealer Platz zur Überwinterung der Pflanzen.

„Das Spannungsfeld zwischen Alt und Neu gibt dem Haus seinen Charme“, befindet der Architekt. So wurde auch nicht einfach „drangebaut“, sondern nach einer Lösung gesucht, die den Zubau vom alten Kern gestalterisch trennen, aber baulich verbinden sollte. Eine in die Decke eingeschnittene gläserne Zäsur, die sich vom neuen Eingang bis zur Terrasse zieht, war des Rätsels Lösung.

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