Bauwerk

Weingut Manincor
Walter Angonese, Rainer Köberl, Silvia Boday - Kaltern (I) - 2004
Weingut Manincor, Foto: Walter Niedermayr
Weingut Manincor, Foto: Walter Niedermayr
Weingut Manincor, Foto: Walter Niedermayr
Weingut Manincor, Foto: Walter Niedermayr
23. Oktober 2004 - newroom

Der historische, 1609 erbaute Gutshof Manincor steht inmitten eines Lanschaftsschutzgebietes am Kalterer See, dem traditionellen Zentrum der Südtiroler Weinwirtschaft. Ursprünglich hat man in Manincor zwar Wein angebaut, aber nicht eingekellert, die Trauben wurden direkt an Weinbauern oder Händler weitergekauft. Als Micheal Goess-Enzenberg den Ansitz übernahm, entschloss er sich (nicht zuletzt nach Abschluss einer önologischen Ausbildung) 1996, die wunderbare Lage direkt an der Südtiroler Weinsstraße zu nutzen und den Hof in ein eigenständiges Weingut umzubauen. Im intensiven Dialog mit den Architekten Walter Angonese, Silvia Boday und Rainer Köberl nahm die Vision schließlich Gestalt an, wurde eine bauliche Struktur entwickelt, die nach außen kaum in Erscheinung tritt, sondern sich über drei Geschosse tief ins Hügelinnere faltet.

Die Kellerei mit allen notwendigen Produktions- und Lagerräumen als Hochbau neben den historischen Bestand zu errichten, war nicht nur aus Landschaftsschutzgründen nie ein Thema. Die topografische Situation legte einen „aushöhlenden“ Ansatz nahe: Der Tiefbau folgt mit seinen Schrägen und Senken dem Geländeverlauf bzw. verschafft sich im Inneren des eiszeitlichen Schuttkegels Raum – viel Raum. Über zwei Rampen taucht man in die Versenkung hinab, gelangt in eine weitläufige Vorhalle, die in ihrer Größe den Dimensionen der unterirdischen Kubatur (32.000 m3) Tribut zollt. Im rückwärtigen Teil des Weinguts befinden sich der Barrique-Keller, ein Presshaus und die Abfüllanlage sowie das Hochregallager. Ein räumlicher Querarm mündet in das vergleichsweise kleine Herzstück des Weinguts, den Verkostungsraum, der mit Glasfront und Pergola wie ein Teleskopauge aus der Hügelkuppe ragt und den Blick auf den See stimmungsvoll fasst.

Als Materialien dominieren roher Beton und – in Vorwegnahme der unweigerlichen Patina – rostiger Stahl. Nur der oberirdische Verkausraum besteht aus massiven, dazwischen verglasten Holzstehern, auf denen die Dachplatte ruht. Die gewaltige Baugrube wurde zunächt mit Spritzbeton gesichert, der eigentliche Baukörper in einigem Abstand vor den Stützmauern gegossen, sodass zwischen Stützwand und Betonschale ein das Klima stabilisierender Gang entstand. Dem Beton wurden geringfügig organische Anteile beigesetzt, die das Entstehen von Mikroorganismen begünstigen. Die Überschüttung des unterirdischen Weinguts und die Wiederbepflanzung des Hügels mit Weinreben stellte nicht nur das kultivierte Landschaftsbild wieder her, sondern sorgt ebenso für ein stabiles, ausreichend feuchtes Kellerklima – zum Wohle des Weins. (Text: Gabriele Kaiser)

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