Bauwerk

Appartment- und Geschäftshaus Kammerlander
Tisserand Schaller - Neukirchen am Großvenediger (A) - 1999
Appartment- und Geschäftshaus Kammerlander, Foto: Günter Kresser
Appartment- und Geschäftshaus Kammerlander, Foto: Günter Kresser
Appartment- und Geschäftshaus Kammerlander, Foto: Günter Kresser
Appartment- und Geschäftshaus Kammerlander, Foto: Günter Kresser

Temporäres Wohnen in den Bergen

Der Tourismus im alpinen Raum „boomt“ nach wie vor. Ein gelungenes Beispiel für das Bauen in den Alpen ist das von den Architekten Alain Tisserand und Gerhard Schaller mit Fraucke Aschenbeck geplante Appartement- und Geschäftshaus Kammerlander in Neukirchen, am Rande des Naturschutzparks Hohe Tauern.

4. April 2001 - Gabriele Ruff
Für den Bauherrn, der bereits seit Jahren ein bestehendes Hotel im Ortskern betreibt, bestand der Wunsch, ein zusätzliches Appartementhaus für seine Gäste in zeitgemäßer Architektur zu bauen.

Der Bauplatz am Ortsrand, mit der unmittelbaren Anbindung an die Liftstation Wildkogelbahn, ist ideal für ein Gästehaus. Der Neubau ist in zwei Baukörper gegliedert, die im rechten Winkel zueinander stehen. Er nimmt verschiedene öffentliche und private Nutzungsbereiche auf. Die beiden Volumen umschließen einen durch großteilige Betonplatten gegliederten Platz, dessen Kommunikationszentrum eine kleine offene Skibar ist.

Im Erdgeschoß sind die Verkaufsräume eines Sportgeschäftes, eine Skischule sowie die örtliche Gendarmerie untergebracht. Das natürlich belichtete Untergeschoß nimmt den Skiverleih mit Werkstätten und Serviceräume auf. Das Obergeschoß mit den zweigeschoßigen Appartements ist auf ein komfortables Wohnen ausgerichtet.

Zwei Merkmale charakterisieren den Außenbereich des Bauwerks. Zum einen die Differenzierbarkeit der verschiedenen Nutzungsbereiche, die durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien gegeben ist, zum anderen die Korrespondenz der Schwellenbereiche zwischen Innen-und Außenraum. Die Fassaden der Geschäftslokale mit ihrem öffentlichen Charakter sind aus Glas.

Der Wohnbereich ist mit einer Haut aus Lärchenholzprofilen bekleidet, die Bezug auf die regionale Tradition nimmt. Der Wohnraum mit der Loggiaanbindung öffnet sich nach Westen. Das als eigenständiger Bauteil wirkende Rückgrat des weiß verputzten Loggienkörpers lässt sich als Stabilisator oder Stütze zum Hang hin sehen. Das gebogene Pultdach mit seinem vorbewitterten Titanzinkblech überspannt den Hauptkörper aus Lärchenholz und „dockt“ an die weiße Loggienzeile an. Senkklappfenster in den Schlafräumen der Galerieebene sind wie eine Serie großer Monitore, in die Fassade eingesetzt, durch die der Blick auf das Gebirgspanorama im Osten geleitet wird. In ihren Ausmaßen sind sie so dimensioniert, dass sie ausreichend Raum zum Sitzen oder Liegen bieten.

Neben der Intimität des Schlafens öffnet sich in der Galerieebene ein halb privater Bereich, der eine indirekte Beteiligung am öffentlichen Geschehen vor dem Gebäude erlaubt. Zu den halb öffentlichen Bereichen zählt der Laubengang, der als Pufferzone zum Platz konzipiert ist. Sein Lamellenband, das ein wesentlicher Teil der Fassadengliederung ist, bietet in seiner Durchlässigkeit ein atmosphärisches Wechselspiel von Licht und Schatten. Es macht den Außenraum im Innenraum spürbar und umgekehrt.


Variable Nutzbarkeit

Der Appartementteil besteht aus sechs zweigeschoßigen Wohneinheiten, die auf ein einheitliches Raum- und Möbelkonzept der Architekten basieren. Sie sind jeweils für bis zu sechs Personen nutzbar und lassen sich anhand eines Schiebeelements zum Nebenappartement verbinden.

Durch diese variable Nutzbarkeit ergibt sich ein zusätzlicher Komfort für größere Gruppen wie Familien mit Kindern. Dem Architektenteam ist es mit diesem Bauwerk gelungen, Konzepte für „temporäres“ Wohnen mit qualitativen und atmosphärischen Raumnutzungen umzusetzen.

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Akteure

Architektur

Bauherrschaft
Kammerlander KG

Tragwerksplanung

Fotografie