Bauwerk

Haus am See
Eichinger oder Knechtl (A) - 2004
Haus am See, Foto: Eduard Hueber
Haus am See, Foto: Eduard Hueber
Haus am See, Foto: Eduard Hueber
02. August 2004 - Az W

Wenn die wesentlichen Faktoren – der richtige Zeitpunkt, das richtige Grundstück, die richtige Bauherren-Architekten-Konstellation – stimmen, dann mag es Reisenden leicht fallen, sich an einem Ort niederzulassen, dann mögen Planende dazu inspiriert sein, den baulichen Rahmen des privaten Lebens so präzise wie nötig und so offen wie möglich zu fassen. Nach ausgiebiger Suche hatten die beiden Künstler Anna Heindl und Manfred Wakolbinger an einem kleinen See im Süden Wiens den idealen Baugrund gefunden: Geschützt und aussichtsreich liegt er zwischen Feldern, Bäumen und Büschen, die die umliegenden Häuser diskret bedeckt halten. Nach genauer Prüfung von Sonneneinfall und Windverhältnissen entwickelten Eichinger oder Knechtl die Positionierung und Grundstruktur des Gebäudes, wobei sie den Blick vom Haus auf Wiese, See und Himmel mit punktuellen Öffnungen nobilitierten, anstatt ihn indifferent rundum schweifen zu lassen.

Das Ensemble besteht aus einem Wohntrakt (eine allseitig auskragende, auf drei Scheiben gesetzte Stahlbetonröhre mit aussenliegender Dämmung und Alu-Fassade) und einem separaten Gästehaus in Form eines roten Holzzylinders (Ausführungsplanung von Johannes Kaufmann). Die Terrassen- und Freibereiche sind für alle jahreszeitlichen Eventualitäten gerüstet, und räumliche Engpässe sind auch im Inneren des grosszügigen Refugiums gewiss nicht das Thema: Im Erdgeschoss des Wohntraktes wurden Schlaf- und Badezimmer kunstvoll mit dem Aussenraum verbunden, im Obergeschoss fließen Wohn-, Koch- und Essbereich locker ineinander. Westeitig, wo über einer eingeschobenen Garagenbox ein großer Arbeitsbereich liegt, geht die “Röhre” mit einem leichten Knick nach oben auf Lichtfang. Der an zwei Seiten verglaste offene Kamin zündelt an der Grenze zwischen Drinnen und Draußen an den Normen des Sehens: Wo sonst könnte der Blick ins Feuer mit jenem in die Ferne verschmelzen?

Im Haus der Künstler erhält die Kunst selbstverständliche Präsenz, sei es im Sinne eines Archivs eigener Werke, sei es als sehr spezielle Sammlung von “Reisemitbringseln” (anonyme Kunst aus Afrika oder Asien), sei es als Intervention befreundeter Künstler, die – wie etwa Peter Kogler, Eva Schlegel oder Franz Graf – ortsspezifische Arbeiten für den “Hausgebrauch” beisteuerten. (Text: Gabriele Kaiser)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Martina Frühwirthfruehwirth[at]azw.at

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