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Profil

Wojciech Czaja, geboren in Ruda Śląska, Polen, ist freischaffender Journalist für Tageszeitungen und Fachmagazine, u.a. für Der Standard, Architektur & Bauforum, VISO, db Deutsche Bauzeitung, und DETAIL. Er ist Autor zahlreicher Wohn- und Architekturbücher, u.a. Wohnen in Wien (2012), Zum Beispiel Wohnen (2012), Überholz (2015) und Das Buch vom Land. Geschichten von kreativen Köpfen und g’scheiten Gemeinden (2015). Zuletzt erschien HEKTOPOLIS. Ein Reiseführer in hundert Städte im Verlag Edition Korrespondenzen. Er arbeitet als Moderator und leitet Diskussionsrunden in den Bereichen Architektur, Immobilienwirtschaft und Stadtkultur und veranstaltet unter dem Titel Ähm, ja also... Praxis-Workshops zum Thema Kommunikation und Präsentation. Er ist Dozent an der Universität für Angewandte Kunst in Wien sowie an der Kunstuniversität Linz und unterrichtet dort Kommunikation und Strategie für Architekten. Außerdem ist er von 2015 bis 2021 Mitglied im Stadtbaubeirat in Waidhofen an der Ybbs.

Publikationen

Wir spielen Architektur. Verständnis und Missverständnis von Kinderfreundlichkeit, Sonderzahl-Verlag, Wien 2005
periscope architecture. gerner gerner plus, Verlag Holzhausen, Wien 2007
Stavba. Die Strabag-Zentrale in Bratislava, Wien/Bratislava 2009
Light/Night. The Nouvel Tower in Vienna, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2010
Wohnen in Wien. 20 residential buildings by Albert Wimmer, Springer Verlag, Wien 2012
Zum Beispiel Wohnen. 80 ungewöhnliche Hausbesuche, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2012
Überholz. Gespräche zur Kultur eines Materials, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2015
Das Buch vom Land. Geschichten von kreativen Köpfen und g’scheiten Gemeinden, Wien 2015
Der Fuß weiß alles. Markus Scheer, Ecowin Verlag, Wals bei Salzburg 2016
Der Erste Campus, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2017
motion mobility. Die neue ÖAMTC-Zentrale in Wien, Park Books, Zürich 2017
Hektopolis. Ein Reiseführer in hundert Städte, Edition Korrespondenzen, Wien 2018

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Artikel

13. August 2005 Der Standard

Gute-Laune-Mehrwert

Wirtschaftskammer? Das klingt nach gestärktem Hemd und ernster Miene. Doch mit dem eben fertig gestellten Neubau in St. Pölten entlockt uns Rüdiger Lainer ein breites Lächeln.

Zugegeben, beim Wort Wirtschaftskammer verfällt man nicht sofort in lustvolle Schwärmerei. Die zur institutionellen Macht gehörigen physischen Hüllen, der üppige Bürokraten-Barock, die hässlichen Waschbetonfassaden und die absurden, achteckig labyrinthischen Grundrissen motivieren keine positiveren Gedanken. .
Nun, was geschehen ist, ist geschehen - ein Grund mehr, es heute besser zu machen. Im unbeirrbaren Kanon prächtiger Stahl-Glas-Architektur wird daher investiert, entwickelt und gemanagt, was das Zeug hält. Kräftig werkelt man an der - heutigen - Vorstellung von Zukunft und verstreut in der Landschaft ein Büromonster nach dem anderen. Immergleich stolze Exponate einer Gegenwartsarchitektur, die ihre jeweilige Existenz besser rechtfertigen wollen als die inzwischen viel propagierten Bausünden der 70er-Jahre. Ein weit gestecktes Ziel.
Man kann aber auch einen Schritt weiter denken. Man kann beispielsweise so weit denken, dass man mit dem Enthusiasmus von heute nicht nur das Grauen von morgen vorproduziert - das ist eine gewisse Weitsicht, deren Lorbeeren - wohlgemerkt - erst nach reifer Zeit geerntet werden können. So ein zukunftsträchtiges Ding in der Landschaft, das kurz vor der Fertigstellung steht, ist die neue Niederösterreichische Wirtschaftskammer in St. Pölten, Resultat eines zweistufigen Wettbewerbs von 2002, Architekten sind Rüdiger Lainer + Partner.

In einem Monat startet der Umzug in die neuen Räumlichkeiten, Ende des Jahres wird der Standortwechsel vollzogen sein. Dann wird die Wiener Herrengasse nur noch leer stehender Zeitzeuge einer viel zu lang gehegten Nabelschnur zur Wiener Mutterbrust sein.

Wie auch immer, gut Ding braucht eben ein wenig Weile. Wenn alles gut geht, könnte der voreilig holprige Stadtslogan „St. Pölten - mitten in Europa“ eines Tages auch mehr einbeziehen als einzig und allein ein vermeintlich geografisches Faktum.
„Keine weitere Tintenburg“, so Rüdiger Lainer, und es bewahrheitet sich sehr bald. Direkt im Anschluss an das bestehende WIFI im Süden St. Pöltens, mittels Glassteg an die Bauteile von Karl Schwanzer und Günther Domenig angedockt, ist die neue Wirtschaftskammer der extrovertierte Abschluss eines großen Wirtschaftskomplexes.

Selten verspürt man so viel gute Laune, wenn man vor einem Büroneubau steht. Doch dieses Bauwerk lächelt einen nahezu an, als hätte es eine Geschichte mitzuteilen. Und irgendwann grinst man dann zurück: Nach einem Farbkonzept von Oskar Putz steht die WKNÖ ziemlich rot da, es ist ein Zeichen kühnen Humors, eine finanztechnisch so behaftete Farbe an die Fassade zu pinseln.

Irgendwo Fenster, in jedem Geschoß anders, in jedem Geschoß versetzt. Leicht erhaben treten sie aus der grob verputzten Fassade heraus und schweben davor wie eine eingeglaste Fotografie vor einer Ausstellungswand. „Eigentlich sind spiegelnde Fassaden ja entsetzlich“, gesteht sich Lainer ein, „doch vor diesem Hintergrund musste es ganz einfach bildhaft werden.“ Emaillierte Quadrate, jedes davon drei Quadratmeter groß.

Gerhard Richter hat einmal für das Deutsche Guggenheim Museum die Auftragsarbeit „Acht Grau“ angefertigt, grau emaillierte Glastafeln, die nichts anderes wiedergeben als das Spiegelbild im Auge des Betrachters. Die Architektur antwortet: „Nein, die Fenster sind kein direktes Zitat an Richters Arbeiten, denn das wäre vermessen. Aber es stimmt, wir haben uns von ihm durchaus inspirieren lassen.“
Irgendwo zwischen diesen Glastafeln tummeln sich in der Fassade große Loggien, die als orangene Löcher aus dem zackigen Ding ausgestanzt sind. Eckig, unregelmäßig, gelungenermaßen tatsächlich sehr zufällig, so als träumte der Architekt von der Quadratur des Emmentalers. Konsequenterweise haben Rüdiger Lainer und sein Partner Oliver Sterl - kraft geplanten Zufalls - dabei nicht einmal den unwahrscheinlichen Fall ausgeschlossen, in dem zwei orthogonale Käselöcher durch Berührung schließlich zusammenwachsen. Blob.
Doch rein in den Käselaib, denn schließlich besteht ein Büroalltag aus mehr als nur Fassaden-Sightseeing. „Man wohnt auch im Büro“, so die Architekten, „wie ist es denn in Wirklichkeit? Wir verbringen mehr Zeit im Büro als zu Hause.“ Diese überstündliche Unsitte ist in diesem Falle aber kein Graus. Haben die rund 250 Mitarbeiter das inszenierte Nadelöhr namens Eingang erst einmal hinter sich, eröffnet sich nach wenigen Schritten eine Weite, die dem Gebäude von außen gar nicht anzusehen war.

Ein überschwängliches Atrium bis unters Glasdach, von oben dringt Tageslicht in den Schlund der unteren Geschoße. Alles in strahlendes Weiß getaucht, die massiv geschwungenen Brüstungen tanzen unregelmäßig von Stockwerk zu Stockwerk. Irgendwie erweckt es den Anschein, dass man sich den Innenraum des New Yorker Guggenheim Museums für hiesige Zwecke ein wenig eigen gemacht hat, es ist sozusagen ein lang, lang gedehnter Frank Lloyd Wright auf der Streckbank der Architekturgeschichte.
Keine drückenden Raumhöhen, kein verächtliches Warten in den zu engen Gängen einer thrombosegeplagten Behörde. Stattdessen Licht und Luft, gelegentlich sogar ein schluchtenübergreifendes Hallo zum Kollegen aus der anderen Etage. Oder auch Mahlzeit - schließlich ist man unter Beamten. Hauptsache, man sieht sich also.

Und was noch erfreulicher ist: Man sieht auch Wasser, Sträucher und immer wieder das eine oder andere kleine Bäumchen. Denn der Luftraum, der alle Ebenen miteinander verbindet, tut nicht nur dem Überblick und der Kommunikation gut, er ist vor allem auch ein mikroklimatischer Clou. Eine Wasserebene am Boden des Atriums und großzügige vereinzelte Pflanzentröge schaffen den Spagat zwischen psychologischem und klimatischem Wohlbefinden, ohne großes Zutun kann sich die Luft 24 Stunden lang regenerieren. Fehlen eigentlich nur noch die Tiere. Das ist - ausgehend von Architekt und Auftraggeber - ein Tribut ans menschliche Wohlbefinden, der einem so reinrassig selten über den Weg läuft. Meist sind es nämlich genau diese Spompanadeln, die unterm abgedrehten Geldhahn jämmerlich verdursten müssen.
Doch Grünzeug gibt es nicht nur im Innenraum - nun endlich kommen die Emmentaler-Löcher ins Spiel. Immer wieder tauchen an unerwarteter Stelle die Loggien auf, einmal eingeschoßig, einmal zweigeschoßig, einmal flächig, einmal übers Eck. Im Sonnenlicht strahlt das knallige Orange der Fassadenlöcher bis ins weiße Atrium hinein, bald werden auch die grün wuchernden Sträucher die Freiräume (und Raucherbalkone) unverkennbar kennzeichnen. Im Sommer wird sich hier der Qualm der gerauchten Zigaretten niederlassen, im Winter der Schnee. Es ist der Austritt ins Freie, es ist der Respekt einer arbeitenden Person gegenüber.

Die rationale Frage nach dem Bedarf wird gar nicht erst ins Spiel gebracht, denn sie ist längst schon beantwortet. Aus tiefster Überzeugung ein Büro mit Mehrwert - und nicht die Bausünde von morgen. Ein Plus an Qualität? Ein so oft postuliertes und so selten eingelöstes Sprücherl in der großen Architektenwelt, dabei würd's so einfach gehen.

30. Juli 2005 Der Standard

Wetten, dass . . .

. . . sie es immer wieder schaffen? Wettbewerbe können einem liegen. Oder auch nicht. Die drei Burschen von Caramel haben allem Anschein nach den richtigen Riecher.

Wettbewerbe sind eine feine Sache. Sie sorgen für die Demokratie in der Architektur, wenngleich diese gelegentlich diktatorischen Ansätzen verfällt. Doch damit alles schön transparent abläuft, gibt es (leider Gottes nicht immer, aber doch gelegentlich) recht seriöse Juryprotokolle, die jede Entscheidung der Jury nachvollziehbar machen. Der Preis der Sache: An diesem kopfgeburtigen Juristen-Architekten-Slang kann man sich die Zähne ausbeißen - egal, man verreckt, ehe man den ersten Satz fertig gelesen hat. So trocken und spröde, als hätte man Sand gelöffelt. Da wird in einer Tour bemerkt, festgehalten, angeregt und hervorgehoben, ja schlimmer noch, es wird sogar konstatiert. Killer der Kreativität, mit dem bürokratischen Bulldozer kann man im Nu jeden poetischen Ansatz plattfahren.

Doch es geht auch anders. Das wissen die drei Burschen von der Architektengruppe Caramel. Ist das Staniolpapierl rund ums fiktive Zuckerl erst einmal entwuzelt, kommt das Trio zutage: Günter Katherl, Martin Haller und Ulrich Aspetsberger - so zwischen gerade noch in den Dreißigern und doch schon 40 Jahre alt - kennen sich von den unterschiedlichsten Unis und Jobs, seit 1999 arbeiten sie unter dem süßen Deckmantel Caramel zusammen. Wie eine zähe Masse - dem Namen alle Ehre erweisend - picken sie sich an jedem nur greifbaren Wettbewerb fest und steigen in den öffentlichen Ring des permanenten Architekturkampfes. Doch sie sind ganz fit, neben vielen anderen haben sie unlängst auch am Wettbewerb für den Science Park der Johannes-Kepler-Universität in Linz teilgenommen. 40 Teilnehmer EU-weit, Caramel ging schließlich als Gewinner hervor. Der erste Satz aus dem Protokoll: „Den Architekten gelingt es scheinbar mit Leichtigkeit, die schwierige und komplexe Aufgabenstellung zu bewältigen.“ Da kann man sich ob der Sprache und ob der Architektursprache gleich doppelt freuen: „Das Ergebnis ist eine überzeugende Neuinterpretation des Themas Universitätscampus, das seine besondere Stärke daraus bezieht, dass die spezifischen Potenziale des Ortes sehr sensibel und kreativ genutzt werden.“

Euphorisch geht es weiter, denn auch Rudolf Ardelt, Rektor der Johannes-Kepler-Universität, zeigt sich vollends zufrieden: „Das Modell entspricht exakt unseren Vorstellungen einer höchst innovativen und funktionalen Hochschuleinrichtung.“ Das schreit doch verheerend nach Glückssträhne - dabei hat man an einen möglichen Sieg gar nicht mehr gedacht. Katherl: „Für uns war das die einzig richtige Lösung. Aber wir haben so ewig lang daran herumgefeilt, dass wir mit dem ersten Platz gar nicht mehr gerechnet haben.“

Ein Wettbewerb, wie er im Buche steht. Klare Ausschreibung, klare Anforderungen. Und der Hund fängt da sogar schon im Städtebau an, denn das Grundstück im Stadtteil Dornach-Auhof liegt an einem windtechnisch linzexistenziellen Hang. Klimaforscher haben es schwarz auf weiß gefordert: Da muss der Wind durchpfeifen können, der logische Schluss ist eine Anordnung quer zum Hang. Kein Kabelsalat also, sondern ein adrettes Arrangement parallelbemühter Kabelstückchen wie auf dem gewinnträchtigen Wettbewerbs-Schnappschuss.

Nachdem die Finanzierung des Science Centers (Bauherr ist die BIG) teils öffentlich, teils privatwirtschaftlich erfolgt, muss sich diese Geldgeber-Struktur der Public Private Partnership irgendwo auch abzeichnen. Caramel ist da ganz unverblümt an die Sache herangegangen und hat klar definiert: Der universitäre Verwaltungstrakt ist konventionell ausgeführt, schmal und zweihüftig. Ein Büro istein Büro - aus. Es ist die Brutalität der nackten Tatsache, mehr Geld gibt's nicht. Man kann es auch nicht herzaubern, sondern kann aus den widrigen Umständen nur eine angemessene Lösung herausholen. Dafür aber wird es richtig lustig, wenn man die universitären Büroflächen hinter sich lässt und den Bereich des privat finanzierten Forschungszentrums betritt. Statt eines Gangs gibt es eine riesige, öffentliche Zone zum Knozen und Kommunizieren, Lufträume verbinden die Geschoße miteinander, Tageslicht gibt's ohne Ende. Der karamellisierte Martin Haller: „Forscher sitzen zwar immer in ihrem stillen Kämmerlein, aber die wirklich guten Ideen entstehen meist beim Kaffee.“

Das mit den guten Ideen ist auch bei Caramel nicht anders. Kaffee spornt nicht nur den wissenschaftlichen, sondern auch den kreativen Erfindergeist an. Auch die Hauptwerkstätte der städtischen Müllabfuhr in Wien - hinlänglich bekannt als MA 48 mit der herzerlgewordenen Acht - war Resultat eines von Caramel gewonnenen Wettbewerbs. Dem firmeneigenen Slogan „Ohne Mist geht's besser!“ Folge leistend, wurde hier selbst im Bereich des Mülls kein Schrott gebaut. Von der Straße aus gut sichtbar ragt hinter den Hernalser Plakatwänden ein schwarzes Ding aus vorverwittertem Blech hervor. Das abgerundete Eck am sonst so klaren Quader mutet fast ein bisschen designt an, doch es ist die beinharte Umsetzung von Louis Sullivans altem, altem Credo, dem gemäß die Funktion die Form bedingt, und nicht umgekehrt. Caramel: „Es ist der einzige Punkt im gesamten inhomogenen Areal, an dem der Verkehr kulminiert.“ Und so ist es nicht verwunderlich, wenn die Gebäudeform den Kurvenradius eines knallorangenen Müllwagens aufnimmt. Im ersten Stock hat man die Gegebenheit des Ortes schließlich luxuriös zu nutzen gewusst und in der Rundung die Mitarbeiter-Kantine angesiedelt. Durch ein Panoramafenster übers Eck dringt das Wienbild ganz mächtig in den Raum.

Wenn wir schon beim Müll sind: Auch das Landeskrankenhaus Salzburg mit einer Zweigstelle für Transfusionsmedizin und Stammzellenforschung war ein gewonnener Wettbewerb. Es ist ja in Österreich gang und gäbe, dass ein erster Platz - daran hat man sich verrichteter Dinge schon gewöhnt - nicht unbedingt Garant für eine Realisierung ist. Doch ein Wettbewerbsprojekt mitten im Bau abzubrechen - das klingt schon nach einer Anekdote aus Schilda. Die Architekten: „Man sieht die Baugrube von der Westbahnstrecke ganz gut, heute stehen da ein paar Autos herum.“ Mit 2,5 Millionen Euro dürfte dies einer der teuersten Parkplätze der Welt sein. Wie so etwas passieren kann? Es ist die unsichtbare Kurbel der Politik. „Sie wissen ja, dass alle vier Jahre eine neue Regierung gewählt wird“, vernimmt man von SALK, den Salzburger Landeskliniken, „und im Zuge des Regierungswechsels ist es unter Landeshauptfrau Gabi Burgstaller zur Prüfung des gesamten Projekts gekommen.“ Fazit expressis verbis: Die Baustelle ist gestoppt, der Neubau ist in dieser Form und auf diesem Areal gestorben.

Und wie geht es weiter? Mit dem LKH Salzburg gar nicht, ansonsten wie eh und je. Über dreißig Wettbewerbserfolge sind es bisher - dieses bisweilen riskante Modell der Projektakquisition scheint bei Caramel ja tatsächlich zu fruchten. Einige zweite Preise sind darunter, doch noch häufiger gab es den ersten Preis. So etwa auch für das Wifi in Dornbirn, an dem bereits heftigst gearbeitet wird. Was darf man erwarten? - Ein bissfestes Zuckerl mit süßem Geschmack. Doch das beruht alles auf Spekulationen, denn der wahre Grund für die karamellisierte Namensgebung - man lasse es sich auf der Zunge zergehen - will nicht verraten werden.

23. Juli 2005 Der Standard

Kein großes, weißes Rauschen

Meistens denkt er, manchmal schreibt er, selten baut er: Hermann Czech und der Versuch, das Wiener Messehotel zu verstehen.

Auf ins Büro von Hermann Czech, eine kleine Weltreise im Herzen Wiens. Man hastet durch einige verwinkelte Stiegenhäuser, steht irgendwann einmal keuchend vor einer Metallpforte im obersten Geschoß und dringt ein in einen würdevoll angestaubten Mikrokosmos von Wissen und Walten. Als sarkastisch, distanziert und gelassen beschreibt Friedrich Achleitner seinen praktizierenden Kollegen, und in der Tat zählt er unter den stillen sicherlich zu den lustigsten. Gemächlich gestikulierend, wozu denn auch der ganze Stress? Während sich in Wien die Generation der etwa 70-Jährigen eher im Schuttkegel ihrer nicht enden wollenden Karrieren suhlt, verschwindet Czech ganz subtil hinter der Silhouette seiner Bücherstapel, als wolle er einen seiner alten Aussprüche ganz wörtlich nehmen: „Architektur ist nicht das Leben. Architektur ist Hintergrund. Alles andere ist nicht Architektur.“

Nicht von ungefähr findet man sich hie und da an einem Ort wieder, von dem man gar nicht annimmt, dass je ein bestrebter Architekt, geschweige denn Hermann Czech, seine Hand über der Bauaufgabe hatte ruhen lassen: So unscheinbar und auf den ersten Blick höchst uninteressant ist auch das neueste Produkt aus dem Atelier Czech, selbst dessen Nutzung als Messehotel der Austria-Trend-Kette lockt uns nicht hinter dem Ofen hervor. Noble Zurückhaltung? „Die Tageszeitungen und Lifestyle-Magazine zwingen einen ja förmlich dazu, Wirbel zu machen. Aber wenn alle einen Wirbel machen, sind wir wieder an einem Punkt der Kapitulation angelangt. Das ist dann das große, weiße Rauschen. Die Rolle der Architektur ist missverständlich, wenn die Leute glauben, dass Architektur immer Grimassen schneiden muss.“

Still und leise, schön ist es zwar nicht, Czechs Hotel, und dennoch - mit dem richtigen Architektur-Riecher bleibt man irgendwie hängen. Was soll man von diesem Hotel nur halten? Ein geladenes Gutachterverfahren anno 2002, die Ausnützung des Grundstücks und die städtebauliche Einbettung in den zerfledderten Genius Loci rund um das Messegelände scheinen Czech damals den Sieg eingebracht zu haben. Aus dem Jury-Protokoll: „Das gegenständliche Projekt ermöglicht einen harmonischen Übergang von der Messe in den Prater, der Baukörper überzeugt durch markante Ausformulierung ohne überzogene Geste“. Mit Letzterem ordnet sich das Hotel als Adapter gefügig in die Umgebung ein. Auf der einen Seite taumelt in luftiger Höhe das blinkende Unterhaltungsleben des Praters, auf der anderen Seite - ganz nach dem Motto, wo ein Zipferl, da auch eine Messe - ragt das rot-weiß eingedrehte Zuckerstangerl von Peichls zu kurz geratenem Messeturm in den Himmel.

Hartes Pflaster also, doch auch beim so „markanten“ Messehotel hat das Auge zu kämpfen. Die Perspektive an diesem Eck der Stadt scheint zerquetscht, ehe man merkt, dass das gesamte Gebäude leicht aus der Kurve kippt. Vier Grad sind es, gerade so viel, dass man sich kräftig die Augen reiben muss. „Diese Kurve - im Prater an dem Ort durchaus zulässig - ist eine nette Geste, die irritiert und die dazu beiträgt, dass man die Gesamtsituation unbewusst vielleicht etwas besser im Gedächtnis behält.“ Dass sich dann noch fünf Streifen auf sieben Geschoßen tummeln - 5:7, in der Musik wäre das ein quietschendes Prélude von Schostakowitsch - raubt einem den letzten Nerv. Da versteht man, dass sich schon so mancher Architekturkritiker über die „Ästhetik des Hässlichen“ ausgelassen hat. Der Architekt indes, schmunzelnd, sachlich: „Ja, bei der Gestaltung der Fassade habe ich an Loos gedacht.“

Auch sonst scheint beim Entwerfen in der Kiste der älteren und jüngeren Architekturgeschichte herumgewühlt worden zu sein: Das Sockelgeschoß ist - technisch ganz banal - schwarz-weiß kariert, es ist ein Zitat der Münchner Glyptothek von Leo von Klenze. Immerhin hat diese Musterung beinahe zwei Jahrhunderte auf dem Buckel. Czech meint, es wären nicht „paukenschlagartige Überraschungswirkungen gefordert, sondern eine profunde Eigenart, an die man sich erinnert, wenn man das Gebäude einmal gesehen hat - und wenn man einmal darin war“.

Nun denn: Eine Hotellobby sei halt nur eine Hotellobby, möchte man annehmen. Doch dem ist nicht so. Man hätte es ahnen können: Die wirklich eigenwilligen Zitate beginnen hier an der Schwelle. Das Bauwerk ist weder außen noch innen genau datierbar. Eigentlich könnte es bereits seit zehn Jahren da stehen, wäre da nicht der Duft eines fabrikneuen Automobils in der Luft. Es riecht nach Kunststoff und nach viel, viel Leder. Das kommt von den herumstehenden Fauteuils. Im Hinterkopf klingelt's, es ist der LC2 von Le Corbusier, genauso bequem oder unbequem - das muss der eigene Körper mit der Architekturgeschichte ausstreiten - wie das Vorbild, nur an der Farbe scheitert's ein wenig.

Das Original mag schön sein, doch wenn man das Rohrgestell eines so berühmten Polstermöbels in Pistazieneis-Farbe taucht, kann ganz einfach nichts Gutes dabei herauskommen. Czech wäre nicht Czech, wenn er trotz respektvoller Hommage nicht noch ein klitzekleines Detailchen addiert hätte. Und so warten zwei hölzerne Griffe darauf, vom messeermüdeten Businessmenschen ergriffen zu werden, damit sich dieser leichter erheben kann. Interessant? Praktisch allemal. Man muss ja nicht immer der abgeschleckten Allerwelts-Architekten-Ästhetik den Vortritt lassen.

Ein Feature von Welt gibt es auch in den Zimmern. Soweit es die stringente und erwartungsvolle Klientel eines Messehotels zulässt, hat sich der Architekt auch hier intellektuell ausgetobt. Ein Kasten? Kein Kasten, denn der ist ohnehin nur der überflüssig verschlossene Ort, an dem die Socken einer viel zu kurzen Verweil vergessen werden. Czech stellt das häusliche Konzept des Kleidungsbehälters daher auf den Kopf und bietet eine offene Variante an. Der Schatten des sakkogekleideten Gentleman ergibt eine stille Metapher in der Kontur des Möbels - der Tischler hatte viel Arbeit mit der Produktion, der Gast ist für die Dauer seines Aufenthalts zur aufmerksamen Rezeption herausgefordert.

„Ich will keine Menschen verstören. Das passiert ja sowieso automatisch“, erklärt Hermann Czech. Doch trotz des guten Willens ist der Mensch wieder einmal arm dran. Gänzlich verstört blickt man auf das soeben fertig gestellte Gebäude, das so altbacken dasteht. Man greift sich an den Kopf - die Verwirrung des Intellekts wird ja tatsächlich angezettelt - und man greift sich auch aufs Herz, denn das gebaute Biotop des beinahe Bewährten schafft wohliges Behagen.

Dass hier kein Trendhotel für eine einmalige Rezension im Hochglanz-Architektenporno geschaffen wurde, erweist sich hinter dem Dickicht unserer absehbaren Erwartungshaltungen als ein architektonisches Juwel.

9. Juli 2005 Spectrum

Beton? Stahl? Plastik!

Der „Skylink“ von Schwechat oder der gebaute Beweis, dass auch eine Eintagsfliege Würde haben kann: Wiens Flughafen hat einen neuen Terminal, zumindest für die nächsten drei Jahre.

Am 4. Juni 1783 stieg erstmals ein Stück Menschenwerk völlig gravitationswidrig in den Himmel empor. Erhitzte Luft ist leichter, dachten sich die Gebrüder Montgolfier und zeigten der Öffentlichkeit, wie sich so ein Ballon an einem Siemens-Lufthaken mitten im Nichts halten kann. Die ersten Fluggäste waren ein Schaf, ein Hahn und eine Ente, den größten Nervenkitzel an der ganzen Sache darf man dabei wahrscheinlich dem Schaf zuschreiben. Bereits am 21. November desselben Jahres waren es zwei Menschen, die als erste Passagiere (im üblichen Sinne des Wortes) den Luftraum erschlossen. Ob sich die beiden Montgolfiers damals wohl schon ausmalen konnten, wie das mit der Luftfahrt so weitergehen würde?

200 Jahre später: Wo früher noch wochenlange Strapazen zwischen A und B auf sich genommen werden mussten, rücken die Destinationen durch Globalisierung, Vernetzung und Verdichtung heute immer näher zusammen. Nicht zuletzt auch dank des Fliegens. Bis in die 70er-Jahre gab die Aviatik viel Stoff für Cinecittà und Hollywood her, als die Captains und ihre Stewardessen noch die hohe Loge einer exzentrischen Lebensweise für sich beanspruchen konnten. Steven Spielbergs „Catch me if you can“ aus dem Jahre 2002 ist eine kleine Reminiszenz an diese Epoche. Rasch hat sich auch das gelegt, mittlerweile hat der moderne Weltenbürger sogar schon für 29 Euro die Qual der Wahl, ob ihn an sein Ziel etwa Niki oder Lauda befördern soll.

Und während die Welt auf diese Weise zu einem Dorf mutiert, werden die Transiträume immer mehr zu eigenen Städten. Faszination Mikrokosmos zwischen Himmel und Erde? Man darf wohl annehmen, dass Flughäfen zu den schnellst wachsenden Agglomerationen der Welt zählen. Kein Land, das nicht an neuen Terminals oder gar an Landgewinnungen für neue, immer internationalere Airports bastelt. So hat auch Wien vor einigen Jahren sein Potenzial erkannt, definiert sich seitdem als Drehscheibe für den Osten Europas. Wien-Schwechat platzt aus allen Nähten, 1998 schreibt die Flughafen Wien AG einen internationalen zweistufigen Wettbewerb für die städtebauliche Konzeption einer Flughafen-Erweiterung aus. Unter 38 geladenen Teilnehmern geht die schweizerisch-vorarlbergische Arbeitsgemeinschaft Itten + Brechbühl/Baum
schlager & Eberle als Gewinner hervor. Aus dem nüchternen Juryprotokoll: „Insgesamt überzeugt diese Arbeit in ihrer der Aufgabe angemessenen großzügigen Haltung, weil sie versucht, im Kern der zukünftigen Flughafenanlage die notwendige Ausstrahlung und den notwendigen Orientierungskomfort umzusetzen.“

Nun denn, Fertigstellung ist für 2008 vorgesehen. Der neue Skylink - so der offizielle Projekttitel für die Erweiterung - befindet sich bereits in reger Planung, in einem eigens errichteten Gebäude auf dem Flughafenareal hat die Arbeitsgemeinschaft Baumschlager & Eberle, Itten + Brechbühl sogar ihre Wiener Büro-Dependance aufgeschlagen. Doch wie sich herausstellte, kommt die Zukunft rascher, als man sie planen kann - aufgrund des hohen Passagierwachstums musste jetzt schon ein neuer Check-in-Bereich geschaffen werden: Ein temporäres Bauwerk für die Dauer von drei Jahren, wie bei der provisorischen Kunsthalle am Karlsplatz von Adolf Krischanitz ist auch in diesem Fall das Bauwerk von einem absehbaren Ende besiegelt. „Bauen für die Ewigkeit“, heißt es in der Regel so schön, wenn es darum geht, die eigene Eitelkeit durch Technik und materielle Langlebigkeit zu untermauern. Doch in der Würze der zeitlichen Kürze verliert sich so manches architektonische Argument bald einmal. Wie baut man also temporär, ohne dem Gebäude den hässlichen Stempel des Provisorischen aufdrücken zu müssen?

Die Herangehensweise an den neuen Terminal 1A zeugt von Größe. Jeder Entscheidung wohnt ein zukünftiger Gedanke inne, hier wickelt man die Planung von hinten nach vorne ab, Recycling und Wiederverwendung werden zu einem unorthodoxen Designer-Tool. Was dabei entsteht, ist zwar eine Kiste, doch diese huldigt eher dem Vorarlbergischen als dem Geiz des Ökonomischen. Schon die Höhe der Halle ist kein Zufall. Denn eines Tages, wenn der Terminal 1A wieder Geschichte geworden ist, werden die steifen Stahlrahmen eine andere Verwendung finden können - sie sind genau so konzipiert, dass ein Norm-LKW mit einer Höhe von 4,40 Metern hindurchfahren kann. Eine Garage, ein Lagerhaus, eine simple Durchfahrt vielleicht? 120 Tonnen Stahl, die in nur zehn Tagen auf die Beine gestellt wurden, werden für ein Leben nach dem Tod dann zur Verfügung stehen.

Baumschlager & Eberle und Itten + Brechbühl, die inzwischen perfekte Meister der mehrschichtigen Fassade geworden sind, haben auch diesmal bei der Fassade ein richtiges Händchen bewiesen. Kein Glas, kein Beton, kein Stahl, schlicht und einfach nur eine Plastikfassade. Die Polycarbonatplatten mit Mehrkammersystem - immerhin eine drastische Verbesserung der bauphysikalischen Werte - überziehen den gesamten Terminal als eine transluzente Haut. Die Leichtigkeit des Materials, eine ganz klare Metapher der Luftfahrt, macht den gar nicht so kleinen Baukörper zu einem differenzierten Abbild nach außen. Tagsüber dringt das Sonnenlicht in den Innenraum, recht sakral eigentlich, nachts hingegen wird sich die künstliche Beleuchtung an der Außenfassade abzeichnen. Ein paar Silhouetten von eincheckenden Passagieren werden Schatten an die halbdurchsichtige Wand werfen, konterkariert von einem Grafikkonzept des Pariser Büros intégral ruedi baur & associés: Auf der Außenhaut klebt eine stilisierte Vegetation in Form von Grashalmen, dazu gesellen sich abhebende Flugzeug-Piktogramme und eine simple Beschriftung zur Festigung der bildhaften Zeichensprache. Simpel und schön, ein flüchtiges Schmunzeln ist es allemal wert.

Der New Yorker Architekturkritiker Kenneth Frampton hat in der Architektur von Baumschalger & Eberle eine „Absage an die Form“ erkannt. Dietmar Steiner, Direktor des Architekturzentrum Wien, spricht sogar von einer „Architektur vom Nullpunkt“. In der Tat, freilich mit Ausstattung und Innenleben auf dem neuesten Stand der Technik zwar, doch mit recht unkonventionellen Materialien ist es gelungen, einen neuartigen Architekturansatz zu vertreten. Mitten im hektischen Treiben des modernen Nomadentums steht der erbaute Beweis, dass auch eine Eintagsfliege (eine Zeitspanne von nur drei Jahren ist in der Architektur ja nichts anderes) Würde ausstrahlen kann. Ein neues Verständnis von Mobilität: Die Reise als Konsumartikel, zumindest bei den Billigfluglinien kann man von keinen finanziellen Strapazen mehr sprechen. „Je edler ein Ding in seiner Vollkommenheit, desto grässlicher in seiner Verwesung“, sagt ein hebräisches Sprichwort. Da es keine Verwesung geben wird, hat der Terminal 1A einen gelungenen Gegenbeweis angetreten.

4. Juni 2005 Spectrum

Mit Ziegel und Lenden

Warum hat Schokolade Rippen, warum ist ein Gummibär durchsichtig? Und warum sieht ein Fischstäbchen nicht aus wie ein Fisch? Food-Design oder: Essen - die kleine Architektur auf Tisch und Teller.

Warum ist der Himmel blau, warum kann ein Flugzeug fliegen, ein Schiff schwimmen, und warum - ja, warum - hat eine Semmel fünf Teile? Mit dieser Frage sind wir schon beim Food-Design angelangt, jener formvollendenden Wissenschaft, die sich der Gestaltung von Lebensmitteln widmet. Ein Haribo-Bär ist transluzent, eine Schokolade hat Rippen, ein Soletto ist lang und bricht. Oder wenn das Motto gilt: Rupp hat's beschte Eck vom Käs. Einem Fischstäbchen darf man dafür den Fisch nicht ansehen, ein Würstl schließlich muss knacken. Food, Design, oder handelt es sich dabei gar um Architektur?

Wer hinter dem anglizistisch fesch dahergekommenen Begriff eine neue Design-Offensive vermutet, der irrt gewaltig. Denn Food-Design widmet sich nicht nur der Form an sich, auch auf dem Gebiet des Essens gilt Louis Sullivans viel zitiertes Allround-Motto „Form follows Function“. Und diese architektonische Erkenntnis geht ja bekanntlich auf das Jahr 1896 zurück, im Geheimen darf man die Genesis dieses Phänomens noch ein paar Jahrhunderte oder Jahrtausende früher vermuten. Essen - die kleine Architektur auf dem Tisch und auf dem Teller, wunderschön und nützlich zugleich? Architekt und Filmemacher Peter Kubelka, im Grunde seines Wesens dann doch kulinarischer Esskultur-Theoretiker, stellt ganz hohe Ansprüche: „Jeder Architekt soll kochen lernen, jeder Architekt muss kochen können.“ Noch eindeutiger lassen sich die beiden Disziplinen des Bauens - einmal mit dem Ziegelstein und einmal mit dem Lendenstück - miteinander nicht verweben.

„Wenn alle Künste untergehn, die edle Kochkunst bleibt bestehn“, sagt der Volksmund, womit die Verwirrung rund um das Essen perfekt wäre: Architektur, Design und jetzt noch die Kunst? In seinem Düsseldorfer Lokal Spoerri hat der gleichnamige Künstler regelmäßig zu Fressgelagen geladen, die ihm mitunter das Grundmaterial für seine sogenannten Fallenbilder lieferten. 1968 bauen Hausrucker & Co ein Architekturmodell aus Brot und Gebäck, 1983 stellt Koch und Food-Stylist (ja, diesen Beruf gibt es) Manfred Buchinger eine Damenfrisur mit applizierten chinesischen Glasnudeln vor, und 1997 darf man im Museum für Angewandte Kunst - zumindest im übertragenen Sinne - Platz nehmen: In der Ausstellung „mäßig und gefräßig“ stellt Jana Sterbak ihre Arbeit „Apollinaire“ aus, ein Fauteuil aus zusammengenähten Rinderkoteletts.

Man kann es also drehen und wenden, wie man will - Essen und wohl auch die Auseinandersetzung damit sind eine grundlegende Voraussetzung fürs Überleben. Sowohl in biologischer als auch in kultureller Hinsicht. Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, Autoren des jüngst erschienenen Buchs „Food Design - Von der Funktion zum Genuss“, sprechen den ultimativen Verdacht aus: „Essen ist mindestens genauso intim und unerschöpflich wie Sex.“ Die wichtigste Nebensache im Leben braucht sich mit der wichtigsten Hauptsache also nicht mehr zu messen, beide widmen sich der Verschmelzung, der Aufnahme von Dingen in den eigenen Körper. Die Erfindung des Sauerteigs, laut Stummerer und Hablesreiter die zweite große kulinarische Revolution nach der Entdeckung des Feuers, gab schließlich auch Auskunft über die Fruchtbarkeit der Frau: Blieb der Teig trotz der Hefekulturen sitzen, wurde dies als Indiz für die Unfruchtbarkeit der Köchin gedeutet.

Vom historischen Handwerk zurück in die Industriegesellschaft. Alle Mythen sind längst verblasst, an ihre Stelle treten Berechenbarkeit und Marktforschung. Ein Gummibär hat demnach eine bestimmte Größe, damit selbst das Kindergebiss mit ihm so lange ringen kann, bis er sich chancenlos ergibt. Die Schokoglasur der Sachertorte etwa ist dick genug, um dem Wiener Souvenir selbst auf langen Postwegen hohe Widerstandsfähigkeit zu gewährleisten. Und die Toblerone, ein Produkt von Theodor Tobler, der davon geträumt hatte, ein Symbol für sein Heimatland zu schaffen, muss dank der Kerben nicht gebrochen werden - das sachte Zusammendrücken zweier Matterhorn-Gipfel reicht aus, um den Schokoriegel in mundgerechte Stücke zu zerteilen.

Herstellungsbedingte Machbarkeit, Grundeigenschaften der Zutaten oder schlicht und einfach die Erwartungshaltung des Konsumenten bestimmen die Eigenschaften des jeweiligen Produkts. Viele Entscheidungen am Kühlregal spielen sich unterbewusst ab und werden aus dem sprichwörtlichen Bauch heraus getroffen. Vor allem Kinder sind in ihrer konsumfreudigen Offenheit dem krachenden und knirschenden Fun-Food gegenüber leicht zu ködern, hat man erst einmal die elementaren Parameter in Bezug auf Gestalt, Größe, Farbe, Konsistenz und nicht zuletzt Sound erforscht und in die Produktentwicklung einfließen lassen.

So testet die Firma Nestlé anhand eigens entwickelter „Krustimeter“ die akustischen Eindrücke während des Bruch- und Essvorgangs. Ottakringer wiederum hat vor kurzem erst eine neue Produktverpackung am Markt lanciert: Statt des vertrauten „Zisch“ beim Öffnen des Flaschenkorkens soll eine spezielle Plastikapplikation an der Unterseite der Bierkappe nun „Plopp“ machen. Plopp, so der Vorstand von Ottakring, stehe nämlich für noch mehr Frische. Ich muss gestehen, trotz Plopp-Korkens ist es bei zwei von zwei Versuchen beim bewährten Zisch geblieben. Womöglich war der Flaschenöffner ganz einfach nicht foodfreundlich genug designed.

So viel ist nach einem Spaziergang durch den Supermarkt klar: Die Globalisierung hat vor Food-Design gewiss nicht Halt gemacht. Produkte können neuerdings in Symbiose treten, denn vom Toastblock und seinem Schmelzkäse bis hin zur Kaisersemmel und ihrer Extrawurst wurden sämtliche Nahrungsmittel dieser Welt anhand von Normen und empirisch generierten Definitionen aufeinander abgestimmt. Der hungrige und nach Experimenten dürstende Kunde macht es einem dabei aber nicht leicht. Denn die Avantgarde macht der Nahrungsmittel-Industrie immer wieder einen Strich durch die Rechnung - und spornt sie im Gegenzug zu immer neuen Geschmackskombinationen an.

So rasch, wie sich die Stile in der Architektur ändern und die Modekollektionen in und gleich wieder out sind, geht es auch in der kulinarischen Branche zu. Immer rascher und immer unvorhersehbarer verhalten sich Angebot und Nachfrage zueinander, die Kreativität der Konkurrenz schläft freilich auch nicht. „Avantgarde gibt es immer“, konstatiert Peter Kubelka, „doch wenn sie Galerien, Gourmetlokale, Kunstzeitschriften und Restaurantführer erreicht hat, ist sie meist schon gegessen.“ Aus einer Not stets eine Tugend, Unverwechselbarkeit ist das Nonplusultra. Und so wird so mancher Produzent durch ein herausstechendes Produkt- und Marketingkonzept zum Trendsetter. Es ist wie in der Architektur. Sagen Sie also niemals Leberkäse zu ihm. Das verleiht Flügel.

Das Buch „Food Design“ von Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter (Springer Verlag) wird am 7. Juni, 18 Uhr, im Ferstl-Trakt der Universität für angewandte Kunst, Wien I, Oskar-Kokoschka-Platz 2, präsentiert.

16. April 2005 Spectrum

Es zuckt, es blitzt, es blinkt

Eine Site, ein Flash, ein Absturz? Die Architektur hat längst den großen Auftritt im World Wide Web entdeckt. Oft fragt sich, für wen und wozu. Ein virtueller Rundgang.

Ein Klammeraffe ist kein Tier, nein. Erinnern Sie sich, als vor wenigen Jahren noch alles so neu war? Ob nun googlen, downloaden oder anschließend copy-pasten, die Generation @ ist jedenfalls mit viel neuem Vokabular aufgewachsen. Mancherorts, abseits von Großstädten ist die Faszination an den vielen C@fés und Meg@stores im Dorfbild noch nicht abgeklungen. Selbst die Kinobranche - eigentlich sollte man meinen, sie sei am Puls der Zeit - macht auf ganz cool, wenn sie sich peinlicherweise an die Youngsters von heute wendet und bonmotet: „ICU @ UCI“. Aber was soll's, das Internet ist eine gute Sache. World-wide ein Web voll von Freude, Wissen und Information. Und wahrscheinlich ist die virtuelle Welt bereits der größte Mistplatz der kapitalistischen Industriegesellschaft. In Zeiten, da sich jeder VIP - längst auch schon jeder vermeintliche IP, man selbst als Architekturpublizist ist ja keinen Deut besser - mit einer ganz eigenen Site rühmen muss, wird es allmählich schwer, im Schlechten das Gute herauszuklauben.

Sie haben es also nicht leicht, die Architekten. In Kooperation mit Grafikern und Webdesignern - mitunter auch im Alleingang - müssen sie beweisen, dass sie nicht nur imstande sind, dreidimensionale Räume zu entwerfen, sondern dass sie auch Herren des Virtuellen sind. Eine Startseite, ein Flash, eine Animation, ein Computerabsturz. Manchmal ist man softwaremäßig gar nicht gerüstet für den einen oder anderen Internetauftritt. Eigentlich wollte man nur die Telefonnummer herausfinden, und schon braucht man die brandaktuellste Variante von irgendwelchen, noch nie gehörten Programmen. Im Jahre 2005, das wird jedenfalls bald klar, hat das Internet seine Funktion als selbstverständliche Informations- und Kommunikationsplattform noch nicht erreicht. Verbissen wird das Medium nach wie vor dazu missbraucht, die eigene Auffassung eines Kunstwerks darin zu postulieren. Es blitzt und blinkt, jedem „Bobo“ seine eigene Lounge-Musik dazu, bei so manchem Intro wird man alt.

Architektur-Homepages, ein weites Thema! Breit gestreut, und konsequenterweise müsste man bei jenen beginnen, die keine haben. Glauben Sie mir, als Schreiberling könnte man an der anti-technischen Sturheit einiger Architekten verzweifeln, wenn man sich dazu genötigt fühlt, eine Bibliothek oder Buchhandlung aufzusuchen, ein einziges Was-glauben-die-eigentlich-wer-sie-sind! Anziehen, reinfahren in die Stadt, recherchieren wieder mal auf die alte Tour. Da ist es doch wirklich eine Freude, dass es auch Architekten gibt, die schon längst im Netz herumstreunen und einem dabei die Arbeit der peniblen Suche abnehmen.

„So wie in der Architektur der Affekt sich auf den Verstand und nicht die Struktur stützt, so tut es auch das Auge“, schreibt Peter Eisenman in seinem Essay „Der Affekt des Autors“ anno 1991, „es ist letztendlich die Idee des Blicks, die den Moment der Leidenschaft für die Architektur bestimmt.“ Weit mehr als ein Jahrzehnt später stellt sich Eisenmans Postulat auch in der virtuellen Architektur als richtig heraus. Ein kurzes Enter nach dem Eintippen der Homepage-Adresse, und auf den ersten Blick bereits macht sich Sympathie breit. Oder aber auch ein nach vorn gereckter Kopf, ein weit geöffnetes Augenpaar, ein Achselzucken.

Absolut beeindruckend die Site von Innocad, sie zuckt und blinkt, allein, man weiß nicht so recht, ob man sich nicht auf die Homepage des neuesten Psychothrillers aus der Traumfabrik Hollywood verirrt hat. Man wird durch Projekte und Ideen geguided - und hat einem etwas ganz besonders gefallen, findet man so leicht nicht wieder dahin zurück. Welcher Sache also wird hier Priorität zugestanden? Ist es die Information oder einzig und allein das visuelle und kognitive Erlebnis des Surfens?

Bleiben wir im Wasser. Aquaphobie ist nichts für Leute, die das Webportal von urbanFish besuchen. Der Cursor wird zum Angelhaken, konzeptionell richtig angebracht, denn die dahinschwimmenden Menübegriffe wollen auch erst einmal gefangen werden. Ab und an ein Hintergrundfischerl im bunten Tropenlook - hier ist eine süße Idee aufgegriffen worden, die trotz der vielen Bubbles (mit Synthesizer-Untermalung wohlgemerkt) so rasch nicht öde wird. Richtig Spaß haben kann man auch bei Rataplan. Die fünf Architekten präsentieren sich mit einem Sujet, mit dem sie - im Wechselspiel von Architektur und wirtschaftsorientierter Akquisition - den Nagel auf den Kopf treffen. Spiele wie „Das Kaufmännische Talent“ (DKT) beziehungsweise „Monopoly“ haben hier Pate gestanden, als Besucher kann man die unterschiedlichen Straßennamen abgrasen und sehen, was sich dahinter verbirgt. Wo kaufe ich ein, wo will ich hin? Rataplan ist ehrlich genug, Ihrem Job jenen wirtschaftlichen Ehrgeiz und jenes aufbauschende Ankaufdelirium zuzugestehen, dem auch die jungen Broker am Spielbrett ständig anheimfallen.

In einem etwas anderen Delirium spukt die einsame Startseite von Neumann und Partner durchs Netz. „Wenn Sie über Architektur sprechen wollen, rufen Sie mich an.“ Und dann ein dreieinhalbminütiges Video zum Downloaden, in dem Neumann höchstpersönlich über Architektur spricht. Man braucht ihn de facto also gar nicht mehr anzurufen, recht praktisch eigentlich. Vorm lodernden Kamin, mit einem Glaserl Wein in der Hand: „Wir müssen mit unserer gebauten Umwelt sehr vorsichtig und sorgfältig umgehen, denn wir, unsere Gesellschaft, unsere heutige Zeit, werden irgendwann einmal nach unseren Bauwerken beurteilt werden.“ Schenkt man den unzähligen Prognosen Glauben, so wird das Virtuelle immer bedeutender und alltäglicher. Treffen die Bedenken des Architekten also nicht auch auf die gebaute Umwelt im Internet zu?

Immer wieder die gleiche schwarzweiße Landschaft im binär verschlüsselten Netz. Vom minimalistisch weißen Nichts mit kleinen bunten Icons zum Anklicken bis hin zum pompösen Trauermarsch im erdrückenden Schwarz reicht die Palette. Und Leute: Hört auf mit dem Schwarz! Die Vorurteile bezüglich gleichfarbigem Rollkragenpulli haben sich in letzter Zeit medial wieder reduziert, stattdessen braucht man nun ein antistatisches Staubtuch am Arbeitsplatz, um hellgraue Fusel von hellgrauen Buchstaben unterscheiden zu können. Nicht selten sind Lupe und Beruhigungsmittel vonnöten, um die Informationsquelle von so manchem Büro auch wirklich anzapfen zu können. Will man auf diese Art und Weise denn wirklich Kunden ansprechen? Oder ist der Aspekt der Dienstleistung in der Architektur ohnehin schon so sehr in den Hintergrund gerutscht, dass sich diese Frage in den 00er-Jahren längst nicht mehr stellt? Fast scheint es, als seien die vielen Homepages nur noch Mittel zum Zweck, mit dem die Idee einer vereinten Architekturszene ins neue Jahrtausend getragen wurde. Der Computer wird heruntergefahren, was bleibt, ist das Bild einer fest eingeschweißten Architektengemeinde. Der User ist willkommen zum Staunen angesichts einer so fremden Sprache, die manchmal nur ein einziges Architekturbüro spricht. Und sonst niemand.

12. März 2005 Spectrum

Fassade mit Layout

Bauen ist nicht immer ein Spaziergang im Garten Eden, manchmal eher eine Höllentour voller Kompromisse: der neue Mischek-Tower von Delugan Meissl auf dem Wienerberg.

Immer wenn ich am Wienerberg vorbeifahre, muss ich an diesen Film mit dem feschen Hugh Grant denken. „Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam“ handelt von einem kleinen Dorf in Wales, das eines Tages Bekanntschaft mit einem Kartografen aus London macht. Angereist aus der Ferne kam er, um den Dorfbewohnern mitzuteilen, dass dem Hausberg der Bergtitel aberkannt werden müsse. Einst der „first mountain inside of Wales“, nun durch natürlich bedingte Schrumpfung zu einem Hügel degradiert, beschließt das schrullige Dorf unisono, die fehlenden Meter ganz einfach aufzuschütten.

Sie suchen den Zusammenhang zwischen Wales und Wienerberg? Es erweckt den Anschein, als wäre Letzterer durch zu regen Lehmabbau der nahe gelegenen gleichnamigen Ziegelfabrik im Laufe der Jahrzehnte ebenfalls zu einem Hügel geschrumpft. Nun reicht es nicht, dass Massimiliano Fuksas ein weithin sichtbares - und nebenbei beeindruckendes - Landmark an der Einfahrt nach Wien hinstellt. Nein, da muss der einstige Wienerberg - im Namen der Stadt - gleich mit einer Menge an Hochhäusern zu dem zurückgezwungen werden, was er früher mal war. Wenn nicht topografisch, dann eben architektonisch.

Anders erklärt sich die städtebauliche Dichte an diesem infrastrukturell katastrophal erschlossenen Unort nicht. Im flächengewidmeten Zickzack geben sich österreichische Architekturbüros ein Stelldichein, ganz nebenbei kann man beobachten, wie Coop Himmelb(l)au den Dekonstruktivismus im konkreten Fall so lange variiert hat, bis das gebaute Ergebnis plötzlich postmoderne Zitate verschluckt zu haben scheint. Aber das macht nichts, Wienerberg City klingt gut, und die wienweit verstreuten grünen Hinweisschilder tun ihr Bestes, um das neue Grätzel auf der leichten Wiener Anhöhe lautstark zu proklamieren.

Ja, der Fuksas hat die Latte da oben hoch gelegt, die formale Unterordnung ist des Architekten Sache aber nicht. Und so erfindet ein jeder Hochhaus-Bauer neue Farben und Materialien, trägt zu einem Kampf mit ungleichen Gegnern eher bei als zu einer urbanen Symbiose.

Doch siehe da, eine stille Ausnahme auf kryptisch benannter Parzelle: C. Delugan Meissl ist im Begriff, das schwarze Mischek-Wohnhochhaus fertig zu stellen. Die Fassade ist bereits vollbracht, der Innenausbau von der Schlüsselübergabe nicht mehr weit entfernt. Ein 99 Meter hoher Monolith auf einer knappen Grundfläche von nur 16 mal 40 Metern. Nach Norden und Osten gibt sich der archaische Bau hermetisch introvertiert, der grüne Südwesten von Wien jedoch wird mit aufgelösten Fassaden und einer zwischengeschalteten Loggien-Schicht gewürdigt. „Wohnen mit Ausblick“ so der fernsüchtige Slogan, ohnehin eine Seltenheit in Wien. Bis zum 24. Stock reine Mietangelegenheit, die letzten zwölf Stockwerke bis zum 36. Abschlussgeschoß gibt es dann zu kaufen.

Als Projektfan der ersten (oder zweiten) Stunde ist man freilich ein wenig erstaunt über die teils deftigen Abstriche, mit denen der Wohnbau in den letzten Jahren fertig werden musste - konzeptionell geschwächt, im Bautechnischen den üblichen Standards wieder angepasst, visuell aber nach wie vor im strengen deluganschen Korsett. Wie Elke Delugan-Meissl und Roman Delugan in der letztsamstäglichen „Diagonal“-Sendung auf Ö1 bereits klargestellt haben, dass beim ersten Mischek-Tower auf der Donauplatte schließlich nur die Fassadengestaltung auf Delugan Meissl zurückzuführen ist, so darf beim Mischek-Tower am Wienerberg Ähnliches vermutet werden. Architektursprache an der Fassade, truely made by the architects, Grundrissplanung und Ausbaustandard tragen hier seit der Detailplanung und Kostenkontrolle eine andere Handschrift. Doch der soziale Wohnbau setzt - verständlicherweise - eben andere Prioritäten. Und so soll es nicht darum gehen, über die Bauträgerschaft zu klagen, als vielmehr, die vorhandene Architektur ins Visier zu nehmen.

240 Wohnungen - die Menge wird von der einheitlichen Fassadengestaltung beruhigend kaschiert. „Gerade im sozialen Wohnbau, wo sich jede Wohnung an der Fassade abzeichnet“, so die Architekten, „muss man sich einer zusammenfassenden Struktur bedienen, um dieses heterogene Bild vieler Wohneinheiten in einer einzelnen Einheit zu beruhigen.“ Die Loggien-Fassaden sind an der äußersten Schicht vollständig verglast, nur vereinzelte Aussparungen fangen Bilder aus der Landschaft und rahmen sie ein. Im Siebdruckverfahren - ein Steckenpferd von Delugan Meissl - sind die Glastafeln in eine Matrix aus vertikalen weißen Streifen eingehüllt. In den unteren Geschoßen dichter, oben, wo die Konkurrenz der neugierigen Einblicke schon deutlich abgenommen hat, hat der Raster mehr Durchlässigkeit zugelassen.

Außergewöhnlicher schließlich die breite Fassade Richtung Stadt. Die homogene Haut aus schwarz durchgefärbtem Eternit ist durch vereinzelte französische Fenster perforiert. Damit nicht der Eindruck von Glaslisenen entsteht, die die Fassade vertikal aufschlitzen, wurden die Maueröffnungen, dem Zufallsprinzip folgend, versetzt angeordnet. Solange sich die grafische Maßnahme nicht negativ auf den Innenraum auswirkt, sondern im besten Falle positiv (im schlechtesten indifferent), ist ein Layout-Denken legitim: „Grafik spielt selbstverständlich eine essentielle Rolle“, so Projektleiter Christopher Schweiger, „es wäre total falsch, nicht grafisch zu arbeiten, solange diese Arbeitsweise nicht ausschließlich ist.“ Nun fragt man sich, welche Funktion die weiß auskragenden Schilde haben, die so vereinzelt - noch lapidarer als die Fenster - über die große Fassadenfläche verstreut sind. Sonnenschutz etwa, rein grafische Spielerei oder gar brüstungslose Balkone für den Freitod aus der Höhe? In einem früheren Projektstadium haben die Schilde noch den Brandüberschlag verhindert. Baupolizeilich vorgeschrieben, architektonisch mit poetischer Leichtigkeit eingelöst. Mittlerweile hat Mischek den Brandschutz anderweitig - billiger - in den Griff bekommen, die heutigen Stahlelemente sind ein leises Zitat dessen, wie schön selbst behördliche und technische Parameter eine Fassade einst determinieren konnten.

Ist da etwa Sentimentalität zum obersten Prinzip erkoren worden? Eine architektonische Irrfahrt vielleicht? Entgegen vielen Wienerberger Nachbarprojekten, denen man getrost Manierismus nachsagen darf, war die Entscheidung zugunsten eines am Ende unnötigen Luxus in diesem Fall der letzte Rettungsanker, um eine ursprünglich gewagte Poesie des Projekts in die Realisierung hinüberzuretten. Bauen ist eben nicht immer ein Spaziergang im Garten Eden, sondern manchmal eine Höllentour voller Kompromisse zwischen Bauherrn und Architekten. Hart, aber herzlich: Der Mensch ist im Grunde seiner Natur mitunter ein oberflächliches Wesen, und für den Betrachter bleibt es letztlich gleich, ob logisch oder nicht, ob authentisch oder künstlich. Das kleine Dorf in Wales hat seinen Berg wieder, und bald einmal wird niemand mehr darüber sprechen, wann und wo und wie viele Meter. Und wer ist eigentlich Hugh Grant?

24. Dezember 2004 Spectrum

Was war, war was?

2004: das Jahr, in dem das Bild die Architektur erschlug? Der Auftakt zum Abschied von der Star-Architekten-Architektur? Erste Hoffnung auf eine bessere Wettbewerbskultur? Architekten ziehen Bilanz. Eine Umfrage von Wojciech Czaja

Hermann Czech
AUS DEM GEISTE DES TRASH
Jetzt haben wir sie endlich: die Qualität. Bilder schwirren umher, auf denen man alles sieht; nur nicht, was gemacht wird. Das Bild, nicht der Gedanke, trägt die mediale Vermittlung der Architektur. Österreich bei der Architektur-Biennale 2004: Eine Redaktionskonferenz von „News“ hätte dieselbe Auswahl getroffen. Das Architekturzentrum Wien zeigte etwas von den Anfängen: The Austrian Phenomenon (Wien und Graz 1958-1973). Nicht das Buch - wie Victor Hugo voraussagte -, das Bild erschlug die Architektur. Aber wer eine Entwicklung aufhalten will, befindet sich immer auf der falschen Seite. Die Ausstellung „Reserve der Form“ im Wiener Künstlerhaus zeigte alles, was link ist, und fand die Richtung. In den Ebenen der Wahrnehmung, im Wechsel der Bedeutungen bewegt sich der architektonische Gedanke. Der Ausblick? Was vor uns liegt: die Instandsetzung der Architektur aus dem Geiste des Trash.

Walter Stelzhammer
HOFFNUNG: WETTBEWERBSKULTUR! Tausendfach europareife Gesichter, viele davon mit einem Durchschnittsalter unter 25 Jahren, in einer der Fußgängerzonen der Metropole Istanbul. Eine unglaublich pulsierende Stadt voller junger Menschen. Und im fernen Europa? Dank Schüssel und Gusenbauer ist es in der Türkei derzeit angebracht, seine österreichische Herkunft zu verschweigen.

Ach ja, beinahe hätte ich jetzt die Architektur vergessen. Wo sich durch räumliche Distanz der Nebel der Jahresereignisse lichtet, gewinnt man im Rückblick etwas Überblick. Kein schlechtes Jahr war das vergangene. Einige Niederlagen wie in den Jahren davor, aber auch kleinere und größere Erfolge, die Zuversicht aufkommen lassen. Und dann gab es da ja noch diese dubiose Auslobung des Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds für ein Terrassenhaus auf den Tarbuk-Gründen. 30 der 35 Auserwählten haben endlich einmal erkannt, worum es geht. Und siehe da, Solidarität aus der Not heraus kann bisweilen doch Linderung bewirken, die Ausschreibungsgrundlagen wurden abgeändert - ein Hoffnungsschimmer für bessere Wettbewerbskultur im kommenden Jahr!

Margarethe Cufer
DONNERSTALKS BEI DER BAUPOLIZEI
2004 war geprägt von heller Freude über den Sieg von Henke[*]Schreieck beim Wettbewerb für eine Veranstaltungshalle in meiner Heimatstadt Kitzbühel, mit der Hoffnung, dass die Stadtpolitik klug genug sein wird, das Ergebnis auch umzusetzen - 2004 war ein wenig Bedauern darüber, dass das Hilton trotz Genehmigung ohne „Holleindachlandschaft“ verwirklicht wurde, aber große Begeisterung für Joe Zawinul, der mir mit dem „Birdland“ wieder eine Heimat gab - 2004 war amüsant durch meine „Donnerstalks“ ([*] Alfred Dorfer) bei der Baupolizei, wo eine neue Generation von Baupolizisten die Bauordnung auslegt wie Zeugen Jehovas die Bibel, was glücklicherweise ausgeglichen wurde durch überraschend bezaubernde Bauherren - . . . und übrigens: Ich mag den neuen Schwarzenbergplatz!

Friedrich Kurrent
DER BAUER SCHLÄGT DEN KÖNIG
Am 1. Mai dieses Jahres konnten wir in Sommerein das Schatzhaus für die Werke von Maria Biljan-Bilger eröffnen. Ich versuchte mit diesem Bau, den Allerwelts-Glaskästen das Konzept „Rohbau“ entgegenzustellen. Ein Lichtblick und vielleicht eine Wende scheint mir der Erweiterungsbau des Museum of Modern Art in New York zu sein - weg von der weltweit gepushten Star-Architekten-Architektur.

Die drohenden Türme von Wien Mitte sind gefallen. In Köln und München grassiert dieselbe Turm-Manie. Und auch New York macht aus Ground Zero keinen Park. Dies beweist, dass es keine Stadtplanung mehr gibt. Die Investoren bestimmen die Stadtplanung. Zum Ende des Jahres noch eine letzte Meldung: Das alte Salzburger Festspielhaus von Clemens Holzmeister ist bereits vollständig abgerissen - der Bauer schlägt den König.

Siegfried Loos, IG Architektur
BEDROHTE ART: BERUF ARCHITEKT
Die ig architektur hat sich 2004 mit den gesetzlichen Grundlagen für die Berufsausübung auseinander gesetzt und vier Kritikpunkte eingebracht. Denn die dem Ministerium zur Begutachtung vorliegende Novellierung des Ziviltechnikergesetzes schafft weitere Verschlechterungen! Kommt das Gesetz in dieser Form zum Tragen, wird 2004 als das Katastrophenjahr in die österreichische Architekturgeschichte eingehen. Die junge Generation und alle nachfolgenden werden es sich nicht mehr leisten können, den Beruf in Österreich überhaupt noch legal auszuüben. Die unsere Aktionen begleitende breite Öffentlichkeit hat uns darin bestärkt: Noch viel weiter reichende Reformen sind unausweichlich. Erst wenn die Basis für eine zeitgemäße gesetzliche Grundlage für die Berufsausübung geschaffen ist, wird man über die Architektur selbst reden können.

Rüdiger Lainer
UNIFORMITÄT AUF HOHEM NIVEAU
Der mediale Stellenwert der Architektur wächst kontinuierlich. Das Besondere, das Einzigartige besetzt die Oberflächen publizistischer Aktion, gleichzeitig wird es immer langweiliger, Architekturzeitschriften zu betrachten. Dazu liefert die Architektur einige Phänomene: Die Gleichförmigkeit des Außergewöhnlichen von verknüpften Schleifen oder Faltungen, die bei Claude Parent noch Entdeckungen waren, bestimmen heute die Bilder. Währenddessen geht die subtile Mutation des Alltäglichen verloren, nur wenige beeinflusst das unspektakuläre Vorangehen eines Hermann Czech. Angesagt ist eine Uniformität auf hohem Niveau, präzise flach gesetzte Details, eine Ästhetisierung ohne Widersprüche. Und dennoch: Die mediale Präsenz stärkt das Bewusstsein für Architektur als das Leben bestimmende gesellschaftliche Kraft. Das motiviert.

Delugan[*]Meissl
ALLE ELF TAGE EIN NEUES PROJEKT
2004 - war schön. Weil wir 33 Versuche unternehmen konnten, großartige Architektur zu realisieren. Also alle elf Tage ein neues Projekt, eine neue Studie, ein neuer Wettbewerb. Es gab zwei Fertigstellungen, drei Baustellen und immer noch spannende Optionen. All dies geschah mit Offenheit, Gelassenheit und Leidenschaft. Wir hatten die Freiheit, in alle Richtungen zu denken: Möbel, Apartments, Einfamilienhäuser, Wohnbauten, Museen, Schulen, Industriehallen, Hochhäuser, Städtebau und wieder zurück. Das hieß, offen zu sein für Verschiedenes und sich auf das Einzelne zu konzentrieren. Es gab Architektur auf dem Dach, auf dem Berg, im Hang, auf der Wiese, im Wald, in der Stadt und auf dem Land, in Österreich, Europa und in China. Es war schön, weil wir entwerfen, bauen, lernen, lehren, diskutieren konnten. Wir haben mit guten Leuten zusammengearbeitet, eine gemeinsame Sprache gesprochen und viele Ideen zum Leben erweckt.

11. Dezember 2004 Spectrum

„Lego-Haus“: Lauter kleine Bonbons

Schon einmal eine Kreuzung aus zweistöckigem Haus und VW-Käfer gesehen? Oder ein „Lego-Haus“ für zwei Personen? Von Spieltrieb, zuckersüßen Architekturbüros und dem Hang zum Kleinen.

Zeige mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist", sagte Christian Morgenstern einst. Keine Frage, Architektur ist stilprägend, Architektur ist imagebildend. Doch Morgenstern hat ungewollterweise nicht nur für die Architektur gedichtet, auch die Automobilindustrie hat sich ein Scheibchen vom Poem abgeschnitten und brutal adaptiert. Frei nach dem Motto „Zeige mir, was du fährst“ und so weiter werden ständig neue Kundenkreise angesprochen, ja sie werden sogar neu definiert. Jedem Typ schließlich sein Auto, die Kampagnen sind offensiv, direkt und vereinnahmend.

Ganz neu am Markt ist der kleine flinke Renault Modus, lustig türkis wie auf den Werbefotos grunzt der gestauchte und dennoch wohl proportionierte Frechdachs durch die Stadt und hat sich sogar schon einmal aufs Tageszeitungs-Cover verfahren. Anbei ein paar bunte Kleckse, in einem gelbroten Farbtupfer nun der lang ersehnte Modus-Slogan: „Grow up - what for?“ Ja, wofür auch? Statt eckig, schwarz, korrekt doch lieber „geradeaus zum Kind in Ihnen“, lautet der unüberhörbare Appell des Créateur d'Automobiles. Nun ist es endgültig: Der freche Modus stiehlt uns Erwachsenen damit nicht nur die Show, sondern auch noch die letzte Würde. Ernst sein kann man später immer noch, warum also nicht zurückfallen ins Alter von Spiel, Spaß und Schabernack? Unter dem Deckmantel der Leichtigkeit und des Humors ist es Renault gelungen, ganz präzise den Puls der Zeit zu treffen.

Doch zurück zur Baukunst. Auch die heimische Architekturszene ist schon seit Jahren dem Spieltrieb verfallen. Zumindest jene Architekten darunter, die noch jugendliche Frische in sich tragen und nicht etwa damit beschäftigt sind, sich selbst noch im hohen Alter und auf Kosten der nächsten Generation jeden Großauftrag unter den Nagel zu reißen. Aber ganz im Ernst, es ist erfreulich, wie fröhlich Häuser sein können. Selbst in der vielleicht etwas klassisch veranlagten salzburgischen Suburbia erlebte ich unlängst eine Begegnung der schlimmsten Art, eine genetische Kreuzung zwischen einem VW-Käfer und einer zweistöckigen Behausung. Irgendwie daneben, doch die Glupschaugen, die Rückscheinwerfer und - sic! - vor allem die vier „Räder“ (bitte sich dieses architektonische Attribut unbedingt unter Anführungsstrichen vorstellen!) haben ganz eindeutig auf jenen fahrbaren Untersatz hingewiesen. Man kann von Glück reden, dass das Plagiat höchstwahrscheinlich nicht die Stückzahl des formalen Vorbilds erreichen wird. Ich denke, selbst wenn der Name des Architekten eruierbar gewesen wäre, man hätte die Größe, an dieser Stelle gesenkten Hauptes einen Augenblick stillschweigend innezuhalten.

Doch es ist alles nicht so aussichtslos, wie es scheinen mag. Denn - entgegen einer anfänglichen Vermutung - ist Verspieltheit nicht in jedem Falle mit Verzichtbarkeit gleichzusetzen. Ganz im Gegenteil, viele Architekten beherrschen die Gratwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß. Man muss ja nicht gleich ein Automobil kopieren, um originell zu sein. Viel interessanter erscheint dagegen die vielfach subtilere Auseinandersetzung zwischen Spielzeug und Architektur. Denn nicht im blinden Übernehmen, sondern erst in einer nuancierten Neuinterpretation eines Vorgefundenen kann sich Architektur allmählich wieder an (Bau-)Kunst herantasten.

So ein Haus - aus der Feder des Wiener Architekturbüros Caramel - steht in Linz. Es ist ein Haus für zwei Personen und trägt den winzigen Projektnamen „xxs“. Während also die Niederländer, allen voran Koryphäe Rem Koolhaas, MVRDV und das UN-Studio immer mehr Richtung XXL tendieren, bleibt die heimische Architektenschaft dem Kleinen verhaftet.

Diese Vorliebe ist definitiv keine Frage der Qualität, im wahrsten Sinne des Wortes ist sie eine Frage der räumlichen Quantität. Die unbeschwerte Leichtigkeit des kompakten Zwei-Personen-Hauses erinnert ein wenig an Spielzeug, diese Assoziation kann der gewählte Projektname letztlich auch nicht entkräften. Die Statik scheint unbekümmert zu schweben, als hätte jemand - unbeeindruckt vom Unterschied zwischen Dekagramm und Tonnen - zuvor ein Modell aus Lego-Steinen gebaut. So wie die dänischen Bausteine aus Thermoplasten hergestellt sind, besteht auch das Haus in Linz aus Kunststoff. In diesem Fall eine Leichtkonstruktion aus Holz, um die abschließend eine glasfaserverstärkte Lastwagenplane gespannt wird. Ein eingepacktes Caramel-Zuckerl sozusagen.

Ein Haus xxs oder ein Duplo-Stein XXL, es ist alles nur eine Auslegungssache. Immerhin ein gutes Spiel für Architekten, nichts anderes bedeutet der Produktname Lego, eine phonetische Kombination aus den jeweils ersten Buchstaben des dänischen „leg godt“, auf Deutsch „spiel gut“. Der Konzern regt auf seiner Homepage außerdem an: „Neugierige, fantasievolle und aktive Menschen haben die besten Voraussetzungen, sich in einer ständig verändernden Welt besser zu orientieren und dadurch zu Architekten unserer Zukunft zu werden.“ Es hängt in der Luft, ob der Beruf des Architekten hier nur Metapher oder schon Exempel ist.

Da stehen wir also und blicken in die Architekturlandschaft hinaus. Die Projekte sind erfrischend, sie sind hochwertig, und jedes einzelne von ihnen stellt eine großartige Alternative zum Bewährten, Altbacken-Bekannten dar. Oder wie der Direktor des Architekturzentrums Wien, Dietmar Steiner, beim jüngsten Architekturkongress feststellte: „Es ist, als ob österreichische Architekten kleine Preziosen in die Gegend werfen, den urbanen und regionalen Zusammenhang berücksichtigen sie aber nicht.“ Als sähe man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr, konzentriert man sich lieber auf das Projekt als auf die Disziplin, lieber auf das Detailverliebte als auf das nur schwer Fassbare. Architektur, das sind lauter kleine Bonbons, so der holländische Theoretiker Bart Lootsma, doch wie sieht die Bonbonniere aus? „Ich wundere mich als Holländer über die österreichische Abwehrhaltung, sich mit dieser Materie endlich auseinander zu setzen.“ Ganz gleich, ob Karamellbonbon oder nicht, etwas süßer oder saurer, besser oder schlechter: Die berufskritische Debatte ist bereits voll im Gange. Nun würde man sich von den Créateurs d'Architecture wünschen, mit der gleichen Menge an Elan und Esprit eine gesellschaftskritische Diskussion in Gang zu setzen.

4. Dezember 2004 Spectrum

Lauter kleine Bonbons

Schon einmal eine Kreuzung aus zweistöckigem Haus und VW-Käfer gesehen? Oder ein „Lego-Haus“ für zwei Personen? Von Spieltrieb, zuckersüßen Architekturbüros und dem Hang zum Kleinen.

Zeige mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist", sagte Christian Morgenstern einst. Keine Frage, Architektur ist stilprägend, Architektur ist imagebildend. Doch Morgenstern hat ungewollterweise nicht nur für die Architektur gedichtet, auch die Automobilindustrie hat sich ein Scheibchen vom Poem abgeschnitten und brutal adaptiert. Frei nach dem Motto „Zeige mir, was du fährst“ und so weiter werden ständig neue Kundenkreise angesprochen, ja sie werden sogar neu definiert. Jedem Typ schließlich sein Auto, die Kampagnen sind offensiv, direkt und vereinnahmend.

Ganz neu am Markt ist der kleine flinke Renault Modus, lustig türkis wie auf den Werbefotos grunzt der gestauchte und dennoch wohl proportionierte Frechdachs durch die Stadt und hat sich sogar schon einmal aufs Tageszeitungs-Cover verfahren. Anbei ein paar bunte Kleckse, in einem gelbroten Farbtupfer nun der lang ersehnte Modus-Slogan: „Grow up - what for?“ Ja, wofür auch? Statt eckig, schwarz, korrekt doch lieber „geradeaus zum Kind in Ihnen“, lautet der unüberhörbare Appell des Créateur d'Automobiles. Nun ist es endgültig: Der freche Modus stiehlt uns Erwachsenen damit nicht nur die Show, sondern auch noch die letzte Würde. Ernst sein kann man später immer noch, warum also nicht zurückfallen ins Alter von Spiel, Spaß und Schabernack? Unter dem Deckmantel der Leichtigkeit und des Humors ist es Renault gelungen, ganz präzise den Puls der Zeit zu treffen.

Doch zurück zur Baukunst. Auch die heimische Architekturszene ist schon seit Jahren dem Spieltrieb verfallen. Zumindest jene Architekten darunter, die noch jugendliche Frische in sich tragen und nicht etwa damit beschäftigt sind, sich selbst noch im hohen Alter und auf Kosten der nächsten Generation jeden Großauftrag unter den Nagel zu reißen. Aber ganz im Ernst, es ist erfreulich, wie fröhlich Häuser sein können. Selbst in der vielleicht etwas klassisch veranlagten salzburgischen Suburbia erlebte ich unlängst eine Begegnung der schlimmsten Art, eine genetische Kreuzung zwischen einem VW-Käfer und einer zweistöckigen Behausung. Irgendwie daneben, doch die Glupschaugen, die Rückscheinwerfer und - sic! - vor allem die vier „Räder“ (bitte sich dieses architektonische Attribut unbedingt unter Anführungsstrichen vorstellen!) haben ganz eindeutig auf jenen fahrbaren Untersatz hingewiesen. Man kann von Glück reden, dass das Plagiat höchstwahrscheinlich nicht die Stückzahl des formalen Vorbilds erreichen wird. Ich denke, selbst wenn der Name des Architekten eruierbar gewesen wäre, man hätte die Größe, an dieser Stelle gesenkten Hauptes einen Augenblick stillschweigend innezuhalten.

Doch es ist alles nicht so aussichtslos, wie es scheinen mag. Denn - entgegen einer anfänglichen Vermutung - ist Verspieltheit nicht in jedem Falle mit Verzichtbarkeit gleichzusetzen. Ganz im Gegenteil, viele Architekten beherrschen die Gratwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß. Man muss ja nicht gleich ein Automobil kopieren, um originell zu sein. Viel interessanter erscheint dagegen die vielfach subtilere Auseinandersetzung zwischen Spielzeug und Architektur. Denn nicht im blinden Übernehmen, sondern erst in einer nuancierten Neuinterpretation eines Vorgefundenen kann sich Architektur allmählich wieder an (Bau-)Kunst herantasten.

So ein Haus - aus der Feder des Wiener Architekturbüros Caramel - steht in Linz. Es ist ein Haus für zwei Personen und trägt den winzigen Projektnamen „xxs“. Während also die Niederländer, allen voran Koryphäe Rem Koolhaas, MVRDV und das UN-Studio immer mehr Richtung XXL tendieren, bleibt die heimische Architektenschaft dem Kleinen verhaftet.

Diese Vorliebe ist definitiv keine Frage der Qualität, im wahrsten Sinne des Wortes ist sie eine Frage der räumlichen Quantität. Die unbeschwerte Leichtigkeit des kompakten Zwei-Personen-Hauses erinnert ein wenig an Spielzeug, diese Assoziation kann der gewählte Projektname letztlich auch nicht entkräften. Die Statik scheint unbekümmert zu schweben, als hätte jemand - unbeeindruckt vom Unterschied zwischen Dekagramm und Tonnen - zuvor ein Modell aus Lego-Steinen gebaut. So wie die dänischen Bausteine aus Thermoplasten hergestellt sind, besteht auch das Haus in Linz aus Kunststoff. In diesem Fall eine Leichtkonstruktion aus Holz, um die abschließend eine glasfaserverstärkte Lastwagenplane gespannt wird. Ein eingepacktes Caramel-Zuckerl sozusagen.

Ein Haus xxs oder ein Duplo-Stein XXL, es ist alles nur eine Auslegungssache. Immerhin ein gutes Spiel für Architekten, nichts anderes bedeutet der Produktname Lego, eine phonetische Kombination aus den jeweils ersten Buchstaben des dänischen „leg godt“, auf Deutsch „spiel gut“. Der Konzern regt auf seiner Homepage außerdem an: „Neugierige, fantasievolle und aktive Menschen haben die besten Voraussetzungen, sich in einer ständig verändernden Welt besser zu orientieren und dadurch zu Architekten unserer Zukunft zu werden.“ Es hängt in der Luft, ob der Beruf des Architekten hier nur Metapher oder schon Exempel ist.

Da stehen wir also und blicken in die Architekturlandschaft hinaus. Die Projekte sind erfrischend, sie sind hochwertig, und jedes einzelne von ihnen stellt eine großartige Alternative zum Bewährten, Altbacken-Bekannten dar. Oder wie der Direktor des Architekturzentrums Wien, Dietmar Steiner, beim jüngsten Architekturkongress feststellte: „Es ist, als ob österreichische Architekten kleine Preziosen in die Gegend werfen, den urbanen und regionalen Zusammenhang berücksichtigen sie aber nicht.“ Als sähe man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr, konzentriert man sich lieber auf das Projekt als auf die Disziplin, lieber auf das Detailverliebte als auf das nur schwer Fassbare. Architektur, das sind lauter kleine Bonbons, so der holländische Theoretiker Bart Lootsma, doch wie sieht die Bonbonniere aus? „Ich wundere mich als Holländer über die österreichische Abwehrhaltung, sich mit dieser Materie endlich auseinander zu setzen.“ Ganz gleich, ob Karamellbonbon oder nicht, etwas süßer oder saurer, besser oder schlechter: Die berufskritische Debatte ist bereits voll im Gange. Nun würde man sich von den Créateurs d'Architecture wünschen, mit der gleichen Menge an Elan und Esprit eine gesellschaftskritische Diskussion in Gang zu setzen.

16. Oktober 2004 Spectrum

Nichts als städtische Poesie

Kreuz und quer durcheinander geschachtelt und ineinander verkeilt: vom riesigen Single- Loft bis zur kompakten Fünf-Zimmer-Wohnung. Zwei Wiener Wohnbauprojekte, die lieber polarisieren als Wohnmaschinen schaffen.

Nach Biedermeier, Gründerzeit und Rotem Wien, nach dem offensiven Wiederaufbau in den Nachkriegsjahren und dem soziologischen Tatendrang der Achtzigerjahre befindet sich auch heute wieder der städtische Wohnbau auf einem neuerlichen Hoch. Wenngleich etwas pauschal durch die letzten 150 Jahre des Residierens durchgeschlüpft, so fällt am vorläufigen Ende dieser Entwicklung doch auf, dass der soziale Wohnbau für die breite Masse noch nie so unbeschwert und locker vom Hocker gegangen ist wie heute. Allem voran: ein gewisser Grad an Humor und an Individualisierung des Kollektivs.

Den Wunsch nach Individualität hat auch schon der Bauhaus-Architekt und „De Stijl“-Mitbegründer Jacobus Johannes Pieter Oud in seinem 1925 erschienenen Essay „Ja und Nein“ ausgesprochen. In diesen - wie er es nennt - „Bekenntnissen eines Architekten“ schreibt er: „Ich sehne mich nach einer Wohnung, welche alle Anforderungen meiner Bequemlichkeitsliebe befriedigt, doch ein Haus ist mir mehr als eine Wohnmaschine.“ Im Hinterkopf die Kritik am Maschinell-Seriellen, am permanent Gleichen, wird sich Ouds Kritik auch als Kritik an der Moskauer Narkomfin-Siedlung von Moses Ginsburg aus dem Jahre 1929 und den Unitées d'Habitation von Le Corbusier herausgestellt haben.

Auch heute noch lässt sich vielen heimischen Wohnbauten trotz 50 oder gar 80 dazwischenliegender Jahre eine Ähnlichkeit zu Ginsburgs oder Le Corbusiers Architektur nicht absprechen. Der State of the Art orientiert sich nach wie vor an den Errungenschaften der ewig gelobten und zitierten Moderne. Auch wenn sich das bisweilen allein auf die Ästhetisierung der eigentlich ja nie gestalteten, sondern immer nur „von innen nach außen“ entstandenen Fassade bezieht.

Zurück nach Wien, zurück ins Jetzt. Einmal Artec und einmal querkraft haben an unterschiedlichen Orten eben erst zwei völlig unterschiedliche Wohnbauten fertig gestellt, der eine steht in Margareten, der andere in Favoriten. Ihre Gemeinsamkeit jedoch liegt in einer gewiss hohen Übereinstimmung mit J. J. P. Ouds ehemals geäußerter Abneigung gegen eine Wohnmaschine. Schlagwort „flexible Grundrissgestaltung“: Vom riesigen Single-Loft bis zur kompakten Fünf-Zimmer-Wohnung reicht das genutzte Angebot beider Architekturbüros, kreuz und quer durcheinander geschachtelt und ineinander verkeilt. Dass das Durcheinander nicht nur den Grad des Innenausbaus, sondern letztlich auch das Bewohnerspektrum betrifft, ist in einer Umgebung gründerzeitlicher Monotonie eine wertvolle Nebenwirkung.

Die Artec-Architekten, weithin bekannt als Asketen des Materials und darum bemüht, dasselbe immer in seiner ursprünglichen Form zu verwenden, setzen auf Beton, Glas und Stahl. Die Mischek-Betonfertigteile sind mit zahllosen Tiefen und Vor- und Rücksprüngen vorgefertigt worden. Das Resultat erinnert an eines dieser 3D-Puzzles aus Karton, mit denen sich an mittelalterlich bedruckten Bergfrieden durch vorsichtiges Stecken eckige Erker andocken ließen. Diesmal jedoch in Artec-gerechtem Sichtbeton, versteht sich. „Der Eindruck des Skulpturalen stellt sich bei Bauwerken ein, die über eine sehr ausgeprägte strukturelle Komponente verfügen“, erklären die Artec-Architekten Bettina Götz und Richard Manahl und deuten dabei auf die Loggien und Balkone, die unterschiedlich weit die Straße überragen. Ein Spiel aus Vor und Zurück, als wäre jede Loggia eine Lade, die von innen heraus von unsichtbaren Hausgeistern gezogen und geschoben wird.

Und das fesselt. Denn das Haus hat eine große Fernwirkung. Nicht selten bleiben Passanten an dieser Kreuzung stehen, wo drei Straßen in einen Platz einmünden, und blicken etwas skeptisch acht Stockwerke hoch. Was man von da unten sieht, ist eine Collage aus Beton mit davor gesetzten Gitterrosten. Dass die kühle Strenge nicht allen gefällt, liegt auf der Hand. Doch selbst wenn spätestens im nächsten Sommer der Zufallsgenerator eingeklemmte Schilfrohr-Matten und darüber geworfene Perserteppiche hinzufügen wird, so animiert dieser Gedanke weniger zu einem Kopfschütteln als zu einem Lächeln. Selbst den beiden Architekten - auf der permanenten Suche nach der „komplexen Schönheit des Zufalls“ - kommt das durchaus gelegen.

Schließlich konnten es sich selbst diese beiden Asketen nicht verkneifen, ihrer Authentizitäts-These zum Trotz, im Spalt des optisch nach außen dringenden Stiegenhauses Farbe über acht Stockwerke zu gießen. Jedes Reglement lebt erst durch seine Ausnahmen - und das satte Grasgrün, das da aus der eigentlich recht unerotischen Zone der Vertikalerschließung in den Straßenraum dringt, ist sexy. Egal, ob Wand, Decke, Stiegengeländer, Liftschacht oder Türen - es grünt so grün, wenn Hundsturms Blüten blühen!

Grün ist auch die Leebgasse im ursprünglichen Arbeiterbezirk Favoriten. Wenngleich erst seit ein paar Wochen. Denn wenn schon von Erotik die Rede ist, so war diese Gasse ganz bestimmt meilenweit davon entfernt. An der querkräftigen Hausnummer 46 ragen nun Halme und Farne über die Straße. „Nur eine flexible Hülle zu bauen ist zu wenig“, erzählt querkraft, „ein Haus braucht ein Gesicht, vor allem im sozialen Wohnbau.“ Und in der Tat: Welch schönere Geste kann man sich in einer gänzlich zugebauten Gründerzeitgasse vorstellen, als etwas Grün eingestreut zu bekommen?

Konkret: Das Haus ist komplett verglast, als Gegenstück zu den hofseitigen Loggien ragen begehbare Gesimse (so die bauordnungsgemäße Definition der schmalen Stege) über die Straße. Glas auch hier. Um die Einblicke etwas zu filtern, hat Grafikerin Stephanie Lichtwitz, bekannt seit der grafischen Gestaltung für das Kunsthaus Graz, im Siebdruckverfahren ein unregelmäßiges Geflecht aus grasgrüner Flora auf die Glasscheiben drucken lassen.

Für innen also reine Funktion, für außen ist es nichts anderes als städtische Poesie. Genauso wie die dazwischengeworfenen Balkontüren, die diesmal - entgegen den Regeln der Baukunst - nicht transparent, sondern dicht sind. Nicht etwa weiß oder grau, sondern auch hier: tiefes, sattes Grün. Ein Alltagsbonus am Rande: Das bedeutet Geborgenheit im Winter, im heißen Sommer hingegen lassen sich die undurchdringlichen Elemente öffnen - eine Maßnahme, die die Fassaden in den Wohnräumen auf ein Minimum reduziert.

Ob es jedem gefällt? Und querkraft antwortet: „So ein Haus darf es geben, denn in einer Großstadt gibt es ja zum Glück ein breites Angebotsspektrum.“ Manchmal also ist es besser zu polarisieren. Denn Architektur ist und bleibt eine Frage des Geschmacks. So auch die Farbe. J. J. P. Oud im Jahre 1925: „Ich schwärme für die Wiederbelebung der Farbe in der Architektur.“

80 Jahre später geht sein Wunsch - zumindest auf lokaler Ebene - in Erfüllung: Wien blüht in Grün! Denn Humor darf sein. Und gleich daneben gesellt sich die chromatische Metapher, die vielleicht für einen neuerlichen Aufbruch im sozialen Wohnbau steht.

7. August 2004 Spectrum

Ein Hallo aus dem Hang

Wie eine Zunge streckt sich plötzlich eine grüne Plattform von der Straße weg, schleckt die Weite der Natur ab. Die neue M-Preis-Filiale im Osttiroler Matrei. Ein Lokalaugenschein.

Früher hätte man es noch des öfteren mit dem Michelfeit-Logo verwechselt. Ein weißes M auf rotem Hintergrund, der parasitäre Michelfeit-Punkt vom kleinen i machte den einzigen Unterschied. Nein, hier geht es um keine Möbelhaus-Promotion, die Rede ist vom M-Preis. Eine Tiroler Lebensmittelkette, Ursprünge irgendwann in den Zwanzigerjahren, Gründerin Therese Mölk (daher also das M). So weit, so biografisch. Bis sich schließlich eines Tages Architekt Heinz Planatscher eines frei stehenden Neubaus in Sillian annahm - an ein dekonstruktuvistisches Frühwerk Frank O. Gehrys erinnernd - und gleich das neue M-Logo auf einem roten Würfel mit designte. Das war vor über zehn Jahren.

Seitdem expandierte M-Preis mehr und mehr auf bis zu 110 Filialen, punktet größtenteils mit seiner eigenen Logistik (Verzicht auf Warenlager, stattdessen tägliche Frischwaren-Belieferung vom Zentrallager aus), Jahresumsatz 400 Millionen Euro. Wäre da nicht noch die erfrischende Kleinigkeit der Architekturkomponente! Während es gerade im Gewerbe üblich ist, jede einzelne Marktfiliale vom Giebel über die Markise bis zum Türgriff mit corporate-designten Selbstzitaten auszugestalten, ist die Architektur von M-Preis keine Frage der Form, sondern der Positionierung. Geschäftsführer Hansjörg Mölk: „Die Herausforderung besteht darin, den Kunden nicht nur eine attraktive Produktauswahl, sondern auch ein räumliches Erlebnis zu bieten und ihnen den täglichen Einkauf zu verbessern. Gelungene Architektur fördert eindeutig das Wohlbefinden.“

Mittlerweile kann das Unternehmen auf über 20 Architekten zurückblicken, mit denen bisher zusammengearbeitet wurde. Kamen ursprünglich einzig und allein in Tirol ansässige Ziviltechniker zum Zug, wurde mit Dominique Perrault bei der Filiale in Wattens erstmals auch ein ausländischer Architekt beauftragt. International ist mittlerweile nicht nur das primäre Element des Bauens, längst auch schon das sekundäre Element der Rezension: Holzbaupreise, Architekturpreise, Bauherrenpreise, Auszeichnungen und Publikationen en masse. „Es gibt Supermärkte, super Märkte, und es gibt M-Preis“, schreibt in einer Schwerpunkt-Ausgabe das Lifestyle-Magazin „wallpaper“.

„Wenn man noch vor zehn Jahren erklärt hätte, dass einmal Lebensmittelmärkte, noch dazu in einer alpinen Region, Bestandteil eines modernen Architekturtourismus sein werden, wäre man als verrückt oder zumindest als Spaßvogel angesehen worden“, erklärte Friedrich Achleitner einmal in einer Architekturkritik. Wie die Zeit schnell vergeht, heuer ist M-Preis sogar schon Biennale-tauglich. Neben vier Architekturbüros nahm Kuratorin Marta Schreieck - und das ist eine Seltenheit - mit der Tiroler Lebensmittelkette auch einen Bauherrn mit ins Boot. Grund genug, im zeitlichen Voraus, abseits von venezianischem Pomp, Jubel und Trubel auf die neueste M-Preis-Filiale zu blicken. Der Standort: Matrei in Osttirol, der Architekt: Hans-Peter Machné. Die Filiale: in bewährter M-Tradition - wieder anders, wieder neu.

Feldertauernstraße. Rechts steigen die Hänge an, ohne Schnee ist das Bild der dahingleitenden Gondelboxen für unser Tirol-Klischee zu grün, irgendwie skurril. Weit hinter dem hoch gelegenen Sägezahn-Horizont der Bergkette verschwindet die Seilbahn im Nichts. Links ein geböschter Geländesprung, einige Meter darunter beginnt das Virgental. Grüne saftige Wiesen, ab und zu - als wären es grasende Kühe - irgendwelche typisch westösterreichische, mehr oder weniger schöne Holzkisten darin verstreut. Es ist ein ruhiges, aber sehr heterogenes Bild einer von Menschenhand bereits durchmodellierten Landschaft.

Wie eine Zunge streckt sich plötzlich eine grüne Plattform von der Straße weg, schleckt die Weite der Natur ab. Ihre Kanten sind weich, amorph. Da, wo die Zunge in die Straße mündet, schmiegen sich die beiden Kantenenden an die Straße an und kaschieren den Geländesprung. Unter der weit ausladenden Ebene - von Dach kann man hier kaum mehr sprechen - befindet sich das lang gestreckte Lebensmittelgeschäft. Die Fassade springt hinter die Dachkante weit zurück, im Freiraum sind auf diese Weise einige überdachte Parkplätze definiert. „Die fließenden Formen, die übers Eck jedoch kantig ausgeführt sind“, beschreibt Architekt Hans-Peter Machné, „sind Teil des Entwurfs, der im weitesten Sinne mit der Dualität zwischen Landschaft und architektonisch gesetzten Eingriffen spielt.“ Im Klartext: Rein grundrisstechnisch ordnet sich der M-Preis der städtebaulichen Situation unter, übernimmt Ausrichtungen und Achsen. Vom Ambiente her wirkt er aber weniger als Bauwerk denn als weit gerecktes Hallo aus dem Berghang heraus.

In dieser Ambivalenz zwischen Positiv- und Negativarchitektur ergeben sich freilich einige großartige Spielmöglichkeiten, die einem herkömmlichen Hochbau - zumindest konzeptionell - vorenthalten bleiben. Ach so oft spricht man von der berühmten fünften Fassade, vom berühmten Dach, aus dem man häufig mehr herausholen will, als ihm eigentlich innewohnt. Oft genug wurde die fünfte Fassade bereits intellektuell ausgestopft, visualisiert, cool gerendert. Allein, die potenziell Schaulustigen sind meist Vögel und Flugzeuge. Ob das denn dafür steht?

Im Falle von Matrei grenzt an den Supermarkt eine Skiliftstation an, der davon beschlagnahmte Berg steigt steil an, birgt Hänge und Einfamilienhäuser. Der Architekt: „Für die Integration des Bauwerkes in die Landschaft wurde das Dach und dessen Anschluss an die Umgebung in seiner Gestaltung als fünfte Fassade behandelt. Dies umso mehr, da das Dach vom Skilift aus gut einsehbar ist.“ Hier hat Machnés Dachlandschafts-Gestaltung Berechtigung, vor allem aber regt sie neben allem rationellen Background ganz einfach zum Schmunzeln an. Für das Kiesdach wurden zwei verschieden graue Kiesarten verwendet: Die hellere dient als Hintergrund, mit der dunkleren wurde emblemgerecht ein „M“ und ein „Preis“ hineingeschrieben. Eine Werbung XXL für alle Skifahrer und Bergsteiger - clever und erfrischend lustig! Im Winter ist das himmelwärts strebende Bild nicht etwa gesamtheitlich von Schnee bedeckt, sondern kommt als Negativrelief durch korrekt eingepasste Heizschläuche zum Vorschein. Im Angesicht des M-Preises schmilzt also selbst der tiefgefrorene Winterschnee dahin?

Im wahrsten Sinne des Wortes ist die Präsenz ausgereifter Architektur hier zu einem essenziellen Teil der Werbelinie von M-Preis geworden. Architektur als Imageträger, oder wie Machné betont: „Aufgrund der Architekturszene, die sich rund um M-Preis entwickelt hat, findet die Know-how-Weitergabe und der Austausch von Informationen vielfach bereits direkt zwischen den Architekturbüros statt - und jedes Büro versucht einen Schritt weiterzugehen.“ Von der Filiale bis zum Internetauftritt und zum mit Poesie bedruckten Verpackungsmaterial der Feinkostabteilung - hier geht der Gedanke des Interdisziplinären auf. In Matrei ist seit kurzem ein weiterer kleiner, aber feiner Beweis dafür vorzufinden.

5. Juni 2004 Spectrum

Poesie in Flaschen

Umgeben von Truman-Show-artigem Familienglück ein plötzlicher Rhythmuswechsel: ein Wochenendhaus im burgenländischen Podersdorf. Ohne Fenster. Der Ausblick findet statt, wo Architektur ausgespart wird.

Der Nutzen des Weins kann der Kraft der Götter gleichgesetzt werden", wusste Plinius schon vor knapp 2000 Jahren. Wirft man einen Blick auf all die Bauten, die sich - wenn auch nur an der Peripherie ihres Nutzens - dem Weine widmen, so darf man Plinius heute einen neuen Wahrheitsgehalt zusprechen. In vino also veritas, denn seien es nun irgendwelche Weinwelten, eines der unzählig neuen Weingüter oder auch nur der Entwurf für ein fesches Flaschenetikett, so haben sich Gestaltung und Erschaffung rund um Bacchus mittlerweile zu einer neuen und feinen Nische in der architektonischen Disziplin hochgemausert.

Wein sei Poesie in Flaschen, meinte der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson. Nun, heute ist Wein vor allem die Poesie der Werbebranche und des Marktanteils. Architecture sells immer und überall: Wo eine Marke zu platzieren ist, ist das permanente Pochen auf Name, Logo, Standort und nicht zuletzt auf die Unverwechselbarkeit unverzichtbar. Umso beruhigender jeder Versuch, der sich dem Wein aus einer anderen Perspektive nähert.

Weingärten, grüne Streifen, eine linierte Landschaft. Ein Blick, eine Rahmung, ein eingefangenes Bild. Braun, Grün, Blau. Einmal im Jahr, während der Lese, knallblaue Bottiche auf den Rücken der Weinbauern. Idyllisch verklärt? Es ist die Landschaft, in die das burgenländische Podersdorf eingebettet ist. Dreht man sich kurz auf das Dorf zu, sehnt man sich gleich wieder nach der eingerahmten Idylle des Weins, möchte sich wieder abwenden vom Dorf. Zu Recht. Denn was sich hinter einem auftut, ist ein Truman-Show-artiges Spektrum an seriell aneinander gefügtem Familienglück. Das Orangerot der Tonziegeldächer (die Werbebranche war auf diesem Gebiet sehr erfolgreich) und die hellblauen und vanillegelben Putzfassaden ersticken jeden grünen Versuch der umliegenden Weingärten.

Doch: gegen Ende der Häuserzeile ein Rhythmuswechsel des Bebauten. Als Abschluss das Wochenendhaus eines Ärzteehepaares. Das Haus, es ist still. Der Architekt Johannes Baar-Baarenfels: „In diese ambivalente Situation zwischen banalem Gebauten und gekämmter Landschaft durfte nur ein sprachloses Haus gelegt werden.“ Zur Straße hin ist es nicht nur sprachlos, sondern geradezu stumm. Eine kurze Unterbrechung in der Baufluchtlinie ist eine deutliche Zäsur zum Nachbarhaus, markiert den Übergang zum Minimalistischen. Danach beginnt eine weiß verputzte Mauer. Kahl, allein drei vertikale Glaskiemen in der eigentlich fensterlos gedachten Fläche stellten sich als möglicher Kompromiss zwischen Bauherrschaft und Gemeinde heraus.

Wo die Fenster sind? Es gibt keine Fenster. Denn Architekt Baar-Baarenfels hat lediglich architektonische Elemente wie Körper, Säule, Wand und Dach aneinander gefügt. Teilweise sogar ohne Kontakt zueinander. Der Ausblick findet dort statt, wo Architektur ausgespart und daher mit Glasflächen abgeschlossen wurde. Fast könnte man meinen, man hätte dies einzig und allein den rauen Winterverhältnissen zum Trotz getan. Nicht zur Straße hin wird hinausgeblickt, sondern - als logische Konsequenz der prädestinierten Grundstückslage - auf die angrenzenden Weingärten und in den Himmel hinaus. Hier werden jene bewusst komponierten Bilder gerahmt, die die wenigen Hauptmotive während eines Wochenendes fernab großstädtischer Hektik sein sollen.

„Die Funktion muss auf die wesentlichen Dinge beschränkt sein“, so die Bauherren, „eine reduzierte Architektur wie diese war die einzig mögliche Konsequenz unserer Vorstellungen.“ Der Architekt fasst seine Methode noch präziser und spricht von „stripped to bare“. (Allein schon dem Begriff zuliebe müsste man an dieser Stelle jeden auch nur annähernd intellektuellen Diskurs über das Haus beenden.) Bis auf die nackte Haut also ausgezogen, war die Poesie des Ortes wichtiger als das Feilschen mit architektonischen und technischen Feinjustagen, die nun weder aufdringlich noch erkennbar sind. Das Pultdach beispielsweise - eine Art halbes Satteldach und mit 30 Grad die flachstmögliche Interpretation der hiesigen Baubestimmungen - ist zwar (bauphysikalisch bedingt) stolze 45 Zentimeter dick, doch wo die Auskragungen auf Wärmedämmung verzichten konnten, haben Isokörbe ihren Part übernommen und das Dach an seinen Kanten somit auf gerade einmal ein Viertel der Dicke verringert. Understatement als Planungsprämisse?

Jede Zurückhaltung der architektonischen Komponente ist Gewinn für den Bauherrn. Das macht das Projekt allen ELK-Fertighausvarianten und cool designten Architekturalternativen (schwebenden Kartoffeln, lindgrünen, windschief verzerrten Wohngebilden und aufdringlichen Selbstdarstellungsikonen) gegenüber höchst sympathisch. In letzter Instanz hat das auch die Gemeinde erkannt, die nach einem dreijährigen Kampf um die Baugenehmigung zu guter Letzt all ihre Vetos zurückgezogen hat. Doch es war nicht nur ein Kampf mit juristischen Details, sondern auch mit Spenglern, Glasern und Steinmetzen. Wie auch immer, am Ende sind die auskragenden Steinstufen nun vorgespannt, die großen Glasflächen selbst am Eck rahmenlos, die Spenglerdetails auf das Minimum reduziert oder gar entfallen. Ungewöhnlich auch die Innenraumbeleuchtung im Wohnzimmer, denn die konvexe Dachuntersicht wird indirekt beleuchtet. Und zwar durch wetterfeste Halogenleuchten von außen. Das bringt erstens die nötige Distanz, um auf der gewölbten Fläche eine schöne Lichtstreuung zu erzielen, zweitens bleiben selbst bei geöffneten Türen sämtliche fliegenden, blutsaugenden kleinen Ungeheuer draußen, wenn sie den hellen Quell ihrer Freude umwerben.

Lichtführung, Material und Raumklima senken Geschwindigkeit und Puls beim Betreten des Hauses. Die brodelnde Ruhe ist das Außergewöhnlichste in diesen Räumen, wo - in der zeitgenössischen Architektur selten genug der Fall - das architektonische Auge mit dem Genius Loci Freundschaft schließen kann. Glas, weißer Putz und heller Naturstein bilden sowohl im Innenraum als auch von außen betrachtet den zurückhaltenden Hintergrund für das Rundherum. Man wird das Gefühl nicht los, man stehe in einer dreidimensionalen Fotografie, in der ein verspielter Grafiker die Farbsättigung bis auf den Grad eines Schwarzweißfotos verringert hätte. Mehr noch: „Anfangs wollten wir um das Haus weißen Carrara-Marmor streuen“, so Johannes Baar-Baarenfels, „doch die Blendung wäre im Sommer unerträglich geworden.“

Stattdessen griff man nun zum grauen Kies der örtlichen Schottergrube. Das Material, das recht unverfroren bis über die Grundstücksflächen hinaus verstreut wurde und unter dem selbst der flächenwidmungstechnische Gehsteig spurlos verschwunden ist, lässt genug Raum für Interpretationen: Etwas gröber als der feine Sand am Meer, ist es die Projektionsfläche für den hier aufgesuchten Freizeitgedanken; etwas feiner als steiniges Geröll, ist es die überschwänglich ausgestreute Barrikade, um die Grausamkeiten des Traditionellen bereits ante portas abzuwürgen. Ein Freizeitdomizil als kleiner, aber feiner heterotoper Mikrokosmos in und gleichzeitig außerhalb von Podersdorf? Eine starke Geste, eine Gratwanderung zwischen Aggressivität und Poesie.

19. März 2004 Spectrum

Zum Heulen!

Um die Gefühlskomponente in der Baukunst ist es schlecht bestellt, sowohl in der Praxis wie auch in der Theorie. Architektur ist und bleibt eine Disziplin allein des Intellekts. Leider. Ein Plädoyer für „Love, Sex and Architecture“.

Kennen Sie das Buch „Blume ist Kind von Wiese“? Eine Wiener Volksschullehrerin hat dafür jahrelang Begriffsumschreibungen von Kindern nichtdeutscher Muttersprache zusammengetragen. So lautet etwa die Definition von Philosophie: „Viel so viel, so viele Bücher, so viele Seiten, so viel denken, so viel Kopf.“ Aus geisteswissenschaftlicher Sicht eröffnet da ein Achtjähriger mit seiner Aussage freilich ein weites Kampffeld, doch er bringt auf den Punkt, was nicht nur die Geisteswissenschaften, sondern auch die Architekturpublizistik und -kritik so prägt. Denn was da alles gedacht, analysiert, hinterfragt und kritisiert wird, ist mitunter zum Gähnen. So schreibt etwa Fritz Neumeyer, Professor für Architekturtheorie an der Technischen Universität Berlin, in seinem Essay „Nachdenken über Architektur“: „Modernes Denken bewegt sich im Vernehmen und Einvernehmen dessen, was ist, und zugleich auch immer dessen, was
sein kann und folglich möglich sein soll.“ Alles klar?

Wie schön wäre es, wenn die verschiedenen Disziplinen in Symbiose existieren könnten. Doch anstatt einander zu bereichern und die Möglichkeiten zuzulassen, voneinander zu profitieren, ist es mit dem interdisziplinären Gedanken in Österreich nicht weit her, und an seine Stelle tritt das schöne, weil klare lineare Schema: Zuerst die Architektur, dann die dazugehörige Publizistik. Und so verkommt alles Denken über Architektur zu einem Hinterher-hecheln, je nach zu publizierendem Projekt einmal etwas fröhlicher, dann wieder in Trockenheit verröchelnd. „Es gibt so viele Möglichkeiten der Äußerung von Architektur, notwendige und überflüssige“, fasst Rem Koolhaas zusammen. „Deshalb wird Architektur für mich besser definiert, wenn nur das gebaut wird, was auf keine andere Art vermittelt werden kann.“ Und so klingt selbst einer, der in der gesamten Szene mit jedem neuen Projekt regelmäßig für Aha-Effekte sorgt und der gemeinhin nicht unbedingt als Pragmatiker und Utilitarist unter den Architekten gilt, plötzlich gleich wieder langweilig und unspektakulär.

„Warum sollen wir Dinge nur dann machen, wenn sie funktionell sind?“, kontert Françoise-Hélène Jourda, Architektin und Professorin an der Technischen Universität Wien. Von den Verboten und Voraussetzungen der modernen Architektur will sie gar nichts mehr wissen, denn immer nur politisch korrekte Konzepte seien auf Dauer langweilig. „Wenn wir es nur schaffen würden, zu Spaß und Freude zurückzukehren!“ Und auch der amerikanische Architekt Steven Holl ist der festen Überzeugung: „Der Kopf muss leer sein!“ Weshalb er das unbedingt sein muss? Falsche Frage - unverzüglich verstrickt sich Holl in Erklärungen und Hypothesen, im Nu ist das eben noch leere Denkzentrum des Menschen wieder bis zum Bersten gefüllt. Doch Aerobic für die Ganglien gehört in der Architektenschaft mittlerweile ohnehin zum guten Ton, man kann es drehen und wenden, wie man will: Architektur ist und bleibt eine Disziplin allein des Intellekts. Was schade ist.

Etwas mehr Esprit gefällig? Nun, statt immer nur zu denken, könnte man auch einmal lachen und weinen, vor Begeisterung hüpfen oder sich melancholisch hinter Jan Turnovskys Mauervorsprung verstecken (der den Versuch, Architektur nicht nur rationell, sondern eben auch einmal - beispielsweise - poetisch anzugehen, zumindest gewagt hat). Disneyland, Wurstelprater, diverse Pavillons auf diversen Expos, Themenparks und Kinoplexxxxe aller Art stellen unter dem subsummierenden Begriff Fun-Architecture dar, wie statt der Psyche nun Körper und Herz zum Zug kommen. Zwischen sprechenden Schlumpfhäusern, überdimensionalen Karotten und potemkinschen Renaissance-Städten fragt man sich letztlich nur, ob das denn tatsächlich sein kann, was Jourda unter Spaß und
Freude versteht.

„Die Architektur ist seltsamerweise nicht allen Modifikationen des Schönen zugänglich wie die übrigen Künste“, meint Dagobert Frey in seiner 1925 erschienenen Untersuchung „Wesensbestimmung der Architektur“. „Es gibt keine tragische und es gibt keine komische Architektur.“ Aber gibt es emotionale Architektur? Obwohl Bauwerke letztlich immer nur nach formalästhetischen und streng konzeptionellen Kriterien beurteilt werden, wird selbst erstsemestrigen Architekturstudenten bereits nahe gelegt, nicht nur an die Rezeptionsfähigkeit des Auges allein zu denken. Und so ist jedes Projekt plötzlich haptisch aufregend, ist in eine auditive Kulisse eingebettet, verströmt olfaktorische Reize und - na ja, mit dem Schmecken hapert's noch. Was neben allen intellektuellen und Sinneswahrnehmungen unterm Strich aber immer noch zu
kurz kommt, ist ironischerweise die Gefühlsebene selbst.

Die Emotion als verstümmelter Appendix am unbesiegbaren Architektenhirn? „Mittler zwischen Hirn und Hand ist das Herz“, verrät schon der Vorspann von Fritz Langs „Metropolis“ aus dem Jahre 1927, der sich mit der Trennung von Denken und Handeln befasst. Ein Dreivierteljahrhundert später hat sich die ehemals beherzte Feststellung zum modernen Slogan „Love, Sex and Architecture“ gewandelt. Während Hans Hollein bereits 1958 seinen unverschämten Skyscraper in Form eines erigierten Penis für Chicago entworfen hat (im Endeffekt nichts anderes als ein verfrühtes Achtundsechziger-Provokationsexempel mit Gefühlen und Trieben), hat es noch einige Jährchen gedauert, bis erste visionäre Ansätze in Österreich tatsächlich zum Tragen kamen. So beispielsweise der nackte Salzburger Triumphbogen der Künstlergruppe Gelatine im Sommer 2003. Der Triumph der einen währte nicht lange, tatsächlich nämlich durfte ihn letztlich die Prüderie für sich verbuchen.

Wenn es also darum geht, Architektur zur Abwechslung einmal emotional statt rational zu rezipieren, bleibt das Spektrum nach wie vor recht schmal. Stets eine Gratwanderung zwischen Kunst und Kitsch, ist es schlecht bestellt um die Gefühlskomponente in der Baukunst. Sowohl in der Praxis als auch in der Theorie. Denn Perzeptionswerkzeuge wie Herz und Emotionen, die in Kunst, Literatur und Musik geduldet, ja sogar gefordert sind, sind an dieser Stelle gänzlich verpönt. Ganz zu schweigen von Lachen und Weinen.

Stattdessen spricht man hierzulande gerne vom Auslachen, oder - auch das ist en vogue - etwas ist gleich einmal zum Heulen. Statt Lebensräume von Menschen zu optimieren, bemüht man sich meist nur um die Umwelt derjenigen, deren Fähigkeit und Bereitschaft zur Architekturauffassung unseren Insider-Maßstäben überhaupt erst gerecht wird. „Die Architektur von uns Architekten ist sicherlich steril und schematisch im Vergleich zur Sensibilität des Dichters“, meint Juhani Pallasmaa, Professor an der Universität Helsinki. Sein Plädoyer für die emotionale Komponente in der Architektur fällt unüberhörbar aus: „Das Spektrum der von der heutigen Architektur übermittelten Emotionen ist auf die visuelle ästhetische Komponente verengt, und es mangelt ihm sowohl am Extrem der Melancholie und Tragik als auch an dem der Ekstase.“

8. November 2003 Spectrum

Auf nach Disneylois

„Ich werde ständig gefragt, ob ich nun zum Winzer avanciert bin.“ Steven Holl, planender Architekt des „Loisiums“, über Weingärten, Kellergänge, Kork, grünes Flaschenglas, Etiketten und den Steven-Holl-Veltliner. Ein Gespräch.

Vor wenigen Wochen eröffnete das zungenbrecherische Loisium in - Langenlois. Was auf den ersten Blick das neue Produktionsgebäude eines Weinbauern zu sein scheint, entpuppt sich sehr bald als kommerzielles Schlaraffenland. Aber nichts anderes wollte die „Loisium Kellerwelt Betriebs GmbH“, die nun in der Loisiumallee 1 ihren neuen Sitz hat. Planender Architekt: der US-Amerikaner Steven Holl, Jahrgang 1947. Auf dem Programm stand nicht nur ein neues Besucherzentrum - man rechnet mit 150.000 Gästen jährlich -, sondern auch eine „Erlebniswelt“: Da kann man nun durch kilometerlange unterirdische Gänge waten und sich durch (mehr oder weniger) künstlerische Installationen beeindrucken lassen. Unter dem Motto „Machen Sie mit!“ also auf nach Disneylois!

Sie werden gern mit der Aussage zitiert: „Ich möchte jedes Projekt mit einem klaren und leeren Kopf beginnen.“ War Ihr Kopf beim Loisium auch leer?

Anfangs ja. Sehr leer und frei für Inspirationen. Zuerst besichtigte ich die Weingärten und sah das gesamte Grundstück. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch überhaupt keine Idee, wie das Projekt aussehen könnte. Heute sieht man, dass es sich sehr stark an den umliegenden Weingärten und vor allem an den unterirdischen Weinkellern orientiert. Die Morphologie dieser Kellergänge beziehungsweise Tunnelröhren schlägt sich nun in der Form der Glaseinschnitte im Kubus nieder, auch im Griff des Haupteingangs. Dieses Konzept ist schon der allerersten Skizze abzulesen, die nun als Etikett auf der Flasche des Steven-Holl-Veltliners verkauft wird. Ich werde übrigens ständig gefragt, ob ich zum Winzer avanciert bin.

Wenn man neben den Weinkellern nun auch die Weingärten betrachtet - in welchen Teilen des Projekts tauchen die auf?

Irgendwer sagte mir unlängst: „Ach, das Gebäude sieht eigentlich nicht danach aus, dass es irgendwas mit Weingärten zu tun hätte.“ Tut es aber doch, und zwar in einer sehr abstrahierten Form. In sehr ungewohnter Weise entsteht durch die Lichteinschnitte ein neues Bild von den Weingärten rundherum, die Blickbezüge und das Einfangen von Bilden in verschiedenen Formaten sind ein essenzieller Bestandteil dieser Korrelation zwischen dem Loisium und dem Wein. Das Gleiche trifft auf das Material zu: Ich habe beispielsweise noch nie ein Projekt mit Kork gemacht, und hier ist gleich der gesamte Innenraum damit ausgelegt. Auch in den Glasbrüstungen kehrt er wieder, das sieht man an den wasserstrahleingeschnittenen Löchern, die die Struktur des Korks imitieren. All diese Ideen resultieren aus der Tatsache, dass der Kopf am Beginn leer war, um Gefühle und Inspirationen zuzulassen. Alles ändere wäre persönlicher Stil und vorgefasste Meinung.

Wie in Ihren Aquarellen ist eines der immer wiederkehrenden Grundbestandteile Ihrer Projekte das Licht. Welche Rolle spielte das Licht beim Loisium?

Beim Loisium geht es um Inversion, um das Gegenüberstellen von Gegensätzen: Die Weinkeller sind dunkel, das Loisium ist hell. Wo es unter der Erde dunkel ist, ist hier nun eine Öffnung, die Tageslicht in den Raum bringt. Die Figur des unterirdischen Kellers wird zum Schlitz in der Fassade, der Tageslicht in den Raum bringt. Und dann gibt es da noch einen zweiten Punkt: Im gesamten Innenraum gibt es keinen einzigen Pfeiler, keine einzige Säule. Diese urtypische und klassische, ja fast schon archaische Komponente der Architektur kommt als Abbild dennoch vor: Im Verbindungsgang zu den Kellerwelten befinden sich in der Decke fünf kreisrunde Bullaugen, die in Form von „Lichtsäulen“ Licht nach unten führen. Die Fläche über den Bullaugen ist mit Wasser gefüllt, sodass sich unten Lichtreflexionen des plätschernden Wassers an Wand und Boden abzeichnen.

Ist es aber nicht so, dass Sie durch die Lichtsäulen und durch die anderen Einschnitte in die Hülle des Loisiums so viel Licht einfangen, dass der Raum für eine geheimnisvolle, sakrale Stimmung bereits zu hell ist?

Was aus meiner Sicht im Nachhinein nicht gelungen ist, ist das grüne Glas, mit dem einige Fensteröffnungen verblendet wurden. Die ursprüngliche Idee war, in Anlehnung an die gesamte Thematik, grünes Flaschenglas zu verwenden. Da das technisch nicht möglich war, mussten wir auf eine Variante zurückgreifen und haben ein gewölbtes Glas mit einer grünen Folie laminiert.

Das Loisium wirkte auf den Modellfotos viel wuchtiger und größer, in Wirklichkeit sieht es ein bisschen geschrumpft aus.

Der gesamte Baukörper ist um fünf Grad gekippt. Diese Neigung kommt zum einen dem Raumeindruck zugute, da der Innenraum auf Grund seiner nicht versehrten, sondern nur gekippten kubischen Form als Einheit wahrnehmbar bleibt. Und es ist damit auch gelungen, das Einsinken des Baukörpers in die Erde sichtbar zu machen. Dass man dieses Versinken nun auch in Wirklichkeit bemerkt, ist vielleicht der Grund dafür, dass das Gebäude kleiner erscheint. Ich sehe das aber nicht als Nachteil. Ganz im Gegenteil: Das Loisium ist eine Landmark geworden - und auf die Größe beziehungsweise deren optische Erscheinung allein kommt es da nicht an.

Ihre Projektpartner, Franz Sam und Irene Ott-Reinisch, haben angemerkt, wie aufwändig das Projekt und wie schwierig viele Detaillösungen waren. Ott-Reinisch im O-Ton: „Holl arbeitet skulptural, ihm geht es ums Licht, er kümmert sich nicht um Technik.“

Die technischen Details wie Haustechnik, Klimakonzept und die überaus schwierige Statik - das alles sind wichtige Themen, die dieses Projekt geprägt haben. In Kombination mit dem großen Zeitdruck - die Bauzeit hat nur neu Monate betragen - waren das nicht gerade die günstigsten Umstände für eine reibungslose Umsetzung. Die beiden hatten sicher eine harte Zeit, aber sie haben es in den Griff bekommen und gut gemanagt. Ich denke, das war eine Partnerschaft, die als Konstellation geklappt hat und wo jeder seinen Part eingebracht hat.

Haben Sie bei den Kellergängen auch ein Wörtchen zu sagen gehabt?

Oh nein, in diese disneylandartige Sache war ich nicht involviert.

Wie gehen Sie mit dem kommerziellen, diesem disneyartigen Loisium-Hype inmitten dieser „malerischen“ Naturlandschaft um?

Ich hätte mir gewünscht, da unten einfach die nackten Gänge zu belassen, anstatt sich auf Inszenierungen einzulassen. Aber die Realität ist eben nicht so clean, wie sie auf Renderings und Fotomontagen dargestellt wird. Was wir lernen müssen, und das haben viele Architekten noch nicht kapiert, ist, mit Kompromissen umzugehen. In den seltensten Fällen steht ein Gebäude so solitär da, wie es den vermeintlich perfekten Umständen entsprechen würde. Stellen Sie sich vor, ich plane ein Innenstadt-Café mit ausgefuchsten Details à la Carlo Scarpa und inszeniere jede einzelne Kante. Was passiert? Daneben schießt plötzlich ein 99-Cent-Store aus dem Boden! Da knallen doch zwei Realitäten aufeinander. Es ist ganz einfach: Es gibt das eine, und es gibt das andere - und beides ist okay.

Es gibt das eine, das andere - und am Hotel, dem dritten Teil des Projekts, arbeiten Sie noch. Wie geht es da weiter?

Die Bauherren sind einfach großartig: Sie wollten kaum etwas geändert haben. Und so geht es nun auf in die nächste Projektphase. Das Gesamtkonzept des Loisiums ist recht simpel: Es gibt drei Projektteile, die sich auf ihrem Grundstück beziehungsweise in der Erde unterschiedlich verhalten: Die alten Weinkeller befinden sich unter der Erde, das eben fertig gestellte Loisium steckt schief in der Erde, und das Hotel - noch etwas weiter oben - befindet sich auf der Erde, wird also vollkommen überirdisch sein. Das Hotel als letztes Teilstück des Projekts ist daher sehr wichtig, da es essenzieller Bestandteil des Konzepts ist. Geplanter Baubeginn ist März 2004. Genaueres will ich noch nicht verraten - bis dahin muss die Zeichnung auf dem Weinetikett herhalten!

17. Mai 2003 Spectrum

Schweizer Kiste mit Loch

In der Nacht leuchtet es in allen Farben, bei Tag nimmt es sich so weit zurück, dass seine Textur nur noch Spiegel ist: Lentos, das neue Linzer Kunsthaus. Zur Eröffnung am 18. Mai: eine Begehung.

Graz darf alles, Wien ist anders, in Linz aber beginnt's. Während man sich bisher über die dämli che Phonetik des Werbeslogans permanent den Kopf zerbrochen hatte, was denn da eigentlich beginne, gibt es seit kurzem eine erste zufrieden stellende Antwort. „Das Lentos ist mittlerweile der wichtigste Punkt in der Stadt geworden“, erklärt Bürgermeister Franz Dobusch. Museumsdirektor Peter Baum schwärmt von der „wunderbaren Leuchtmöglichkeit im Sinne eines Juwels“, unterm Strich aber ist bald klar, dass der neue Solitär an der Donau eine Diskussion ausgelöst hat, die sich im internationalen Wettbewerb behaupten wird können.

Am 16. November 1998 wird nach einem zweistufigen Wettbewerbsverfahren aus 219 Beiträgen der Sieger bestimmt. Das Projekt mit der Nummer 212 wird zur Realisierung empfohlen. Im Vergleich zwischen dem Siegerprojekt und dem heutigen, fertig gestellten Gebäude fällt auf, dass die Zürcher Architekten Weber + Hofer ihren Entwurf konsequent durchziehen konnten, ohne den Sex-Appeal des neuen Museums im Zuge der Planung geschmälert zu haben. Und das ist bei Wettbewerbsprojekten im öffentlichen Bereich keine Selbstverständlichkeit.

Die architektonische Hülle als Behältnis für die Kunst ist in einigen Landeshauptstädten bereits Thema qualitativ tief greifender Auseinandersetzungen geworden. Das Kunsthaus Bregenz von Peter Zumthor, das Kunsthaus Graz von Cook & Fournier, das noch heuer eröffnen wird, und nun das neue Lentos in Linz, spezialisiert auf Malerei des 20. Jahrhunderts, Grafik und Fotografie. (Lentos ist der keltische Name für Linz und bedeutet „an der Krümmung des Flusses liegend“, die kantige Alliteration macht das neue Museum zum Brandname.) Im Gegenzug: In Wien hat man zwar das außergewöhnliche MUMOK, wäre aber froh, wenn es nicht so wäre - denn anstatt sich auf einen normativen Diskurs über Museumsarchitektur einzulassen, überlegt man sich lieber, wie man am besten kreisrunde Bullaugen in die Sockel historischer Gebäude einschneiden kann. Der Deckmantel für die praktizierte Still-alive-Postmoderne ist der viel zitierte Bildungsauftrag, der in Wien offensichtlich gewichtiger ausfällt als anderswo - Beteiligung des Bundes am Bau des Lentos: null Euro.

Architekt Jürg Webers Trostpflaster: „Linz hat sich in politischer Hinsicht als so dynamisch herausgestellt - ein Mitspracherecht des Bundes hätte die ganze Abwicklung möglicherweise nur verkompliziert.“ Und so finanzierte man die „Schweizer Kiste mit Durchblick“, wie Direktor Baum das Konzept umreißt, aus Land, Stadt sowie privaten und öffentlichen Sponsorengeldern. Projektkosten: 33 Millionen Euro, Bauzeit: 29 Monate. Was macht die Schweizer Kiste also aus? „Wenn man das mit der bildenden Kunst vergleichen würde“, so der Architekt, „würde ich sagen, es ist Minimal Art, also die Reduktion auf das absolut Notwendigste.“ Im konkreten Fall ist das Notwendigste ein quaderförmiger Bau, der auf einer Länge von 130 Metern das vorrangige Wettbewerbsgebiet komplett ausfüllt. Die äußerste Hülle, das sind bedruckte Glasplatten. Das Loch in der Kubatur ist das Endergebnis einer städtebaulichen Überlegung: „Linz hat eine sehr schöne Stadtsilhouette, bei so einem niedrigen Gebäude ist es aber schwierig, zu diesem Stadtbild beizutragen.“ Anstatt mit dem Bauwerk also einen weiteren Hügel in der Skyline zu produzieren, haben Weber + Hofer das Gebäude zu einem Donaufenster reduziert, durch das sie auf die bereits vorhandene Skyline verweisen. Das eingefangene Bild im Panoramaformat zeigt die Kirchtürme im Stadtteil Urfahr, den Hintergrund bildet der mächtige Pöstlingberg. Oder anders: den Inhalt des Museums metaphorisch nach außen gekehrt, nichts anderes als eine zeitgenössische Antwort auf die Fotografie, Größe XXL.

Die Spannweite dieses schwebenden Balkens beträgt stolze 60 Meter, weit und breit keine Säule. Allein schon auf Grund der temperaturbedingten Materialausdehnung zwischen Sommer und Winter war es notwendig, den schwebenden Gebäudeteil als Brücke auszubilden. Wie ein riesiges Vierkantrohr aus Stahlbeton liegt das Galeriegeschoß wie auf Brückenpfeilern auf. Und zwar ohne das statische System jemals zum Selbstzweck zu erklären, wie es in der zeitgenössischen Architektur mittlerweile zum guten Ton gehört.

Bürgermeister Dobusch erinnert sich, wie während des Baus über den Stahlbetonkasten noch geschimpft wurde, aber „es hat einen großen Wandel in der Akzeptanz des Bauwerks gegeben“. Kein Wunder, denn seitdem hat sich auch einiges geändert. Diese Veränderung ist neben dem markanten Durchblicksfenster schließlich zur zweiten Visitenkarte des Lentos geworden: eine umgebende homogene Glashülle, die über den gesamten Baukörper gezogen wird. In einem Abstand von 80 Zentimetern zur Wand sind insgesamt 1800 Verbundsicherheitsgläser punktgehaltert. Wozu das Ganze? Ein ausgefuchstes, aber simples Manöver, wie man aus der zwar dreidimensionalen „Schweizer Kiste“, die an jeder Seite letztendlich dann aber doch nur zweidimensional ist, einen skulpturalen Baukörper machen kann, der auch in der Fläche noch Raum erzeugen kann. Ein Spiel mit Oberflächen und Oberflächlichkeiten also: 35.000 Mal ist der Schriftzug „kunstmuseum lentos“ in einer total reflektierenden Chromfolie angebracht. Aus der Nähe betrachtet, spiegelt man sich zwischen den Buchstaben in der diffusen Art und Weise, wie man das aus Schaufenstern kennt. In den spiegelnden Buchstaben aber kann man sich selbst und das reflektierte Stadtleben hinter sich dann genauer unter die Lupe nehmen.

Auf die Stadt übertragen, ergibt das nicht nur eine Vielschichtigkeit der Hülle, sondern auch eine der Erscheinungsformen: In der Nacht leuchtet das Gebäude wie ein diszipliniertes Feuerwerk in allen erdenklichen Farben und Helligkeiten. Am Tag hingegen gibt sich der Bau abweisend. Oder aber das Sonnenlicht wirft den Schatten der Chrombuchstaben auf die dahinter liegende dunkelgraue Ebene und erzeugt Tiefenschärfe. Oder - und das ist der subtilste Minimalismus am neuen Linzer Kunstmuseum - der Bau nimmt sich so weit zurück, dass seine Textur nur noch Spiegel für die Umgebung ist.

Jürg Weber: „Bauen ist nicht nur das Herstellen von Räumen, sondern ist immer auch ein Bauen der Stadt.“ Mit dem neuen Lentos ist ein Raum für Kunst geschaffen worden, der in sich stimmig und ruhig genug ist, um die Kunst Kunst sein zu lassen. Der Aspekt der Kunst ist vielmehr in den Außenraum getragen worden, um im Zwischenspiel verschiedenartiger „Bilder“ den österreichischen Städtebau um eine neue Facette zu bereichern.

9. Mai 2003 Spectrum

Mit a bissl Gstätten

Er ist wahrlich ein Unikum, der erste naturnahe Erlebnisspielplatz Wiens: Das Stadtgartenamt überließ die Planung Privaten - und die bezogen gar die Kinder in den Entscheidungsprozess ein.

Alles kann man nicht wissen. Auch nicht als Architekt. Wenn es die Bauaufgabe also erfordert und einem der Stoff ausgegangen ist, wendet man sich an Chefköche, Schwimmbadexperten, Krankenschwestern oder Bestattungsunternehmer. Sie alle wissen es in ihrem Metier jeweils besser und stehen dem Architekten mit Rat und Tat zur Seite. Einzig den Jüngsten unserer Gesellschaft schenkt man wenig Vertrauen - das Allround-Argument: „Wir waren sowieso alle einmal Kinder.“ Dieses „sowieso“ wird zu einem sehr relativen Begriff, wenn der besagte Zustand einmal mehr als ein viertel oder halbes Jahrhundert zurückliegt.

Kinder besitzen Kompetenzen und Fähigkeiten, die ihnen Erwachsene nicht zutrauen. „Schon mit zwei bis drei Jahren können Kinder über sich selbst reflektieren und Entscheidungen treffen“, bemerkt Richard Schröder in seinem Buch „Freiräume für Kinder(t)räume“. Die Siebziger- und Achtzigerjahre waren rege Zeugen von Projekten, in die Kinder einbezogen wurden. Doch die Schul- und Wohnbauten aus dieser Zeit blieben allein, der Aspekt der Wirtschaftlichkeit hat dem idealistischen Bestreben dieser wenigen Architekten ein rasches Ende bereitet.

Umso erfreulicher ist nun ein Comeback in Wien-Hietzing: der erste naturnahe Erlebnisspielplatz. Ein Partizipationsprojekt, in das Erwachsene und Kinder gleichermaßen einbezogen wurden. Der Prozess reicht bis ins Jahr 1998 zurück, als der damalige Landtagsklub des Liberalen Forums eine Untersuchung zu Spielplätzen in Wien durchgeführt hat. Gibt es in Wien einen naturnahen Erlebnisspielplatz? Das Resultat war verheerend, weit hinter den Vorreitern Bayern und Zürich dümpelte irgendwo Wien.

Naturnähe bedeutet hierzulande Rindenmulch auf dem Boden und Sandkisten aus Vollholz, die Erlebniskomponente beschränkt sich auf die Schaukelei. „Naturnah bedeutet: nichts einzuzäunen, nichts zu versiegeln, sondern mit natürlichen Mitteln eine Landschaft zu bauen“, erklärt Volker Dienst von „in progress consulting“, zuständiger Koordinator des Projekts, „naturnah bedeutet aber auch, eine gewisse Gstätten zu akzeptieren.“ Ex-Stadträtin und Vizebürgermeisterin Grete Laska ließ das damals aber kalt, sie machte sich um die ohnehin guten Spielmöglichkeiten in Wien keine Sorgen. Und so sah sich die damalige Landtagsabgeordnete Michaela Hack-Sauer dazu veranlasst, im Wiener Gemeinderat ein Pilotprojekt zum Thema „Naturnaher Erlebnisspielplatz“ zu beantragen: keine Thujen, kein Gummibelag, keine Hundewiese unter blühenden Holunderbüschen. Stattdessen eine kleine Stadt-Oase, in der ausnahmsweise einmal nicht die Architekten und Magistrate das alleinige Sagen haben. Damit wird das Projekt dem neuen deutschen Kinder- und Jugendhilfegesetz gerecht, das Städte und Gemeinden auffordert, Kinder und Jugendliche zu beteiligen, und in dem es in ¶ 8, Abs. 1 heißt: „Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen.“ In Österreich ist ein entsprechender Passus auf Bundesebene nicht zu finden.

Wien ist - damit rühmt man sich heute immer noch - anders, aus der zuständigen Magistratsabteilung 42 (Stadtgartenamt) hörte man stolz: „Wir haben noch nie eine Projektplanung aus der Hand gegeben!“ Zum Glück haben sie es dann aber doch noch getan. Im Hietzinger Stadtteil Speising ist am Furtwänglerplatz letzte Woche der erste Spielplatz dieser Art fertig gestellt worden, für die Landschaftsarchitektur zeichnet das Büro „PlanSinn“ verantwortlich. Auf 5000 Quadratmetern gibt es einen Rodelhügel, verschlungene Wege und Wiesen, die je nach Topografie für Ballspiele zum Teil gemäht, zum Teil aber auch dem natürlichen Wachstum überlassen werden.

Doch dann fängt erst die Kür an: eine Schaukel für mehrere Kinder, eine Sandfläche, die über den Kistenstatus hinausgeht und in die man auf einem flachen Steg mit dem Rollstuhl hineinfahren kann, eine in der Sandfläche stehende mechanische Wasserpumpe und damit auch die daraus resultierende Konsistenz Matsch. Klettergestelle in den verschiedensten Formationen und Weideskulpturen, die gemeinsam mit den Kindern gebaut wurden und in die man hineinkriechen kann. Zu guter Letzt ein „Baumhaus ohne Baum“, aus einem Wettbewerb an der TU Wien hervorgegangen, an dem 600 Studenten teilnahmen und den Belinda Kainrath für sich entscheiden konnte.

Ein Juwel in Hietzing? „Die MA 42 wollte ständig alles einzäunen“, erklärt Michael Mellauner von „PlanSinn“, doch man müsse sich einmal vor Augen halten: „Die Einzäunung richtet sich nie an die Kinder, sondern immer gegen die Hunde.“ Statt eines Zauns ist die gesamte Spielfläche nun von einem leichten Niveausprung gesäumt. An der Geländekante sind sogenannte Gabionen zum Einsatz gekommen, „ein archaisches Element, das zwischen Künstlichem und Natürlichem steht“, so Mellauner. Man kennt die mit Steinen gefüllten Stahlgitterkäfige unter anderem von Herzog & de Meuron, die im Dominus-Weingut in Nappa Valley diese Gabionen erstmals zu einem architektonischen Gestaltungselement erklärt haben. Praktisches Detail am Rande: Die Gitter sind genau so grob, dass man in Kinderpatschen bequem drüberstapfen kann, für die Hundepfote wird's aber schon schmerzhaft.

„Freude am Abenteuer und Bestehen eines Risikos als Bestandteil des Spielwertes sind im Rahmen kalkulierter spielerisch-sportlicher Betätigung erwünscht“, schreibt die Deutsche Internationale Norm DIN 18034 über Spielplätze und Freiflächen zum Spielen vor. Wird das auch praktiziert? „Leider überhaupt nicht“, so Michael Mellauner, „wir haben nun für einen Park gekämpft, in dem man zumindest auch Essbares finden kann. Der erste in Wien!“ Im Klartext: Die Kinder können selbst entscheiden, ob sie von Kriecherln, Preiselbeeren oder von zwar essbaren, aber nicht eben wohlschmeckenden Beeren naschen möchten. Am Ende bleibt die Erfahrung am eigenen Leibe.

Und wo liegt nun die Partizipation an diesem Projekt? Sie liegt im relativ geringen Mehraufwand, nicht im Alleingang drauflos zu planen, sondern sich in jeder Planungsetappe mit Anrainern und Kindern zusammenzusetzen. Volker Dienst: „Insgesamt vier Informationsabende mit den Anrainern, an denen sie mit abstimmen und mitentscheiden können, und ein dreitägiger Workshop mit Kindern, deren Resultate dann in die Planung von ,PlanSinn' eingeflossen sind.“ Keine Hexerei also. Den planenden und ausführenden Instanzen wird zwar keine Arbeit abgenommen, doch sie können sich von konkreten Wünschen inspirieren lassen. Im Gegensatz zur allseits prakti-zierten „Wir-waren-sowieso-alle-einmal-Kin- der“-Attitüde ist diese Lösung eine Auseinandersetzung mit fundierten Tatsachen. Hoffentlich müssen nicht wieder zwanzig Jahre vergehen, bis jemand die Größe beweist, Verantwortung zu delegieren und sich über die bereichernde Komponente der Mitbestimmung drüberzutrauen.

Mittwoch, den 14. Mai, wird der erste naturnahe Wiener Erlebnisspielplatz um 15 Uhr eröffnet (Wien XIII, Furtwänglerplatz).

29. März 2003 Spectrum

Albatros, fliegend

Ach ja, das Schweben... Unerfüllte Sehnsucht von Architekten, Designern und Pro-Ego-Almdudler trinken-den Yogis. Anmerkungen zur neuen Strabag-Zentrale auf der Donauplatte.

EXPO 95, Wien - Budapest. Alles ausgebaggert, vorbereitet, geplant. Doch plötzlich blieben die Flächen leer, und so beschloss man in Wien kurzerhand, ein zweites Zentrum zu machen. Nach kaum sieben Jahren und einer zugebauten Donauplatte - allein zwei Grundstücke sind noch nicht verwertet - ist vor allem eines festzustellen: Fernab aller stadtplanerischen Diskurse kann man Atmosphäre wohl nicht gleich mit den Hochhäusern mitbauen, sondern muss abwarten. Abwarten, bis der Genius Loci eines Tages Einzug halten wird.

Doch bis es so weit ist, hat es keinen Zweck zu jammern. Und so befindet sich ein weiteres Projekt im Endspurt, Bezug im Sommer, Eröffnung im Herbst. Angesiedelt zwischen Ares-Tower und Tech-Gate, mit dem sich Holzbauer die eigene Sicht vom Andromeda-Veteranen hinaus auf die Donau verstellt hat, arbeitet die Strabag an ihrer neuen Konzernzentrale. Der Entwurf stammt aus der Feder der Architektenpartnerschaft Ernst Hoffmann und Franz Janz. Sinn und Zweck des Projekts: die Instanzen aus den derzeitigen drei Wiener Standorten unter einem Dach zusammenzufassen - ein Prestigeprojekt, das als solches gemeint war und als solches erkennbar sein wird.

Zwar ordnet sich die neue Strabag-Zentrale auf den ersten Blick dem bekannten Donauplatten-Kanon unter (kühl, streng, tot), doch auf den zweiten Blick ist es endlich wieder ein Projekt, das nach einer Flut gesichtsloser Klötze wieder an die Eleganz des deluganschen Riegels anknüpft. Die grundlegende Idee ist genauso rasch erklärt, wie man sie erkennt: Ein achtgeschoßiges, zackiges „S“ (S wie Strabag?), das unter Verschränkungen von 30 Grad die Fluchten der Neuen Donau und der umliegenden Straßen aufnimmt, wird um vier Vollgeschoße angehoben. Das Resultat: ein fliegender Albatros, stolze 13 Meter über Grund schwebend.

Ja, das Schweben . . . Unerfüllte Sehnsucht von Architekten, Designern und Pro-Ego-Almdudler trinkenden Yogis. In der Praxis werden es dann doch wieder mehr Stützen als im viel versprechenden Konzept, statt der schwebenden Baukörper sitzt dann meist ein Stahlbetonbaumhaus auf den obersten Wipfeln der Stahlbetonstämme. Welches Wunder also geschah, dass das Schweben der Strabag-Zentrale nun doch kein reiner Verkaufsgag war?

Die Antwort lautet: Statikerwettbewerb. Aus mehreren Entwürfen namhafter Statikbüros fiel die Entscheidung zu Gunsten des statischen Entwurfs von Gmeiner & Haferl, die nicht, wie üblich, auf Zug beanspruchte Stahlbauteile als hängendes „A“ einsetzten, sondern das statische Konzept auf den Kopf stellten und somit in ein stützendes „V“ verwandelten. So wird die Last der acht Geschoße direkt in die drei Stiegenhauskerne und in die herumstehenden Stahlbetonpfeiler eingeleitet. Das klingt zwar wieder einmal nach Stahlbetonwald (vor lauter Bäumen sieht man das Schweben des Hauses nicht mehr), doch die notwendigen statischen Elemente wurden in ihrer Anzahl auf ein Minimum reduziert und sind von der Fassadenfluchtlinie weit ab- und in die Gebäudemitte eingerückt. Die Konstruktion erscheint zurückhaltend, die Auskragung ist beachtlich.

Was außen konzeptionell stark begonnen hat, findet im Innern seine Fortsetzung: Die Büros folgen einem strengen modularen Raster, das nicht einmal der Statik erlaubt hineinzupfuschen. „Das ist unsere Vorstellung vom Bauen, und zwar im bildlichsten Sinne vom Aufbauen eines Hauses. Wir möchten immer den Rohbau vom Innenausbau trennen“, erklärt Architekt Franz Janz. Die Gründe sind evident: Erstens kann es irgendwie witzig sein, wenn zwei Systeme haarscharf aneinander vorbeilaufen (Architektenhumor), zweitens muss man im millimetergenauen Innenausbau nicht die üblichen fatalen Bau-Ungenauigkeiten des Rohbaus ausmerzen.

Das erlaubt in der Folge freilich die fescheren Details. Und davon gibt es eine Menge: Deckenelemente, die sich zur Glasfassade hin verjüngen und von außen betrachtet freilich sehr zart wirken; innen liegende Rollos, die mehr oder weniger luftdicht in der Führung sitzen, um die erwärmte Luft zwischen Glasfassade und Rollo absaugen zu können; viele integrierte Beleuchtungsideen; standardisierte Glasschiebetüren - und ein Farbkonzept von Oskar Putz, der die Teeküchen und WC-Boxen farblich hervorgehoben hat. Oskar Putz - die (etwas zu vorsichtig) wohlportionierte Menge an Lebensfreude im Innenraum, denn sonst ist alles aluminiumgrau, stahlgrau, RAL-grau, teppichgrau und mausgrau. Fast hat man das Gefühl, dass Hoffmann und Janz so viel Mut in die Statik investiert haben, dass für den Pinsel nicht mehr viel übrig blieb. Bleibt zu hoffen, dass die 800 farbigen Krawatten der Mitarbeiter die Fröhlichkeit des Farbkünstlers weiterspinnen werden.

Doch wenn einen nicht die Farben zum Kribbeln bringen, dann wohl zumindest Ausblick und Höhe. Man steht am Fenster und sieht unter dem seitlich anschließenden Trakt schon die Neue Donau. Da gibt es tatsächlich eine Anzahl an Arbeitszimmern, die einen im Panoramaausblick auf andere Arbeitszimmer und auf die Umgebung darunter die üblichen Dimensionen des Geschoßbaus neu überdenken lassen. Spätestens hier - beginnt man zu schweben.

Ein Gefühl, das in Zukunft nicht den „Strabagenten“ vorbehalten bleibt, sondern auch unzähligen anderen Glück bescheren können wird. Statt des ursprünglich angedachten Fitnesscenters im Dachgeschoß werden nun ein Restaurant und eine Bar als Aussichtsplattform über Wien fungieren. Und wer vor lauter Höhenangst den Weg ins Dachgeschoß nicht finden wird, ist auch auf ebener Erde gut aufgehoben. Sieben sogenannte „Kristalle“ - Glas-Stahl-Konstruktionen, die unter dem aufgeständerten Riegel in der Erde stecken - bergen infrastrukturelle Einrichtungen, die auf der Platte bisher nicht oder nur wenig zu finden waren: einige Restaurants, Shops, eine Veranstaltungshalle und vor allem das Strabag-Kunstforum, das sich der Förderung von Jungkünstlern verschrieben hat. Kunst zur Abwechslung einmal auf der anderen Seite der Donau - dem gebührt Respekt.

Alles in allem lockern die sieben kristallinen und windschiefen Boxen das konsequente und strenge Konzept von Hoffmann und Janz wieder etwas auf, was dem Projekt (und der Platte) sicherlich gut tut. Andererseits aber verlangen sie der Schlankheit des Projekts wiederum etwas Aufmerksamkeit ab: Wo im Endeffekt unten weniger Luft durchzischt, schwebt es oben auch weniger. Somit schaffen es Hoffmann und Janz, selbst aus diesem atemberaubenden Ding ein vergleichsweise unprätentiöses Projekt zu machen. Eine Geisteshaltung, die irgendwie sympathisch erscheint, bedenkt man, dass der Rest der Architekten meist zur gegenteiligen Masche neigt. Ob es jetzt sehr viel oder doch nur etwas weniger kribbelt, wenn man vor der neuen Strabag-Zentrale steht? Ein Urteil diesbezüglich scheint in Anbetracht aller übrigen Umstände unbedeutend.

11. Januar 2003 Spectrum

Und oben drauf einen Hut!

Es scheint der Mode zu entsprechen, bei Dachaufbauten die vorhandene Substanz als reine Erhöhung für das neu zu Errichtende zu benutzen. So kommt das Neue schön zur Geltung.

Was haben wir da nur geerbt vergangenes Jahr? Einen Haufen Schwierigkeiten, eine Quelle des Zwiespalts, lauter brisante Fragen. Wien im neuen Kleidchen, adrett herausgeputzt für den frischgedruckten Tourismusfolder - und im Rucksack eine aufgebürdete Portion Weltkultur. Da wird die neue Verleihung plötzlich zur Waffe gegen Fortschritt, zum omnipotenten Vorwand für alles mögliche, allem voran für die Beibehaltung der Schandflecke und Sauhaufen in dieser Stadt.

Das totgeredete Projekt Wien-Mitte stellt indessen andere Themen in den Schatten: Wie kann es sein, daß man sich über das eine Projekt die Köpfe einschlägt, auf der anderen Straßenseite aber deutlich weniger Hähne nach dem Unesco-Prädikat krähen? Da steht es also: das hübsche Hotel Hilton, bemühter Versuch, Bauhaus mit Jugendstil zu verweben. Der 18stöckige Bau galt schon zu seiner Eröffnung im Sommer 1975 als fragwürdig: „Als einziger Zierat Balkongitter, die so aussehen, als hätte sich ein nordafrikanischer Gastarbeiter den Scherz erlaubt, vierhundertmal das Wort Kitsch in arabischer Schrift schmiedeeisern zu verewigen“, schrieb ein politisch unkorrekter Rudolf John damals im „Kurier“.

Seit einem Vierteljahrhundert macht es schon ein bißchen auf Skyline, ließ sich irgendwann den fünften Stern wieder nehmen und galt seither als schwarzes Schaf unter den Luxushotels. „Wien kann auf sein Hilton stolz sein, denn es gleicht schier in nichts den anderen Hiltons überall auf dieser Welt“, schrieb „Die Presse“ am 7. Juni 1975. 27 Jahre darauf wurde das Wiener Hilton verkauft und wird nun umgebaut und aufgestockt. Geschätzte Baukosten: 175 Millionen Euro.

Während es in Österreich Brauch geworden ist, daß kleinformatige Zeitungen großformatige Projekte durch den Schlamm ziehen, bis sie zu Fall gebracht sind, verliert man dortselbst über das rege Treiben im dritten Wiener Gemeindebezirk kein Sterbenswörtchen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Käufer sind Hanno Soravia - und Christoph Dichand, der sich im Schatten seines Vaters offenkundig sicher fühlen kann; planender Architekt wiederum ist Hans Hollein. Die Mischung könnte kaum besser sein: Macht und Marie haben sie alle.

Der erste Schritt ist getan, der letzte Gast ausgecheckt, in wenigen Tagen wird das gesamte Inventar des Hotels versteigert werden. Wenn es nach Plan geht, rollen in Kürze die ersten Bagger und Kräne an. „Die Fassade soll in den Grundelementen erhalten werden“, erklärt der Architekt.

Ein wenig holleinisiert wird sie wahrscheinlich aber doch werden. Das letzte Geschoß, das sich durch den Fassadenrücksprung von den anderen 17 Geschoßen abhebt, wird abgetragen; an seine Stelle tritt ein markanter dreigeschoßiger Aufbau. Die Stahl-Glas-Konstruktion schwebt deutlich über der vorhandenen Bausubstanz und verwendet diese nun als Podest. Der Architekt klopft sich auf die Schulter: „Fast wie eine dahinflimmernde Wolke!“

Hollein, jahrzehntelang Wiener Verkörperung der Postmoderne, entdeckt eine neue Formensprache: Was sich beim „News“-Tower als Schuhschachtel-Erker über der Taborstraße angekündigt hat, kulminiert in den aktuellen Projekten Monte Laa und Hilton als kristallines Schuhschachtel-Geschwür, als ob es in der x- und y-Achse horizontal explodieren würde. Selbstzitat und Schöpfer scheinen großen Gefallen aneinander gefunden zu haben. Doch zugegeben: Effekt und Ästhetik sind überzeugend.

Und auffällig. Auch für die Behörden. Zunächst einmal muß alles dem Flächenwidmungsplan entsprechen, bei der Baupolizei eingereicht und vom Fachbeirat für Stadtgestaltung abgesegnet werden. Und dann könnten auch noch der Kunstsenat und die Zentralvereinigung der Architekten ihren Senf dazugeben. Viele Entwürfe von vielen Architekten schaffen diese Hürden gar nicht erst. Da gehört nämlich auch eine gehörige Portion Glück dazu. Zum Beispiel das Glück, Hans Hollein zu sein. Und als solcher nicht nur das Projekt zu planen, sondern auch Präsident von besagtem Kunstsenat zu sein. Und auch von der Zentralvereinigung der Architekten. Und natürlich auch vom Fachbeirat für Stadtgestaltung. Nun, da hat man es freilich schon ein wenig leichter, wenn man gleichsam Partei und Richter in einem ist. Wenigstens kann man Hollein keine Freunderlwirtschaft vorwerfen, dazu sind bekanntlich mindestens zwei notwendig.

Auch was Wien an Aufstockungen sonst noch zu bieten hat, ist zumindest qualitativ mit einem Wort erklärt: Mix Max. Von den Spielen aus unserer Kindheit sicherlich eines der besten. Lustige Figuren, plakativ Berufe verkörpernd, sind der Lustigkeit halber horizontal geviertelt: unten Füße, darauf der dicke Bauch, dann der Kopf, als Abschluß ein Hut. Was man damit macht, muß an dieser Stelle nicht erläutert werden, jedenfalls haben am Ende alle großen Spaß gehabt und gelacht. Auf den Hochbau übertragen: Man mixt alles mögliche zusammen, um maximalen Nutzen zu erzielen.

Nicht selten entstehen dabei Gebäude, deren unterschiedliche Bestandteile scheinbar keinen Bezug mehr zueinander haben. Es scheint der aktuellen Mode zu entsprechen, dem Paradebeispiel Holleins zu folgen und im Zuge des Umbaus die vorhandene Substanz als reine Erhöhung für das neu zu Errichtende zu benutzen. So kommt das Neue schön zur Geltung.

Mit den Bauklötzen ausgetobt hat man sich in jüngster Zeit beispielsweise auch im zweiten Wiener Gemeindebezirk, einen Katzensprung vom Donaukanal entfernt. Hier thront „Galaxy 21“, ein altbekannter Freund, den einst die Fellners behausten. Martin Kohlbauer hat den Galaxy-Tower bis auf seine statische Struktur abgetragen, ihm eine neue, weiße Hülle verpaßt und einen sechsstöckigen Zylinder - sowohl in geometrischer als auch in kleidungstechnischer Hinsicht - aufgesetzt. Bei Kohlbauers Projekt ist ein geübter Architektenblick ratsam. Denn der Zylindergrundriß ist nicht kreisrund, sondern elliptisch, was angeblich der Schlankheit des Gebäudes zugute kommt.

Kohlbauer war auf Grund statischer Gegebenheiten im Umgang mit der Kubatur zwar stark eingeschränkt - für die 4100 Tonnen auf dem Dach mußte eine eigene Stützenkonstruktion bis zum Fundament durchgesteckt werden -, dafür folgt das Resultat aber auch dem Baukasten-Prinzip. Wie dem auch sei, Galaxy 21 ist „das Bürogebäude für die hohen Ansprüche des 21. Jahrhunderts“, versichert uns der Bauherr.

Mix Max inspiriert also rundum. So wie das Spiel seinen Reiz erst erhält, indem man sich nicht an den bereits vorhandenen Figurfragmenten orientiert, hat auch die Architektur ihre neuen Vokabeln entwickelt. Klar, Kontraste sind spannend. Und sie gehören mittlerweile zum guten Ton, unspannende Übergänge hingegen zum alten Eisen. So bringen die Beine des einen besser den Bauch des anderen zum Vorschein, dieser wiederum unterstreicht den Kopf des Künstlers. Ehe man sich's versieht, tüftelt man lieber an ausgefuchsten technischen Details des Aufbaus herum statt an einer ausgewogenen Gesamtkonzeption. Und so stülpt jeder seine feschen Denkmäler überall dort über, wo es unten noch recht mittelmäßig und oben schon ziemlich hoch ist.

Die vertikale Gliederung der Gebäude, wie sie in Wien zur Zeit überhand nimmt, ist an sich kein neues Phänomen. Die klassische Komposition Basis / Schaft / Kapitell beziehungsweise Sockelgeschoß / Regelgeschoß / Attikageschoß ist schon aus der griechischen Antike und aus dem Klassizismus des vergangenen Jahrhunderts bekannt. Doch unterschiedliche Motive bringen unterschiedliche Resultate zustande. Damals war es das Bestreben, die Elemente implizit zueinanderzufügen, heute ist es das Bestreben, eines davon explizit hervorzuheben.

Die Kritik gilt aber nicht allein den Architekten, sondern in erster Linie den kollegialen, familiären und sich auf die Schulter klopfenden Kontrollapparaten und Absegnungsinstanzen, in denen die besten Freunde zu Hause sind. Wird sich in den Gremien, Ausschüssen und Beiräten in Zukunft also etwas ändern? Wahrscheinlich nicht. Denn wer würde schon ernsthaft Macht und Marie abschlagen? Vor allem aber: In 70, 80 Jahren werden die heute ach so starken Kontraste längst verwischt sein, alles Moderne und Störende wird sich in Luft aufgelöst haben. Wer wird die Aufstockung des Hilton dann noch als Aufstockung wahrnehmen? Wer wird 2080 noch den Unterschied zwischen Siebziger- und Neunziger-Architektur des vorigen Jahrhunderts wahrnehmen können? Oder wem ist schon einmal die Naht aufgefallen, an der das herrschaftliche Ringstraßenhotel Imperial in den zwanziger Jahren aufgestockt wurde?

5. Oktober 2002 Spectrum

Wenn der Hamamci schrubbt

Weltweit sind sie im Rückzug, in Wien wird einer neu gebaut: ein Hamam, ein türkisches Bad. Markus Spiegelfeld und Szolt Wanger haben nicht plump Orientalismus in einen Wiener Keller implantiert, sondern beide Kulturkreise an der Gestaltung teilhaben lassen.

Francesco, ein erfolgreicher römischer Architekt, erbt von seiner Tante, die sich schon vor langer Zeit in Istanbul niedergelassen hat, einen Hamam. Er bricht in die türkische Metropole auf, um seine Erbschaft anzutreten und sie daraufhin zu verkaufen, schließlich kommt doch alles anders. Der vorerst noch kühle und unsympathische Römer beschließt, in Istanbul zu bleiben, um gemeinsam mit Freunden und Bekannten seiner Tante den alten Hamam zu restaurieren. Wie zu erwarten war, verfällt Francesco während seiner Arbeit allmählich den Reizen dieser Stadt . . .

Regisseur Ferzan Ozpetek beschreibt in seinem 1997 erschienenen Film „Hamam“ das türkische Bad (wie auch der aufschlußreiche deutsche Untertitel ausgefallen ist) als einen Ort der Ruhe, der Inspiration, der homoerotischen Erlebnisse, schließlich als einen Ort, der die Liebe zu einer Kultur geweckt hat. Konstruierte Gefühlsduselei auf höchster Stufe? Und dennoch ein Film, der in den österreichischen Köpfen nachhaltige Bilder vom türkischen Baden produziert hat.

Verläßt man das Terrain der städtischen Hallenbäder, so ist in Wien das Saunieren bisher eine eher subkulturelle Angelegenheit für aufgeschlossene Paare. Das öffentliche Baden findet bestenfalls im Tröpferlbad statt, doch auch das ist schon längst zum Relikt vergangener Zeiten verkommen. Statt dessen (und wohl einige Preisklassen darüber) eröffnet dieser Tage (am 18. Oktober) ein Hamam. Christine Ruckendorfer, in Wien lebende Projektentwicklerin und Immobilienmaklerin, die vor vier Jahren das leerstehende Erdgeschoßlokal am Fuße der Mariahilfer Straße entdeckt hat: „Ich war fassungslos, mitten in der Stadt 1600 Quadratmeter zu finden, die so verwahrlost waren.“ Ob von Anfang an ein Hamam geplant war? „Das öffentliche Baden hat mich zwar immer schon fasziniert, doch erst mit dem Ort entstand die Idee.“ „Aux Gazelles“ - der frankophile Name des neuen Hamams in der Rahlgasse verspricht zum arabischen Raum eine größere Affinität als zum kleinasiatischen und signalisiert zudem, daß dieses Bad nicht in erster Linie ein multikultureller Beitrag zum Stadtleben, sondern eher „très chic“ ist.

Dadurch widerspricht der erste Eindruck der ursprünglichen Idee des Hamam-Besuchs, wie sie in dieser Form vor rund 800 Jahren in Anatolien entstanden ist. Damals vermischten sich die Rituale der Türken mit denen der Römer und Byzantiner: öffentliches Baden, nach Geschlechtern getrennt. Wichtiges Element ist das heiße und feuchte, aber ausgewogene Raumklima, das durch hypokaustische Wärme, also durch Beheizung über den Stein an Wand und Boden, erzielt wird. Die Architektur der ersten Hamams war maßgebend für die darauffolgenden Jahrhunderte: Nach einer genau vorgegebenen Raumabfolge betritt man den eigentlichen, achteckigen Waschraum. Das Oktogon - als polygonale Nachempfindung des vollendeten Kreises - ist durch eine Hauptkuppel bedeckt und erschließt kleinere, symmetrisch angeordnete Nischen, in die man sich zur Intimreinigung zurückziehen kann.

Der traditionelle Waschgang dauert einige Stunden, teilweise mit stoischem Daliegen auf den beheizten Marmorplatten, damit sich in der Hitze die Hautporen öffnen können, teilweise mit Selbstwaschung unter Zuhilfenahme von Kupferschalen. Den Höhepunkt eines Hamam-Besuchs bildet der Hamamci, der mit einem grobgewebten Tuch die abgestorbenen Hautzellen abschrubbt und dem westeuropäischen Besucher nach qualvollen Schmerzen lange Zeit in verklärter Erinnerung bleibt.

Einer der berühmtesten Hamams ist der Cemberlitas-Hamam in Istanbul, 1584 erbaut vom bekannten Architekten Mimar Sinan. Doch wer hat nun den Hamam in Wien gebaut? Heidulf Gerngroß erstellte das erste Konzept, wollte sich mit der Idee eines türkischen Bads nicht so recht anfreunden, präsentierte für das alte Gemäuer unter der Rahlstiege schließlich Entwürfe für ein Bierlokal. Ein Hamam in Wien? - Nein, das sei nicht systemimmanent. Der britische Architekt John Pawson kassierte daraufhin rund 30.000 Euro, um seine Bauherrin mit unbezahlbaren plätschernden Flüssen und Bächen für sich zu gewinnen. Der Grazer Architekt Hannes Lackner war ebenfalls bald aus dem Rennen, blieben letztlich nur noch Markus Spiegelfeld und Szolt Wanger, die das vorportionierte Projekt nun bis zur Umsetzung begleitet haben.

„Ich habe mir anfangs einfach immer die falschen Architekten ausgesucht“, blickt Christine Ruckendorfer zurück, „in vier Jahren fünf Architekten und 27 Mitarbeiter zu verschleißen war kein Vergnügen für mich.“ Viele Köche verderben den Brei, könnte man auf Anhieb meinen.

Und auf Anhieb könnte das auf „Aux Gazelles“ auch zutreffen. Doch bei genauerer Betrachtung haben Spiegelfeld und Wanger sensibel auf die Bauaufgabe reagiert. Nicht auf plumpe Art und Weise implantierten sie ein türkisches Bad in einen Wiener Keller, sondern ließen beide Kulturkreise gleichwertig an der Gestaltung teilhaben. Die unverputzten Spuren der Tonnengewölbe sind genauso ablesbar wie die sanften Pastelltöne auf ed-len Materialien; ein überdachter Gründerzeit-Innenhof als Bindeglied zwischen den beiden marmorverkleideten Hamams für Männer und Frauen.

Das beinahe Orientalische - will man der vorgefundenen Atmosphäre überhaupt einen Namen geben - ist in der architektonischen Umsetzung der vielen kleinen Räume als abstrahierte und zeitgenössische Metapher zu verstehen und nicht als sinnentleerter, disneyfizierter Orientalismus, der über alles Vorgefundene gestülpt wird, wovon beispielsweise viele österreichische Thermenhotels zeugen.

Während in Wien eines gebaut wird, sind die türkischen Bäder weltweit im Rückzug.

Vor 30 Jahren schon klagte Dogan Kuban, einst Direktor der TU Istanbul, über das Aussterben der Hamams: „Das Erhitzen von Wasser, die zahlreichen Reparaturen und die hohen Erhaltungskosten werden immer teurer.“ Die Errichtung eines Hamams in Wien wirkt Kubans frühen Zweifeln nicht entgegen, sondern verstärkt sie. Eine exotische und technisch unkonventionelle Bauaufgabe bringt hohe Errichtungs- und Erhaltungskosten mit sich, diese wiederum wirken sich auf den Eintrittspreis aus. Genau darin - da behält Heidulf Gerngroß recht, wenn er von Systemimmanenz spricht - besteht die langfristige Gefahr, Konzept und Publikum zu verfehlen.

Mit der Zeit und mit den Besuchern wird sich also weisen, ob „Aux Gazelles“ eine kulturelle Bereicherung für diese Stadt sein wird oder ob die 50.000 in Wien lebenden Türken und Araber nur ein Vorwand dafür sind, einen weiteren Lifestyle-Tempel für eine zahlungswillige gehobene Klientel zu eröffnen.

Publikationen

2024

Wien Museum Neu

Der Band ist eine visuelle und essayistische Reflexion über ein bedeutendes Kultur-Bauprojekt an einem der zentralen Orte Wiens in unmittelbarer Nachbarschaft zu Karlskirche, Künstlerhaus und Musikverein.
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Müry Salzmann Verlag

2022

mittendrin und rundherum
Reden, Planen, Bauen auf dem Land und in der Stadt Ein nonconform Lesebuch

Seit über 20 Jahren ist nonconform in Deutschland und Österreich in der räumlichen Transformation tätig. Architektur ist für das interdisziplinäre Kollektiv nie bloß ein fertiges, fotogenes Resultat, sondern immer auch ein lustvoller, horizonterweiternder Prozess, in den die Bürger:innen einer Gemeinde,
Hrsg: Wojciech Czaja, Barbara Feller
Verlag: JOVIS

2022

Brick 22
Ausgezeichnete internationale Ziegelarchitektur

Vom handgemachten Ziegelstein zum hoch entwickelten modernen Produkt: Das Bauen mit gebrannten Tonblöcken schöpft heute aus einem Erbe von neun Jahrtausenden Baugeschichte und dank ihrer vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, ihrer konstruktiven Qualitäten und ihrer Nachhaltigkeit sind Ziegel bis heute
Hrsg: Wienerberger AG
Autor: Wojciech Czaja, Anneke Bokern, Christian Holl, Matevž Celik, Anna Cymer, Isabella Leber, Henrietta Palmer, Anders Krug
Verlag: JOVIS

2021

Frauen Bauen Stadt

Wie weiblich ist die Stadt von morgen? Im Jahr 2030 werden weltweit 2,5 Milliarden Frauen in Städten leben und arbeiten. Traditionell war die Arbeit am Lebenskonzept Polis in ihrer Beauftragung, Planung und Ausführung jedoch männlich dominiert. Frauen Bauen Stadt porträtiert 18 Städtebauerinnen aus
Hrsg: Wojciech Czaja, Katja Schechtner
Verlag: Birkhäuser Verlag

2020

Almost
100 Städte in Wien

Was macht ein Reisender, wenn er nicht reisen kann? Er reist trotzdem. Wojciech Czaja setzte sich im Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 aus Frust auf die Vespa und begann, seine Heimatstadt Wien zu erkunden. Er fuhr in versteckte Gassen, unbekannte Grätzel und fernab liegende Adressen am Rande der Stadt
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Edition Korrespondenzen

2018

Hektopolis
Ein Reiseführer in hundert Städte

Jede Stadt ist anders. Jede Stadt hat ihren eigenen Charakter, aber auch ihre ganz eigenen Geschichten. Der vielreisende Stadtliebhaber Wojciech Czaja widmet sich in seinem Buch Hektopolis genau diesen ortsspezifischen, feinstofflichen Beobachtungen, Erlebnissen und Anekdoten. Porträtiert werden hundert
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Edition Korrespondenzen

2017

Motion Mobility
Die neue ÖAMTC-Zentrale in Wien

In einem von der Grundstückssuche bis zur Fertigstellung interdisziplinären Prozess planten Pichler & Traupmann Architekten, FCP Fritsch, Chiari & Partner als Ingenieure und das Beratungsunternehmen M.O.O.CON in Zusammenarbeit mit der Agentur Nofrontiere Design und SIDE Studio für Information Design
Autor: Wojciech Czaja, Matthias Boeckl
Verlag: Park Books

2012

Wohnen in Wien
20 residential buildings by Albert Wimmer

Wie wohnen die Wienerinnen und Wiener? Inwiefern decken sich architektonisches Konzept und gelebter Alltag? Der Architekturjournalist Wojciech Czaja und die Fotografin Lisi Specht werfen gemeinsam einen Blick hinter die Fassaden des geförderten Wiener Wohnbaus und bitten die Mieter und Eigentümerinnen
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: SpringerWienNewYork

2012

Zum Beispiel Wohnen
80 ungewöhnliche Hausbesuche

Wohnen ist eine zutiefst persönliche Sache. Kein Raum in unserem Leben steht uns so nahe wie unsere eigene Wohnung, wie unser eigenes Haus. Die beiden Autoren Wojciech Czaja und Michael Hausenblas reisen quer durch Österreich und sind zu Besuch bei Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Wirtschaft. Die
Autor: Wojciech Czaja, Michael Hausenblas
Verlag: Verlag Anton Pustet

2007

91° More than Architecture

Architektinnen und Architekten sind Arbeitstiere. Viele von ihnen arbeiten zehn Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 50 Wochen im Jahr. Die wenige Zeit, die zwischen den dichten Arbeitsstunden noch übrig bleibt, ist wie ein Heiligtum und muss als solches respektiert werden. In diesem Sinne ist 91°
Hrsg: Wojciech Czaja, Eternit Österreich, Dansk Eternit Holding
Verlag: Birkhäuser Verlag

2007

Periscope Architecture
gerner°gerner plus

Vor zehn Jahren haben Andreas und Gerda Gerner mit einem Einfamilienhaus begonnen: „Für ein erstes Projekt ist das Haus Hinterberger sehr unkonventionell. Wir haben uns permanent gefragt: Trauen wir uns das? Seitdem hat man sich oft aus dem Fenster gelehnt“ Entstanden ist das schwebende Haus Südsee in
Hrsg: GERNER GERNER PLUS.
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Verlag Holzhausen GmbH

2005

Wir spielen Architektur
Verständnis und Missverständnis von Kinderfreundlichkeit

Was ist eigentlich ein Kind? Der Jurist wird uns darauf eine andere Antwort geben als der Soziologe, der Pädagoge eine andere als der Philosoph. Und der Architekt? Wird er schweigen und weiterbauen?
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Sonderzahl Verlag