Bauwerk

Stollen der Erinnerung
Bernhard Denkinger - Steyr (A) - 2013
Stollen der Erinnerung, Foto: Andreas Buchberger
Stollen der Erinnerung, Foto: Andreas Buchberger
Stollen der Erinnerung, Foto: Andreas Buchberger
Stollen der Erinnerung, Foto: Andreas Buchberger

Stollen der Erinnerung

Der Stollen ist ein ca. 140 m langes, hufeisenförmiges Bauwerk, das der Zivilbevölkerung als Schutz vor Luftangriffen dienen sollte. Der innere ehemalige Schutzbereich war durch Schleusen von den Zugangsbereichen abgetrennt.
Räumliches und inhaltliches Zentrum der Ausstellung bildet eine langgestreckte Gangsequenz mit zwölf Leuchtinstallationen zur Planung, Errichtung und „Verwaltung“ des KZ-Münichholz. Dieses Zentrum wird über einen bogenförmigen, mit gläsernen Lichtstelen gestalteten Stollenzugang und einen, durch mehrere Richtungswechsel gekennzeichneten „labyrinthischen“ Übergangsraum (die ehemalige Schleuse) erschlossen.
Das Bauwerk wurde in seinem rohen, von den ehemaligen KZ-Häftlingen aus dem Konglomeratgestein herausgearbeiteten Charakter belassen, jedoch wurde der Boden des Stollenprofils abgesenkt, um eine durchgängige Kopfhöhe zu ermöglichen. Als Bodenbelag wurde ein weisser, feiner Kalkriesel eingebracht. Die neue Not- und Sicherheitsbeleuchtung ist als durchgehendes horizontales Element in schwarzen Metallverrohrungen geführt. Die sparsame, auf das Wesentliche beschränkte Ausleuchtung mit warmtonigen „Kellerleuchten“ wechselt mit punktförmigen Lichtinseln in den bewusst dunkel gehaltenen Stollenräumen.
Die beiden Außentore erhielten neue Fassungen aus Stahl und Sichtbeton, die das Stollenprofil nach außen sichtbar machen.

Im Ausstellungsrundgang wechseln seriell gestaltete Ausstellungsbereiche mit besonderen Präsentationen, rhythmisch strukturierte Wegstrecken, die Bewegung suggerieren, mit ruhigen, „meditativen“ Passagen. So eröffnen, besonders hervorgehoben, weiß hinterleuchtete Textflächen, die Berichte ehemaliger Häftlinge zeigen, die Station KZ-Münichholz. Bei der Station Bombenkrieg greifen vier Darstellungslinien ineinander, die - einer Dramaturgie schrittweiser Steigerung folgend - in einer hell ausgeleuchteten Luftaufnahme enden. Das Luftbild zeigt den Abwurf von Bomben über Steyr im April 1944. Beim Betreten des „Täter“-Raumes wird - gleichzeitig mit den Darstellungen der einzelnen “Täterprofile“ - auch ein großes Farbbild, das außerhalb der Raumzelle liegt, sichtbar. Es zeigt den Abriss der letzten erhalten gebliebenen Baracke des ehemaligen KZ -Münichholz im Jahr 1993. Der Ausgang aus dem Raum ist durch massive, unter den tragenden Ziegelgurt gemauerte, Pfeiler verengt. Diese statisch nicht notwendigen „Stützen“ verstärken den Eindruck des Lastenden und Schweren, den die kleine Schleusenzelle mit ihrer bis auf Augenhöhe herabreichenden Gesteinsdecke vermittelt.

Als Präsentationselemente wurden zwei einfache Systeme entwickelt.
Der Eingangsbereich und das Zentrum der Ausstellung sind durch Leuchtelemente hervorgehoben, die durch Modifikationen jeweils unterschiedliche Ausprägungen erhalten. Die plastische Ausbildung der Leuchtelemente mit zurückspringenden Teilen und rückversetzten Nischen, ermöglicht eine Wahrnehmung in „Schichten“. Sie fasst die sehr unterschiedlichen und dicht angeordneten Dokumente, Erlebnisberichte und kommentierenden Texte in jeweils eigene Ebenen. Bei Annäherung an die Stationen entsteht der Eindruck einer Fülle von Bildern und Dokumenten oder einer Serie von Texten zu begegnen, die jeweils gegenüber den anderen Ausstellungsinformationen hervorzutreten scheinen.
Ein Tragrohrsystem mit angebauten Glas- und Stahlblechflächen verbindet die Leuchtstationen und strukturiert die rückwärtige Hälfte des Ausstellungsrundgangs. Die visuell attraktiveren Fotos und Dokumente sind in einer räumlich vor den Ausstellungskommentaren liegenden gläsernen Ebene angeordnet. Die Gestaltung interpretiert hier die Exponate so, als wären sie der kleinere, sichtbare Teil einer großen Anzahl nicht ausgestellter Dokumente. An die Ränder schwarzer Hintergrundflächen gerückt, wirken diese wie aus einem „endlosen“ Gewebe - einer Vielzahl gleichartiger Objekte - herausgeschnitten.
Text: Bernhard Denkinger

Idee: Karl Ramsmaier
Gestaltung: Bernhard Denkinger
Wissenschaftliche und konzeptionelle Beratung: Bertrand Perz
Wissenschaftliche Kuratorin: Regina Wonisch
Kuratoren Mauthausen Komitee Steyr: Karl Ramsmaier, Waltraud Neuhauser, Martin Hagmayr („Täter“), Markus Rachbauer („Widerstand“), Katrin Auer

Besichtigungen/Führungen
Anmeldung: Mauthausen Komitee Steyr
k.ramsmaier@eduhi.at, waltraud.neuhauser02@gmail.com
Gruppen/Individualbesucher: Museum Arbeitswelt Steyr
paed@museum-steyr.at, Tel. 07252/ 77 351

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Für den Beitrag verantwortlich: afo architekturforum oberösterreich

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