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Details

Adresse
Reinsberg 7, 3264 Reinsberg, Österreich
Architektur
Johannes Zieser
Mitarbeit
Robert Oberhuber, Claudia Postl
Bauherrschaft
Gemeinde Reinsberg, Verein Burgruine Reinsberg, Dorfwerkstätte Reinsberg
Tragwerksplanung
Kurt Schuh
Fotografie
Rupert Steiner
Maßnahme
Temporär
Ausführung
1997 - 1999

Ausführende Firmen

Baumeister: Karl Pfeiffer GmbH&Co. KG, Gresten
Bodenarchäologie: Verein ASINOE, Krems
Stahlbau: Österr. Donau-Betriebs-AG, Wien

Preise und Auszeichnungen

Niederösterreichischer Stadt- und Dorferneuerungspreis 1999
Europäischer Dorferneuerungspreis 2000
Architekturpreis des Landes Niederösterreich 2000
Freiraum/01 Hauptpreis für temporäre Architektur

Publikationen

Theresia Hauenfels, Elke Krasny: Architekturlandschaft Niederösterreich, Mostviertel, Hrsg. ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2007.
ORTE. Architektur in Niederösterreich II. 1997-2007, Hrsg. Marcus Nitschke, Walter Zschokke, SpringerWienNewYork, Wien 2006.

Presseschau

4. Mai 2002 Der Standard

„Intelligente Architektur mit Mehrwert“

Interview mit Preisträger Johannes Zieser

Was bedeutet „temporäre Architektur“ für Sie?

Johannes Zieser: Als Architekt sagt man sich nicht: So, jetzt mach ich temporäre Architektur. Man hat nach Auftragsübernahme eine Vielzahl von Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Die Beschaffenheit des Ortes, an dem gebaut wird. Aber natürlich auch der finanzielle Rahmen, mit dem man auskommen muss. Im Fall der Burgarena Reinsberg war sehr wenig Geld da. Da war es für mich besonders reizvoll, trotzdem eine intelligente Lösung mit Mehrwert zu finden. Mit billigen, filigranen Materialien.


Was verstehen Sie unter Mehrwert am Beispiel Reinsberg?

Zieser: Das frei schwebende Dach bietet ungefähr 650 Zuschauern Schutz. Da es mobil ist, kann man sich den Aufführungsort innerhalb der Arena auswählen. Braucht man eine überdachte Bühne oder einen geeigneten Platz für eine Party oder für ein Beachvolleyball-Turnier. Es können also viele verschiedene Räume in der Arena entstehen.
Die Konstruktion eines frei schwebenden Daches, das auf einem alten Autokran befestigt wird, scheint gewagt.
Zieser: Es gibt heute noch Menschen, die fragen, wann wir endlich fertig sind. Im Ernst: Es war für mich spannend, zu einem Bauwerk, das so viel Macht symbolisiert wie eine Burg, einen Kran wie diesen mit seiner Maschinenästhetik zu stellen. Er wirkt wie ein mit Ketten behangenes Schlachtross. Wir haben ihn noch dazu schwarz lackiert.


Lieben Sie die Provokation?

Zieser: Manchmal muss es sein: Dass man gegen die Erinnerungen, die einem Ort innewohnen, baut. Zum Beispiel bei Ausstellungsarchitektur und ähnlich kurzlebiger Architektur. Bei Gebrauchsarchitektur, der Mehrzahl aller Projekte jedes Architekten, mache ich das aber nicht. Da bemühe ich mich eher, das Wohlbehagen der Menschen in den Räumen zu fördern. Also mit ihren Gefühlen sehr sensibel umzugehen. Ich fühle mich da als ein klassischer Modernist mit stark humanbezogenen Elementen.


Welche Projekte des Büros Zieser werden in nächster Zeit realisiert?

Zieser: Der Zufall wollte es, dass wir in letzter zeit sehr viel mit altem Baumaterial arbeiten. Aufgrund einiger Wettbewerbe, die wir gewonnen haben. Hier allerdings bemühen wir uns immer, die Geschichte eines Ortes zum Bestandteil unseres Entwurfes zu machen - freilich in der Sprache unserer Zeit. Wir bauen zum Beispiel gerade das Schloss Würmla, ein Jagdschloss, um. Die Fassade, die teils prunkvollen Stiegen bleiben bestehen. In den großen hohen Räumen aber entstehen Maisonette- Eigentumswohnungen. In St. Peter in der Au nahe Amstetten bauen wir ein Renaissanceschloss zu einem Gemeindeamt um. Der Meierhof in Öhling ist ein weiteres Projekt: Er wird zu einem Gemeindezentrum mit Wohnungen umgearbeitet.

4. Mai 2002 Der Standard

Ein mobiles Burgarena-Dach für alle Fälle

Der Wettbewerb „Freiraum /01“ prämierte junge Ideen zum Thema „temporäre Architektur“. Den dritten Platz in der Kategorie „Bekannt und etabliert“ erreichte der Amstettner Johannes Zieser mit der Überdachung der Burgarena Reinsberg.

Schon 1999 wurde mit der alten verfallenen Ruine im südwestlichen Niederösterreich ein Ort geschaffen, der durch Theateraufführungen und Events die Region mittlerweile kulturell wiederbelebt. Der mit der Gestaltung beauftragte, aus Amstetten stammende Architekt Johannes Zieser setzte mit zeitgemäßen Formen und Elementen einen recht deutlichen Kontrapunkt zu den Resten der ehemaligen Burg und spannte so einen gestalterischen Bogen vom ersten ins dritte Jahrtausend.

Die Details: Der mächtige Palas, der historisch älteste Teil der Anlage, wurde durch balkonartige Stahlbetonstützen, deren rote Überdachungen an Zugbrücken erinnern, ergänzt. Als räumliche Abgrenzung des unteren Burghofes wurde ein „Infrastrukturgebäude“ mit Buffet, Küche, Büro, Lagerräumen und überdachter Zuschauerterrasse errichtet. Das Problem der Überdachung des unteren Burghofes wurde mit „temporärer Architektur“ gelöst. Ein alter, schwarz lackierter, etwa 35 Meter hoher Autokran trägt eine riesige elliptische, dünnwandige Leichtkonstruktion, die frei schwebend über dem Burghof hängt, und so für Wetterschutz sorgt. Bei Regen und bei Sonnenschein.

Da das Dach beweglich ist, kann es aber auch Räume schaffen - für verschiedene Veranstaltungen in verschiedenen Bereichen des Burghofs. In Reinsberg (www.reinsberg.at) gibt es nämlich Theateraufführungen, Partys, Hochzeitsbankette, aber auch Sport-Turniere. Vom 8. bis 22. August wird Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni aufgeführt, damit startet das dreijährige Festival „Mozart in Reinsberg“.

Der kleinst denkbare, nach außen abgeschlossene Raum unter dem frei schwebenden Dach kann auch geschaffen werden: Bodenlange Vorhänge werden von der Konstruktion heruntergelassen. Die intimste Variante der Eventgestaltung in der Arena, die allerdings dem Wind auf der Burg große Angriffsflächen bietet.

Zieser meint, im „Normalfall“ würde ein Architekt „ein Kind zur Welt bringen“, danach aber nur mehr wenig emotionale Bindung zum Ergebnis der Arbeit haben, weil er sich neuen Projekten widmen muss. Im Fall der Burgarena Reinsberg fühle er aber so etwas wie eine dauerhafte Verbundenheit, da sich hier immer wieder neue Gestaltungsvarianten ergeben.

Die Begründung der Jury, den dritten Preis „Bekannt und etabliert“ an Johannes Zieser zu vergeben: „Ein großartiges Projekt, das dem Thema des Wettbewerbs wie kein zweites gerecht wird. Es ist Sonnensegel und Witterungsschutz, Akustiksegel und Lichtreflektor.

Es definiert den Ort, an dem es steht und gibt ihm Bedeutung. Als zeitbezogene Antwort auf die Bierzeltromantik vergangener Tage bereichert es das Ambiente von Dorf-und Stadtfesten.“

Karte

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