Bauwerk

Kindergarten Terenten
feld72 - Terenten (I) - 2010
Kindergarten Terenten, Foto: Hertha Hurnaus
Kindergarten Terenten, Foto: Hertha Hurnaus
4. Dezember 2011 - newroom
Kontext – urbanistische Einbindung
Ziel war es den Kindergarten so aus dem Ort heraus zu entwickeln, dass er sich einfügt ohne dabei an Eigenständigkeit zu verlieren. Dem Ort eine Bedeutung geben, Identität schaffen, ohne zu starke Kontraste zu schaffen – das Besondere im Gewöhnlichen - das waren die Grundgedanken für die urbanistische Einbindung. Der neue Kindergarten befindet sich in der Zone für öffentliche Einrichtungen (Unterricht - Sportzone) auf dem ehemaligen Minigolfplatz in Terenten und setzt somit die Bebauung entlang der Fußgängerzone fort. Mit dem Gemeindehaus, der Turnhalle und der benachbarten Grundschule soll ein gewachsenes Ensemble entstehen.

Bauliche Setzung
Der Kindergarten nimmt die Geländekante östlich der Grundschule in Form eines Sockelgeschosses auf. Die Bebauung der Geländekante erlaubt einerseits, das geforderte Bauvolumen nur zur Hälfte sichtbar zu machen, andererseits entsteht ein neuer öffentlicher Raum zwischen Grundschule und Kiga. Die Grundschule wird an der Ostseite freigespielt, je nach Bedarf kann der Platz als Pausenhof oder als Festplatz genutzt werden. Das Erdgeschoss auf Niveau der Fußgängerzone gliedert sich in drei „Häuser“, die untereinander leicht verschoben sind. Ausserdem reagieren sie unterschiedlich hoch auf den baulichen Kontext und sind über verglaste, lichtdurchflutete Zwischenzonen miteinander verbunden. Alle Gruppenräume sind nach Süden orientiert, während die Bewegungsräume nach Norden an der Fussgängerzone oder nach Westen im Sockelgeschoß orientiert sind.

Die differenzierten Baukörper nehmen in ihrer Maßstäblichkeit und in ihrem Bezug zum Kontext der bestehenden Grundschule Rücksicht auf die Wahrnehmung und Identität des Kindes. Die unterschiedlichen Häuser schaffen Orientierung und ein klares Erkennen der räumlich-sozialen Organsation. Kinder fühlen sich einem Haus zugehörig.

Erschließung
Der Kindergarten wird fußläufig von der „Fußgängerzone“ über einen Vorbereich auf Niveau ( 3.84 m=1.223,8 m) erschlossen. Im Eingangsgeschoss befinden sich zwei Gruppenräume, die dazugehörigen Nasszellen und Garderoben, sowie der Personalbereich mit zwei Büros und einem Mehrzweckbereich mit einer „Elternecke“. Der Eingangsbereich liegt förmlich zwischen zwei Häusern. Der lichtdurchflutete Garderobenbereich, welcher auch als Ausweichraum dient, führt wie eine kleine Gasse durch diese hindurch. Mit zahlreichen Öffnungen ist er mit dem Dorfleben in Verbindung, und wird so zur Fortsetzung des Öffentlichen im Kindergarten. Über eine einläufige Treppe bzw. einen Aufzug gelangt man ins Untergeschoss, wo sich ein Bewegungs/Ruheraum, Mehrzweckraum, Lernküche und im Süden ein dritter Gruppenraum befinden. Obwohl das Sockelgeschoß nur im Westen und Süden aus dem Hang ragt, dringt über zwei Oberlichten viel Tageslicht in den Garderobenbereich und in den Gruppenraum.

Gruppenräume
Unser Ziel war es eine differenzierte Raumstruktur zu schaffen, Möglichkeitsräume also, welche die Eigenaktivität, die Orientierung, die Kommunikation, aber auch das soziales Zusammenleben und ästhetisches Empfinden der Kinder fördern. Räume, die in ihrer Gestaltung möglichst flexibel bleiben, trotzdem aber Bühne und Rückzugsorte für Kinder bieten. Die Gruppenräume im Erdgeschoß erstrecken sich auf zwei Ebenen: Brücken, Galerien, Lufträume bieten für die Kinder verschiedensten räumliche Erfahrungen und Blickbeziehungen. Die in Lärche verkleideten Galerien sitzen wie Vogelnester in der Sichtbetonstruktur – der gemeinsame Bewegungsraum wird über zwei Brücken erschlossen. Zahlreiche Aus- und Einblicke auf unterschiedlichen Höhen lassen die Berglandschaft tief ins Innere fallen. Der Gruppenraum im Sockelgeschoss ist mit knapp 80 m² der größte und in der Gestaltung reduziert gehalten. Eine Raumhälfte öffnet sich konisch nach oben, unaufdringlich fällt Licht über das große Oberlicht ein. Die andere Raumhälfte öffnet sich auf zwei Seiten Richtung Garten und inszeniert die Landschaft. Jedem Gruppenraum ist eine Holzterrasse vorgelagert, über welche die Kinder in den Garten gelangen. Der zentrale Mehrzweckraum liegt im Sockelgeschoss und kann über die großen Schiebetürelemente mit dem Vorplatz – dem neuen Zwischenraum verbunden werden. Ein begehbares Trennmöbel bietet genug Stauraum für die unterschiedlichen Aktivitäten, ist aber gleichzeitig auch eine begehbare Skulptur für die Kinder: Sitznischen, eine Sprossenwand, eine ausklappbare Rutsche sind die Stationen des innenliegenden Parcours.

Personal- und Nebenräume
Die Personal- und Aufenthaltsräume liegen in einem der drei „Häuser“ direkt neben dem Eingang. Die Küche liegt im Sockelgeschoss, die Anlieferung erfolgt über dem Vorplatz.

Freiraum
Der Kindergarten setzt die natürliche Hanglage fort und wird selbst zum Hybrid aus Gebautem und Landschaft: Innen- und Aussenraum gehen fliessend ineinander über, das Dach wird zum begrünten Freibereich der Räume im Obergeschoss. Dieser Naturraum fliesst wie selbstverständlich weiter und geht in den Spielplatz über. Durch den unmittelbar angrenzenden Spiel – und Freizeitpark, den naheliegenden Wäldern und WIesen steht den Kindern ein aussergewöhnlich vielfältiges Angebot an Freiräumen zur Verfügung.

Materialität
Die Materialwahl entwickelt sich aus dem Leitgedanken des Entwurfes, das Besondere im Gewöhnlichen zu bauen. So werden Elemente aus dem Fundus der Tradition in einer zeitgemässen Art und Weise interpretiert und zu einer neuen Qualität gebracht: das neue Gebäude führt somit tradierte, erhaltenswerte Muster fort und verknüpft sie mit neuen Phänomenen einer globalen Moderne. Grundsätzlich sind alle Aussenmauern in zweischaligen weissen Sichtbeton mit Bretterschalung ausgeführt. Die Dächer wurden mit handgespaltenen Lärchenschindeln eingedeckt. Das Sockelgeschoß wurde teilweise mit einer vertikalen Lärchenschalung verkleidet und fasst somit die großen Fensteröffnungen zusammen. Innen setzt sich der Sichtbeton im Eingangsbereich fort und schafft damit klare erkennbare Körper. Das Galeriegeschoss ist gänzlich in Holz gehalten.

Energiekonzept
Der Neubau erreicht durch die kompakte Konstruktion, die optimalen Dämmung und die gute Materialwahl, sowie durch den Einsatz einer Hygienelüftung mit hohem Wärmerückgewinnungsgrad, eine KlimaHaus A Einstufung. Die Beheizung des Gebäudes erfolgt ausgehend von einem Anschluss an die Fernheizzentrale, welche mit Holzhckgut und somit einem erneuerbaren Energieträger betrieben wird. Im Gebäude selbst ist eine Bodenheizung installiert die für angenehme Strahlungswärme und für Kinder idealen Raumkomfort sorgt. Für eine gute Luftqualität sorgt eine mechanische Lüftungsanlage die auf den hygienischen Anforderungen ausgelegt ist und die dank einer hohen Wärmerückgewinnung auch beträchtlich für eine Senkung des Energieverbrauches beiträgt. Die Beleuchtung und Temperaturregeleung der einzelnen Räume und Bereiche, sowie die Verschattung der Verglasungen ist von einem Bussystem gesteuert das ebenfalls für einen optimalen Komfort und zur Energieeinsparung dient. (Text: Architekt:innen)

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Bauherrschaft
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