Bauwerk

Kirche in Neuhaus i. d. Wart
Doris Dockner - Neuhaus in der Wart (A) - 2016
Kirche in Neuhaus i. d. Wart, Foto: Tom Lamm
Kirche in Neuhaus i. d. Wart, Foto: Tom Lamm

Kirche in Neuhaus i. d. Wart

Die in der Mitte von Neuhaus an der Wart gelegene Kirche wurde 1958 errichtet. Sie ist dem Heiligen Antonius von Padua geweiht, einem Franziskaner und Wegbegleiter des Franz von Assisi. In seiner Lehre nehmen die Erfahrbarkeit Gottes in der Natur und das Lob Gottes durch die Vielfalt der Schöpfung eine zentrale Stellung ein. Diese Motive werden nun durch die im Zuge der Sanierung durchgeführten Eingriffe im Kirchenraum spürbar.
Betritt man die Kirche offenbart sich ein unvergleichlicher Blick: Längs durch das gesamte Kirchenschiff erstreckt sich der Ausblick bis in die umliegende Hügellandschaft des Südburgenlands.
Das Ersetzen der Altarwand durch eine Verglasung lässt einen radikal anderen, radikal neuen Raumeindruck entstehen. Die vormals intime, in sich gekehrte Atmosphäre der Kirche wird geöffnet, die Altarwand in ihrer Bedeutung gänzlich neu interpretiert. Anstatt den Raum abzuschließen leitet sie über in die Natur.
Das einzige Gestaltungselement dieser neuen Verglasung ist ein Kreuz, das die Glasfläche in vier gleich große Felder teilt. Die goldfarben eloxierte Oberfläche wandelt das einfache Fensterkreuz zum Kreuzsymbol.
Altar und Ambo bestehen aus vertikalen Weißglasscheiben mit einer aufliegenden, ebenfalls gläsernen Platte. Durch das hochtransparente Glas lösen sich die beiden Gegenstände förmlich im Raum auf. Sie fangen den Blick nicht ein, sondern lassen ihn in die Landschaft gleiten.
Alle anderen Eingriffe nehmen sich zu Gunsten dieser großen Geste zurück. Der Boden im Bereich der Apsis ist mit Terrazzoestrich in der Optik des Bestandes ergänzt und auch das Farbspektrum der bestehenden Kirche wurde, erweitert um Gold und Silber, weitergeführt. Über den Kirchenbänken schweben, vergleichbar mit einer Wolke aus Kerzen, zwei Gruppen aus Hängelampen mit jeweils fünfzehn schlichten, zylindrischen Beleuchtungskörpern aus Glas.
Die Sanierung der Kirche geht über die bauliche Instandsetzung und Erhaltung des Gebäudes weit hinaus. Die Besonderheit des Ortes, der weite Blick über das burgenländische Hügelland, wird zum zentralen Motiv der Neugestaltung. Die Kirche als Ort der Andacht und Begegnung wird ergänzt durch das Erleben der Natur im Licht und in den Farben der Jahreszeiten. (Jurytext: Christine Horner)

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Für den Beitrag verantwortlich: ARCHITEKTUR RAUMBURGENLAND

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