Bauwerk

Wohnbau Mautner-Markhof-Gasse
Schwalm-Theiss & Gressenbauer - Wien (A) - 2005
Wohnbau Mautner-Markhof-Gasse, Foto: Bruno Klomfar
Wohnbau Mautner-Markhof-Gasse, Foto: Bruno Klomfar
Wohnbau Mautner-Markhof-Gasse, Foto: Bruno Klomfar

Jedem sein Stück Wohnwaggon

Unmittelbar hinter der Simmeringer Hauptstraße zeigt sich der Bezirk von seiner urigen Vorstadtseite. Hier planten die Architekten Schwalm-Theiss & Gressenbauer einen vierstöckigen sozialen Wohnbau mit eigenwilligem und individuellem Charakter.

10. März 2007 - Isabella Marboe
Lokalaugenschein Wien Simmering. Beim Verkehrsknotenpunkt der gleichnamigen U- und Schnellbahn-Station wendet sich die Mautner-Markhof-Gasse vom Treiben an der geschäftigen Hauptstraße ab, um gleich darauf tief in das urige Restkonglomerat Altsimmerings einzutauchen. Kleine Werkstätten, Garagen, niedere Vorstadthäuser sowie wildes Grün ducken sich unter die hochgeführte Schnellbahntrasse.

Direkt gegenüber liegt eine bananenförmige Parzelle, deren gebrochene Baulinie an der südöstlich gelegenen Straße die längste Zeit der alten Bestandsstruktur folgte. Für den Bauträger, die Wohnbauvereinigung für Privatangestellte, realisierte das Architekturbüro Schwalm-Theiss & Gressenbauer einen vierstöckigen Wohnbau mit insgesamt 22 Einheiten, der reizvoll gebrochen um die Kurve knickt und wie ein gelber Waggon im brüchigen Stück Stadt zum Stillstand gekommen ist.

„Die Gegend ist sympathisch“, erklärt Architekt Georg Schwalm-Theiss, „das ist eine gewachsene Vorstadt, die direkt an der Simmeringer Hauptstraße liegt. Wir wollten da keinen mächtigen Block hinstellen, sondern selbstständige, zweigeschoßige Einheiten schaffen.“ Die Wohnungen sind wie Reihenhäuser vom Gehsteig aus zugänglich. Auf diese Weise bleibe den Mietern viel vom Hof.

Jede der unteren Maisonetten hat ihre eigene Eingangszone und ihren eigenen Garten am Hof. Harmonisch geht die Zeile in die angrenzende Biedermeierbebauung über. Der offene Laubengang darüber bildet eine Zäsur zum leichten Abschluss des Hauses, auf dem windschützendes Strukturglas den gelben Türen ein Davor bietet. Der Baulinie folgend schmiegt sich das gelb verputzte Haus mit seinen tanzenden Fenstervariationen an die Straßenkurve. Subtil betonen die leicht unterschiedlich geneigten Fassadensegmente den individuellen Charakter jeder einzelnen Wohnung.

Vor jedem Eingang ist eine Nische mit einer Gittertür aus Streckmetall eingeschnitten. Blickdicht und sicher lässt sich auf diese Weise der geschützte Freibereich vor der eigenen Haustür nach Belieben nutzen und gestalten. Ein durchlässiges Element aus Oberlichtbändern, Scheiben und Glasschiebetüren trennt das Wohnen vom Vorraum mit WC und Küche. Das quer liegende Küchenfenster an der Straße ist im unteren Bereich matt verglast; ungefiltert dringen Blick, Südsonne und Frischluft durch die öffenbaren Flügel darüber.

Viele Raum-Extras

„Von der Bahn hört man nichts“, sagt einer der Mieter, „die großen, hellen Räume und der Garten sind klasse.“ Die einläufige Stiege an der Wand weitet sich oben zum Extra-Freibereich am vorstehenden Erkerfenster, dessen 40 Zentimeter hohe Brüstung als lauschiger Sitzplatz für Menschen und für Pflanzen taugt. Wohnqualität entsteht aus einer Summe vieler Kleinigkeiten - dieser Platz an der Stiege stellt eindeutig eine solche Qualität dar. Die transparente, obere Einraumebene zum Kochen und Wohnen mit gläsernem Extra-Erker und beidseitig vorgelagerten Terrassenflanken trägt zum hier herrschenden Reihenhaus-Feeling bei.

„Wir hatten auch Detailplanung und Bauaufsicht über“, so Schwalm-Theiss, „das ist zwar mühsam, aber es zahlt sich aus. Die Küche ist durch das Glaselement quasi im Wohnraum und lässt ihn größer wirken.“ Die Unterflurheizung, die die Scheiben wärmt, verschwindet elegant im Parkettboden und erlaubt einen ungehinderten Ausblick in den Mietergarten. Auch das ist ein Detail mit Mehrwert.

Industrieller Charme

Auf den Laubengängen findet ein unmittelbares Erlebnis von Sonne, Wind und Wetter statt. Die Waschbetonplatten, die Brüstungen aus industriellem Baustahlgitter und die ungeschmückte Stahlkonstruktion des Laubengangs geben den halb öffentlichen Zonen einen robusten Charakter, der zur Gegend passt und das Gefühl des Heimkommens verstärkt.

Hinter dem Kopf des Hauses war ein öffentlicher Durchgang vorgeschrieben. Gelöst hat man dies, indem die Passanten durchs offene Stiegenhaus durchgehen. Keck tanzen die abschließenden Balkone im Hof aus der Reihe. Hier ist das außen bunte Gebäude zur weißen Scheibe reduziert.

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