Details
- Nachtaufnahme
Foto: Margherita Spiluttini
- zum nextroom Profil
- Weitere Bilder zu diesem Projekt: spiluttini-archiv
- Alle auf dieser Website abgebildeten Fotos sind urheberrechtlich geschützt. Die Nutzung ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Bildautor:innen gestattet.
- Adresse
- Johann-Maus-Strasse 2, 71254 Ditzingen, Deutschland
- Architektur
- Barkow Leibinger (Regine Leibinger, Frank Barkow)
- Fotografie
- Margherita Spiluttini
- Funktion
- Industrie und Gewerbe
- Ausführung
- 1996 - 2000
- Bruttogeschossfläche
- 21.300 m²
Archfoto
Presseschau
Klarheit der Räume
Laserfabrik und Logistikzentrum in Stuttgart-Ditzingen
Die kürzlich fertiggestellte Erweiterung einer Maschinenfabrik in Stuttgart-Ditzingen der jungen Berliner Architekten Frank Barkow und Regine Leibinger definiert klare Raumbereiche, die im Rahmen einer funktional angelegten Gesamtkonzeption überzeugen.
Am Ortsrand des Stuttgarter Vorortes Ditzingen ist seit 1971 die Firma Trumpf Maschinenfabrik ansässig. Sie beliefert, wie viele andere Betriebe dieser von mittelständischer Industrie geprägten Region, vorrangig die Autoindustrie. Eine Erweiterung ihrer Produktion auf Maschinen zur Laserbearbeitung von Metallen machte neue Werk- und Lagerräume erforderlich. Die 1996 beauftragten Architekten Regine Leibinger und Frank Barkow, die nach ihrem Studium in Berlin und Harvard seit acht Jahren ein Büro in Berlin betreiben, realisierten ein aus Laserproduktionshalle, Lagerhalle und Verwaltungsbereich bestehendes Gebäudeensemble mit 15 000 Quadratmetern Nutzfläche, das sich im Vergleich mit der bestehenden Bebauung auf dem Firmengelände, einer in den siebziger und achtziger Jahren entstandenen Werksarchitektur, durch seine klare räumliche Ordnung auszeichnet. Reduziert auf notwendige Funktionen, erweist es sich zudem als flexibel, da sich im Zuge eines zweiten Bauabschnitts zusätzliche Bauten anschliessen können. Bereits haben denn auch die Bauarbeiten für eine weitere Produktionshalle begonnen. In diesen Tagen soll sie bezugsfertig sein.
Sichtbeton dominiert in den Innenbereichen. Roh belassen, verleiht er den Räumen eine archaische Kargheit. Konstruktive Details bleiben als Hinzufügungen ablesbar, auch das durchgehende Raster von 1,1×2,4 Meter, das die horizontalen Fensterreihen des Verwaltungstraktes ebenso strukturiert wie die Innenwände der repräsentablen Erschliessungszonen. Für die Aussenfassaden der Werkhallen wurde dagegen eine vereinheitlichende Zinkstehfalzverkleidung gewählt. Die Beschränkung auf industriell gefertigte Materialien, der Bauaufgabe angemessen, wurde nochmals eingegrenzt auf solche, die von der Firma selbst bearbeitet werden.
Auf beiden Seiten der das Werksgelände durchschneidenden Gerlinger Strasse fallen zwei gläserne Baukörper auf. Sie dienen zwar als Werbeträger, ihre eigentliche Funktion liegt aber in der Tageslichtversorgung des darunter verlaufenden Verkehrsweges, der als zentrale Erschliessungsachse eine Verbindung zwischen der bestehenden und der neuen Bebauung herstellt. Zusätzliche Beleuchtung erhält er von einem an einer abgehängten Metallgitterdecke entlanggeführten Lichtband und von unregelmässig in die Sichtbetonwand eingelassenen Lichtnischen. Er führt über eine in gleicher Breite angelegte Treppe auf Erdgeschossebene zu einer Mittelspange zwischen den beiden Hallen. Die nördlich anschliessende Laserproduktionshalle und die gegenüberliegende Lager- und Logistikhalle sind im Inneren weitgehend frei gehalten und werden überspannt von einem Stahldach, das parzelliert gegenläufige Neigungswinkel ausbildet. Dadurch ergeben sich rautenförmige Öffnungen, die auch das Halleninnere mit Tageslicht versorgen.
Das Dach wirkt leicht, fast schwebend, und stellt einen Kontrast zur Massivität des Betons dar. Mit dessen Oberflächen gehen die Architekten spielerisch um und bringen mittels geschickter Lichtführung unterschiedliche Qualitäten zur Geltung. Eine rauh und plastisch wirkende Brettschalung wird im unterirdischen Verkehrsweg glattgeschalten Flächen in den Lichtnischen gegenübergestellt, die Reflexionswirkung des direkt einfallenden Tageslichts auf die glatte Schalung vorgehängter Betonplatten im zentralen Eingangsfoyer effektvoll genutzt.
Von aussen wirkt der Eingangsbereich monumental, was durch ein aufgelagertes Technikgeschoss und schmale, über zwei Stockwerke durchlaufende Stützen vor der Glasfassade noch unterstrichen wird. Im Inneren jedoch ist der hohe Raum einfach und still. Eine Treppe führt zu einem eingehängten Zwischengeschoss, das als weiterer Lobbybereich zu dem angrenzenden dreistöckigen Verwaltungstrakt überleitet. Mit dem Eingangsfoyer korrespondiert die Mittelspange, deren Verglasung am Kopfende durch einen Vorsprung der beiden Hallen möglich wurde. Auf der Gegenseite entstand dadurch ein Zugang für die Mitarbeiter, der als breite, den Gegebenheiten des Grundstücks folgende Treppe angelegt ist. Vom Parkplatz im Süden führt er in gerader Linie zu den über der Tunnelebene liegenden Eingangstüren und weiter zum Bürotrakt.
Die rationale Konzeption erlaubt an ihren Grenzen und Überschneidungen Spielräume. Die Beschränkung auf materialeigene Farb- und Oberflächenqualitäten, die mittels eines subtil ausgearbeiteten Lichtkonzeptes ausgelotet werden, bleibt, ebenso wie die präzis ausgeführten Konstruktionsdetails, immer dem Gesamtentwurf zuträglich.
Corinne Elsesser
Karte
Weitere interessante Bauwerke
Lichtfabrik Halotech
Innsbruck (A) - 1995
Rainer Köberl
Architekturzentrum Wien
Textilfabrik Mandling, Um- und Zubau
Erweiterung, Mandling (A) - 2009
opu architekten, Christoph Wickl
HDA Haus der Architektur
Fernheizwerk Gutau
Gutau (A) - 2007
architekturwerkstatt haderer GmbH
afo architekturforum oberösterreich
Betriebsgebäude Wien Energie
Wien (A) - 2012
GERNER GERNER PLUS.
Architekturzentrum Wien
Garnfärberei Henn
Dornbirn (A) - 2018
heim.müller.partner, ohneberg architektur
Vorarlberger Architektur Institut
Lagerhalle Hauer Holztechnik
Langenlois (A) -
AH3 Architekten
newroom
Atelier Katharina Grosse
Neubau, Berlin (D) - 2007
augustinundfrank/winkler architekten
newroom
Revitalisierung Industriequartier Wels
Wels (A) - 2009
PAUAT Architekten
afo architekturforum oberösterreich
Wirtschaftsgebäude Zentralfriedhof Wien
Wien (A) - 2011
Riepl Kaufmann Bammer Architektur
Architekturzentrum Wien
Massivholzhalle
Kirchberg an der Raab (A) - 1997
Erich Prödl
Architekturzentrum Wien
Fotostudio Stefan Kaindl Hönig
Salzburg (A) - 1997
Christian Prasser, Philip Lutz
Architekturzentrum Wien
Glaserei Raimund Ebner
Güssing (A) - 1998
Pichler & Traupmann
Architekturzentrum Wien
AktivEnergieTower
Wels (A) - 2014
PAUAT Architekten
afo architekturforum oberösterreich